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18.

Ali! Ali, wach auf!«

Die Stimme, die ihn rief, klang hoch und zart wie die Stimme eines kleinen Mädchens.

Was für ein schöner Traum, dachte Ali und drehte sich auf die andere Seite. Ein Traum, in dem die Tochter von Beatrice zu mir gekommen ist, um bei mir zu wohnen.

»Ali, komm schon! Steh auf!«

Die Stimme ließ nicht locker. Und jetzt rüttelte jemand sogar an seiner Schulter und zog an seiner Decke. Also, dass war doch ...

Ali drehte sich um und schlug die Augen auf. An seinem Bett stand das wohl bezauberndste Wesen, das es auf der Welt geben konnte - Michelle. Jeden Morgen, wenn er aufwachte, fürchtete er, dass es sie gar nicht gab, dass sie nichts weiter als eine Gestalt aus einem wunderschönen Traum war. Und jeden Morgen, wenn er dieses kleine Mädchen über den Flur hüpfen sah, das Licht auf ihren langen blonden Haaren, dann war er unendlich erleichtert, dass er sich offensichtlich geirrt hatte. Sie war kein Traumgebilde.

Ali lächelte zärtlich. Doch sein Lächeln wurde nicht erwidert, denn gerade in diesem Augenblick war dieses bezaubernde Wesen, das im Nachthemd und mit nackten Füßen vor seinem Bett stand, ganz offensichtlich wütend.

»Willst du denn immer nur schlafen, schlafen, schlafen?«, schrie sie und starrte ihn mit vor der Brust verschränkten Armen, zornig gerunzelter Stirn und zusammengezogenen Augenbrauen finster an. Sogar ihre klaren blauen Augen, die denen ihrer Mutter so ähnlich waren, wirkten an diesem Morgen dunkler als sonst.

Ali sah sich verwirrt um. Hatte er etwa den Weckruf des Muezzin überhört und verschlafen? Doch ein Blick verriet ihm, dass es noch sehr früh war. Das Licht, das durch die Vorhänge in sein Schlafgemach fiel, hatte die Zartheit der Morgendämmerung. Der Tag war so jung, dass noch genügend Zeit blieb, um im Bett zu liegen, die wohlige Wärme zu genießen und dabei seinen Gedanken nachzuhängen.

»Kannst du nicht mehr schlafen, meine Kleine?«, fragte Ali und streckte seine Hand aus, um dem Mädchen über den Kopf zu streicheln. Doch sie wich einen Schritt zurück. »Komm noch in mein Bett.«

»Nein!«, sagte sie so heftig, dass Ali überrascht aufsah. Normalerweise konnte Michelle es gar nicht abwarten, in sein Bett zu kommen und sich eine Geschichte erzählen zu lassen. Was war nur heute mit ihr los? »Wir haben gar keine Zeit. Wir müssen alles vorbereiten. Mama kommt.«

»Mama?« Ali setzte sich auf, sein Herz begann schneller zu klopfen. Beatrice sollte kommen? Aber woher ...

Sein Herzschlag beruhigte sich ebenso schnell wieder. Er ließ sich auf sein Bett zurücksinken. Es war sehr früh am Morgen, offensichtlich war er immer noch nicht ganz wach. Nur so ließ es sich erklären, dass er sich - wenn auch bloß für einen kurzen Moment - von den Traumvorstellungen und Fantasien eines kleinen Mädchens hatte anstecken lassen. Woher sollte Michelle denn wissen, dass ihre Mutter kommt? Sie konnte ihr kaum einen Brief aus der Zukunft geschrieben haben. Es war klar, das Kind hatte geträumt. Leider.

»Komm noch ins Bett, meine Kleine«, sagte Ali und versuchte sich seine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen. Es gab Tage, an denen wünschte er sich in die Kindheit zurück, zurück in jene Zeit, als Träume noch Wirklichkeit waren. »Schau, die Diener schlafen auch noch alle. Wir können jetzt gar nichts tun. Komm ins Bett. Nur so lange, bis der Muezzin seinen Morgengesang anstimmt. Falls deine Mama heute kommt, dann sicher nicht so früh. Wir haben noch genug Zeit.«

Dieses Argument schien sie zu überzeugen. Sie kletterte auf das Bett, kroch unter die Decke und kuschelte sich an Ali.

»Erzählst du mir eine Geschichte?«

Ali seufzte. Eigentlich hatte er noch ein wenig die Augen zumachen wollen. Der Tag würde anstrengend genug werden. Doch wenn eine Geschichte das Kind seinen Traum vom Besuch von Beatrice vergessen ließ, so war das bestimmt nicht schlecht. Er konnte die Vorstellung nicht ertragen, Michelle den ganzen Tag vergeblich auf ihre Mutter warten zu sehen.

»Also gut. Eine Geschichte. Kennst du schon die von der Prinzessin und dem Diamanten?«

»Nein«, antwortete sie, und ihre blauen Augen strahlten erwartungsvoll.

Und dann begann Ali zu erzählen.

Doch Ali hatte sich getäuscht. Michelle vergaß ihren Traum keineswegs. Sie saßen beim Frühstück, Ali trank noch eine letzte Tasse Mokka, um seine Lebensgeister anzuregen, die in diesen frühen Morgenstunden immer ein wenig träge waren, als sie wieder davon anfing.

»Können wir heute zum Mittagessen Kürbissuppe mit Fleischklößchen kochen?«

Die Frage kam so überraschend, dass Ali fast die Tasse aus der Hand geglitten wäre.

»Kürbissuppe mit Fleischklößchen? Wieso ...«

»Es ist Mamas Lieblingsessen. Wenn sie kommt ...«

Ali zuckte mit den Schultern. »Kürbis? Was ist das?«

»Du kennst keinen Kürbis?«, fragte Michelle erstaunt. »Ein Kürbis ist so groß und ziemlich rund. Und er ist orange. Fast wie eine Melone. Aber anders.«

Ali kratzte sich am Kopf. Eine orangefarbene Melone? Vielleicht gab es so eine Frucht in Michelles Heimat. Oder es war eine Errungenschaft der Zukunft. Er wusste jedenfalls nicht, woher er eine orangefarbene Melone nehmen sollte.

»Wir können es versuchen. Aber ich weiß nicht, ob wir zu dieser Jahreszeit irgendwo auf dem Markt so einen ... Kürbis kaufen können. Ich werde gleich nach dem Frühstück mit der Köchin sprechen.«

»Das ist doch kein Problem«, erwiderte Michelle und rutschte aufgeregt auf ihrem Sitzpolster hin und her. »Du rufst einfach die >Grüne Kiste< an und die bringen dann einen Kürbis.«

Ali blieb der Mund offen stehen. Er hatte keine Ahnung, wovon dieses Kind sprach. Manchmal wurde es ihm geradezu schmerzhaft bewusst, dass sie aus einer fernen Zukunft stammte. Sie kannte viele Dinge, die ihm und all seinen Zeitgenossen fremd waren. Und manchmal fühlte er sich diesem Vorsprung nicht gewachsen.

»Nun, wir werden sehen«, sagte er ausweichend, damit sie ihm seine Unsicherheit nicht anmerkte. »Mach dir jetzt nur keine Gedanken darüber. Ich werde gleich mit der Köchin sprechen, dann sehen wir weiter.«

Und er widmete sich wieder seinem Mokka. Bis zum Mittagessen waren noch ein paar Stunden Zeit. Vielleicht würde Michelle bis dahin ihre fixe Idee von Beatrices Besuch vergessen haben. Allerdings hatte Ali keine großen Hoffnungen. Er kannte Michelle mittlerweile sehr gut. Wenn sich dieses kleine Mädchen erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann war es ihm durch nichts und niemanden auszutreiben.

Beatrice war noch vor Sonnenaufgang aufgebrochen. Sie hatte sich nicht einmal mehr die Zeit für ein Frühstück genommen. Alles kribbelte in ihr, sie war nervös und aufgeregt wie ein Kind am Heiligen Abend kurz vor der Bescherung. Der Karte nach zu urteilen musste sie nun bald Qazwin erreichen. Qazwin! Allein der Name der Stadt hatte einen verlockenden Klang.

Nachdem sie etwa eine Stunde lang geritten war, erreichte sie einen Hügel. Sie zügelte das Pferd und stieg ab. Das Tier nutzte die Pause, um zu grasen, während sie selbst den Hügel hinaufging, um zu sehen, was auf der anderen Seite lag. Ihre Erwartungen, Träume und Hoffnungen wurden nicht enttäuscht. Parzival schaute nach langen, einsamen Wanderungen endlich den Heiligen Gral.

In der Ebene vor ihr, höchstens fünf Kilometer entfernt, erkannte Beatrice die verschwommenen Umrisse einer Stadt. Die Mauern, Türme und Kuppeln verschmolzen fast mit ihrer Umgebung in dem frühmorgendlichen Dunst, der von den Feldern ringsumher aufstieg. Natürlich konnte es sich um eine Täuschung handeln, eine Luftspiegelung. Trotzdem war sie sicher, dass sie endlich ihr Ziel erreicht hatte. Nach zehn Tagen einsamen Ritts lag endlich die Stadt Qazwin vor ihr. Die Karte hatte Recht behalten. Gelobt sei Allah!

Beatrice lief den Hügel so schnell wieder hinab, dass sie beinahe das Gleichgewicht verloren hätte. Sie schwang sich in den Sattel und trat dem Pferd kräftig in die Flanken. Sie wurde immer nervöser. Warum war sie nicht schon gestern Abend weitergeritten? Eine lächerliche Wegstunde hatte sie von der Stadt Qazwin getrennt. Wäre sie nicht so träge gewesen, sie wäre vermutlich in diesem Augenblick bereits bei Michelle. Doch dann zügelte sie das Pferd und verlangsamte das Tempo. Wie hätte sie ihre Tochter in der Nacht finden sollen? Hätte man sie, eine allein reisende Frau, überhaupt in die Stadt gelassen? Und wie sollte es jetzt weitergehen, wenn sie erst die Tore der Stadt durchschritten hatte? Wie sollte sie Michelle und Ali finden? Sollte sie einfach die Händler auf dem Basar und die Barbiere nach den beiden fragen? Bestimmt kannte jemand den Arzt Ali al-Hussein ibn Abdallah ibn Sina und konnte ihr sein Haus zeigen. Allerdings war diese Vorgehensweise auch gefährlich. Sie zog dadurch viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich und natürlich auch auf Ali. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, Qazwin am späten Abend zu erreichen. Im Licht der Fackeln hätte sie sich leichter krank stellen und nach einem Arzt fragen können als am helllichten Tag. Ach, wenn sie doch nur gestern Abend nicht so früh ihr Lager aufgeschlagen hätte.

Beatrice schüttelte sich und atmete tief ein, um die quälenden, wie Mühlsteine in ihrem Kopf kreisenden Gedanken abzuschütteln. Sie würde Ali und Michelle schon finden. Sie würde einfach alles auf sich zukommen und sich wie bisher von ihrem Gefühl leiten lassen. Und dann, mit ein bisschen Glück, würde sie schon heute Abend mit ihrer Kleinen wieder zusammen sein. Und natürlich mit Ali ...

Auf der Straße nach Qazwin herrschte nur wenig Betrieb. Beatrice überholte einen Bauern, der auf seinem zweirädrigen, von einem dürren, struppigen Maultier gezogenen Karren zwei große Weidenkörbe mit Gemüse transportierte. Und eine Frau kam ihr entgegen, die mit einem Korb auf ihrem Kopf die Stadt verließ. Sonst traf sie niemanden. Das Stadttor stand offen, und die Wachen, die auf den Türmen zu beiden Seiten des Tors postiert waren, achteten nicht auf sie. Zwei von ihnen verkürzten sich die Zeit mit einem Würfelspiel, einem war das Kinn auf die Brust gesunken, und der Vierte starrte so gelangweilt und stumpfsinnig vor sich hin, dass er bestimmt auch bald einschlafen würde. Beatrice war überrascht. In Gazna wäre eine derartige Schlamperei unmöglich gewesen. Dort hatte jeder Soldat so gewissenhaft seine Aufgaben erfüllt, als hätte sich die Stadt im Zustand des immer währenden Krieges befunden. Hier hingegen schien niemand mit der Ankunft von Feinden zu rechnen. War Qazwin eine wirklich freie Stadt? Oder war der hiesige Herrscher einfach nur zu nachlässig und mit anderen Dingen beschäftigt, um sich um die Verteidigung der Stadtmauern zu kümmern?

Beatrice überlegte kurz, ob sie die Wachen nach Ali fragen sollte, doch sie entschied sich dagegen. Sie wollte die vier Männer nicht stören. Auf diese Weise konnte sie wenigstens unbeobachtet in die Stadt hinein. Und das war ein Vorteil, der möglicherweise eines Tages von Nutzen sein würde.

Die Stadt machte so früh am Morgen noch einen verschlafenen Eindruck. Nur wenige Menschen waren auf der Straße - ein paar Frauen mit Krügen waren auf dem Weg zum Brunnen, ein Gerber schleppte sich mit einem Stapel Tierhäuten auf den Schultern dahin. Es war ruhig und friedlich. Die Geschäfte waren noch geschlossen, die breiten Tische auf dem Basar leer.

Du hättest dir gar keine Gedanken über dein Vorgehen zu machen brauchen, dachte Beatrice. Hier ist sowieso niemand, den du nach Ali fragen könntest.

Sie stieg ab und führte das Pferd zu einem Brunnen. Auch hier zeigte sich wieder einmal die Liebe der arabischen Bevölkerung zu den Pferden, denn neben dem Brunnen stand ein Trog bereit, in den man frisches Wasser für die durstigen Tiere schöpfen konnte. Während das Pferd gierig trank, schöpfte Beatrice für sich selbst ebenfalls Wasser, wusch sich das Gesicht und trank. Dann setzte sie sich auf eine der Stufen, die zum Brunnen führten, und fragte sich, wie es weitergehen sollte. Sie steckte ihre Hand in die Tasche. Dort war der Saphir, der Stein der Fatima, ihr ständiger Begleiter seit ihrer Ankunft in dieser Zeit. Manchmal glaubte sie, dass er zu ihr sprach. Nicht mit Worten natürlich, aber durch Zeichen, Ereignisse, Gedanken und Träume. Und manchmal hatte sie sogar den Eindruck, dass der Stein sich veränderte, größer oder kleiner wurde, schroffer oder glatter, als wäre er in Wahrheit ein lebendiges Wesen. Gerade jetzt fühlte er sich warm an, ja, wohlig warm, als hätte er längere Zeit neben einem offenen Feuer gelegen und dessen Wärme in sich gespeichert. Und plötzlich war sie wieder zuversichtlich. Beatrice drehte den Stein in ihrer Tasche und strich mit dem Daumen über seine raue Bruchkante, wie man einem kleinen Haustier über den Kopf streicheln würde. Der Stein hatte sie so weit geführt, er würde sie auch dieses Mal bis ans Ziel bringen.

Das Pferd hatte sich mittlerweile satt getrunken und ging nun langsam um den Brunnen herum auf der Suche nach etwas Essbarem. Natürlich fand es auf dem staubigen, mit großen Steinquadern gepflasterten Boden nichts. Es stupste Beatrice auffordernd an und schnaubte, während die Stadt um sie herum allmählich zum Leben erwachte. Die schweren Fensterläden vor den Geschäften öffneten sich, und die Händler begannen damit, ihre Waren auf den Tischen auszubreiten. Frauen und Männer bevölkerten die Straßen, um einzukaufen oder ihren Tagewerken nachzugehen. Beatrice erhob sich, griff nach den Zügeln und führte das Pferd in eine der Gassen hinein. Sie hatte keine Ahnung, wohin sie dieser Weg bringen würde. Doch da sie sich in Qazwin nicht auskannte, war dieser Weg ebenso gut oder schlecht wie jeder andere.

Eine ältere Frau mit einem breiten, freundlichen Gesicht pries ihre kleinen flachen Brote an, die sie auf einem seltsamen, einem Tonkrug ähnlichen Ofen direkt auf der Straße buk. Ihre lauten Rufe übertönten beinahe das Hämmern des Schuhmachers, neben dessen Werkstatt sie ihre »Backstube« eingerichtet hatte. Sie erinnerte Beatrice an die Berberfrau, die im Hotel während ihres Tunesienurlaubs zum Frühstück im Speisesaal Fladenbrote gebacken hatte. Der Ofen hatte genauso ausgesehen wie dieser hier. Und die Brote waren einfach köstlich gewesen.

Der Duft der frischen, knusprigen Fladen stieg Beatrice in die Nase, und sie merkte, dass sie Hunger hatte. Während sie noch überlegte, ob sie nicht ein Brot kaufen sollte, kam ihr ganz plötzlich wie aus heiterem Himmel ein schrecklicher Gedanke. Woher nahm sie die Gewissheit, dass dies hier tatsächlich die Stadt Qazwin war? Sie war zwar recht gut im Kartenlesen, musste allerdings zugeben, dass das in nicht geringem Masse mit den zahlreichen Hinweisschildern zusammenhing, die einem auf den Straßen des 21. Jahrhunderts in jedem zivilisierten Land der Welt die Orientierung erleichterten. Hier jedoch gab es keine Wegweiser. Vor dem Stadttor stand kein Schild mit der Aufschrift »Willkommen in Qazwin« in arabischer und englischer Sprache. Diese Stadt, deren Anblick sie noch vor einer Stunde so bejubelt hatte, konnte ebenso gut Bagdad, Teheran oder eine beliebige andere Stadt sein. Es reichte schon, wenn sie sich täglich nur um ein oder zwei Grad in der Himmelsrichtung geirrt hatte und nicht genau nach Norden geritten war. Dann konnte sie jetzt bereits fünfzig oder gar hundert Kilometer von Qazwin entfernt sein.

»Wollt Ihr Brot kaufen?«, fragte die Frau und lächelte freundlich, während sie mit ihren kleinen kräftigen Händen aus einem Klumpen Teig einen Fladen formte und ihn auf die Vertiefung an der Oberseite des »Ofens« warf. Nach einer Weile wendete sie den Fladen - ohne jedes Hilfsmittel, nur mit der bloßen Hand. »Ihr habt gewiss Hunger.«

Die Frau nahm den Fladen vom Ofen und reichte ihn Beatrice. Geistesabwesend holte diese ihren Beutel hervor und kramte ein Geldstück heraus. Natürlich hätte sie die Frau nach dem Namen der Stadt fragen können. Das wäre schließlich die einfachste Sache der Welt gewesen. Aber sie hatte Angst davor. Sie fürchtete aufzufallen, Verdacht zu erregen, die Menschen dieser Stadt unnötig auf sich aufmerksam zu machen - und ließ es bleiben. Statt die Frage, die ihr so auf der Seele brannte, zu stellen, nahm sie das heiße Brot und biss hinein, ohne dabei auf den Geschmack zu achten oder zu bemerken, dass sie sich die Zunge verbrannte. Sie hörte nicht einmal, dass die Frau hinter ihr herrief, dass sie für das Geld alle Brote auf einmal haben könne. Sie war verzweifelt. Ihre Kehle schnürte sich zu. Und das Brot, das bestimmt unter anderen Umständen köstlich geschmeckt hätte, verdichtete sich in ihrem Mund zu einem klebrigen Klumpen, an dem sie würgte. Dies war bestimmt nicht Qazwin. Sie hatte sich geirrt. Sie war falsch geritten, hatte den Sonnenstand falsch interpretiert. Sie konnte mit ihrer Suche noch einmal ganz von vorn beginnen, oder? Dabei drängte die Zeit. Womöglich hatte Hassan bereits eine Spur von Ali gefunden. Und dann gab es schließlich auch noch die Fidawi.

Während Beatrice hin und her überlegte, stolperte sie beinahe über eine Frau, die vor ihr auf dem Boden hockte und die Ware eines Gemüsehändlers prüfte.

»Pass doch auf, du dummes Ding!«, fuhr die Frau sie an. Sie war korpulent, und ihr Gesicht war dunkelrot, vielleicht auch vor Zorn. Doch Beatrice hätte es nicht gewundert, wenn ihr Blutdruck eigentlich behandlungsbedürftig gewesen wäre. »Reicht es nicht aus, dass mir mein Herr schon Ärger macht, musst du mir auch noch dazwischentrampeln!«

»Verzeih«, erwiderte Beatrice spitz. Sie war jetzt nicht in der Stimmung für Diplomatie. »Ich habe dich nicht gesehen. Wer rechnet auf dem Basar auch damit, dass jemand seinen fetten Hintern den Leuten rücksichtslos in den Weg schiebt?«

»Das ist doch ...« Die Stimme der Frau überschlug sich fast. Sie sprang auf und schob die Ärmel von ihren gewaltigen Armen hoch. Unwillkürlich wich Beatrice einen Schritt zurück. Diese Frau war nicht einfach nur fett, sie war ohne Zweifel auch kräftig; eine Frau, die mit ihren Händen schwer arbeitete; eine Frau, die ohne Zweifel ein Dutzend lärmende Kinder in Schach halten und zur Not verprügeln konnte; eine Frau, mit der es selbst Männer nicht ohne weiteres aufnehmen würden. Es war klar, sie war einen Schritt zu weit gegangen. Hoffentlich konnte sie das noch rechtzeitig ausbügeln, bevor sie in eine Schlägerei mit dieser Matrone verwickelt und den Kürzeren ziehen würde.

»Entschuldige«, sagte Beatrice und versuchte freundlich und versöhnlich zu klingen. »Ich wollte dich nicht beleidigen. Ich habe dich nur überhaupt nicht gesehen. Vielleicht kann ich dir meinen guten Willen beweisen, indem ich deinen Einkauf bezahle und dir beim Nachhausetragen behilflich bin? Ich habe ein Pferd dabei.«

Die Frau starrte sie einen Augenblick finster an, dann glätteten sich die Zornesfalten auf ihrer Stirn. Schließlich nickte sie.

»Einverstanden.«

Beatrice bezahlte und lud einen Sack auf ihr Pferd. Er war erstaunlich klein und leicht, verglichen mit der Summe, die sie dem Gemüsehändler gegeben hatte. Was hatte die Alte wohl gekauft? Trüffel?

»Verzeih mir, dass ich so barsch gewesen bin«, sagte die Frau, nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander hergegangen waren. »Aber heute ist ein Tag ...« Sie schüttelte den Kopf, seufzte schwer und rieb sich ihr Kreuz, als hätte sie Rückenschmerzen. Bei ihrem Übergewicht eigentlich auch kein Wunder. Dem watschelnden Gang nach zu urteilen litt sie außerdem an einer Arthrose der Knie- und Hüftgelenke.

»Ja, solche Tage gibt es«, stimmte Beatrice aus vollem Herzen zu. Wenn sie sich auch nicht vorstellen konnte, was schlimmer war, als auf der Suche nach der eigenen Tochter vielleicht zehn Tage lang in die falsche Richtung geritten zu sein.

»Stell dir vor, was mein Herr heute früh von mir verlangt hat«, erzählte die Frau weiter. »Er wünscht zum Mittagsmahl eine Suppe aus orangefarbenen Melonen vorgesetzt zu bekommen! Ich habe dreimal nachgefragt, ob ich ihn falsch verstanden habe und er vielleicht etwas anderes meint. Doch nein, es sollen Melonen sein. Jetzt! Und noch dazu orangefarbene. Seit den frühen Morgenstunden bin ich nun schon auf den Beinen und laufe kreuz und quer durch die Stadt, um endlich einen Händler zu finden, der zu dieser Zeit Melonen verkauft. Und dann hat dieser Wucherer, dieser Gauner und Halsabschneider für diese drei lächerlich kleinen Dinger, die kaum größer sind als eine Männerfaust, ein halbes Königreich verlangt!« Sie klopfte entrüstet auf den Sack. »Und schmecken werden sie gewiss nicht. Sie sind innen bestimmt noch grün und hart. Und außerdem sind sie gelb. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich daraus eine schmackhafte Suppe mit Fleisch kochen soll.« Sie seufzte wieder und wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Ich bin Köchin, musst du wissen. Und eigentlich diene ich meinem Herrn sogar gerne. Er ist ein recht vernünftiger Mann. Er hat zwar seltsame Gewohnheiten, ist oft bis spät in die Nacht hinein wach und wünscht dann noch ein kaltes Mahl. Vor einiger Zeit hatte er sogar mitten in der Nacht einen Gast, den ich noch bekochen musste, und gegessen haben die Herrschaften dann doch nichts mehr. Aber das ist bei Gelehrten wohl oft so. Sie sind unberechenbar und seltsam in ihren Gewohnheiten und Wünschen - habe ich mir sagen lassen. Aber sonst ist er ein wahrlich gütiger Herr. Er ist großzügig. Ich kann nichts Schlechtes über ihn sagen. Doch das ...« Sie schüttelte erneut den Kopf. »Melonensuppe! Männer haben manchmal seltsame Vorstellungen. Und vermutlich wird sie dem Kind noch nicht einmal schmecken.«

Sie gingen die Straßen entlang, während Beatrice das Geplauder der Köchin an sich vorbeiplätschern ließ und überlegte. Sollte sie diese Frau nach dem Namen der Stadt fragen? Immerhin waren sie miteinander ins Gespräch gekommen. Es würde bestimmt keinen Verdacht erregen. Und selbst wenn, wer würde schon eine Köchin nach ihrer Meinung befragen?

»Ich bin da«, sagte die Köchin, und Beatrice erschrak. Sie war noch zu keinem Ergebnis gekommen. »Dies ist das Haus meines Herrn.«

Sie standen vor einem breiten Tor. Das Haus machte einen vornehmen Eindruck. Die Mauern waren frisch gekalkt, und die Fenstergitter waren Meisterwerke der Schnitzkunst.

»Ich danke dir für deine Begleitung.«

»Wie ich sagte, habe ich eine Schuld zu begleichen«, erwiderte Beatrice und nahm den Sack mit den Melonen vom Sattel. Dann fasste sie sich ein Herz. »Es mag dir seltsam erscheinen, doch ich bin viele Tage gereist. Ich bin fremd hier und weiß nicht, wo ...« Sie biss sich auf die Lippe. Sollte sie wirklich diese verrückte Frage stellen? »Kannst du mir sagen, wie diese Stadt heißt?«

Das Gesicht der Köchin entspannte sich wieder, und erst jetzt wurde Beatrice bewusst, dass die Frau gedacht haben musste, dass sie bei ihr um eine Unterkunft betteln wollte.

»Natürlich. Du bist hier in Qazwin.«

Beatrice hätte die Köchin umarmen können. Sie hatte sich mal wieder umsonst Sorgen gemacht. Sie war richtig geritten, sie hatte ihr Ziel erreicht. Und da sie schon mal damit angefangen hatte, konnte sie jetzt auch noch weiterfragen.

»Ich habe noch eine Bitte. Kennst du einen Arzt? Ich brauche dringend seinen Rat.«

»Natürlich«, antwortete die Köchin und lächelte breit. »Da bist du hier genau richtig. Mein Herr ist Arzt. Hatte ich das nicht erwähnt?«

Beatrice öffnete den Mund vor Staunen und Überraschung. Sie glaubte sich verhört zu haben. Das war doch wohl mehr als Zufall. Von allen Menschen, die an diesem Tag auf den Straßen von Qazwin unterwegs waren, war sie ausgerechnet über die Köchin eines Arztes gestolpert? Am liebsten hätte sie vor Freude laut gejubelt. Jetzt hatte sie keine Zweifel mehr daran, Ali und Michelle zu finden. Einen Arzt nach einem Kollegen zu fragen, würde vielleicht zu Unmut und verletztem Stolz führen, aber auf keinen Fall Verdacht erregen. Sie war gerettet.

»Ich kann dir natürlich nicht versprechen, wann mein Herr dich empfangen wird«, sagte die Köchin und klopfte mit einem eisernen Türklopfer gegen das Tor. »Er ist immer sehr beschäftigt. Viele Kranke suchen ihn jeden Tag auf, manche kommen sogar von weit her. Und wenn er keine Kranken behandelt, vertieft er sich in seine Bücher. Er ist sehr gelehrt. Aber eines kann ich dir versichern, seit ich ihm diene, hat mein Herr noch nie jemanden fortgeschickt, der ihn um seine Hilfe gebeten hat.«

Das schwere Tor öffnete sich und gab den Blick auf einen Durchgang frei, der so groß und breit war, dass sogar ein Reiter bequem in das Innere des Hauses gelangen konnte. Beatrice hatte kaum ihren Fuß über die Torschwelle gesetzt, als sie eine helle Stimme hörte.

»Es hat geklopft! Das wird sie sein!«

Sie erstarrte. Das Blut wich ihr aus Kopf und Oberkörper und versackte in den Beinen, die plötzlich schwer wie Blei waren, während in ihrem Gehirn ein Vakuum entstand und ihr

Herz ein paar Schläge lang aussetzte. Sie merkte zwar, dass die Köchin mit ihr sprach, dass man sie am Ärmel zog und rüttelte, wie man es mit Schlafenden oder Ohnmächtigen tat, doch sie hatte nur Augen für das kleine Geschöpf, das um die Ecke gehüpft kam.

Michelle.

Aber das konnte nicht wahr sein, sie musste sich täuschen, das war nicht möglich, das war des Zufalls zu viel. Das kleine Mädchen war bestimmt nur eines der Kinder des Arztes. Es trug ja auch arabische Kleidung. Und die Ähnlichkeit, die Farbe des Haares war nichts weiter als ein Trugbild, eine grausame Laune des grellen Sonnenlichts, das von dem Innenhof in den Durchgang flutete.

»Mama!« Die helle Stimme wirkte wie intravenös verabreichtes Adrenalin, wie ein Defibrillator bei einer erfolgreichen Reanimation. Beatrices Herz fing wieder an zu schlagen und das Blut in ihr Gehirn zu pumpen. Und langsam begann sie wieder zu denken. Das war wirklich ... »Mama!«

Das kleine Mädchen breitete seine Arme aus und rannte auf sie zu. Als es bis auf wenige Schritte an sie herangekommen war, hatte Beatrice begriffen, was hier geschah und wer dieses Geschöpf mit den wehenden blonden Haaren und dem strahlenden Lächeln war. Und endlich wich auch die Erstarrung von ihr. Michelle! Doch erst als sie das Mädchen umarmte, den kleinen warmen Körper spürte und das weiche Haar streichelte, begann sie daran zu glauben, dass dies kein Traum war. Dass sie aller widrigen Umstände zum Trotz wirklich und wahrhaftig ihre Tochter gefunden hatte.

»Du warst lange weg«, sagte Michelle und runzelte unwillig die Stirn, als hätte sich Beatrice lediglich von der Arbeit verspätet. Dann befreite sie sich aus ihren Armen und zog an ihrer Hand. »Komm, Mama. Ali wartet schon auf dich.«

Ali! Beatrice wischte sich die Tränen von den Wangen. Sie brachte keinen Ton heraus.

»Warum weinst du, Mama?«, fragte Michelle und blickte sie so überrascht an, als wäre es das erste Mal, dass sie Tränen sah. »Bist du traurig?«

»Nein, Kleines«, antwortete sie mit heiserer Stimme. »Manchmal weint man auch, weil man sich so sehr freut. Und ich freue mich, dass ich dich endlich wiederhabe.« Sie versuchte erneut ihre Tränen zu trocknen. Der Ärmel ihres Reisegewands war bereits völlig durchnässt, sodass sie den anderen nehmen musste.

»Nun komm endlich!«, sagte Michelle und zog so ungeduldig an Beatrices Hand und Arm, dass sie beinahe das Gleichgewicht verlor. »Ali wartet auf dich. Komm schon!«

Beatrice gab nach. Sie ließ sich von dem Kind quer durch den Innenhof ziehen, in das Haus hinein, eine Treppe hinauf, einen Gang entlang, eine andere Treppe hinunter und wieder einen Gang entlang. Vor einer schlichten Tür aus dunklem poliertem Holz hielt Michelle schließlich an.

»Das ist sein Arbeitszimmer«, erklärte sie Beatrice.

»Michelle, wenn Ali jetzt arbeitet, dürfen wir ihn nicht stören.«

»Doch«, erwiderte Michelle so würdevoll, wie es nur kleine Kinder vermögen. »Wenn etwas Wichtiges geschehen ist.« Dann wandte sie sich der Tür zu und klopfte.

»Es ist überhaupt nicht besser geworden«, sagte der Muezzin und klang beinahe beleidigt. »Mein Hals schmerzt immer noch.«

Ali hörte ihm aufmerksam zu, doch in seinem Innern brodelte es. Wenn das stimmte, wenn der Alte immer noch dieselben Halsschmerzen haben sollte wie am Anfang, wenn die von ihm verordnete Tinktur wirkungslos gewesen ist, weshalb war er nicht schon eher zu ihm gekommen, sondern hatte fast zwei Monate mit seinem Besuch gewartet? Natürlich hätte er den Muezzin danach fragen können, doch er schwieg. Es gab Fragen, die durfte man als Mensch stellen, einem Arzt jedoch waren sie verboten.

»Außerdem ist meine Stimme nicht mehr dieselbe wie früher. Ich bin heiser und krächze nur noch wie eine Krähe.«

Schmerzen mochte der Alte noch haben, doch diesen Vorwurf konnte Ali nicht nachvollziehen. Seit mehreren Wochen konnte er sich jeden Tag fünfmal davon überzeugen, dass mit der Stimme des Alten alles in Ordnung war. Wer so laut zu singen vermochte, dass es in der ganzen Stadt zu hören war, der war gewiss nicht heiser. Doch wieder hielt Ali seinen Mund und nickte nur.

»Ich werde Euch erneut untersuchen müssen«, sagte Ali, holte seine Instrumente aus einem Holzkasten und breitete sie auf einem sauberen Leinentuch vor dem Alten aus. »Öffnet bitte Euren Mund.«

Wie er es erwartet hatte, konnte er im Mund und Rachen des Muezzin nichts finden, das auf eine Entzündung oder gar Geschwulst hingedeutet hätte. Trotzdem untersuchte er den Mann gewissenhaft. Es gab Patienten, denen gegenüber man sich nicht die kleinste Nachlässigkeit erlauben durfte, wenn man es nicht auf eine unerfreuliche Begegnung mit dem Richter abgesehen hatte. Und erst, als er alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft und alle bekannten Symptome und Krankheiten in Gedanken geprüft und wieder verworfen hatte, legte er die Instrumente in die Schale und sah den Muezzin an.

»Ich kann nichts entdecken, das Eure Beschwerden erklärt«, sagte er nach einer Weile. »In eurem Rachen finde ich weder eine Schwellung noch eine Rötung.«

»Und trotzdem muss ich ständig husten«, erwiderte der Muezzin und räusperte sich, um Ali zu zeigen, wie schlecht es ihm doch ging.

»Ich vermute, dass es sich um eine leichte Reizung handelt, eine Folge der Entzündung, die Ihr lange Zeit nicht beachtet und behandelt habt. Unangenehm, aber völlig harmlos.«

»Ihr vermutet, aber wissen könnt Ihr es nicht?«

Ali biss die Zähne zusammen und zählte stumm bis zehn. Es gab Tage, an denen er sich fragte, weshalb er jemals die blödsinnige Idee gehabt hatte, Arzt werden zu wollen. Am liebsten wäre er dem Muezzin an die Gurgel gegangen.

»Richtig«, entgegnete Ali so kühl und sachlich wie möglich. »Da ich nicht einmal die Anzeichen einer Reizung in Eurem Mund finde, kann ich das nur vermuten.«

»Könnte das Elixier, das Ihr mir gegeben habt, diese Veränderung hervorgerufen haben?«

Ali hielt den Atem an, um nicht zu explodieren.

Das Elixier hat dir deine Stimme, vielleicht sogar dein Leben gerettet, du dämlicher, vertrottelter Greis, dachte er. Doch er war lange genug Arzt, um sich auch in solchen Situationen unter Kontrolle halten zu können. Ständige Wiederholungen trainieren.

»Wenn Ihr das Elixier nicht vertragen hättet, würdet Ihr bereits während der Einnahme unter Bauchgrimmen, Übelkeit, vielleicht sogar zu häufiger Darmentleerung gelitten haben. Doch selbst das sind Symptome, die einen Monat nach Beendigung der Behandlung längst abgeklungen wären. Solche Wirkungen jedoch, wie Ihr sie zurzeit beklagt, sind bei diesem Elixier ausgeschlossen.«

»Wirklich?«

»Ja, Ihr könnt mir glauben.«

Der Muezzin runzelte unwillig die Stirn, so als hätte er nicht das erreicht, was er eigentlich mit seinem Besuch hatte erreichen wollen. Ali fragte sich, ob der Alte lieber von ihm gehört hätte, dass er nur noch wenige Tage zu leben hatte. Vielleicht hatte er ja insgeheim keine Lust mehr, jeden Morgen vor allen anderen Einwohnern der Stadt aufzustehen. Vielleicht wollte er nichts anderes als länger schlafen. Wenn er todkrank wäre, müsste man ihn dann nicht die verbliebenen Tage seines Lebens schonen? Oder vielleicht sah er sich aber auch in der Rolle des Märtyrers, der von allen bewundert wird, weil er trotz seiner tödlichen Krankheit, trotz seines furchtbaren und unabwendbaren Schicksals gewissenhaft seine Pflicht erfüllte?

Ali trat zu seinem Arzneischrank und ging die Aufschriften auf den Flaschen und Kästen durch, während er überlegte, welches Kraut, welche Tinktur er dem Alten verordnen könnte. Schließlich blieb sein Blick auf einem Holzkasten haften. Camomilla officinalis. Das war die Lösung.

»Ich gebe Euch eine Arznei mit, die schon bald Eure Beschwerden lindern und die Reizung mildern wird«, sagte Ali, wog einige Hand voll Kamilleblüten ab und schüttete sie in ein Baumwollsäckchen. »Aus einem Löffel voll Blüten lasst Ihr täglich einen Sud zubereiten, mit dem Ihr mehrmals am Tag Euren Mund ausspült. Sollten die Beschwerden in fünf Tagen immer noch nicht vollständig abgeklungen sein, so schickt einen Boten, damit ich Euch noch mehr geben kann.«

Der Muezzin nahm das Säckchen und roch argwöhnisch daran.

»Was ist das?«

»Kamille. Ein vortreffliches Kraut, das jede Reizung innerhalb kürzester Zeit zur Abheilung bringt. Ich wende es sogar bei stark geröteten, geschwollenen Wunden und Hautausschlägen an. Außerdem ist es so mild, dass keinerlei unerwünschte Reaktionen zu erwarten sind.«

»Und wenn ...«

Ein Klopfen unterbrach den Muezzin in seiner Rede.

»Du weißt doch, dass ich nicht gestört werden möchte«, sagte Ali unwirsch, als der blonde Schopf von Michelle im Türrahmen erschien. »Geh bitte, ich habe nachher Zeit für dich.«

»Aber es ist wichtig«, entgegnete das kleine Mädchen mit einem strahlenden Lächeln. »Schau mal, wer gekommen ist!«

Sie riss die Tür auf, und im nächsten Augenblick erstarrte Ali. Er wusste nicht, was er sagen oder tun sollte, wie er sich verhalten sollte,-ob er gerade träumte. Oder war er, ohne dass er es gemerkt hatte, gestorben, und dies war nun das Paradies? Dort, direkt vor seiner Tür, nur ein paar lächerliche Schritte von ihm entfernt, stand ... Er schüttelte den Kopf und rieb sich die Augen. Aber nein, das konnte nicht sein, das war nicht möglich, sie war nicht hier, sie lebte viele, viele Tagereisen entfernt in einem fremden Land - und natürlich auch in einer ganz anderen Zeit. Sie konnte niemals jetzt, in diesem Augenblick, hier sein und ihn anlächeln. Und doch, diese Frau, die in der Tür stand und ihn ansah, hatte eine verblüffende Ähnlichkeit mit ihr. Es waren ihre Augen, ihr Gesicht, ihr Lächeln. Oh, allein für dieses Lächeln wäre er mit Freuden in den Tod gegangen, hätte sich foltern oder bei lebendigem Leibe verbrennen lassen.

»Wir wollten dich nicht stören«, sagte Beatrice. Ali rieselten beim Klang ihrer Stimme wohlige Schauer über den Rücken. »Du behandelst gerade einen Patienten. Wir kommen später wieder.«

Bitte wiederhole diese Worte. Bitte sag sie noch einmal, damit ich tatsächlich glauben kann, dass du jetzt, in diesem Moment, vor mir stehst. Sag es noch einmal, diese süßen Worte, im Vergleich zu denen selbst die Verheißungen des Paradieses nichts waren als dröhnendes Erz und lärmende Pauken - »Wir wollten dich nicht stören.«

Dann wandte sie sich ab, die Tür drohte sich zu schließen, und endlich, bevor es zu spät war, löste sich Alis Zunge wieder aus ihrer Erstarrung.

»Nein! Bleib. Ich ...« Er konnte nichts mehr sagen. Er lief ihr entgegen und blieb wieder stehen, mittlerweile nur noch zwei Schritte von ihr entfernt. »Du bist wirklich da.«

Er kam sich vor wie ein Dummkopf. Kaum zu glauben, dass er mehrere Sprachen in Wort und Schrift beherrschte, die Werke aller Gelehrten gelesen hatte und selbst Bücher ver- fasste. Er hatte diese Frau, die er über alles liebte, siebzehn Jahre lang nicht gesehen. Nun stand sie endlich vor ihm. Und das Erste, was er ihr zu sagen hatte, war: »Du bist wirklich da.«

Hinter seinem Rücken räusperte sich und hüstelte jemand, und erst in diesem Augenblick erinnerte Ali sich wieder daran, dass er nicht allein in seinem Arbeitszimmer war.

»Verzeiht meine Unaufmerksamkeit«, sagte er und wandte sich an den alten Mann. Die Worte kamen glatt und freundlich über seine Lippen. Er war eben geübt darin, seine wahren Gefühle zu verbergen. Doch in seinem Innern zitterte er und bebte, als hätte er gerade eine göttliche Erscheinung gesehen. »Darf ich vorstellen? Das ist meine Frau.«

Der Muezzin warf Ali einen kurzen Blick zu, betrachtete dann Beatrice von Kopf bis Fuß, um wieder Ali anzusehen - streng, verärgert, erbost.

»So«, sagte er nur.

Und im gleichen Moment fiel Ali ein, dass es wohl kaum zwei Monate her war, als er diesem Mann hier erzählt hatte, dass seine Frau, die Mutter seiner Tochter, gestorben sei. Und eben jene Frau stand just in diesem Augenblick gesund und quicklebendig vor ihnen. Ali schluckte. Dieser Fehler würde gewiss nicht ohne Folgen bleiben. Doch dann schüttelte er den Kopf, schüttelte die Sorgen ab wie ein Hund, der ins Wasser gefallen war. »Carpe diem« hatten die Römer gesagt. Genieße den Tag. Lebe das Heute. Morgen ist erst morgen. Und über die Zukunft kannst du dir dann Gedanken machen, wenn es so weit ist. Genieße den Augenblick, bevor er dir wieder entgleitet und sich am Ende doch als Traumgebilde, als Hirngespinst entpuppt.

»Verzeiht meine Unhöflichkeit«, sagte er zum Muezzin, obwohl er wusste, dass es nichts als leeres Geschwätz war, Verschwendung von Atemluft. Der Muezzin würde ihm niemals verzeihen. Und er selbst brauchte keine Vergebung von diesem harten, humorlosen und engstirnigen Mann, den er weder seiner Person noch seines Amtes wegen schätzte. »Ich möchte Euch bitten, jetzt zu gehen. Meine Frau und ich waren lange Zeit voneinander getrennt.«

»Natürlich«, erwiderte der Muezzin und wich Alis Blick aus. »Die Liebe bahnt sich ihren Weg und überwindet alles, was ihr hinderlich sein könnte. Ich verstehe Euch.«

Er senkte seine Stimme zu einem vertrauensvollen Ton und klopfte Ali auf die Schulter, wie die Freunde eines jungen Bräutigams es zu tun pflegen, bevor die Hochzeitsnacht beginnt. Doch das Gesicht des Alten war nichts als eine grinsende Fratze, verzerrt vor Wut und Neid. Er sah Beatrice noch einmal an, als wollte er sich jede Einzelheit ihrer Erscheinung genau einprägen, dann ging er hoch erhobenen Hauptes davon.

»Ich hoffe, du bekommst jetzt meinetwegen keinen Ärger«, sagte Beatrice und sah dem Alten nach.

Ali zuckte gleichmütig mit den Schultern. Er fühlte sich frei und leicht. Er hätte fliegen können, wenn er nur gewollt hätte. Niemand konnte ihm in diesem Augenblick etwas anhaben - wenigstens kein Sterblicher.

»Keine Sorge, das war nur der Muezzin«, sagte er leichthin, »ein unangenehmer, aber harmloser Kerl, ähnlich wie die Halsentzündung, wegen der ich ihn vor ein paar Wochen behandelt habe. Der kann mir bestimmt nicht gefährlich werden.«

»Vielleicht hast du Recht«, entgegnete Beatrice, doch ihr Gesicht war geradezu erschreckend ernst. »Trotzdem solltest du vorsichtiger sein. Du bist in Gefahr. Und Menschen wie dieser Muezzin könnten ...«

»Ich weiß.« Natürlich hatte sie Recht. Doch er wollte es nicht hören. Wenigstens nicht jetzt. Es gab Momente, in denen man einfach die Augen und Ohren vor der Wahrheit und ihren Grausamkeiten verschließen musste. Carpe diem.

Verzeih mir, Saddin. Verzeih, dass ich alle Vorsicht außer Acht lasse, doch es ist nur für heute, nur für diesen Tag.

Dann drehte Ali sich wie ein Derwisch einmal um sich selbst und klatschte laut in die Hände.

»Was haltet ihr zwei davon, wenn ich Mahmud befehle, alle Patienten fortzuschicken, und für den Rest des Tages meine Praxis schließe? Heute wird weder gearbeitet noch Trübsal geblasen. Heute feiern wir.«

»Hurra!«

Michelle riss ihre Arme hoch und klatschte ebenfalls in die Hände. Das kleine Mädchen strahlte vor Freude und hüpfte auf und ab wie ein Frosch. Ali sah Beatrice an. Sie schien kurz zu überlegen, dann lächelte auch sie.

»Gut«, sagte sie und nickte. »Heute werden wir feiern.«

Es hatte länger als sonst gedauert, Michelle dazu zu bewegen, ins Bett zu gehen. Und noch länger hatte es gedauert, bis Beatrice endlich ihr Zimmer verlassen durfte. Zu groß war die Angst des Kindes, dass Beatrice am nächsten Morgen nicht mehr da war. Sie hatte ihre kleinen Arme um ihren Hals geschlungen, sich an sie geklammert, geweint und gejammert, bis Beatrice sie endlich so weit beruhigt hatte, dass sie sich zudecken ließ. Und dann war sie noch so lange bei ihr geblieben, bis sie eingeschlafen war. Als sie endlich zum Turm hinaufstieg, wo Ali auf sie wartete, war Mitternacht schon vorüber.

»Ich wusste gar nicht, wie sehr ich es genieße, dieses Kind ins Bett zu bringen«, sagte Beatrice und trat neben Ali, der im schwachen Licht der Sterne kaum mehr war als ein schwarzer Fleck in der Dunkelheit.

»Ich weiß«, entgegnete er leise, ohne sie dabei anzusehen. »Ich danke Allah jeden Tag erneut für diese Gnade.«

Sie schwiegen. Beatrice wusste nicht, wie sie sich ihr Wiedersehen mit Ali vorgestellt hatte. Den ganzen Tag über hatten sie geredet und geredet und geredet, immer wieder unterbrochen von Michelle, die Beatrice das Haus vom Keller bis zum Dachboden gezeigt, ihr jeden Diener und jede Dienerin vorgestellt und alles erzählt hatte, was es aus Sicht eines knapp vierjährigen Mädchens zu erzählen gab. Für Nähe war bislang keine Zeit gewesen. Und jetzt standen sie nebeneinander, kaum eine Handbreit voneinander entfernt, und trauten sich nicht, sich zu berühren. Sie waren wie zwei Teenager bei ihrem ersten Date. Wenn Saddin jetzt an Alis Stelle gewesen wäre - ob er wohl auch so schüchtern wäre? Im gleichen Augenblick hätte sie sich für diesen Gedanken ohrfeigen können. Für sie waren lediglich vier Jahre verstrichen. Für Ali waren es siebzehn. Diese Zeitspanne muss- ten sie erst überbrücken. Und das war unter Umständen schwieriger und komplizierter, als eine Zeitreise mit einem der Steine der Fatima anzutreten. Sie mussten beide einfach Geduld haben.

»Es war hier«, sagte Ali plötzlich und, wie es schien, ohne jeden Zusammenhang. »Dort drüben, direkt neben der Tür.«

»Was?«

»Saddin.« Ali drehte sich um und trat ein paar Schritte auf die Tür zu. Beatrice folgte ihm. »Er ist hier gestorben - in meinen Armen.« Er holte tief Luft und blickte hinauf in den

Himmel, als wollte er nicht ihr, sondern den Sternen seine Geschichte erzählen. »Es war an jenem Abend, als er Michelle in mein Haus gebracht hat. Saddin erzählte mir, dass sie beide verfolgt würden. Von >Fidawi<, wie er sie nannte. Er bat mich, auf Michelle Acht zu geben, sie in mein Haus aufzunehmen, als wäre sie meine eigene Tochter.«

Beatrice hielt den Atem an. Saddin war zwar klug, doch woher hatte er das wissen können?

»Es war hier. Wir standen dort drüben an der Mauer. Genau dort, wo wir beide eben gestanden haben. Ich hatte ihm gerade gesagt, dass ich bei meinem Lebenswandel die Verantwortung für ein Kind nicht übernehmen könne, als sie plötzlich da waren. Sie kamen über die Mauer gekrochen wie zwei finstere Schatten, direkt aus der Hölle entstiegen.«

»Fidawi?«

Ali nickte. »Saddin zog sofort seine Schwerter und stellte sich den beiden entgegen. Und ich ...« Er brach ab, schluckte hörbar, als ob er einen zu großen Bissen im Mund hätte, der sich weder kauen noch hinunterschlucken ließ. »Er sagte, ich solle ins Haus gehen. Und das tat ich. Ich lief ins Haus.« Er senkte seinen Kopf. »Als ich nach einiger Zeit wiederkam, war es zu spät. Die beiden Fidawi waren bereits tot, und Saddin ...« Im Licht der Sterne konnte Beatrice erkennen, wie eine einzelne Träne an seiner Wange hinunterlief und sich in seinem Bart verfing, wo sie im Licht der Sterne funkelte wie ein winziger Diamant. »Er lebte noch, doch er war sehr schwer verletzt. Eine Bauchwunde. Er blutete stark. Sein rechtes Bein war bereits kalt und gefühllos. Trotzdem ...« Er biss sich auf die Lippe. »Es hätte bestimmt eine Möglichkeit gegeben. Irgendetwas. Doch ich habe nichts für ihn getan. Gar nichts.«

Beatrice schloss die Augen. Zu deutlich sah sie die Szene vor sich, sah, wie Saddin langsam verblutete. Automatisch ging sie alle Optionen durch, fragte sich, ob sie Saddin hätte retten können. Alis Angaben nach zu schließen war vermutlich im Kampf seine Aorta an jener Stelle verletzt worden, an der sie sich in die beiden Beinarterien gabelt. Mit einer Notoperation und mindestens einem halben Dutzend Blutkonserven hätte man vielleicht sein Leben retten können - vorausgesetzt, dass die Blutgerinnung noch funktionierte und der Blutverlust noch nicht so groß war, dass seine Organe dadurch Schaden genommen hatten. Ob man jedoch das Risiko eingegangen wäre, ihm auch das Bein zu erhalten, das wagte Beatrice zu bezweifeln. So weit die Chancen, die Saddin im 21. Jahrhundert gehabt hätte, unter den Händen eines gut ausgebildeten, eingespielten Teams von Chirurgen, Anästhesisten und Schwestern auf einer modernen, mit allen technischen Möglichkeiten ausgestatteten Intensivstation. Hier in Qazwin allerdings hätte auch sie nicht mehr tun können, als Ali getan hatte.

»Es war nicht deine Schuld«, sagte Beatrice, doch Ali schien sie nicht zu hören. Er stand neben der Tür und starrte auf den Boden, als könnte er dort immer noch das Blut sehen.

»Jeden Tag, jede Nacht frage ich mich, ob ich das Richtige getan habe.«

»Das hast du«, sagte Beatrice, trat neben ihn und legte eine Hand auf seine Schulter. »Du konntest nichts mehr für ihn tun. Wahrscheinlich hat ein Schwertstreich die Aorta verletzt. Selbst zu Hause, in meinem Jahrhundert mit all unserer Technik und unseren medizinischen Möglichkeiten hätte er nur eine geringe Chance gehabt, diese Verletzung zu überleben. Und dann hätte man ihm vermutlich sogar noch das Bein amputieren müssen. Hättest du Saddin das antun wollen?«

»Aber ich habe ihn allein gelassen!«, rief Ali. »Statt gemeinsam mit ihm zu kämpfen, wie es meine Pflicht als Mann gewesen wäre, bin ich davongelaufen. Ich habe ihn im Stich gelassen.«

Beatrice nahm sein tränenfeuchtes Gesicht in ihre Hände und sah ihm in die Augen.

»Saddin hat dich fortgeschickt, Ali, und er wusste genau, was er tat. Er wusste, dass du gegen einen der Fidawi keine Chance gehabt hättest. Du bist Arzt, kein Krieger. Wärst du hier oben geblieben, du wärst ihm vermutlich nur im Weg gewesen und am Ende selbst auch noch gestorben. Außerdem ...« Beatrice presste die Lippen aufeinander, Tränen brannten in ihren Augen. »Er wusste, dass Michelle ihren Vater braucht.«

Für einen Moment sah Ali verwirrt aus. Dann endlich schien er zu begreifen, denn seine Augen leuchteten auf.

»Beatrice! Du meinst doch nicht etwa, dass ...«

»Doch, Ali. Michelle ist deine Tochter.«

Jede Farbe wich aus Alis Gesicht. Er starrte Beatrice an, als wäre sie ein Geist, und für einen Augenblick fürchtete sie, er würde ohnmächtig werden. Doch dann kehrte das Leben in ihn zurück. Er schlang seine Arme um sie und drückte sie so fest an sich, dass sie kaum noch Luft bekam. Er lachte und weinte gleichzeitig, dankte Allah und pries sein Glück. Und dann war sie wieder da, die Nähe, die tiefe Zuneigung, die sie vor Jahren verbunden hatte. Sie küssten sich.

Eng aneinander geschmiegt standen sie auf dem Turm und blickten zu den Sternen hinauf. Beatrice seufzte. Wie sehr hatte sie sich nach Ali gesehnt, nach seinen Umarmungen, seiner Wärme. Jetzt war es so weit. Und doch konnte sie es nicht wirklich genießen, sich nicht einfach diesem Glücksgefühl hingeben und ein ganz normales Leben führen. Es gab etwas zu erledigen. Sie hatten einen Auftrag zu erfüllen. Und da waren immer noch Hassan und die Fidawi.

»Wir müssen den Juden Moshe Ben Maimon aufsuchen, Ali«, sagte sie.

»Ja, ich weiß«, erwiderte er, und in diesem Augenblick wusste Beatrice, dass auch er gerade an die Steine der Fatima und die Gefahr gedacht hatte, die sowohl den Saphiren als auch ihnen selbst drohte. »Morgen werden wir zu ihm gehen, gleich nach dem Frühstück.«