/ Language: Deutsch / Genre:sf_fantasy / Series: Harry Potter

Harry Potter und der Orden des Phönix

Joanne Rowling


Joanne K. Rowling

Harry Potter und der Orden des Phönix

Kapitel 1 – Dudleys Wahnsinn

Der bisher heißeste Tag des Sommers ging zu Ende und eine einschläfernde Stille lag über den großen, viereckigen Häusern des Liguster Weges. Autos, die üblicherweise glänzten, standen staubig in ihren Auffahrten und Rasen, die einst Smaragdgrün waren, dörrten aus und färbten sich gelb, da die Verwendung von Rasensprengern aufgrund der Dürre verboten worden war. Dem Verfolgen ihres üblichen Auto waschens und Rasenmähens vorenthalten, hatten sich die Einwohner des Liguster Weges in den Schatten ihrer kühlen Häuser zurückgezogen, die Fenster weit aufgeworfen in der Hoffnung auf eine nicht existente Brise. Die einzige Person, die sich im Freien aufhielt, war ein Junge im Teenageralter, der flach auf seinem Rücken in einem Blumenbeet außerhalb von Nummer Vier lag.

Er war ein magerer, schwarzhaariger, bebrillter Junge, der den gedrückten, ein bißchen ungesunden Anblick von jemandem hatte, der in einer viel zu kurzen Zeitspanne gewachsen war. Seine Jeans waren schmutzig und eingerissen, sein T-Shirt ausgebeult und verblichen, und die Sohlen seiner Sportschuhe lösten sich vom Oberstoff ab. Harry Potters Erscheinung machte ihn bei den Nachbarn nicht beliebt, die die Art von Leuten waren, die dachten, diese Art von Nachlässigkeit sollte per Gesetz strafbar sein, aber nachdem er sich an diesem Abend hinter einem großen Hortensien-Busch versteckt hatte, war er für vorbeikommende Passanten quasi unsichtbar. In der Tat war er nur zu entdecken, falls Onkel Vernon oder Tante Petunia ihre Köpfe aus dem Wohnzimmerfenster stecken und geradewegs nach unten in das Blumenbeet sehen würden.

Im Großen und Ganzen, dachte sich Harry, konnte er sich nur zu der Idee gratulieren, sich hier zu verstecken. Es war vielleicht nicht sehr bequem auf der heißen, harten Erde zu liegen, aber andererseits starrte niemand ihn an, der seine Zähne so laut mahlte, daß er die Nachrichten nicht hören könnte, oder ihn mit unangenehmen Fragen bombardierte, wie es jedesmal passierte, als er versuchte hatte, sich im Wohnzimmer hinzusetzten und mit seinem Onkel und seiner Tante fernsehen wollte.

Als ob sein Gedanke durch das offene Fenster geflattert wäre, begann Vernon Dursley, Harrys Onkel, plötzlich zu sprechen.

»Ich bin froh zu sehen, das der Junge aufgehört hat, sich einzumischen. Nebenbei bemerkt, wo ist er gerade?«

»Ich weiß nicht,«sagte Tante Petunia unbekümmert.»Nicht im Haus.«

Onkel Vernon grunzte.

»Die Nachrichten sehen…«sagte er bissig.»Ich möchte wissen, was er wirklich will. Als ob ein normaler Junge sich darum kümmert, was in den Nachrichten los ist – Dudley hat keine Ahnung worum es geht; bezweifle, das er überhaupt weiß, wer der Premierminister ist! Jedenfalls ist es nicht so, als ob es etwas über seine Art in unseren Nachrichten kommen würde -«

»Vernon, shh!«sagte Tante Petunia.»Das Fenster ist offen!«

»Oh – ja – entschuldige, Teuerste.

Die Dursleys wurden still. Harry hörte sich einen Werbespot über Frucht amp;Kleie-Frühstücksflocken an, während er Frau Figg, eine verrückte, Katzen liebende, alte Dame vom nahegelegenem Wisteria Walk zusah, wie sie langsam vorbei schlenderte. Sie blickte mißfallend und murrte zu sich selbst. Harry war sehr zufrieden, daß er hinter dem Busch verborgen war, da Frau Figg kürzlich dazu übergegangen war, ihn wann auch immer sie ihn sah, zum Tee einzuladen.

Sie bog um die Ecke und war ausser Sicht, bevor Onkel Vernons Stimme sich erneut aus dem Fenster ergoß.

»Dudders ist raus zu einem Tee?«

»Bei den Polkisses,«sagte Tante Petunia liebevoll.»Er hat so viele kleine Freunde gemacht, er ist so beliebt!«

Harry unterdrückte ein Schnauben nur mit Schwierigkeit. Die Dursleys waren wirklich erstaunlich dumm, wenn es um ihren Sohn Dudley ging. Sie hatten ihm alle seine schwachen Lügen über das Teetrinken, bei den verschiedenen Mitgliedern seiner Bande an jedem Abend der Sommerferien, abgenommen. Harry wußte nur zu genau, das Dudley noch nie auch nur irgendwo zum Tee gewesen war, er und seine Bande verbrachten jeden Abend damit, den Spielplatz zu beschädigen, an Straßenecken zu rauchen und Steine auf vorüberfahrende Autos und Kinder zu werfen. Harry hatte sie dabei während seiner Abendspaziergänge durch Little Whinging gesehen; er hatte die meiste Zeit seines Urlaubs mit dem durchwandern von Straßen verbracht, unterwegs die Zeitungen der Mülleimer ausschlachtend.

Die Eröffnungsmusik, die die sieben Uhr Nachrichten ankündigte, erreichte Harrys Ohren und sein Magen wurde flau.

Vielleicht heute nacht – nach einem Monat des Wartens – wäre die Nacht.

»Zahlreiche gestrandete Urlauber füllten die Flughäfen, während der Streik der spanischen Gepäckführer in die zweite Woche geht -«.

»Ich würde Sie Leben lang Mittagsschlaf machen lassen,«knurrte Onkel Vernon über das Ende des Satzes des Nachrichtensprechers, aber egal: im Blumenbeet außerhalb, schien Harrys Magen sich zu entspannen. Wenn irgendetwas geschehen wäre, wäre es sicherlich das Erste in den Nachrichten gewesen; Tod und Zerstörung waren wichtiger als gestrandete Urlauber.

Er ließ einen langen, langsamen Atemzug heraus und starrte hinauf in den brillanten blauen Himmel. Jeden Tag dieses Sommer war gleich: die Spannung, die Erwartung, die vorübergehende Erleichterung, und dann stieg wieder die Spannung… und immer nachdrücklicher während all der Zeit wurde die Frage, warum noch nichts geschehen war.

Er hielt inne, um zu hören, ob es irgendeinen klitzekleinen Anhaltspunkt gab, – ein unerklärliches Verschwinden möglicherweise oder irgendeinen merkwürdigen Unfall… aber der Streik der Gepäckarbeiter wurden von den Nachrichten über die Dürre im Südosten abgelöst.

»Ich hoffe, das hört er nebenan!,«brüllte Onkel Vernon.»Der mit seinen nachts um drei Uhr laufenden Rasensprengern!,«dann ein Hubschrauber, der fast auf Gebiet nahe Surrey abgestürzt wäre, dann die Scheidung einer berühmten Schauspielerin von ihrem berühmten Ehemann (»Als, wenn wir an ihren schäbigen Angelegenheiten interessiert wären,«seufzte Tante Petunia, die den Fall exzessiv in jeder Zeitschrift, die Sie in ihre knöchernen Hände bekam, verfolgte).

Harry schloß seine Augen gegen den jetzt rotflammenden Abendhimmel, während der Nachrichtensprecher sagte,»- und schließlich, hat Bungy der Wellensittich eine neue Methode zum Abkühlen in diesem Sommer gefunden. Bungy, der in den»Fünf Federn«in Barnsley lebt, hat gelernt, Wasserski zu fahren! Mary Dorkins hat mehr darüber herausgefunden.«

Harry öffnete seine Augen. Wenn sie schon wasserskifahrende Wellensittiche bringen, würde es nichts geben, für das sich das Zuhören noch lohnen würde. Er rollte vorsichtig zur Seite, erhob sich auf seine Knie und Ellenbogen und bereitete sich darauf vor, unter dem Fenster hervor zu kriechen.

Er hatte sich ungefähr 5 cm erhoben, als einige Dinge in sehr schneller Reihenfolge geschahen.

Ein lauter, widerhallender Knall durchbrach die schlafende Stille wie ein Pistolenschuß; eine Katze schoß unter einem geparkten Auto hervor und floh aus seinem Blickfeld; ein Schrei, ein gebrüllter Fluch und der Ton des Berstens von Porzellan kamen aus dem Wohnzimmer der Dursleys, und als ob dies das Signal wäre, auf das Harry gewartet hatte, sprang er auf die Füße und zog gleichzeitig vom Gürtel seiner Jeans einen dünnen hölzernen Zauberstab, als ob er ein Schwert ziehen wollte – aber, bevor er sich bis zur vollen Höhe aufrichten konnte, stieß die Oberseite seines Kopfes mit dem von den Dursleys geöffneten Fenster zusammen. Der dadurch entstehende Rumms ließ Tante Petunia aufschreien.

Harry glaubte, sein Kopf wäre in zwei Teile gespalten worden. Er versuchte seinen Blick auf die Straße zu fokussieren, die Quelle der Geräusche ausmachend, aber er hatte sich kaum wieder aufgerichtet, als zwei große purpurrote Hände durch das geöffnete Fenster schossen und sich fest um seine Kehle schlossen.

»Steck – das – weg!,«keuchte Onkel Vernon in Harrys Ohr.» Jetzt! Bevor«s – jemand – sieht!,«

»Las – mich – los!,«keuchte Harry.

Sie kämpften einige Sekunden lang, Harry zog mit seiner linken Hand an den wurstähnlichen Fingern seines Onkels, hielt mit seiner rechten Hand den Zauberstab fest im Griff; dann, als der Schmerz am Oberende von Harrys Kopf besonders ekelhaft pochte, jaulte Onkel Vernon auf und lies Harry frei, als hätte er einen elektrischen Schlag bekommen. Eine unsichtbare Kraft schien durch seinen Neffen gelaufen zu sein, die es ihm unmöglich machte ihn festzuhalten.

Nach Luft schnappend, fiel Harry über den Hortensien-Busch, richtete sich auf und schaute sich um. Es gab kein Zeichen davon auszumachen, was die lauten knackenden Geräusche verursacht hatte, aber dafür sahen einige Gesichter durch verschiedene nahe gelegene Fenster. Harry stopfte seinen Zauberstab hastig in seine Jeans zurück und versuchte unschuldig auszuschauen.

»Reizender Abend!,«rief Onkel Vernon, winkte zu der Dame aus Nummer Sieben, die von wütend hinter ihren Vorhängen herüberstarrte.»Haben Sie auch die Fehlzündung des Autos gehört. Ließ Petunia und mich auch zusammenfahren!«

Er grinste weiter auf eine scheußliche, manische Art und Weise, bis all die neugierigen Nachbarn von ihren verschiedenen Fenstern verschwunden waren, dann wurde das Grinsen zu einer Grimasse des Zorns, als er Harry zu sich winkte.

Harry kam ein paar Schritte näher, sorgsam darauf bedacht, sich dem Punkt fernzuhalten, an dem Onkel Vernons Hände ausgestreckte Hände ihn weiter hätten würgen können.

»Was zum Teufel sollte das bedeuten, Junge?,«fragte Onkel Vernon mit einer krächzenden Stimme, die vor Wut zitterte…»Was hat was zu bedeuten«sagte Harry kalt. Er sah weitere die Straße links und rechts herauf, immer noch hoffend die Person zu erblicken, die dieses krachende Geräusch gemacht hatte.

»Einen Lärm zu veranstalten wie eine startende Gewehrkugel, direkt vor unserem -«

»Ich habe dieses Geräusch nicht gemacht«sagte Harry standhaft.

Tante Petunia«s dünnes Pferdegesicht erschien jetzt neben Onkel Vernons breitem purpurfarbenem. Sie sah fuchsteufelswild aus.

»Warum hast Du unter unserem Fenster gelauert?«

»Ja – ja, guter Punkt, Petunia! Was hast Du unter unter unserem Fenster gemacht, Junge?«

»Die Nachrichten gehört,«sagte Harry mit resignierter Stimme.

Seine Tante und Onkel tauschten empörte Blicke aus.

»Nachrichten gehört! Schon wieder?«

»Nun, sie ändern sich halt jeden Tag, wißt ihr?«sagte Harry.

»Versuch nicht, mich für dumm zu verkaufen, Junge! Ich will wissen, was Du wirklich Wahrheit wolltest – und erzähl mir nicht von diesem die Nachrichten hören Mist! Du weißt sehr wohl, daß eurer Haufen -«

»Vorsichtig, Vernon!«flüsterte Tante Petunia und Onkel Vernon senkte seine Stimme, so daß Harry ihn kaum verstehen konnte,»- daß euer Haufen nicht in unseren Nachrichten kommt!«

»Das meinst Du,«sagte Harry.

Die Dursleys starrten ihn für ein paar Sekunden an, dann sagte Tante Petunia»Du bist ein kleiner frecher Lügner. Was sollen alle diese -» dann senkte sie ebenfalls ihre Stimme» – Eulen denn sonst tun, außer Dir Nachrichten zu bringen.«

»Aha«whisperte Onkel Vernon triumphierend»Versuch Dich da mal rauszureden. Als ob wir nicht wüssten, daß Du alle Deine Nachrichten von diesen verdammten Vögeln bekommst!«

Harry zögerte einen Moment. Es kostete ihn einige Überwindung, um dieses Mal die Wahrheit zu sagen, obwohl seine Tante und sein Onkel unmöglich wissen konnten, wie schlecht er sich fühlte, als er es zugab.

»Die Eulen…bringen mir keine Nachrichten,«sagte er tonlos.

»Ich glaube es nicht,«sagte Tante Petunia sofort.

»Genau wie ich,«sagte Onkel Vernon eindringlich.

»Wir wissen, daß du dir einen Spaß erlaubst,«sagte Tante Petunia.

»Wir sind ja nicht dumm,«sagte Onkel Vernon.

»Wirklich, das mir neu,«sagte Harry, sein Zorn steigend und bevor ihn die Dursleys zurück rufen konnten, hatte er sich umgedreht, den Vorgarten überquert, war über die niedrige Gartenmauer gestiegen und lief die Straße hinauf.

Er war jetzt in Schwierigkeiten und er wußte das. Er würde sich später seiner Tante und seinem Onkel stellen und den Preis für seinen Ungehorsam zahlen müssen, aber das interessierte ihn in diesem Moment nicht; er dachte über wichtigere Dinge nach.

Harry war sicher, daß der knallende Lärm von jemandem gemacht worden war, der apparierte oder disapparierte. Es war genau das Geräusch, das Dobby der Hauself machte, wenn er sich in Luft auflöste. War es möglich, daß Dobby hier im Ligusterweg war? Konnte Dobby ihm in genau diesem Moment folgen? Als ihm dieser Gedanke durch den Kopf ging, drehte er sich um und starrte den Ligusterweg hinunter, aber er schien völlig allein zu sein und Harry war sicher, daß Dobby nicht wußte, wie er sich unsichtbar machen könnte.

Er ging weiter, genau wissend welchen Weg er nahm, da er diese Straßen in letzter Zeit so oft entlang gegangen war, daß ihn seine Füße automatisch zu seinen Lieblingsorten trugen. Alle paar Schritte sah er zurück über seine Schulter.

Etwas Magisches war in seiner Nähe gewesen, als er unter den sterbenden Begonien Tante Petunias lag, dessen war er sich sicher. Warum hatten sie nicht mit ihm gesprochen, warum hatten sie keinen Kontakt zugelassen, warum versteckten sie sich jetzt?

Und dann, als sein Gefühl der Frustration den Höchststand erreichte, verschwand seine Gewissheit…Vielleicht war es doch kein magisches Geräusch gewesen. Vielleicht wartete er so dringend auf das kleinste Zeichen von Kontakt aus der Welt, zu der er gehörte, daß er schon bei gewöhnlichen Geräuschen übertrieben reagierte. Konnte er sicher sein, daß es nicht der Klang von etwas gewesen war, das im Haus eines Nachbars zerbrach?

Harry fühlte eine langweilige, sinkende Empfindung in seinem Magen und bevor er es erkannte, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das ihn den ganzen Sommer geplagt hatte, überrollte es ihn noch einmal.

Morgen früh würde ihn der Wecker um fünf Uhr aufwecken, so daß er die Eule bezahlen konnte, die den Tagespropheten lieferte – aber gab es irgendeinen Grund, ihn weiterhin zu nehmen? Harry sah lediglich kurz die Titelseite an, bevor er ihn beiseite warf; als diese Idioten, die die Zeitung herausbrachten, schließlich merkten, daß Voldemort zurück war, würde es die Schlagzeile sein und das war das einzige, für das Harry sich interessierte.

Wenn er Glück hatte, kämen auch Eulen mit Briefen von seinen besten Freunden Ron und Hermine, obwohl alle Erwartungen, ihre Briefe würden ihm lang ersehnte Nachrichten bringen schon längst verflogen waren. Wir können nicht viel über Du-Weißt-Was sagen, leider… Uns wurde verboten Wichtiges zu erzählen, falls unsere Briefe verloren gehen… Wir sind ziemlich beschäftigt, aber können dir hier nichts genaueres verraten… Es ist eine Menge los, wir sagen dir alles, wenn wir dich sehen…

Aber wann würden sie ihn sehen? Niemand schien ein genaues Datum nennen zu können. Hermine hatte noch in seine Geburtstagskarte gekritzelt:«Ich glaube, daß wir uns schon bald wiedersehen werden,«aber wie bald war bald? Soweit Harry es von den vagen Hinweisen in ihren Briefen sagen konnte, waren Hermine und Ron an demselben Ort, vermutlich im Haus von Rons Eltern. Er konnte es kaum ertragen, an die beiden zu denken, wie sie zusammen Spaß im Fuchsbau hatten, während er im Ligusterweg festsaß. In der Tat war er so wütend auf sie, daß er die zwei Schachteln Honeydukes Schokolade ungeöffnet weggeworfen hatte, die sie ihm zu seinem Geburtstag geschickt hatten. Er hatte es später bedauert, nachdem er den verwelkten Salat Tante Petunias gesehen hatte, den sie an selbigem Tag als Abendessen zubereitete.

Und womit waren Ron und Hermine beschäftigt? Warum hatte er, Harry, nichts zu tun? Hatte er nicht oft genug bewiesen, daß er selbst dazu in der Lage war, viel mehr zu bewältigen, als die beiden? Hatten sie alle vergessen, was er getan hatte? War nicht er es gewesen, der diesen Friedhof betreten und beobachtet hatte, daß Cedric ermordet wurde und er an diesen Grabstein gebunden worden war und beinahe getötet wurde?

Denk nicht darüber nach, sagte Harry streng zu sich, wie er es schon hundert mal diesen Sommer getan hatte. Es war schlimm genug, daß er den Friedhof in seinen Alpträumen wieder und wieder besuchte, ohne dort zu verweilen, da mußte er sich nicht auch noch tagsüber damit belasten.

Er bog um eine Ecke in den Magnolia Crescent; auf halber Strecke passierte er einen engen Durchgang neben einer Garage, wo er seinen Paten zum ersten mal gesehen hatte. Sirius schien wenigstens zu verstehen, wie Harry sich fühlte.

Zugegeben, seine Briefe waren was Neuigkeiten anging so leer wie die von Ron und Hermine, aber wenigstens enthielten sie warnende und tröstende Worte, statt mit ihn mit Hinweise neugierig zu machen:

Ich weiß, daß dies für dich frustrierend sein muß… Halte deine Nase aus anderen Angelegenheiten raus und dir kann nichts passieren… Pass auf diech auf und tu nichts unvernünftiges…

Nun, dachte Harry, als er den Magnolia Crescent überquerte, in die Magnolia Road wechselte und in Richtung des dunkel werdenden Spielparks ging, wie es Sirius (lang und breit) geraten hatte. Er hatte wenigstens der Versuchung widerstanden, seinen Koffer an seinen Besen zu binden und sich auf eigene Faust auf den Weg zum Fuchsbau zu machen. In der Tat glaubte Harry ein durchaus akzeptables Benehmen an den Tag zu legen, wenn man bedachte, wie frustriert und wütend er sich fühlte, weil er so lange im Ligusterweg bleiben mußte, darauf beschränkt, sich in Blumenbeeten zu verstecken, um etwas zu hören, das auf Lord Voldemort zeigen könnte. Dennoch, war es ziemlich ärgerlich von jemanden aufgefordert zu werden nicht voreilig zu sein, der zwölf Jahre im Zauberer Gefängnis Askaban gesessen hatte, ausgebrochen war, in erster Linie versuchte die Morde zu rächen, für die er verantwortlich gemacht wurde und mit einem gestohlenen Hippogreif floh.

Harry sprang über das verriegelte Parktor und landete auf dem ausgetrockneten Gras. Der Park war genauso leer wie die umliegenden Straßen. Als er die Schaukeln erreichte, sank er auf die einzige, die Dudley und seine Freunde noch nicht zerbrechen konnten, wickelte einen Arm um die Kette und starrte mürrisch den Boden an. Er könnte sich nicht noch einmal im Blumenbeet der Dursleys verstecken. Morgen würde er sich irgenetwas neues einfallen lassen müssen, um die Nachrichten zu verfolgen. Inzwischen hatte er nichts worauf er sich freuen konnte, außer auf eine weitere schlaflose Nacht. Selbst wenn er den Alpträumen über Cedric entkam, verfolgten ihn Träume über lange dunkle Korridore, die alle in Sackgassen und verriegelten Türen endeten, von denen er annahm, daß sie etwas mit Gefühl zu tun hatten, das ihn plagte, wenn er wach war. Oft prickelte die alte Narbe auf seiner Stirn unangenehm, aber er glaubte.nicht, daß es Ron, Hermine oder Sirius weiterhin interessant finden würden. In der Vergangenheit hatte ihn seine schmerzende Narbe gewarnt, daß Voldemort wieder stärker wurde, aber nun, da Voldemort zurück war, würden sie ihn wahrscheinlich daran erinnern, daß die regelmäßigen Schmerzen zu erwarten waren…nichts beunruhigendes…alte Nachrichten…

Die Ungerechtigkeit, die er darin sah, ließ alles in ihm hochkommen, so daß er vor Wut schreien wollte. Wenn es ihm nicht passiert wäre, hätte niemand gewusst, daß Voldemort zurück war! Und seine Belohnung war, daß er ganze vier Wochen in KleinWhinging bleiben mußte, völlig von der magischen Welt abgeschnitten, darauf beschränkt, unter sterbenden Begonien zu hocken, so daß er von Wasserskilaufwellensittichen hören konnte! Wie konnte Dumbledore ihn so einfach vergessen? Warum hatten sich Ron und Hermine getroffen, ohne ihn auch einzuladen? Wie viel länger müsste er noch dulden, daß Sirius ihn aufforderte, ruhig zu bleiben und ein guter Junge zu sein; oder der Versuchung wiederstehen zu müssen, an den dummen Daily Prophet zu schreiben und darauf hin zu weisen, daß Voldemort längst zurückgekehrt war? Diese wütenden Gedanken wirbelten in Harrys Kopf umher und sein Innerstes wand sich vor Ärger, als sich die schwüle, samtige Nacht um ihn legte. Die Luft roch nach dem warmen, trockenen Gras und das einzige was man hören konnte, war das Murren des Verkehrs auf der Straße, das über die Parkzäune klang.

Er wußte nicht wie lange er auf der Schaukel gesessen hatte, als der Klang von Stimmen sein Grübeln unterbrach und er aufsah. Die Straßenlaternen der umliegenden Straßen spendeten ein nebliges Glühen, gerade stark genug, um die Silhouette einer Gruppe von Menschen zu erkennen, die sich durch den Park bewegten. Einer von ihnen sang laut und schief ein Lied. Die anderen lachten. Ein leises Tickgeräusch kam von einigen teuren Rennrädern, die sie neben sich her rollten.

Harry wußte wer diese Leute waren. Die Figur an der Spitze war unverkennbar sein Vetter Dudley Dursley, der sich auf seinen Heimweg machte, begleitet von seiner getreuen Bande.

Dudley war so gewaltig wie immer, aber ein Jahr strenge Diät und die Entdeckung eines neuen Talents hatten seinen Körperbau ziemlich verändert. Wie Onkel Vernon jedem der zuhörte erfreut mitteilte, war Dudley Junioren Meister im Schulübergreifenden Schwergewicht Boxens des Südostens geworden. Der stattliche Sport, wie ihn Onkel Vernon nannte, hatte Dudley noch furchteinflößender gemacht, als er Harry in ihren Grundschultagen schien, in denen er Dudley als erster Punchball gedient hatte. Harry fürchtete sich nicht mehr im Entferntesten vor seinem Vetter, aber er glaubte immer noch nicht, daß Dudley härtere und genauere Schläge lernte, um gefeiert zu werden. Alle Nachbarschaftskinder erschraken vor ihm – sogar noch mehr, als vor»diesem Potter-Jungen,«vor dem sie gewarnt worden waren, er sei ein Rowdy und besuche das St.-Brutus-Sicherheits-Zentrum für unheilbar kriminelle Jungen.

Harry beobachtete die dunklen Gestalten das Gras überqueren und fragte sich, wen sie heute Abend zusammengeschlagen hatten. Dreh euch um, dachte Harry, während er sie beobachtete. Kommt schon… ich sitze hierganz allein…kommt doch wenn ihr euch traut…

Wenn Dudleys Freunde ihn hier sitzen sahen, würden sie sicher schnurgerade auf ihn losgehen, und was würde Dudley dann tun? Er würde sein Gesicht nicht vor der Bande verlieren wollen, aber er würde Angst haben, Harry zu provozieren… es wäre wirklich lustig zu beobachten, Dudley in seinem Dilemma zu verspotten und ihn zu beobachten, nicht in der Lage zu antworten… und wenn einige von den anderen versuchten Harry zu schlagen, war er bereit. – er hatte seinen Zauberstab. Sie sollten es nur versuchen… er würde gerne etwas von seiner Wut an den Jungen ablassen, die einst sein Leben zur Hölle machten.

Aber sie drehten sich nicht um, sie sahen ihn nicht, sie waren fast an den Zäunen. Harry widerstand dem Drang nach ihnen zu rufen… einen Kampf zu suchen war kein netter Zug… er darf keine Zauberei verwenden… er würde wieder riskieren ausgeschlossen zu werden.

Die Stimmen von Dudleys Bande legten sich; sie waren aus Sicht, geradewegs entlang der Magnolia Road.

Da siehst du«s, Sirius, dachte Harry leise. Nichts voreiliges. Hab meine Nase aus allem rausgehalten. Genau das Gegenteil von dem, was du getan hättest.

Er stand auf und streckte sich. Tante Petunia und Onkel Vernon waren der Meinung, daß jedes Mal wenn Dudley nach Hause kam auch die richtige Zeit für Harry war zu Hause zu sein und jede Minute danach war viel zu spät. Onkel Vernon hatte gedroht, Harry unter der Treppe einzusperren, wenn er noch einmal nach Dudley zu Hause wäre. Ein Gähnen unterdrückend und immer noch ein mürrisches Gesicht machend, ging Harry in Richtung des Parktors…Die Magnolia Road war – wie auch der Ligusterweg – voll von großen, viereckigen Häusern mit perfekt gemähten Vorgärten, alle im Besitz von großen, viereckigen Eigentümern, die sehr saubere Autos – ähnlich wie Onkel Vernon -

fuhren. Harry bevorzugte Klein Whinging bei Nacht, wenn die zugezogenen Fenster juwelenartig in der Dunkelheit schimmerten und er sich kein Gemurmel über seine»rückständige«Erscheinung anhören mußte, wenn er die Wohnungsinhaber passierte. Er ging schnell, so daß er Dudleys Bande auf halber Strecke der Magnolia Road wieder sehen konnte. Am Eingang zum Magnolia Crescent verabschiedeten sie sich. Harry trat in den Schatten eines großen fliederfarbenen Baumes und wartete.

»…jammerte wie ein Schwein, nicht wahr?«sagte Malcolm, begleitet vom schallenden Lachen der anderen.

»Netter rechter Haken, Big D,«sagte Piers.

»Gleiche Zeit morgen?«sagte Dudley.

»Bei mir, meine Eltern sind nicht da,«sagte Gordon.

»Bis dann,«sagte Dudley.

»Bye, Dud!«

»See ya, Big D!«

Harry wartete bis der Rest der Bande verschwunden war, bevor er weiterging. Als ihre Stimmen wieder erloschen waren, bog er um die Ecke in den Magnolia Crescent und mit schnellen Schritten, hatte er Dudley bald eingeholt, der versuchte locker zu gehen und unmelodisch murmelte.

»Hey, Big D!«

Dudley drehte sich um.

»Oh,«grunzte er.»Du bist es.«

»Wie lange bist du denn schon»Big D«?«sagte Harry.

»Halt den Mund,,«knurrte Dudley, sich weg drehend.

»Cooler Name,«sagte Harry, grinste und ging neben seinem Vetter her.»Aber für mich wirst du immer»Ickle Diddykins«sein«

»Ich sagte halt deinen Mund!«sagte Dudley, dessen Schinkenähnliche Hande sich zu Fäusten zusammenrollten.

»Wissen die Jungen nicht, wie deine Mama dich nennt?«

»Halt«s Maul.«

»Du sagst ihr auch nicht, daß sie ihr Maul halten soll. Was ist mit»Popkin«und»niedlichem Diddydums,«kann ich dich dann so nennen?«

Dudley sagte nichts. Die Bemühung, sich davon abzuhalten, Harry zu schlagen, schien all seine Konzentration zu fordern.

»Und wen hast du heute Abend zusammengeschlagen?«fragte Harry, sein Grinsen verblassend.»Noch einen Zehnjährigen? Ich weiß, daß du Mark Evans vor zwei Nächten besiegt hast -«

»Er hat danach gebettelt,«knurrte Dudley.

»Oh wirklich?«

»Er war frech zu mir«

»Wirklich? Sagte er, daß du wie ein Schwein aussiehst, dem beigebracht worden ist, auf seinen Hinterbeinen zu laufen?

Das wäre nicht frech gewesen, Dud, das ist die Wahrheit.«

Ein Muskel zuckte in Dudleys Kiefer. Es gefiel Harry ungemein zu wissen, wie wütend er Dudley machte; er fühlte sich, als ob er seine eigene Wut an seinem Vetter abreagieren könnte, dem einzigen Auslass, den er hatte…Sie gingen rechts hinunter zum engen Durchgang, wo Harry Sirius das erste Mal gesehen hatte und der eine Abkürzung zwischen dem Magnolia Crescent und der Glyzinien Allee war. Er war leerer und viel dunkler als die Straßen, die er verband, weil es keine Straßenlaterner gab. Ihre Schritte hallten zwischen Garagenwänden auf einer Seite und einem hohen Zaun auf der anderen wider.

»Hältst dich wohl für einen besonders starken Mann mit diesem Ding, das du trägst, oder?«sagte Dudley nach einigen Sekunden.

»Welches Ding?«

»Dieses – dieses Ding, das du versteckst.«

Harry grinste wieder.

»Bist nicht so dumm, wie du ausschaust. Hab ich Recht Dud? Aber ich glaube wenn dem so wäre, wärest du auch nicht in der Lage, gleichzeitig zu gehen und zu reden.«

Harry zog seinen Zauberstab heraus. Er sah, wie Dudley es von der Seite aus beobachtete.

»Es wurde dir verboten,«sagte Dudley sofort.»Ich weiß, daß du es nicht darfst. Sie würden dich von dieser verrückten Schule verweisen, auf die du gehst.«

»Wie kannst du dir sicher sein, daß sie die Regeln nicht geändert haben?«

»Haben sie nicht,«sagte Dudley, obwohl er nicht völlig überzeugt klang.

Harry lachte leise.

»Du hast doch gar nicht genug Mumm in den Knochen, um dich ohne dieses Ding mit mir anzulegen, ist es nicht so?«

knurrte Dudley.

»Während du nur vier Kameraden brauchst, die hinter dir stehen, um einen Zehnjährigen zusammenschlagen. Du kennst doch diesen Boxer Titel mit dem du überall prahlst? Wie alt war dein Gegner? Sieben? Acht?«

»Er war sechzehn, zu deiner Information,«erwiderte Dudley,»und er war für zwanzig Minuten kalt gestellt, nachdem ich mit ihm fertig war und er war zweimal so schwer wie du. Warte nur, bis ich Dad sage, daß du dieses Ding draußen hattest -«

»Jetzt läufst du zu deinem Papa, nicht wahr? Hat sich Ickle Box-Meister etwa vor bösem Harrys Zauberstab erschrocken?«

»Nachts bist du nicht so tapfer wie jetzt.«spottete Dudley.

»Wir haben jetzt Nacht, Diddykins. So nennen wir es jedenfalls, wenn alles dunkel wird wie jetzt gerade.«

»Ich meine, wenn du im Bett bist!«knurrte Dudley.

Er hatte aufgehört weiterzugehen. Harry hielt ebenfalls und starrte seinen Vetter an.

Von dem wenigen, das er von Dudleys großem Gesicht sehen konnte, trug er einen sonderbar triumphalen Blick.

»Was damit, ich sei nicht tapfer, wenn ich im Bett bin?«sagte Harry völlig verblüfft.»Wovor sollte ich mich erschrecken, vor Kissen oder wovor sonst?«

»Ich hab dich letzte Nacht gehört,«sagte Dudley atemlos.»Du hast im Schlaf geredet. Gestöhnt.«

»Was meinst du?«sagte Harry nochmals, aber mit einem kalten, unguten Gefühl im Magen. In seinen Träumen hatte er den Friedhof letzte Nacht wieder besucht.

Dudley gab ein starkes, bellendes Lachen von sich, dann imitierte er eine hohe winselnde Stimme.

»Er darf Cedric nicht töten! Er darf Cedric nicht töten!«Wer ist Cedric – dein Freund?«

»Ich – du lügst,«sagte Harry automatisch. Aber sein Mund war trocken geworden. Er wußte, daß Dudley nicht gelogen hatte – wie sonst würde er von Cedric wissen?.»Dad! Hilf mir, Dad! Er will mich töten, Dad! Boo hoo!«»

»Halts Maul,«sagte Harry ruhig.»Halts Maul Dudley, ich warne dich!«

»Komm und hilf mir, Dad! Mum, komm und hilf mir! Er hat Cedric getötet! Dad, hilf mir! Er hat vor -«zeig nicht mit diesem Ding auf mich!«

Dudley wich zurück an die Gassenwand. Harry zeigte mit dem Zauberstab direkt auf Dudleys Herz. Harry konnte fühlen, wie vierzehn Jahre des Hasses auf Dudley durch seine Venen pochten – was würde er jetzt dafür geben, Dudley so gründlich zu verhexen, daß er wie ein Insekt nach Hause kriechen müsste, besonders dumm, sprießende Fühler…

»Wag es niemal wieder darüber zu reden,«knurrte Harry.»Hast du mich verstanden?«

»Halt dieses Ding woanders hin!«

»Ich sagte, hast du mich verstanden?«

»Zeigen damit woanders hin!«

»HAST DU MICH VERSTANDEN?«

»NIMM DAS DING WEG VON MIR -«

Dudley fing an merkwürdig rüttelnd zu atmen, als ob er in eisiges Wasser getaucht worden wäre.

Etwas war mit der Nacht geschehen. Der sternenverstreute, indigofarbene Himmel war plötzlich schwarz und ohne Licht – die Sterne, der Mond, die nebligen Straßenlaternen an beiden Enden der Gasse waren verschwunden. Das entfernte Rumpeln von Autos und das Geflüster der Bäumen waren erloschen. Der erholsame Abend war plötzlich stechend, beißend kalt. Sie wurden von totaler, undurchdringlicher, stiller Dunkelheit umgeben, als ob eine riesige Hand einen dicken, eisigen Mantel über den ganzen Durchgang fallen gelassen hätte und sie blendete.

Für den bruchteil einer Sekunde dachte Harry, er hätte gezaubert, ohne es zu wollen, obwohl er versucht hatte so gut er konnte zu widerstehen – dann fingen seine Sinne diese Möglichkeit wieder ein – er hatte nicht die Kraft die Sterne verschwinden zu lassen. Er drehte seinen Kopf hin und her, in der Hoffnung etwas zu sehen, aber die Dunkelheit drückte auf seine Augen wie ein schwereloser Schleier.

Dudleys erschreckte Stimme drang an Harrys Ohr.

»W-was t-tust du? H-hör auf d-damit!«

»Ich hab gar nichts gemacht! Halt den Mund und beweg dich nicht!«

»Ich k-kann nicht sehen! Ich bin b-blind geworden! Ich -«

»Ich sagte Schweig!«

Harry blieb wie angewurzelt stehen, sah mit seinen blinden Augen nach links und rechts. Die Kälte war so intensiv, daß er am ganzen Körper zitterte. Gänsehaut war seine Arme hinauf gekrochen, und seine Nackenhaare streubten sich – er öffnete seine Augen so weit er konnte, starrte verdutzt umher, nicht in der Lage etwas zu sehen.

Es war unmöglich… sie konnten nicht hier sein… nicht in Klein Whinging… er spitzte seine Ohren… er würde sie hören, bevor er sie sah.

»Das w-werde ich alles Dad-sagen!«winselte Dudley.»W-wo bist du? Was m-mach-?«

»Hällst du jetzt endlich mal die Klappe?«zischte Harry,»Ich versuche etwas zu hö-«

Aber er wurde still. Er hatte gerade das gehört, was er befürchtet hatte.

Dort war außer ihnen beiden noch etwas anderes im Durchgang, etwas, das tief, heiser und rasselnd atmete. Harry fühlte einen fürchterlichen Anflug von Furcht, als er weiterhin in der eiskalten Luft am Zitternd war.

»B-brich es ab! Hör damit auf! Ich werde dich sch-schlagen, ich schwöre, daß ich es tun werde!«

»Dudley, halts-«.BUMMS.

Die Seite von Harrys Kopf machte Bekanntschaft mit einer Faust, die ihn von seinen Füßen fegte. Kleine weiße Lichter tanzten vor seinen Augen. Zum zweiten Mal in einer Stunde fühlte Harry sich, als ob sein Kopf in zwei geteilt worden wäre; im nächsten Moment war er hart auf dem Boden gelandet, und sein Zauberstab war aus seiner Hand geflogen.

»Du Schwachkopf, Dudley!«schrie Harry, seine Augen, die tränten vor Schmerz, als er sich auf seine Hände und Knie richtete, sich unwohl in der Schwärze fühlend. Er hörte, wie Dudley weg tappte, den Gassenzaun schlagend, stolpernd.

»DUDLEY, KOMM ZURÜCK! DU LÄUFST DIREKT DARAUF ZU!«

Es gab einen fürchterlichen, jammernden Schrei und Dudleys Schritte hörten auf. In demselben Moment fühlte Harry ein schleichendes frostiges Gefühl hinter sich, was nur Eines bedeuten konnte. Es gab mehr als einen.

»DUDLEY, HALT DEINEN MUND ZU! WAS AUCH IMMER DU TUST, HALTE DEINEN MUND ZU!

Zauberstab!«murmelte Harry wild, währen seine Hände wie Spinnen über den Boden flogen.»Wo ist – Zauberstab -

mach schon – lumos!«

Er sagte den Zauberspruch automatisch, auf Licht hoffend, das ihm bei seiner Suche helfen würde – und zu seiner Überraschung flackerte wenige Zentimeter von seiner rechten Hand entfernt ein Licht auf – die Spitze des Zauberstabs hatte sich entzündet. Harry schnappte ihn, stellte sich auf seine Füße und wirbelte herum.

Ihm drehte sich der Magen.

Eine hochragende, zugedeckte Gestalt glitt – über dem Boden schwebend – direkt auf ihn zu. Weder Füße noch Gesicht waren unter den Roben zu erkennen, die Nacht in sich aufsaugend, wie sie kam.

Rückwärts stolpernd, hob Harry seinen Zauberstab.

»Expecto patronum!«

Eine silbrige Strähne schoß aus der Spitze des Zauberstabs und der Dementor wurde langsamer, aber der Zauberspruch hatte nicht richtig funktioniert; über seine eigenen Füßen stolpernd, zog sich Harry weiter zurück als der Dementor auf ihn hinab starrte. Panik machte sich in seinem Kopf breit – konzentrier dich -

Ein Paar graue, schleimige, verschorfte Hände gleiteten aus der Robe des Dementors, die nach ihm griffen. Ein hektisches Geräusch füllte Harrys Ohren.

»Expecto patronum!«

Seine Stimme klang gedämpft und entfernt. Eine weitere Strähne silbernen Rauches, schwächer als die Letzte, entwich dem Zauberstab – er brachte es nicht mehr fertig, er bekam den Spruch nicht hin.

In seinem eigenen Kopf hörte er Gelächter, schrilles, hohes Gelächter…er konnte den verwesten, todeskalten Atem des Dementors riechen und wie der Atem seine eigenen Lungen füllte, ihn ertränkend – denk… an etwas Schönes.«

Aber er konnte an nichts schönes denken… die eisigen Finger des Dementors schlossen sich um seinen Hals – das hohe Gelächter wurde lauter und lauter und eine Stimme sprach in seinem Kopf:»Beuge dich vor dem Tod, Harry… es könnte sogar schmerzlos sein… ich weiß es nicht… ich bin nie gestorben

Er würde Ron und Hermine nie wieder sehen – Und ihre Gesichter drangen deutlich in seinen Verstand, als er um Atem kämpfte.

»EXPECTO PATRONUM!«

Ein enorm großer silberner Hirsch schoss aus der Spitze von Harrys Zauberstab; seine Geweihstangen trafen den Dementor an der Stelle, wo das Herz hätte sein sollen; er wurde zurückgeworfen, schwerelos wie die Dunkelheit und als der Hirsch zustieß, rannte der Dementor weg, geschlagen und besiegt.

»HIER ENTLANG!«schrie Harry dem Hirsch zu. Sich herumwerfend, sprintete er den Gang hinunter und hielt den angezündeten Zauberstab hoch.»DUDLEY? DUDLEY!«

Er hatte kaum ein Dutzend Schritte gemacht, als er sie erreichte: Dudley war auf den Boden gerollt, seine Arme fest über sein Gesicht geklemmt. Ein zweiter Dementor beugte sich tief über ihn und packte seine Handgelenke mit seinen.schleimigen Händen, sie langsam, fast liebevoll auseinander ziehend, seinen zugedeckten Kopf in Richtung Dudleys Gesichts senkend, um ihm den Todeskuss zu geben.

»SCHNAPP IHN DIR!«brüllte Harry und mit hastend, brüllendem Geräusch kam der silberne Hirsch, den er gezaubert hatte, an ihm vorbei galoppiert. Das augenlose Gesicht des Dementors war kaum ein Zentimeter von Dudley entfernt, als ihn die silbernen Geweihstangen trafen. Der Dementor wurde in die Luft geworfen und wie zuvor der andere entfernte es sich und wurde ein Teil der Dunkelheit. Der Hirsch lief zum Ende des Durchgangs und löste sich in silbernen Dunst auf.

Mond, Sterne und straßenlaternen kehrten zurück. Eine warme Brise fegte durch den Gang. Bäume raschelten in den Nachbargärten und das banale Rumpeln von Autos im Magnolia Crescent füllte wieder die Luft. Harry blieb ganz ruhig stehen, all seine Sinne vibrierten, kehrten abrupt zur Normalität zurück. Nach einem Moment merkte er, daß sein T-Shirt an ihm klebte; er war von Schweiß durchnässt.

Er konnte nicht glauben, was gerade geschehen war. Dementoren hier in Klein Whinging.

Dudley lag zusammengerollt auf dem Boden, winselnd und zitternd. Harry sah nach, ob er in der Lage war aufzustehen, aber dann hörte er laute, rennende Schritte hinter sich. Seinen Zauberstab instinktiv wieder anhebend, bereitete er sich auf das Kommende vor.

Frau Figg, ihre verrückte alte Nachbarin, kam schnaufend in Sicht. Ihr ergrautes Haar wand sich aus ihrem Haarnetz.

Eine klirrende Einkaufstasche schwang an ihrem Handgelenk und ihre Füße waren halb aus ihren Schottenteppichpantoffeln heraus geschlüpft. Hastig versuchte Harry seinen Zauberstab außer Sicht zu bringen, aber -

»Steck ihn doch nicht weg, dummer Junge!«kreischte sie.»Was ist, wenn mehr von ihnen in der Nähe sind? Oh ich werde Mundungus Fletcher töten!«.

Kapitel 2 – Ein Schwarm Eulen

»Was?«sagte Harry ausdruckslos.

»Er ist weg!«antwortete Frau Frigg und wrang ihre Hände. Er ist gegangen, um jemanden wegen einer Ladung Kessel zu treffen, die von der Ladefläche eines Besens gefallen sind. Ich habe ihm gesagt, daß ich ihm das Fell bei lebendigem Leib über die Ohren ziehen würde, wenn er gehen würde. Und nun schau dir das an! Dementoren! Es war pures Glück, daß ich Mr. Tibbles in die Tasche gesteckt habe. Aber wir haben keine Zeit, hier herumzustehen. Beeil dich! Wir müssen dich zurückbringen. Oh, der ganze Ärger, den das bereitet. Ich werde ihn umbringen!«

»Aber…«Die Offenbarung, daß seine verrückte alte, von Katzen besessene Nachbarin wußte, was Dementoren sind, war für Harry ein fast genauso großer Schock wie die Tatsache, daß er zwei von ihnen unten in der Gasse getroffen hatte.»Sind Sie – sind Sie eine Hexe?«

»Ich bin ein Squib, und das wußte Mundungus ganz genau. Also warum um alles in der Welt sollte ich dir helfen, die Dementoren abzuwehren? Er hat dich ohne jeden Schutz zurückgelassen, als ich ihn gewarnt habe…«

»Dieser Mundungus ist mir gefolgt? Einen Augenblick mal – er war es! Es ist vor meinem Haus erschienen!«

Ja, ja, ja, aber zum Glück habe ich Mr. Tibbles unter einem Auto platziert – nur für den Fall – und Mr. Tibbles ist gekommen und hat mich gewarnt. Aber als ich bei deinem Haus war, warst du schon weg – und jetzt – oh, was wird Dumbledore bloß sagen? – Du!«kreischte sie Dudley an, der immer noch im Hausflur lag.»Heb deinen fetten Hintern vom Boden, los schnell!«

»Sie kennen Dumbledore?«fragte Harry und starrte sie an.

»Natürlich kenne ich Dumbledore. Wer kennt Dumbledore nicht? Aber komm schon – ich werde keine große Hilfe sein, wenn sie zurückkommen, ich habe noch nie mehr zustande gebracht, als einen Teebeutel umzuwandeln. Sie bückte sich herunter, nahm einen von Dudleys massiven Armen in ihre runzligen Hände und zerrte daran.»Steh auf, du nutzloser Kloß! Steh auf!«

Aber entweder konnte Dudley sich nicht bewegen oder er wollte nicht. Er blieb auf dem Boden, zitternd und aschfahl im Gesicht, seinen Mund zusammengekniffen.

»Ich mache das.«Harry griff nach Dudleys Arm und hob ihn hoch. Mit einem enormen Kraftaufwand gelang es ihm, ihn auf die Füße zu stellen. Dudley schien am Rand einer Ohnmacht zu sein. Seine kleinen Augen rollten in ihren Höhlen und Schweiß lief über sein Gesicht; in dem Moment, als Harry ihn losließ, schwankte er bedrohlich.

»Beeil dich!«rief Frau Figg hysterisch.

Harry legte einen von Dudleys massiven Armen um seine eigene Schulter und schleppte ihn in Richtung Straße leicht zusammengesunken unter dem Gewicht. Frau Figg torkelte vor ihnen entlang und spähte ängstlich um die Ecke.

»Halte deinen Stab gezogen,«sagte sie zu Harry, als sie den Glyzinienweg betraten.»Denk jetzt nicht an das Gesetz der Geheimhaltung. Wir werden sowieso verdammt viel dafür bezahlen müssen, wir können genauso gut für einen Drachen wie für ein Ei gehängt werden… Nimm nur die Angemessene Einschränkung von Zauberei Minderjähriger – das ist genau das, wovor Dumbledore Angst hatte – Was ist das da am Ende der Straße? Oh, das ist nur Mr. Prentice… stecke deinen Zauberstab nicht weg Junge, sage ich dir nicht andauernd, daß ich zu nichts nütze bin?«

Es war nicht leicht, den Zauberstab bereit zu halten und gleichzeitig Dudley hinter sich her zu zerren. Harry gab seinem Cousin einen ungeduldigen Stoß in die Rippen, aber Dudley schien jedes Bestreben zur selbständigen Bewegung verloren zu haben. Er lehnte zusammengesackt an Harrys Schulter, seine großen Füße den Boden entlang schleppend.

»Warum haben Sie mir nicht gesagt, daß Sie ein Squib sind, Frau Figg?«fragte Harry keuchend wegen der Anstrengung weiterzulaufen.»Die ganze Zeit, wenn ich in Ihr Haus gekommen bin – warum haben Sie nichts gesagt?«

»Anweisung von Dumbledore. Ich sollte ein Auge auf dich haben aber nichts sagen, du warst zu jung. Es tut mir leid, daß ich dich so schlecht behandelt habe, Harry, aber die Dursleys hätten dich niemals kommen lassen, wenn sie angenommen hätten, daß es dir gefällt. Es war nicht leicht, weißt du, aber – oh je, wenn Dumbledore das erfährt. Wie konnte Mundungus weggehen. Er sollte Dienst bis Mitternacht haben – wo ist er? Wie erkläre ich Dumbledore bloß, was passiert ist? Ich kann ja nicht Apparieren.«

»Ich habe eine Eule, ich kann Sie Ihnen borgen.«Harry stöhnte und überlegte, ob seine Wirbelsäule unter Dudleys Gewicht brechen würde.

»Harry, du verstehst das nicht! Dumbledore muß so schnell wie möglich reagieren, das Ministerium hat seine eigenen Wege, um Zauberei Minderjähriger aufzuspüren. Die wissen das bereits, denk an meine Worte.«.»Aber ich mußte die Dementoren loswerden. Ich mußte Zauberei anwenden – die werden doch sicher mehr besorgt darüber sein, was die Dementoren gemacht haben, als sie im Glyzinienweg herumgewandert sind?«

»Ach, mein Lieber, ich wünschte, es wäre so. MUNDUNGUS FLETCHER, ICH WERDE DICH UMBRINGEN!«

Es gab ein lautes Krachen und ein strenger Geruch nach Alkohol vermischt mit abgestandenem Tabak füllte die Luft, als ein gedrungener, unrasierter Mann in einem zerfetzten Mantel sich genau vor ihnen materialisierte. Er hatte kurze O-Beine, langes, zottiges, rotes Haar und blutunterlaufene schlaffe Augen, die ihm den traurigen Anblick eines Basset Jagdhundes gaben. Er hielt ebenfalls ein silbriges Bündel fest, das Harry sofort als einen Tarnumhang identifizierte.

»Was ist los, Figgy?,«fragte er und starrte von Frau Figg zu Harry und Dudley.»Was ist passiert, um sich so versteckt zu halten?«

»Ich verstecke dich gleich,«schrie Frau Figg.»Dementoren, du nutzloser, blau machender Langfinger!«

»Dementoren? wiederholte Mundungus entgeistert.»Dementoren, hier?«

»Ja, hier, du wertloses Stück Fledermausscheiße. Hier!«schrie Frau Figg.»Dementoren haben den Jungen angegriffen, den du bewachen solltest.«

»Verflucht,«sagte Mundungus schwach und schaute von Frau Figg zu Harry und wieder zurück.»Verflucht, ich…«

»Und du gehst los, um gestohlene Kessel zu kaufen. Habe ich dir nicht gesagt, du sollst nicht gehen? Habe ich das nicht gesagt?«

»Ich- weißt du, ich…«Mundungus schaute sehr unbehaglich.»Ich – es war eine sehr gute Geschäftsmöglichkeit, sieh mal…«

Frau Figg riss den Arm hoch, an dem ihr Einkaufsbeutel baumelte und schlug ihn Mundungus um Gesicht und Hals.

Nach dem klirrenden Geräusch zu urteilen, das er machte, war er voller Katzenfutter.

»Au, du verrückte alte Fledermaus! Jemand muß es Dumbledore sagen!«

»Ja – jemand – muß – das – tun!«schrie Frau Figg und schlug den Beutel mit Katzenfutter auf jeden Teil von Mundungus, den sie erreichen konnte.»Und – das – solltest – besser – du sein – und – du – kannst – ihm – sagen – warum – du – nicht – da – warst – um – zu – helfen.«

»Verlier dein Haarnetz nicht!,«sagte Mundungus hockend, seine Arme über dem Kopf.»Ich gehe, ich gehe!«

Und mit einem weiteren lauten Knall verschwand er.

»Ich hoffe, Dumbledore bringt ihn um!«sagte Frau Figg wütend.»Jetzt komm, Harry. Worauf wartest du?«

Harry beschloss, seinen verbliebenen Atem nicht dafür zu verschwenden, darauf hinzuweisen, daß er unter Dudleys Masse kaum laufen konnte. Er gab dem halb ohnmächtigen Dudley einen Stoß und schwankte weiter.

»Ich bringe dich bis zur Tür,«sagte Frau Figg, als sie in den Ligusterweg einbogen.»Nur für den Fall daß sich noch mehr von ihnen hier herumtreiben… oh je, was für eine Katastrophe… und du mußt sie allein bekämpfen… und Dumbledore hat gesagt, wir müssten dich um jeden Preis daran hindern, Magie anzuwenden… nun ich denke, es hat keinen Sinn, über einen umgeschütteten Zaubertrank zu jammern… aber die Katze ist jetzt zwischen den Elfen.«

»Also,«keuchte Harry,»Dumbledore… hat mich… verfolgen lassen?”

»Natürlich hat er das!«sagte Frau Figg ungeduldig.»Hast du erwartet, daß er dich alleine herumlaufen lässt, nach dem, was im Juni passiert ist? Guter Lord, Junge, sie haben mir gesagt, du wärst intelligent… Gut, geh hinein und bleib dort,«sagte sie als sie Nummer 4 erreicht hatten.»Ich erwarte, daß schnell genug jemand mit dir Kontakt aufnimmt.«

»Was machen Sie jetzt? fragte Harry schnell.

»Ich gehe geradewegs nach Hause«sagte Frau Figg und starrte schauernd in der dunklen Straße umher.»Ich muß auf weitere Anweisungen warten. Bleib einfach im Haus. Gute Nacht.«

»Halt, warten Sie! Gehen Sie noch nicht! Ich will wissen -«

Doch Frau Figg war schon losgegangen in ihrem Trott, mit klappernden Hausschuhen und klirrendem Einkaufsbeutel.

»Warten Sie!«schrie Harry ihr hinterher. Er hatte eine Million Fragen an jeden, der Kontakt mit Dumbledore hatte; aber innerhalb von Sekunden war Frau Figg von der Dunkelheit verschluckt. Finster blickend rückte Harry Dudley auf seiner Schulter zurecht und machte sich auf seinen langsamen schmerzhaften Weg hinauf zum Garten weg von Nummer vier.

Das Licht in der Diele war an. Harry steckte seinen Zauberstab zurück in den Bund seiner Jeans, klingelte und beobachtete, wie Tante Petunias Umriss größer und größer wurde, seltsam verzerrt durch das geriffelte Glas in der Hautür…»Diddy! Das wird aber auch Zeit! Ich war schon ziemlich – ziemlich – Diddy, was ist denn los?«

Harry blickte seitlich zu Dudley und duckte sich zur gleichen Zeit unter seinem Arm weg.

Dudley schaukelte einen Moment, sein Gesicht wurde blassgrün… dann öffnete er seinen Mund und übergab sich vor dem Fußabtreter.

»DIDDY? Diddy, was ist den los mit dir? Vernon? VERNON!«

Harry«s Onkel kam aus dem Wohnzimmer getapst, seine Walrossschnurbart flog hin und her, wie er es immer tat, wenn er aufgeregt war. Er eilte heran, um Tante Petunia zu helfen, den knieweichen Dudley über die Türschwelle zu bringen, wobei er es vermied, in das Erbrochene zu treten.

»Er ist krank, Vernon!«

»Was ist, mein Sohn? Was ist passiert? Hat dir Frau Polkiss dir irgendwas ausländisches zum Tee gegeben?,«fragte Onkel Vernon.

»Warum bist du denn überall so schmutzig, Darling? Hast du etwa auf dem Boden gelegen?«

»Moment mal! Du bist doch nicht überfallen worden, oder, mein Sohn?

Tante Petunia schrie:

»Ruf die Polizei an, Vernon! Ruf die Polizei! Diddy, Liebling, rede mit Mami! Was haben sie dir angetan?«

In all dem Lärm und der Aufregung schien niemand Harry wahrgenommen zu haben, was ihm sehr gelegen kam. Er schaffte es, hineinzuschlüpfen, bevor Onkel Vernon die Tür zuknallte. Während die Dursley«s sich lautstark die Diele entlang in Richtung Küche bewegten, schlich Harry leise und vorsichtig auf die Treppe zu.

»Wer war es, Sohn? Nenn uns die Namen. Wir werden sie kriegen, hab«keine Angst.«

»Psst! Er versucht uns etwas zu sagen, Vernon! Was ist es, Diddy? Sag«s Mami!«

Harry stand auf der untersten Stufe der Treppe, als Dudley seine Stimme wiederfand.

»Er.«

Harry erstarrte, den Fuß auf der Treppe, verzog er sein Gesicht, bereit für den Ausbruch.

»JUNGE! KOMM HER!«

Mit einem Gefühl zwischen Angst und Zorn nahm Harry vorsichtig seinen Fuß von der Treppe und drehte sich um, um den Dursleys zu folgen.

Die peinlich saubere Küche glitzete, im kontrast zu der Dunkelheit vor der Tür, auf eine seltsame Weiße. Tante Petunia drückte Dudley sanft in einen Stuhl; er war immernoch sehr grün im Gesicht und sein Gesicht war verschwitzt… Onkel Vernon stand vor dem Abwaschbecken und funkelte Harry durch seine zusammengekniffenen Augen an.

»Was hast du mit meinem Sohn gemacht?«sagte er in einem bedrohnlichen grollen.

»Gar nichts,«sagte Harry und wußte ganz genau, das Onkel Vernon ihm nicht glauben würde.

»Was hat er dir angetan, Diddy?«fragte Tante Petunia mit zitternder Stimme und sah nun, Im Gegensatz zu Dudley sehr viel kränklicher aus.»War er – war es du-weißt-schon-was, Liebling? Hat er- dieses Ding benutzt?«

Langsam und ängstlich nickte Dudley.

»Habe ich nicht!«sagte Harry scharf als Tante Petunia ein Heulen hören lies und Onkel Vernon seine Faust hob.» Ich habe ihm nichts getan, ich war es nicht, es war -«

Aber in diesem bewegendem Moment schoß eine kreischende Eule durch das Küchenfenster. Nur knapp verfehlte sie Onkel Vernons Kopf, zischte einmal durch die Küche, ließ den großen Pergamentumschlag, den sie im Schnabel hatte auf Harrys Fuß fallen, drehte graziös um, die Spitzen ihrer Flügel striffen den Kühlschrank, schoß wieder nach draußen und flog durch den Garten.

»EULEN!«brüllte Onkel Vernon, die auffällige Vene an seiner Schläfe pulsierte ärgerlich, als er er das Küchefenster zuschlug.»SCHON WIEDER EULEN! ICH WILL NIE WIEDER AUCH NUR EINE EINZIGE EULE IN MEINEM HAUS SEHEN!«

Aber Harry war schon dabei den Umschlag zu öffnen und den Brief in seinem inneren rauszuholen, er spürte sein Herz irgendwo in der Region seines Adam Apfels schlagen.

Sehr geeherter Mr. Potter,.Wir haben zur Kentniss genommen, daß Sie den Patronus Zauber um dreiundzwanzig minuten nach neun an diesem Abend in einer muggelbevölkerten Umgebung in der Gegenwart eines Muggels angewendet haben.

Dieser Bruch der Verordung zur Einschränkung der Zauberei von Minderjährigen hat den Ausschluß von der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei zur Folge. Ein Ministeriumsvertreter wird in kürze ihren Aufenthaltsort aufsuchen, um Ihren Zauberstab zu zerbrechen.

Wir teilten Ihnen schon, als Sie das letzte Mal eine Verwarnung wegen eines offentlichen Angriffes unter Paragraph 13 der Internatoinalen Vereinigung zur Geheimhaltung der Zauberei, das Sie am zwölfen August zu einer Anhörung im Zaubereiministerium erscheinen müssen.

Hoffend, daß es Ihnen gut geht, hochachtungsvoll,

Mafalda Hopkirk,

Abteilung für Unangemessenen Gebrauch von Magie Zaubereiministerium Harry mußte den Brief zweimal lesen. Er war sich nur vage bewußte, daß Onkel Vernon und Tante Petunia redeten. In seinem Kopf war alles kalt und taub. Eine Sache hatte ihn so getroffen, als ob ihn ein Dartpfeil durchbohren würde. Er wurde von Hogwarts geschmissen. Nun war alles vorbei. Er würde nie wieder zurück gehen.

Er blickte auf zu den Dursleys Onkel Vernons Hesicht war purpurn angelaufen, seine Schläfe pulsierte immer noch;

Tante Petuina hatte eine Arm um Dudley gelegt, der sich wieder erbrechen mußte.

Harry«s zeitweilig ausgefallenes Hrin, fin wieder an zu arbeiten.Ein Ministeriumsvertreter wird in kürze ihren Aufenthaltsort aufsuchen, um Ihren Zauberstab zu zerbrechen. Es gab nur einen Ausweg. Er mußte weglaufen – und zwar jetzt. Wo er hingehen sollt, wußte Harry nicht, aber er war sich einer Sache sehr bewußte; in Hogwarts und um es herum, brauchte er seinen Zauberstab. In einer fast mechanischen Bewegung, holt seinen Zauberstab raus, und drehte sich um, um die Küche zu verlassen.

»Was denkst du dir dabei jetzt wegzugehen?«schimpfte Onkel Vernon. Als Harry nicht reagierte, stampfte er durch die Küche um den Weg in den Flur zu versperren.»Ich bin noch nicht fertig mit dir, Junge!«

»Geh mir aus dem Weg.«sagte Harry ruhig.

»Du bleibst hier und erklärst mir, wie mein Sohn -«

»Wenn du nicht aus dem Weg gehst, werde ich dich verfluchen«sagte Harry und hob den Zauberstab.

»Du kannst das nicht gegen mich anwenden!«knurrte Onkel Vernon.»Ich weiß das du es nicht außerhalb diesem Verrücktenhaus, das du Schule nennst benutzen darfst!«

»Das Verrücktenhaus hat mich rausgeschmissen,«sagte Harry.»Jetzt kann ich machen was ich will. Du hast drei Sekunden. Eins – zwei -«

Ein gewaltiges CRACK erfüllte die Küche. Tante Pertunia schrie auf. Onkel Vernon brüllte auf und duckte sich, aber für das dritte mal an diesem Abend suchte Harry nach dem Ursrung dieser Störung. Er sah es sofort: eine verwirrte und angeschlangene Schleiereule saß an der Außenseite des Fensters, das immer noch geschlossen war, und mit dem sie allem Anschein nach kollidiert war.

Onkel Vernons verzweifelten schrei»EULEN!«ignorierend rannte Harry durch die Küche und riss das Fenster auf. Die Eule streckte ihr Bein aus an dem eine kleine Rolle Pergament befestigt war, schüttelte ihre Federn aus und flog wieder davon, als Harry den Brief nahm. Harry öffnete die zweite Nachricht, die er an diesem Abend bekommen hatte und die hastig und unleserlich mit schwarzer Tinte geschrieben war.

Harry -

Dumbledore ist eben im Ministerium angekommen und versucht dich da raus zu hauen. VERLASSE NICHT DAS HAUS DEINES ONKELS UND DEINER TANTE! BETREIBE KEINE MAGIE MEHR! GIB NIEMANDEN DEINEN ZAUBERSTAB!

Arthur Weasley Dumbledore war dabei, ihn aus der ganzen Geschichte rauszuhauen… was meinte er damit? Hatte Dumbledore die mach, das Zaubereiministerium umzustimmen? War da eine Chance, wieder von Hogwarts aufgenommen zu werden?

Ein kleiner Funken Hoffnung bildetet sich in Harry, aber wurde gleich wieder durch Panik abgelöst – wie sollte er sich weigern, jemanden seine Zauberstab zu geben, ohne Magie auszuüben? Er müstte sich mit dem Ministeriumsvertreter duelieren, und wenn er das getan hatte, könnt er noch froh sein, wenn er nach Askaban kommen würde…Sein Verstand raste… er könnte weglaufen und riskieren vom Ministerium geschnappt zu werden, oder ienfach hier bleiben und warten bis sie hier aufkreuzten. Ihm gefiel die erste Variante viel besser, aber er wußte, das Mr. Weasley nur das beste für ihn wollte…und außerdem hatte Dumbledore schon viel schlimmere Sachen im Ministerium klargestellt, als dieses hier.

»Ok,! sagte Harry.»ich habe es mir anders überlegt. Ich bleibe hier.«

Er setzte sich an den Küchentisch und beobachtete Dudley und Tante Petunia. Die Dursleys waren sehr verblüfft über diesen plötzlichen Meinungswechsel. Tante Petunia sah Onkel Vernon verwirrt an. Seine Vene pochte wie immer.

»Woher kommen diese verdammten Eulen?«grollte er.

»Die erst kam vom Zaubereiministerium um mich rauszuwerfen.«sagte Harry langsam. Er spitze seine Ohren um irgendwelche Geräusche von drauße aufzufangen falls der Ministeriumsvertreten apperieren sollte, denn es war einfach Onkel Vernon die Sache so zu erklären, als wenn er wütend wäre.» Der zweite war von dem Vater meines Freundes Ron der im Zaubereiministerium arbeitet.«

»Zauberreiministerium?«bellte Onkel Vernon.»Leute wie du haben ein Ministerium!? Oh, das erklärt alles, alles, kein Wunder das dieses Land vor die Hunde geht.«

Als Harry darauf nichts sagte, starrte Onkel Vernon eine zeit lang an bis er fragte:»Und warum bist du rausgeflogen?«

»Weil ich gezaubert habe.«

»AHA!«rief Onkel Vernon aus, schlug die geballte Faust auf den Kühlschrank, die aufsprang; ein Teil von Dudleys Snacks mit wenig Fett fielen raus und verteilten sich auf dem Boden.»Also gibst du es zu! Was hast du mit Dudley gemacht?«

»Nichts.«sagte Harry verzweifelt.» Das war nicht ich-«

»Argh,«unterbrach sie Dudley, und Onkel Vernon und Tante Petunia machten gestekulierende Bewegungen in Harrys Richtung währenddem sich beide über Dudley beugten.

»Komm schon, Sohn,«sagte Onkel Vernon.»Was hat er getan?«

»Sag es und, Liebling.«flüsterte Tante Petunia.

»Er richtete seinen Zauberstab auf mich.«murmelte Dudley.

»Ja habe ich, aber ich habe es nicht benutzt -» fing Harry ärgerlich an aber-

»HALT DEN MUND!«sagten Onkel Vernon und Tante Petunia wie aus einem Munde.

»Erzähl weiter, Sohn, sagte Onkel Vernon ruhiger.

»Alles wurde dunkel,«sagte Dudley und find an zu zittern.«Alles dunkel. Und dann h-hörte ich…Sachen. In meinem Kopf.«

Onkel Vernon und Tante Petunia stand der blanke Horror im Gesicht.

Wenn es was schlimmeres gab für sie als die Magie – gleich gefolgt von Nachbarn die mehr im Garten taten als sie.

waren es Leute die Stimmen hörten.

»Was für Dinge hast du gehört, Popkin.?«hauchte Tante Petunia die sehr blaß war und Tränen in ihren hatte…

Aber Dudley war nicht in der lage, zu sprechen. Er fing wieder an zu zittern und schüttelte seinen blonden Kopf, er geflektierte die Benommenheit wieder, die auch Harry seit der ersten Eule verspührte. Dementoren verleiten einen dazu, die schlimmsten Dinge wieder zu erleben. Was war wohl in Dudleys schlimmstes Erlebnis gewesen?

»Was hast du gespürt, Sohn?«sagte Onkel Vernon mit einer verstellten Stimme, gleich der eines Besuchers an einem Krankenbett.

»A-Aufgelöst«sagte Dudley immer noch zitternd»Und dann -«

Es schüttelt ihn am ganzen Körper. Harry verstand. Dudley dachte an diese entsätzliche Kälte die die Lungen füllte als ob die Hoffnung und die Freude aus ihnen gezogen würde.

»Fürchterlich,«krächste Dudley.»Kalt. Richtig kalt.«

»OK,«sagte Onkel Vernon im beruhigenden Ton, währendem Tante Petunia ihre Hand auf Dudley«s Strin legte um seine Temperatur zu überprüfen.»Was passierte dann, Dudders?«

»Ich fühle…fühlte…fühlte…fühlte mich als ob…«

»Als ob du nie wieder glücklich werden würdest.«vollendetete Harry seinen Satz…»Ja.«flüsterte Dudley.

»So.«sagte Onkel Vernon und hob seine Stimme wieder zu ihrer normalen, lauten Lautstärke an.»Du hast einen Flcuh auf meinen Sohn gejagt, der ihn denken lies er hätte Stimmen gehört und denken lassen, daß er nir wieder glücklich sein würde oder sowas, nicht war?«

»Wo oft soll ich es dir denn noch sagen?«sagte Harry ärgerlich und erhob auch seinerseits die Stimme.»Ich WAR es nicht! Es war eine Gruppe Dementoren.«

»Eine Gruppe – was soll der Blödsinn?«

»De-men-to-ren, «sagte Harry langsam und deutlich.»Und zwar zwei.«

»Und was zur verdammten Hölle sind Dementoren?«

»Die Wächter des Zauberergefängnisses, Askaban.«sagte Tante Petunia.

Diesen Worten folgten zwei Sekunden plötzlicher Stille bevor Tante Petunia die Hand vor den Mund schlug als ob ihr so eben ein ekeliges Schimpfwort herausgerutscht wäre. Onkel Vernon glotzte sie an. In Harrys Kopf drehte sich alles.

Mrs Figg war eine Sache – aber Tante Petunia?

»Woher weißt du das?«fragte er erstaunt.

Aunt Petunia schien sich über sich selbst zu ärgern. Sie blickte Onkel Vernon mit einer ängstlichen Entschuldigung in den Augen an, dann senkte sie ihre Hand ein wenig und entblößte ihre Pferdegebiss.

»Ich hab gehört wie – dieser fürchterliche Junge – ihr vor Jahren -davon erzählt hat.«Sagte sie unbeholfen.

»Wenn du meinen Vater und meine Mutter meinst, warum benutzt du dann nicht ihre Namen?«sagte Harry laut, aber Tante Petunia ignorierte ihn. Sie schien schrecklich verwirrt.

Harry war verblüfft. Mit Ausnahme von einem Ausbruch vor ein paar Jahren, in dem Tante Petunia geschrieen hatte das seine Mutter eine Missgeburt gewesen war, hatte Harry sie niemals ihre Schwester erwähnen hören. Es verwunderte ihn, daß sie sich an diesen Fetzen Information über die Magische Welt noch immer erinnern konnte, wo sie doch sonst ihre ganze Kraft daran setzte so zutun, als gäbe es sie nicht.

Onkel Vernon öffnete seinen Mund, schloss ihn wieder, öffnete ihn noch einmal, schloss ihn, und dann, als er sich anscheinend wieder daran erinnern konnte wie man redete. Öffnete er ihn zum dritten Mal und krächzte,»Also – sie-

eh- existieren als – eh- wirklich, diese – eh – Demento-dinger?«

Tante Petunia nickte.

Onkel Vernon schaute von Tante Petunia zu Dudley zu Harry als ob er hoffte, daß jemand»April, April«rufen würde.

Als das niemand tat öffnete er erneut seinen Mund, aber die Suche nach Worten wurde ihm erspart als die dritte Eule des Abends ankam. Sie schoss durch das immer noch offene Fenster wie eine gefiederte Kanonenkugel und landete mit einem Krachen auf dem Küchentisch, was alle drei Dursleys dazu brachte erschrocken zur Seite zu springen. Harry zog einen zweiten offiziell-aussehenden Umschlag aus dem Schnabel und riss ihn auf, als die Eule sich wieder in die Nacht stürzte.

»Genug- verdammte- Eulen,«murmelte Onkel Vernon angelenkt, stolperte zum Fenster hinüber und schloss es.

Sehr geehrter Mr Potter,

Ferner hat das Ministerium im Bezug auf den Brief, den sie vor etwa 22 Minuten erhalten haben seine Entscheidung, ihren Zauberstab zu zerstören vorerst revidiert. Sie dürfen ihren Zauberstand bis zur Disziplinar-Anhörung am 12.

August behalten, wo dann eine offizielle Entscheidung gefällt wird.

Infolge der Diskussionen mit dem Schulleiter von Hogwarts- Schule für Hexerei und Zauberei, hat das Ministerium zugestimmt, daß dort auch die Frage ihres Schulverweises behandelt wird. Aufgrund dieser Umstände sollten sie sich bis zur Prüfung ihres Falles von der Schule suspendiert sehen.

Mit besten Wünschen Ihre Mafalda Hopkirk Abteilung für Unangemessenen Gebrauch von Magie Ministerium für Magie Harry las sich den Brief schnell dreimal hintereinander durch. Der elende Knoten in seiner Brust löste sich leicht vor Erleichterung, daß er noch nicht endgültig der Schule verwiesen war, obwohl seine Ängste keineswegs vertrieben waren. Alles schien von dieser Anhörung am 12. August abzuhängen…»Und?«sagte Onkel Vernon, worauf Harry sich wieder seiner Umgebung bewusst wurde.

»Was ist jetzt? Haben sie dich für etwas bestraft? Gibt es bei euch die die Todesstrafe?«fügte er seinen hoffenden Gedanken nachträglichen hinzu.

»Ich muß zu einer Anhörung.«Sagte Harry.

»Und sie werden dich da bestrafen?«

»Ich denke schon.«

»Dann gebe ich die Hoffnung noch nicht auf.«Sagte Onkel Vernon gehässig.

»Also, wenn das alles ist,«sagte Harry und stand auf. Er wollte unbedingt allein sein, um nachzudenken, und vielleicht einen Brief an Ron, Hermine oder Sirius zu schicken.

»NEIN, DAS IST VERDAMMT NOCH MAL NICHT ALLES!«grölte Onkel Vernon.»SETZ DICH WIEDER HIN!«

»Was denn jetzt?«sagte Harry ungeduldig.

»DUDLEY!«brüllte Onkel Vernon.»Ich will genau wissen was mit meinem Sohn passiert ist!«

»IN ORDNUNG!«schrie Harry, und vor Wut sprühten rote und goldene Funken aus dem Ende seines Zauberstabes, denn er immer noch fest umklammert hielt. Alle drei Dursley wichen erschrocken zurück.

»Dudley und ich waren in der Gasse zwischen Magnolia Crescent und Wisteria Walk,«sagte Harry, er sprach schnell während er versuchte, seine Wut zu zügeln.»Dudley dachte, er könne sich über mich lustig machen, ich nahm meinen Zauberstab raus aber hab ihn nicht benutzt. Dann tauchten diese zwei Dementoren auf -«

»Aber was SIND Dementoiden?«fragte Onkel Vernon zornig.»Was TUN sie?«

»Ich habs euch doch gesagt – sie saugen all das Glück aus einem,«sagte Harry,»und wenn sie die Möglichkeit haben küssen sie dich-«

»Küssen dich?«sagte Onkel Vernon, und seine Augen traten leicht hervor. »Küssen dich?«

»So nennen sie es wenn sie dir die Seele über den Mund heraus saugen.«

Tante Petunia entfuhr ein leiser Schrei.

»Seine Seele? – Sie haben ihm doch nicht – er hat doch noch -«

Sie packte Dudley an den Schultern und schüttelte ihn, als ob sie feststellen wollte ob man seine Seele drinnen rasseln hören konnte oder nicht.

»Natürlich haben sie seine Seele nicht gekriegt, ihr könntet es sehen wenn sie es getan hätten,«sagte Harry entnervt.

»Hast sie alle bekämpft, was, Sohn?«sagte Onkel Vernon sehr laut, mit dem Erscheinungsbild eines Mannes der krampfhaft versuchte die Unterhaltung wieder auf eine Ebene zu bringen die er verstehen konnte.»Hast ihm eine rechts-links gegeben, oder?«

»Du kannst einem Dementor nicht eine rechts-links geben,«sagte Harry durch zusammen gepresste Zähne.

»Und warum ist er dann in Ordnung?«tobte Onkel Vernon.»Warum ist er dann nicht ganz leer?«

»Weil ich den Patronus benutzt habe-«

WUSCH. Mit einem Klappern, einem Geschwirre von Flügeln und einem leichten Staubfall kam eine vierte Eule aus dem Kamin in der Küche geschossen.

»UM HIMMELS WILLEN!«brüllte Onkel Vernon und riss sich große Klumpen Haare aus seinem Schnauzbart, etwas, zu dem er schon seit langer Zeit nicht mehr getrieben worden war.»HIER WIRD ES KEINE EULEN MEHR GEBEN!

ICH WERDE DAS NICHT DULDEN, ICH SAGS DIR!«

Aber Harry war schon dabei, eine Rolle Pergament vom Bein der Eule zu nehmen. Er war so überzeugt daß dieser Brief von Dumbledore war in dem er alles erklären würde – die Dementoren, Mrs Figg, was das Ministerium vorhatte, und wie er, Dumbledore, vorhatte alles in Reine zu bringen – daß er zum ersten Mal in seinem Leben enttäuscht war Sirius Handschrift zu sehen. Onkel Vernons immer noch andauernde Beschwerde über Eulen ignorierend und seine Augen gegen eine zweite Staubwolke verengend, als die Eule wieder im Kamin verschwand, las Harry Sirius«Nachricht.

Arthur hat mir grade erzählt was passiert ist. Verlaß das Haus nicht noch einmal, was auch immer du tust.

Harry fand das eine so unangemessene Antwort auf alles, was heute Nacht passiert war, daß er das Stück Pergament umdrehte und nach dem Rest des Briefes suchte, aber da war nichts anderes mehr…Und jetzt kam wieder die Wut in ihm hoch. Würde denn niemand»gut gemacht wie du die beiden Dementoren ganz alleine bekämpft hast«sagen?«Mrs Weasley und Sirius taten beide so, als ob er sich falsch benommen hatte, und sich die Standpauken für den Moment aufbewahrten an dem sie einschätzen konnten, wie groß der Schaden war.

»…ein Haufen, ich meine einen Haufen Eulen, die in mein Haus ein -und ausfliegen, ich werde das nicht dulden, Junge, ich werde-«

»Ich kann die Eulen nicht davon abhalten, hier aufzutauchen,«schnappte Harry, und zerknüllte Sirius«Brief in seiner Faust.

»Ich will die Wahrheit über das was heute Nacht passiert ist!«bellte Onkel Vernonm.»Wenn es Dementen waren die Dudley verletzt haben, wie kommt es dann, daß du rausgeflogen bist? Du hast du-weißt-schon-was getan, du hast es zugegeben!«

Harry nahm einen tiefen, ruhigen Atemzug. Sein Kopf begann wieder zu schmerzen. Mehr als alles andere wollte er aus der Küche und von den Dursleys raus.

»Ich habe den Patronus Zauber benutzt um die Dementoren loszuwerden,«sagte er und zwang sich, ruhig zu bleiben.

»Es ist das einzige, was gegen sie hilft.«

»Aber was haben die Dementoiden in Little Whinging getan?«sagte Onkel Vernon in einem aufgebrachten Tonfall.

»Ich kann«s dir nicht sagen.«Sagte Harry müde.»Ich habe keine Ahnung.«

Sein Kopf pochte nun im grellen Schein der Leuchtstoffröhren. Sein Zorn ebbte ab. Er fühlte sich verbraucht und erschöpft. Die Dursleys starrten ihn an.

»Es liegt an dir,«sagte Onkel Vernon mit Nachdruck,»Es hat etwas mit dir zu tun, Junge, ich weiß es. Warum sollten sie sonst hier auftauchen? Warum sollten sie sonst in der Gasse sein? Du bist wahrscheinlich der einzige -«offenbar konnte er sich nicht dazu durchringen»Zauberer«zu sagen.«»Der einzige du-weißt-schon-was weit und breit.«

»Ich weiß nicht warum sie hier waren«

Aber während Onkel Vernons Worten hatte Harrys erschöpftes Gehirn wieder angefangen, zu arbeiten. Warum waren die Dementoren nach Little Whinging gekommen? Wie konnte es ein Zufall sein, daß sie genau in derselben Gasse angekommen waren in der Harry gewesen war? Waren sie geschickt worden? Hatte das Ministerium für Magie die Kontrolle über die Dementoren verloren? Hatten sie Askaban zurückgelassen und waren Voldemordt beigetreten, wie Dumbledore es vorrausgesagt hatte?

»Diese Dementen bewachen irgendein Spinner -Gefängnis?«fragte Onkel Vernon, Harrys Gedankengang folgend.

»Ja,«sagte Harry.

Wenn doch nur sein Kopf aufhören würde, weh zu tun, wenn er doch nur die Küche verlassen und in sein dunkles Schlafzimmer gehen könnte und nachdenken

»Oho! Sie kamen um dich festzunehmen!«sagte Onkel Vernon, mit dem triumphierenden Gesichtsausdruck eines Mannes der so eben zu einer unangreifbaren Schlussfolgerung gelangt war.»Das ist es, nicht wahr, Junge? Du bist auf der Flucht vor dem Gesetz!«

»Natürlich bin ich das nicht.«Sagte Harry und schüttelte den Kopf, als ob er eine Fliege verscheuchen wolle, seine Gedanken schwirrten jetzt geradezu.

»Warum dann -?«

»Er muß sie geschickt haben,«sagte Harry leise, mehr zu sich selbst als zu Onkel Vernon.

»Wer? Wer muß sie geschickt haben?«

»Lord Voldemordt.«Sagte Harry.

Schwach registrierte er, wie merkwürdig es war, daß die Dursleys, die zurückzuckten und leise aufschrieen, wenn sie Worte wie Zauberer, Magie oder Zauberstab hörten, sich den Namen des bösesten Zauberers aller Zeiten ohne die kleinste Regnung anhören konnten.

»Lord – warte kurz,«sagte Onkel Vernon, sein Gesicht verzog sich, ein Verstehen erschien in seinen Schweinchenaugen.»Ich habe diesen Namen schon mal gehört… das ist der, der…«

»Meine Eltern getötet hat, ja,«sagte Harry matt.

»Aber er ist weg,«sagte Onkel Vernon ungeduldig, ohne auch nur den geringsten Hinweis darauf, daß der Mord an Harry Eltern ein schmerzvolles Thema sein könnte.»Der riesige Kerl hat das gesagt. Er ist verschwunden.«

»Er ist zurück,«sagte Harry schwer…Es fühlte sich merkwürdig an, hier in Tante Petunias steriler Küche zu stehen, neben dem high-end Kühlschrank und dem Großbildfernseher, und ruhig mit Onkel Vernon über Lord Voldemort zu reden. Die Ankunft der Dementoren in Little Whinging schien die große, unsichtbare Mauer, die die unmagische Welt im Ligusterweg und der Welt dahinter trennte, zerbrochen zu haben. Harrys zwei Leben waren irgendwie verschmolzen und alles hatte sich auf den Kopf gestellt; die Dursleys fragen nach Details aus der magischen Welt und Frau Figg kannte Albus Dumbledore; Dementoren schwärmten durch Little Whinging und er könnte möglicherweise nie wieder nach Hogwarts zurückkehren. Harrys Kopf hämmerte noch schmerzhafter.

»Zurück?,«flüsterte Tante Petunia.

Sie schaute Harry an, als hätte sie ihn nie zuvor gesehen. Und plötzlich, zum ersten Mal in seinem Leben, wußte Harry zu schätzen, daß Tante Petunia die Schwester seine Mutter war. Er hätte nicht sagen können, was ihn in diesem Moment so getroffen hatte. Alles was er wußte war, daß er nicht die einzige Person im Raum war, die eine dunkle Ahnung davon hatte, was es heißen könnte, das Voldemort zurück war. Tante Petunia hatte ihn noch nie vorher in ihrem Leben so angesehen. Ihre großen, blassen Augen (so anders als die ihrer Schwester) waren nicht in Hass oder Abneigung zusammengekniffen, sie waren weit und ängstlich. Die wilde Behauptung, die Tante Petunia während Harrys ganzen Leben aufrechterhalten hatte, daß es keine Magie gab und keine andere Welt als die, die sie mit Onkel Vernon bewohnte, schien verschwunden zu sein.

»Ja,«sage Harry, nun sprach er direkt mit Tante Petunia.»Er kam vor einem Monat zurück. Ich habe ihn gesehen.«

Ihre Hände fanden Dudleys massive in Leder gekleidete Schultern und umklammerten sie.

»Warte,«sagte Onkel Vernon und schaute von seiner Frau zu Harry und zurück, offensichtlich benommen und verwirrt von dem noch nie dagewesenen Verständnis, das zwischen ihnen aufgetaucht zu sein schien.»Warte. Dieser Lord Voldydings ist zurück hast Du gesagt?«

»Ja.«

»Der, der deine Elter getötet hat?«

»Ja.«

»Und jetzt schickt er diese Dismentoren hinter dir her?«

»Sieht so aus,«sagte Harry.

»Ich verstehe,«sagte Onkel Vernon, der von seiner weißgesichtigen Frau zu Harry schaute und seine Hose hochzog. Er schien anzuschwellen, sein großes hochrotes Gesicht dehnte sich vor Harrys Augen.»In Ordnung, das entschiedet es,«

sagte er, sei Hemd spannte sich, als er sich selbst aufpustete, »du kannst aus diesem Haus verschwinden, Junge

»Was?«sagte Harry«

»Du hast mich gehört – RAUS!«schrei Onkel Vernon und sogar Tante Petunia und Dudley sprangen.»RAUS! RAUS!

Ich hätte das schon vor Jahren tun sollen! Eulen, die das Haus als Pflegeheim benutzen, explodierende Nachtische, das halbe Wohnzimmer zerstört, Marge schwebt an der Decke und dieser fliegende Ford Anglia – RAUS! RAUS! Das war«s! Du bist Geschichte! Du bleibst nicht hier wohnen, wenn irgendein Verrückter hinter dir her ist, du bringst nicht meine Frau und meinen Sohn in Gefahr, du bringst uns nicht in Schwierigkeiten! Wenn du den gleichen Weg gehen willst wie deine nutzlosen Eltern! Es reicht mir! RAUS!«

Harry stand da wie verwurzelt. Die Briefe vom Ministerium, Mr. Weasley und Sirius waren alle zerknüllt in seiner Hand. Verlasse das Haus nicht mehr, was auch immer du machst. VERLASSE NICHT DAS HAUS DEINES ONKELS UND DEINER TANTE.

»Du hast mich gehört!«sagte Onkel Vernon, nun lehnte er sich nach vorne, sein enormes hochrotes Gesicht kam nun so nah an Harrys, daß dieser Spritzer von Spucke sein Gesicht treffen spürte.»Setz dich in Bewegung«Vor einer halben Stunde warst du heiß darauf, hier wegzugehen. Ich bin direkt hinter dir. Verschwinde und wirf nie wieder deinen Schatten auf unsere Schwelle! Ich weiß gar nicht, warum wir dich überhaupt behalten haben, Marge hatte recht, es hätte das Waisenhaus sein sollen. Wir waren viel zu nett, dachten, wir könnten es dir austreiben, dich normal machen, aber du warst von Anfang an verdorben und ich habe genug – Eulen!«

Die fünfte Eule surrte durch den Schornstein, so schnell, daß sie auf den Boden aufschlug, bevor sie mit einem lauten Schrei wieder in die Luft aufstieg. Harry hob seine Hand, um den Brief zu nehmen, der in einem scharlachroten Umschlag steckte, aber die Eule stieg auf über seinen Kopf hinweg und flog direkt zu Tante Petunia, die einen lauten Schrei ausstieß und sich mit den Armen über ihrem Gesicht duckte. Die Eule ließ den roten Briefumschlag auf ihren Kopf fallen, drehte sich um und flog den Schornstein direkt wieder hinauf.

Harry machte einen Satz nach vorne, um den Brief aufzuheben, aber Tante Petunia war schneller.

»Du kannst ihn öffnen, wenn du willst,«sagte Harry,»aber du wirst so oder so hören, was er sagt. Das ist ein Heuler.«.»Laß es los, Petunia!«brüllte Onkel Vernon.»Fass es nicht an, es könnte gefährlich sein!«

»Es ist an mich adressiert,«sagte Tante Petunia mit zitternder Stimme.»Er ist an mich adressiert, Vernon, schau! Frau Petunia Dursley, Die Küche, Ligusterweg 4

Sie schnappte erschrocken nach Luft. Der rote Umschlag hatte angefangen zu qualmen.

»Öffne ihn!«drängte Harry sie.»Bring es hinter dich. Es wird sowieso passieren.«

»Nein.«

Tante Petunias Hand zitterte. Wild schaute sie in der Küche umher, als würde sie nach einem Fluchtweg suchen, aber es war zu spät – der Umschlag ging in Flammen auf. Tante Petunia schrie und ließ ihn fallen.

Eine schreckliche Stimme füllte die Küche, hallte in der begrenzten Raum wider, aus dem brennenden Brief auf dem Tisch kommend.

»Erinnere dich an meine letzten Worte, Petunia.«

Tante Petunia sah aus, als könne sie in Ohnmacht fallen. Sie sank auf dem Stuhl neben Dudley nieder, ihr Gesicht in ihren Händen. Die Reste des Umschlages zerfielen leise auf dem Tisch zu Asche.

»Was war das?«sagte Onkel Vernon mit heiserer Stimme.»Was – ich kann nicht – Petunia?«

Tante Petunia sagte nichts. Dudley starrte seine Mutter dümmlich an, sein Mund hing offen. Die Stille war schrecklich.

Harry schaute seine Tante an, total verwirrt, sein Kopf schmerzte, als würde er zerplatzen.

»Petunia, Liebling?«sagte Onkel Vernon scheu.»P-Petunia?«

Sie hob ihren Kopf. Immer noch zitterte sie. Sie schluckte.

»Der Junge – der Junge wird bleiben müssen, Vernon.«sagte sie schwach.

»W-was?«

»Er bleibt,«sagte sie. Sie schaute Harry nicht an. Sie erhob sich wieder.

»Er… aber Petunia…«

»Wenn wir ihn rauswerfen, dann werden die Nachbarn reden,«sagte sie. Schnell gewann sie ihre gewöhnliche forsche, schnippische Art zurück, auch wenn sie immer noch sehr blaß war.»Sie werden komische Fragen stellen, sie werden wissen wollen, wo er hin ist. Wir müssen ihn behalten.«

Aus Onkel Vernon entwich die Luft, wie aus einem alten Reifen.

»Aber Petunia, Liebling -«

Tante Petunia ignorierte ihn. Sie drehte sich zu Harry.

»Du bleibst ihn deinem Zimmer,«sagte sie.»Du wirst das Haus nicht verlassen. Und nun geh ins Bett.«

Harry bewegte sich nicht.

»Von wem war der Heuler?«

»Stelle keine Fragen,«bellte Tante Petunia.

»Stehst du in Kontakt mit Zauberern?«

»Ich habe dir gesagt, du sollst ins Bett gehen!«

»Was hieß das? Erinnere dich an den letzten was?«

»Geh ins Bett!«

»Wie kommt es -?«

»DU HAST DEINE TANTE GEHÖRT UND JETZT GEH NACH OBEN IN DEIN BETT!«.

Kapitel 3 – Der Geleitschutz

Ich wurde von Dementoren angegriffen und ich werde vielleicht aus Hogwarts hinausgeworfen. Ich will endlich wissen, was los ist – und wenn ich hier rausgeschmissen werde.

Harry schrieb diese Worte auf drei einzelne Pergamentblätter, sofort als er den Schreibtisch in seinem dunklen Schlafzimmer erreichte. Den ersten adressierte er an Sirius den zweiten an Ron und den dritten an Hermine. Seine Eule,

Hedwig, war gerade jagen – ihr Käfig stand leer auf dem Schreibtisch. Harry lief im Schlafzimmer auf und ab, während er auf Hedwig wartete, sein Herz hämmerte, er war zu beschäftigt, als schlafen zu können, obwohl seine Augen vor Müdigkeit brannten. Sein Rücken schmerzte von Dudleys Schlägen, und die beiden Beulen an seinem Kopf ebenfalls -

Dudley hatte ihn sehr schmerzvoll getroffen.

Er ging auf und ab, voller Wut und Frustration, er knirschte mit den Zähnen und ballte seine Fäuste, jedes Mal, wenn er an dem Fenster vorbei kam, warf finstere Blicke in den Himmel voller Sterne. Dementoren wurden gesandt, um ihn zu holen, Mrs Figg und Mundungus Fletcher beschatteten ihn heimlich, dann die Suspendierung von Hogwarts und eine Anhörung vor dem Ministerium der Zauberei – und immer noch sagte ihm keiner, was überhaupt los ist.

Und worüber, worüber, war der Heuler? Wessen Stimme war so grausam, so durchdringend durch die Küche geschallt.

Warum wandert er immer noch durch das Zimmer ohne irgendwelche Informationen? Warum behandelt ihn jeder wie ein ungezogenes Kind? Zauber nicht mehr, bleib im Haus…

Er trat gegen seinen Schulkoffer, aber anstatt daß er Erleichterung von seiner Wut empfand, fühlte er sich nur noch schlechter – nun hatte er noch einen starken Schmerz in seinem großen Zeh zusammen mit dem gesamten anderen Schmerz in seinem Körper.

Als er wieder aus dem Fenster sah, segelte Hedwig mit leisem Flügelschlag wie ein kleiner Geist herbei.»Wurde ja auch Zeit«knurrte Harry, als Hedwig vorsichtig auf ihrem Käfig landete.»Du kannst das gleich ablegen, ich habe Arbeit für dich!«

Hedwigs großen runden Augen blinzelten ihn an, während sie in einen toten Frosch in ihrem Schnabel hielt.

»Komm her«sagte Harry, nahm die drei kleinen Pergamentrollen und ein Lederband und befestigte sie an ihrem Bein.

»Flieg hiermit schnell zu Sirius, Ron und Hermine und komm nicht zurück ohne gute lange Antworten. Hack sie solange, bis sie dir die Antworten geben. Verstehst du mich?«

Hedwig heulte leise, ihren Schnabel immer noch voll Frosch.»Flieg los«sagte Harry. Sie flog davon. In dem Moment, wo Hedwig weg war, warf sich Harry, ohne sich Umzuziehen, auf sein Bett und starrte an die dunkel Decke.

Zusammen mit den anderen schlechten Gefühlen fühlte er sich noch schlechter, denn er hatte sich Hedwig falsch gegenüber verhalten – mit ihr hatte er seinen einzigen Freund in der Picket Drive Nr.4 fortgeschickt. Aber er würde es wieder gut machen, wenn sie mit den Antworten von Sirius, Ron und Hermine zurückkehrte.

Sie mußten schnell zurückschreiben; sie konnten unmöglich eine Dementorenattacke ignorieren. Er würde morgen sicherlich drei dicke Briefe voller Sympathie und Plänen für seine Rückkehr in den Fuchsbau erhalten. Und mit diesen Gedanken überrollte ihn der Schlaf, unterdrückte seine weiteren Gedanken.

Aber Hedwig kam nicht am nächsten Morgen. Harry verbrachte den ganzen Tag in seinem Zimmer, verließ es nur, um ins Badezimmer zu gehen. Dreimal schubste seine Tante Petunia ihm das Essen durch die Katzenklappe in seiner Tür, die Onkel Vernon vor drei Jahren dort angebracht hatte. Jedes Mal, wenn Harry sie hörte, versuchte er sie über den Heuler auszufragen, doch er hätte auch immer nur den Türknauf verhören können – er bekam keine Antworten.

Ansonsten mieden die Dursleys sein Zimmer.

So vergingen drei Tage. Harry hatte keine Energie mehr und das machte es ihm unmöglich, irgendetwas zu tun.

Während er durch sein Zimmer ging, war er wütend auf die anderen, daß sie ihn in dieser Lage alleine gelassen haben und da seine Lustlosigkeit nur noch stärker wurde, lag er nur auf seinem Bett und starrte in die Luft, immer mit den Gedanken an die Anhörung vor dem Ministerium.

Was wäre, wenn sie wirklich gegen ihn einschreiten? Was wäre, wenn er wirklich von der Schule fliegt und sein Zauberstab in zwei Hälften zerbrochen wird? Was würde er tun, wohin würde er gehen? Er würde es nicht schaffen, sein komplettes Leben bei den Dursleys zu verbringen – nicht nachdem er die andere Welt kennen gelernt hat, die Welt, in die er wirklich gehörte. Vielleicht könnte er in Sirius Haus ziehen, was Sirius vor einem Jahr vorgeschlagen hatte, bevor er vor dem Ministerium fliehen mußte? Ob Harry da wohl wohnen dufte, obwohl er noch nicht erwachsen war?

Oder hatte ihm die Zauberei sogar einen Platz in einer Zelle in Askaban eingebracht? Immer wieder wenn ihm dieser Gedanken kam, stand er vom Bett auf und begann wieder, auf und ab zu gehen…In der vierten Nacht nach Hedwigs Abflug starrte Harry in einer apathischen Phase mal wieder an die Decke, als plötzlich sein Onkel sein Schlafzimmer betrat. Harry sah ihn an. Onkel Vernon trug seinen besten Anzug und sah enorm beeindruckend aus.

»Wir gehen heute abend aus!«sagt er

»Bitte, was?«

»Wir – deine Tante, Dudley und ich – gehen heute abend aus.«

»Schön«sagte Harry benommen und blickte wieder zur Decke.

»Du verlässt dein Schlafzimmer nicht, während wir weg sind.«

»OK«

»Du fässt den Fernseher nicht an, die Stereoanlage oder irgendein anderen Besitz von uns.«

»Richtig.«

»Und du stiehlst kein Essen aus dem Eisschrank.«

»Okay.«

»Ich werde deine Tür abschließen.«

»Mach das.«

Onkel Vernon sah Harry wütend und zweifelnd an, verunsichert durch Harrys Verhalten, dann stampfte er aus dem Raum und schloss die Tür hinter ihm. Harry hörte, wie sich zunächst der Schlüssel im Schloss drehte und dann Onkel Vernon die Treppenstufen schwer hinunter ging.

Ein paar Minuten später hörte er die Autotüren schlagen, den Motor anspringen und das unverkennbare Geräusch eines wegfahrenden Autos.

Harry empfand nichts besonders, als die Dursleys das Haus verließen, es war ihm egal, ob sie da waren oder nicht. Er konnte sich nicht aufraffen, aufzustehen und das Licht in seinem Schlafzimmer anzumachen. Der Raum wurde immer dunkler und er hörte liegend die Geräusche der Nacht durch das Fenster, welches die ganze Zeit offen stand, wartend auf Hedwigs Rückkehr.

Das leere Haus knarrte um ihn herum, die Rohre gurgelten. Harry lag auf dem Bett, versunken in Elend.

Dann, sehr leise, hörte er ein Klirren unten in der Küche. Er saß aufrecht und lauschte gespannt. Die Dursleys konnten noch nicht zurück sein – das wäre zu früh gewesen und er hatte auch nicht ihr Auto gehört.

Es war still für einige Sekunden, dann hörte er Stimmen.

Einbrecher, dachte er, und er rutsche aus dem Bett auf seine Füße – aber eine halbe Sekunde später wurde ihm klar, daß Einbrecher aufpassen würden, daß sie nicht so laut sprechen würden und leise war das, was sich in der Küche bewegte, nun wirklich nicht.

Er nahm seinen Zauberstab von dem Nachttisch und stand hinter seiner Schlafzimmertür, hörte mit seiner ganzen Kraft.

Im nächsten Moment gab das Schloss einen lauten Klick von sich und die Tür schwang vor Harry auf. Bewegungslos stand Harry in der Tür und spitzte die Ohren, ob er noch weitere Geräusche hören würde. Aber es kam nichts. Er scheute einen Moment, dann schlich er zum Treppenanfang.

Sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Da standen Leute in der schattigen Halle, Schatten schimmerten durch die Glastür.

Es waren acht oder neun und alle guckten ihn an.

»Nimm deinen Zauberstab herunter, Junge, bevor du jemandem das Auge herauszauberst!«sagte eine tiefe, grummelige Stimme.

Harrys Herz schlug unkontrolliert. Er kannte die Stimme, aber er wollte den Zauberstab nicht hinunter nehmen.

»Professor Moody?«fragte er vorsichtig.

»Komm runter, wir wollen dich ganz sehen.«

Harry nahm seinen Stab hinunter, aber er war immer noch vorsichtig. Er hatte wirklich gute Gründe, vorsichtig zu sein.

Er hatte schließlich neun Monate damit verbracht, heraus zu finden, daß es nicht Moody war sondern ein Betrüger, welcher versucht hatte, unmaskiert Harry umzubringen. Doch bevor er sich überlegen konnte, was er nun tun sollte, kam eine leise beruhigende Stimme von unten herauf:

»Es ist alles okay Harry. Wir sind gekommen, ob dich hier wegzubringen.«.Harrys Herz stockte. Er kannte diese Stimme ebenfalls, obwohl er sie über ein Jahr nicht gehört hatte.

»P-Professor Lupin?«fragte er misstrauisch.»Sind sie das?«

»Warum stehen wir alle hier überhaupt im Dunkeln?«sagte eine dritte weibliche Stimme.»Lumos.«

Einen Zauberstabschwung später wurde die Halle von magischem Licht erfüllt. Harry blinzelte. Die Leute standen am Fuß der Treppe und blickten zu ihm hinauf.

Remus Lupin stand am nächsten zu ihm. Obwohl er noch jung war, sah Lupin müde und krank aus. Er hat mehr graue Haare bekommen, seitdem Harry ihn zuletzt gesehen hatte und sein Umhang sah noch schäbiger aus.

Nichtsdestotrotz lächelte er Harry an und Harry versuchte trotz seines Schocks zurückzulächeln.

»Ohh. Er sieht genau so aus wie ich es mir dachte!«sagte die Hexe, die den Licht-Zauberstab in der Hand hielt. Sie war die jüngste in der Halle, sie hatte ein rotgefärbtes Gesicht, dunkle blinkende Augen und kurzes stachliges Haar, welches einen violetten Schimmer hatte.

»Guck dir Harry an!«

»Ja, ich weiss was du meinst, Remus.«Sagte ein anderer schwarzer Zauberer, der am weitesten entfernt stand – er hatte eine tiefe, langsame Stimme und trug einen einzelnen goldenen Ring in seinem Ohr.»Er sieht genau so wie James aus!.«

»Besonders die Augen…«sagte ein Zauberer mit silbernen Haaren leise aus dem Hintergrund.»Lilys Augen.«

Mad – Eye Moody, der langes ergrautes Haar hatte, und dem ein großes Stück seiner Nase fehlte, schielte Harry argwöhnisch mit seinen nicht zusammenpassenden Augen an. Ein Auge war klein, dunkel und aufmerksam, das andere groß, leuchtend blau – das magische Auge, welches durch Wände, Türen und Moodys eigenen Hinterkopf sehen konnte.

»Bist du dir wirklich sicher, daß er es ist, Lupin?«knurrte er.»Es wäre eine schöne Aussicht, falls wir irgendsoeinen Todesser, der ihn verkörpert, zurückbringen. Wir müssen ihn etwas fragen, daß nur der echte Potter wissen würde.

Außer es hat irgendjemand etwas Veritasserum dabei?«

»Harry, welche Form nimmt dein Patronus an?«fragte Lupin.

»Die eines Hirsches.«

»Das ist er, Mad-Eye,«sagte Lupin.

Harry steig die Treppe hinunter, wobei er sich sehr bewusst war, daß ihn jeder beobachtete, und verstaute seinen Zauberstab in der Hintertasche seiner Jeans, während er kam.

»Steck deinen Zauberstab nicht dort hin!«brüllte Moody.»Was ist, wenn er zündet? Stell dir vor, es haben schon bessere Zauberer als du ihren Hintern verloren.«

»Wer, den du kennst, hat seinen Hintern verloren?«fragte die Frau mit den violetten Haaren Mad – Eye interessiert.

»Macht nichts, du lässt einfach deinen Zauberstab aus deiner Hintertasche!«knurrte Moody.»Elementarer Zauberstab -

Schutz, keiner schert sich mehr darum.«Er stapfte zur Küche.»Und das habe ich gesehen,«fügte er hinzu, als die Frau ihre Augen gegen die Decke rollte.

Lupin streckte seine Hand aus und schüttelte Harrys.

»Wie geht es dir?«fragte er, und sah Harry genau an.

»G – gut…«

Harry konnte kaum glauben, daß dies wahr war. Vier Wochen ohne alles, nicht das kleinste Anzeichen eines Planes, ihn aus dem Ligusterweg zu entfernen, und plötzlich stand ein ganzer Haufen von Zauberern tatsächlich im Haus, als ob dies ein seit langem feststehendes Arrangement gewesen sei. Er warf einen Blick auf die Leute, die um Lupin herumstanden; sie sahen ihn immer noch begeistert an. Er war sich der Tatsache, daß er sein Haar seit vier Tagen nicht gekämmt hatte, sehr bewusst.

»Ich bin – ihr habt wirklich Glück, daß die Dursleys weg sind…«nuschelte er.

»Glück gehabt – ha!«sagte die Frau mit den violetten Haaren.

»Ich habe sie aus dem Weg gelockt. Habe per Muggelpost einen Brief geschickt, daß sie im Bester Gepflegter Vorstädtischer Rasen In Ganz England Wettbewerb in die engere Auswahl aufgenommen worden sind. Sie sind momentan auf dem Weg zur Preisverleihung… oder zumindest denken sie das.«.Harry hatte eine flüchtige Vorstellung von Onkel Vernons Gesicht, wenn er herausfand, daß es gar keinen Bester Gepflegter Vorstädtischer Rasen In Ganz England Wettbewerb gab.

»Wir gehen, oder?«fragte er.»Bald?«

»Fast sofort,«sagte Lupin,»wir warten bloß auf die offizielle Erlaubnis.«

»Wo gehen wir hin? Zum Fuchsbau?«fragte Harry hoffnungsvoll.

»Nein, nicht zum Fuchsbau,«erwiderte Lupin, der Harry bedeutete in die Küche zu gehen; der kleine Pulk von Zauberern folgte, und alle beäugten Harry noch immer neugierig.»Zu riskant. Wir haben unser Hauptquartier woanders unauffindlich aufgebaut. Es hat eine Weile gedauert…«

Mad – Eye Moody saß nun am Küchentisch, nahm Züge aus einem Flachmann, sein magisches Auge drehte sich in alle Richtungen, und erfasste die vielen arbeitssparenden Geräte der Dursleys.

»Das ist Alastor Moody, Harry,«fuhr Lupin fort, und zeigte auf Moody.

»Ja, ich weiß,«sagte Harry unbehaglich. Es fühlte sich seltsam an, jemandem vorgestellt zu werden, den er seit einem Jahr zu kennen glaubte.

»Und dies ist Nymphadora -”

»Nenn mich nicht Nymphadora, Remus,«sagte die junge Hexe mit einem Schaudern,» es heißt Tonks.«

»Nymphadora Tonks, die es vorzieht, nur unter ihrem Nachnamen bekannt zu sein,«beendete Lupin.

»Das würdest du auch tun, falls dich deine Närrin von Mutter Nymphadora genannt hätte,«murmelte Tonks.

»Und dies ist Kingsley Shacklebolt.«Er deutete auf den großen schwarzen Zauberer, der sich verbeugte.»Elphias Doge.«Der piepsstimmige Zauberer nickte.»Dädalus Diggel -”

»Wir sind uns vorher schon einmal begegnet,«quietschte der leicht erregbare Diggel, der seinen violettfarbenen Zylinderhut fallen liess.

»Emmeline Vance.«Eine stattlich aussehende Hexe in einem smaragdgrünen Schultertuch neigte ihren Kopf.»Sturgis Podmore.«Ein Zauberer mit einem eckigen Kinn und dickem strohblondem Haar blinzelte.»Und Hestia Jones.«Eine rotbäckige, schwarzhaarige Hexe winkte neben dem Toaster.

Harry neigte unbeholfen seinen Kopf zu jedem von ihnen, als sie vorgestellt wurden. Er wünschte, daß sie auf etwas anderes blicken würden, als auf ihn; es war so, als ob Harry auf die Bühne geleitet worden wäre. Er fragte sich außerdem, warum so viele von ihnen hier waren.

»Eine überraschend große Anzahl hat sich freiwillig gemeldet, zu kommen, und dich zu holen.«sagte Lupin, als ob er Harrys Gedanken gelesen hätte, seine Mundwinkel zuckten leicht.

»Ja, je mehr, desto besser,«sagte Moody düster. Wir sind deine Wache, Potter.«

»Wir warten nur auf das Signal, daß uns sagt, ob es sicher ist, aufzubrechen,«sagte Lupin, während er aus dem Küchenfenster blickte.»Wir haben noch etwa fünfzehn Minuten.«

»Sehr sauber, diese Muggel, nicht wahr?«sagte die Hexe namens Tonks, die sich mit großem Interesse in der Küche umsah.

»Mein Dad ist ein Muggelgeborener und er ist ein richtiges altes Schwein. Ich vermute, daß variiert genauso wie bei Zauberern?«

»Ähm – ja,«sagte Harry.»Sagen Sie mal-” er wandte sich wieder zu Lupin,»was geht hier vor, ich habe von niemandem irgendetwas gehört, was macht Vol-?«

Einige der Hexen und Zauberer machten seltsame Zischlaute, Dädalus Diggel ließ wieder seinen Hut fallen, und Moody knurrte, »Halt den Mund!«

»Was?«sagte Harry

»Wir besprechen hier nichts, es ist zu riskant,«sagte Moody, der sich mit seinem normalen Auge zu Harry wandte. Sein magisches Auge blieb weiterhin auf die Zimmerdecke gerichtet. »Verdammt,«fügte er ärgerlich hinzu und führte eine Hand zu seinem magischen Auge,»es bleibt immer hängen – seitdem es dieser Abschaum getragen hat.«

Und mit einem hässlichen, quatschenden Geräusch, sehr ähnlich dem eines Plungerkolbens, der aus einer Spüle gezogen wird, schob er sein Auge hervor.

»Mad – Eye, du weißt schon, daß das ekelhaft ist, oder?«sagte Tonks gesprächig.

»Würdest du mir ein Glas Wasser geben?«verlangte Moody…Harry ging zur Spülmaschine hinüber, nahm ein sauberes Glas heraus, und füllte es an der Spüle mit Wasser, wobei er immer noch von der Gruppe Zauberer beobachtet wurde. Ihr schonungsloses Starren begann ihn aufzuregen.

»Zum Wohl,«sagte Moody, als ihm Harry das Glas reichte. Er warf das magische Auge in Wasser, und stieß es auf und nieder; das Auge schoss nach unten und starrte sie alle reihum an.»Ich möchte auf der Rückreise 360 Grad Sehkraft haben.«

»Wie kommen wir hin – wohin wir gehen?«fragte Harry.

»Besen,«sagte Lupin.»Einzige Möglichkeit. Du bist zu jung zum Apparieren, sie werden das Kaminnetzwerk beobachten, und es kostet uns mehr als unser Leben wert ist, einen nicht autorisierten Portschlüssel aufzustellen.«

»Remus sagt, daß du ein guter Flieger bist,«sagte Kingsley Shacklebolt mit seiner tiefen Stimme.

»Er ist exzellent,«sagte Lupin, der auf seine Armbanduhr sah.»Egal, du gehst jetzt besser packen, Harry, wir wollen startklar sein, wenn das Signal kommt.«

»Ich komme und helfe dir,«sagte Tonks gutgelaunt.

Sie folgte Harry zurück in den Flur und die Treppe hinauf, wobei sie sich mit viel Neugierde und Interesse umsah.

»Seltsamer Ort,«sagte sie,»es ist ein bißchen zu sauber, weißt du, was ich meine? Bißchen unnatürlich. Oh, das ist besser,«fügte sie hinzu, als sie Harrys Zimmer betraten, und er das Licht anmachte.

Sein Zimmer war mit Sicherheit sehr viel schmutziger als der Rest des Hauses. Da er vier Tage lang mit einer sehr schlechten Laune dort eingesperrt gewesen war, hatte sich Harry nicht darum gekümmert, seine Sachen aufzuräumen.

Die meisten Bücher, die er besaß, waren auf dem Boden verstreut, wo er sich mit jedem der Reihe nach hatte ablenken wollen und es zu Seite geworfen hatte; Hedwigs Käfig mußte saubergemacht werden und begann schon zu riechen; und seine Truhe war offen, was den Blick auf eine durcheinandergeworfene Mischung von Muggelkleidung und Zaubererroben freigab, die sich auf dem Boden um sie herum verteilt hatte.

Harry begann damit Bücher aufzuheben und sie hastig in seine Truhe zu werfen. Tonks blieb an seinem offenen Kleiderschrank stehen, um sich selbst im Spiegel an der Innenseite der Türe anzusehen.

»Weißt du, ich glaube, violett ist nicht wirklich meine Farbe,«sagte sie nachdenklich und zog an einer Locke stachligen Haares.»Meinst es lässt mich etwas angeschlagen aussehen?«

»Ähm -” sagte Harry, der zu ihr über den Rand von Die Quidditchteams Britanniens und Irlands aufsah.

»Ja, lässt es,«bemerkte Tonks entschieden. Sie kniff ihre Augen in einer angestrengten Weise zusammen, als ob sie Mühe hätte sich an etwas zu erinnern. Einen Moment später war ihr Haar knallpink.

»Wie hast du das gemacht?«fragte Harry, der sie mit offenem Mund anstarrte, als sie wider die Augen öffnete.

»Ich bin ein Metamorphmagus,«sagte sie, während sie ihre Reflektion ansah, und ihren Kopf drehte, damit sie ihr Haar von allen Seiten betrachten konnte.»E s bedeutet, daß ich mein Aussehen durch Willenskraft verändern kann,«fügte sie hinzu, als sie Harrys Gesichtsausdruck im Spiegel hinter sich sah.»Ich wurde als einer geboren. Ich habe während der Aurorausbildung Spitzennoten im Verbergen und Tarnen bekommen, ohne irgendetwas lernen zu müssen, das war großartig.«

»Du bist ein Auror?«fragte Harry beeindruckt.

Ein Dunkle – Zauberer – Fänger war die einzige Karriere, die er nach Hogwarts in Betracht gezogen hatte.

»Ja,«sagte Tonks, sieh sah stolz aus.»Kingsley ist auch einer, er steht aber ein bißchen höher als ich. Ich habe meinen Abschluss erst voriges Jahr gemacht. Bin fast bei Diebstahl und Verfolgung durchgefallen, hast du gehört, wie ich den Teller zerbrochen habe, als wir angekommen sind?«

»Kann man lernen, ein Metamorphmagus zu sein?«fagte Harry sie, er richtete sich auf und vergaß das Packen völlig.

Tonks lachte leise.

»Wette, es würde dir nichts ausmachen, diese Narbe manchmal zu verstecken, hmm?«

Ihre Augen fanden die blitzförmige Narbe auf Harrys Stirn.

»nein, es würde mir nichts ausmachen,«murmelte Harry und drehte sich um. Er mochte es nicht, wenn Leute auf seine Narbe starrten.

»Nun, ich fürchte, du wirst es auf die harte Tour lernen müssen,«erwiderte Tonks.»Metamorphmagi sind wirklich selten, sie werden geboren, nicht gemacht. Die meisten Zauberer brauchen einen Zauberstab, oder Zaubertränke, um ihr Aussehen zu verändern. Aber wir müssen uns beeilen, Harry, wir sollen packen,«fügte sie schuldbewusst hinzu, und blickte auf all die Unordnung auf dem Boden…»Oh – ja,«sagte Harry und griff sich noch ein paar Bücher.

»Sei nicht dumm, es geht schneller, wenn ich – packe!«rief Tonks und schwang ihren Zauberstab mit einer langen, weitreichenden Bewegung über den Boden. Bücher, Kleidung, das Teleskop und die Waage stiegen alle in die Luft und flogen durcheinander in die Truhe.

»Nun ja… hast du den Zauberstab noch in der Jeans? Und trotzdem noch beide Pobacken dran? Ok, dann los!

Locomotor Trun

Harrys Koffer erhob sich ein paar Inches in die Luft. Ihren Zauberstab wie einen Taktstock haltend, ließ Tonks den Koffer durch den Raum schweben und dann aus der Tür vor ihnen.Hedwigs Käfig trug sie in der linken Hand. Harry trug seinen Besen hinter ihr her die Treppe runter.

Zurück in der Küche, hatte Moody sein Auge wieder eingesetzt, das sich aber nach der Reinigung so schnell drehte, daß Harry vom Zugucken fast schlecht wurde.Kingsley Shacklebolt und Sturgis Podmore untersuchten die Mikrowelle und Hestia Jones lachte über einen Kartoffelschäler, den sie beim durchforsten der Schubladen gefunden hatte. Lupin versiegelte einen an die Dursleys adressierten Brief.

»Exzellent.,«sagte Lupin, zu Tonks und Harry aufschauend.«Wir haben noch ungefähr eine Minute, denke ich. Wir sollten wohl raus in den Garten gehen, damit wir startklar sind. Harry, ich habe einen Brief für deine Tante und deinen Onkel hinterlassen, damit sie sich keine Sorgen machen -«

»Werden sie nicht,«sagte Harry

»Daß du in Sicherheit bist«

»Das wird sie höchstens deprimieren«

»Und daß du sie nächsten Sommer wiedersehen wirst.«

»Muß ich das?«

Lupin lächelte, aber antwortete nicht.

»Komm her, Junge«sagte Moody schroff und winkte Harry mit seinem Zauberstab zu sich heran.»Ich muß dich Disillusionieren.«

»Du mußt was?«sagte Harry nervös.

»Disillusions-Zauber,«sagte Moody und erhob seinen Zauberstab.«Lupin hat gesagt, du hast einen Unsichtbarkeitsmantel, aber der wird nicht halten, wenn wir fliegen. Das hier wird dich besser tarnen. Los geht«s -«

Er klopfte ihm hart auf den Kopf und Harry fühlte sich seltsam, als hätte Moody dort gerade ein Ei zerschlagen; kalte Schauer schienen seinen Körper von der Stelle hinabzulaufen, wo Moodys Zauberstab ihn getroffen hatte.

»Gut gemacht, Mad-Eye,«sagte Tonks bewundernd und starrte auf Harrys Taille.

Harry schaute an seinem Körper hinab oder mehr an dem, was sein Körper gewesen war, denn es sah ganz und gar nicht mehr so aus. Es war nicht unsichtbar, es hatte einfach exakt die Farbe und Beschaffenheit der Küchenschränke hinter ihm angenommen. Er schien ein menschliches Kamäleön geworden zu sein.

»Auf geht«s,«sagte Moody und öffnete die Hintertür mit seinem Zauberstab. Sie betraten alle Onkel Vernons sorgfältig gepflegten Rasen.

»Eine klare Nacht,«grunzte Moody und sein magisches Auge untersuchte eingehend den Himmel.»Wir hätten ein paar mehr Wolken als Tarnung gebrauchen können. Gut, du,«bellte er Harry an,«wir werden in einer engen Anordnung fliegen. Tonks wird genau vor dir sein, bleib ihr dicht auf den Fersen. Lupin wird dich von unten abdecken. Ich werde hinter dir sein. Der Rest wird uns umkreisen. Wir tanzen für nichts aus der Reihe. Wenn einer von uns getötet wird -«

»Ist das wahrscheinlich?«fragte Harry besorgt, aber Moody ignorierte ihn.

»- werden die anderen weiterfliegen, nicht anhalten, nicht aus der Reihe tanzen. Wenn sei uns alle ausschalten und du überlebst, Harry, steht die Nachhut bereit zu übernehmen, flieg einfach weiter nach Osten und sie werden mit dir zusammentreffen.

»Nun sei doch nicht so fröhlich, Mad_eye, er glaubt uns doch bald nicht mehr, daß wir das hier ernst nehmen,«sagte Tronks und zurrte Harrys Koffer und Hedwigs Käfig in einem Netz unter ihrem Besen fest.

»Ich sage dem Jungen doch nur den Plan«grummelte Moody»Unsere Aufgabe ist es, ihn sicher im Hauptquartier abzuliefern und wenn wir bei dem Versuch sterben -«

»Niemand wird sterben«sagte Kingsley Shacklebolt mit seiner tiefen, beruhigenden Stimme.

»Besteigt eure Besen, das ist das erste Signal!«sagte Lupin scharf und zeigte in den Himmel…Weit, weit über ihnen war ein Schauer roter Funken zwischen den Sternen aufgeföackert. Harry erkannte sie sofort als Zauberstab Funken. Er schwang sein rechtes BEin über den Feuerblitz, umfasst den Griff fest und fühlte den Besen leicht vibrieren, als wenn er scharf darauf war, mal wieder in der Luft zu sein.

»Das zweite Signal, los geht«s!«sagte Lupin laut, als mehr Funken, grüne diesmal, hoch über ihnen explodierten.

Harry stieß sich hart vom Boden ab. Die kühle Nachtluft fuhr durch sein Haar während die ordentlichen Vorgärten des Ligusterwegs sich entfernten und schnell zu einem Patchwork von dunklem Grün und Schwarz schrumpften und jeder Gedanke an die Anhörung vor dem Ministerium schwand aus seinen Gedanken als wenn die frische Brise sie aus seinem Kopf geweht hätte. Er fühlte sich, als würde sein Herz vor Freude explodieren, endlich flog er wieder, flog fort vom Ligusterweg, wie er es sich den ganzen Sommer ausgemalt hatte, er war auf dem Weg nach hause… für ein paar glorreiche Momente schienen all seine Probleme nichtig, unscheinbar im weiten, sternengespickten Himmel.

»Hart links, hart links, ein Muggle sieht zu uns auf!«schrie Moody hinter ihm. Tonks schwenkte ab und Harry folgte ihr und betrachtete dabei seinen Koffer, der wild unter ihrem Besen hin und herschwang»Wir brauchen mehr Höhe, eine weiter Viertelmeile nach oben!«

Harrys Augen tränten vor Kälte als sie weiter hochstiegen, er konnte nun unter sich nichts mehr sehen außer kleinen Stecknadelköpfen von Licht, die Autoscheinwerfer und Straßenlampen waren. Zwei dieser kleinen Lichter mochten zu Onkel Vernons Auto gehören…die Dursleys würden jetzt zu ihrem leeren Haus zurückfahren, voller Wut über den nicht existenten Rasen-Wettbewerb… und Harry lachet laut bei dem Gedanken daran, auch wenn seine Stimme vom flatternden Geräusch der Gewänder der anderen, dem Quietschen des Netzes umd seinen Koffer und den Käfig und dem Rauschen des Windes in ihren Ohren erstickt wurde. Er hatte sich seit einem Monat nicht so lebendig gefühlt – und nicht so glücklich.

»Haltet nach Süden«schrei Moody»Stadt voraus!«

Sie flogen nach rechts, um nicht über das glitzernde Spinnennetz von Lichtern unter ihnen zu fliegen.

»Weiter südöstlich und steigt weiter auf, da ist eine Wolke vor uns, wir könnten uns darin verlieren«rief Moody.

»Wir fliegen nicht durch Wolken«schrie Tonks wütend«»davon würden wir alle klitschnass werden, Mad-Eye!«

Harry war erleichtert, sie dies sagen zu hören, seine Hände am Griff des Feuerblitzes wurden taub. Er wünschte, er hätte einen MAntel angezogen, er begann zu zittern.

Sie änderten ihren Kurs ab und an auf Moodys Anweisungen hin. Harry hatte seine Augen wegen des eiskalten Windes zusammengekniffen und seine Ohren begannen zu schmerzen. Er konnte sich daran erinnern, schon einmal so gefroren zu haben, während eines Quidditch-Spiels gegen Hufflepuff in seinem 3. Schuljahr, das während eines Sturms stattfand.

Er fragte sich, wie lange sie schon flogen, es kam ihm wie mindestens eine Stunde vor.

»Dreht nach Südwesten!«schrie Moody,»wir wollen der Autobahn ausweichen!«

Harrys fror jetzt so sehr, daß er sehnsüchtig an die gemütlichen, trockenen Innenräume der Autos unter ihnen dachte und noch sehnsüchtiger daran, per Floo Powder zu reisen. es mochte unbequem sein, in Kaminen herumzuwirbeln, aber wenigstens war es in den Flammen warm…

Kingsley Shacklebolt schwang an seine Seite, seine Glatze und sein Ohrring schimmerten leicht im Mondlicht… nun Emmeline Vance zu seiner Rechten, ihren Zauberstab in der Hand blickte sie nach links und rechts… dann schwenkte sie ab über ihn und wurde von Sturgis Podmore ersetzt.

»Wir sollten uns für eine Zeit zurückfallen lassen, um sicher zu sein, daß usn niemand folgt!«rief Moody

»BIST DU VERRÜCKT, MAD-EYE?«kreischte Tonks von vorne,»Wir sind alle an unseren Besen festgefroren, wenn wir weiter von der Strecke abweichen, kommen wir nicht vo nächster Woche an! Außerdem sind wir schon fast da!«

»Zeit den Abstieg zu starten«war Lupins Stimme zu hören,»Folge Tonks, Harry!«

Harry folgte der abtauchenden Tonks. Sie hielten auf die größte Ansammlung von Licht zu, die er je gesehen hatte, eine riesige, sich ausbreitende Masse, glitzernde Linien und Gitter, unterbrochen von Flecken von tiefstem Schwarz. Sie flogen niedriger und niedriger, bis Harry einzelne Lichter ausmachen konnte, Straßenlampen, Schornsteine und Fernsehantennen. Er wollte jetzt endlich wieder Boden unter den Füßen spüren und war sich sicher, daß man ihn von seinem Besen loseisen müssen würde.

»Hier entlang«rief Tonks und Sekunden später war sie gelandet.

Harry setzte gleich hinter ihr auf und stieg ab auf einen schäbigen Flecken Gras in mitten eines kleinen Platzes. Harry sah sich um. Die umstehenden Häuser sahen nicht gerade einladend aus.Einige Fenster waren eingeschlagen und.glitzerten im Licht der Straßenlampen, von vielen Türen blätterte die Farbe ab und Müllhaufen lagen vor einigen Eingangstüren.

»Wo sind wir?«fragte Harry aber Lupin sagte leise»In einer Minute«

Moody wühlte in seinem Mantel, seine verkrümmten Finger waren staar vor Kälte.»Hab’s gefunden«murmelte er, hob etwas in die Höhe, das wie ein silberner Zigarettenanzünder aussah und klickte es.

Die nächste Straßenlampe erlosch mit einem»pop.«Er klickte den Ausschalter wieder, die nächste Lampe erlosch; er klickte weiter bis jede Lampe auf dem Platz aus war und das einzige Licht aus den Fenstern und vom Mond über ihnen kam.

»Hab ich mir von Dumbledore geborgt«grummelte Moody und steckte den Aus-Schalter wieder ein»Das wird für alle Muggles sorgen, die vielleicht aus dem Fenster gucken, wißt ihr? Nun kommt, schnell!«

Er fasste Harry am Arm und führte ihn vom Rasen über die Straße auf den Bürgersteig, Lupin und Tonks folgten, sie trugen gemeinsam Harrys Koffer, und der Rest der Truppe flankierte sie, alle hatten die Zauberstäbe in der Hand.

Die gedämpften Beats einer Stereoanlage drangen aus einem oberen Fenster des nächsten Hauses. Ein stechender Duft verrottenden Mülls drang aus einem Stapel Mülltüten hinter einem zerbrochenen Hoftor.»Hier«flüsterte Moody und drückte Harry ein Stück Papier in dessen disillusionierte Hand. Er hielt seinen leuchtenden Zauberstab nahe heran, als wollte er das Papier beleuchten.»Lies schnell und lerne es auswendig«Harry sah auf den Zettel. Die enge Handschrift erschien ihm bekannt. Dort stand:

»Das Hauptquartier vom Orden des Phönix ist die Nummer Zwölf, Grimmauld Place, London.«.

Kapitel 4 – Nummer Zwölf, Grimmauld Place

»Was ist der Orden des -?«begann Harry.

»Nicht hier, Junge!«knurrte Moody.»Warte bis wir drin sind!«Er zog ein Stück Pergament aus Harry«s Hand und setzte es mit seiner Zauberstabspitze in Flammen. Als sich die Nachricht in Flammen kräuselte und zu Boden glitt, betrachtete Harry wieder die Häuser um sich herum. Sie standen vor Hausnummer Elf; er sah nach links und sah Nummer Zehn; rechts jedoch war Nummer Dreizehn.

»Aber wo ist -?«

»Denke an das, was du dir ins Gedächtnis eingeprägt hast,«sagte Lupin leise.

Harry dachte nach, und nicht eher erreichte er den Teil über Nummer Zwölf, Grimmauld Place, denn dann tauchte eine abgenutzte Tür zwischen Nummer elf und dreizehn wie aus dem Nichts auf, schnell gefolgt von schmutzigen Wänden und Ruß geschwärzten Fenstern.

Es war jedoch, als wenn sich ein Extrahaus aufgeblasen hatte und es sich auf seine Weise herausdrückte. Harry gaffte es an. Die Stereoanlage in Hausnummer Elf dröhnte auf. Offenbar fühlten die Muggel nichts.

»Los, Beeilung,«brummte Moody und stupste Harry in den Rücken. Harry ging die abgenutzte Steintreppe hinauf und starrte die eben erschienene Tür an. Ihre schwarze Farbe war abgeblättert und zerkratzt. Der silberne Türknauf hatte die Form einer verdrehten Schlange. Es gab kein Schlüsselloch oder einen Briefschlitz.

Lupin zog seinen Zauberstab und tippte die Tür einmal an. Harry hörte viele laute Klicke, die sich anhörten wie das Geklapper einer Kette. Knarrend öffnete sich die Tür.

»Geh schnell hinein, Harry,«flüsterte Lupin»aber geh nicht soweit ins Innere und fass nichts an.«Harry trat über die Schwelle in einen vollkommen dunklen Flur. Er konnte Feuchtigkeit, Staub und einen süßlich verfaulten Geruch schmecken; der Ort machte einen heruntergekommenen Eindruck. Er blickte über seine Schulter und sah die anderen sich hinter ihm einordnen, Lupin und Tonks trugen seinen Koffer und Hedwig«s Käfig. Moody stand auf der obersten Stufe und gab die Lichtkugeln frei, die der Abschalter gestohlen hatte; sie flogen zurück zu ihren Glühbirnen und das Quadrat glühte für einen Moment auf bevor Moody hinein hinkte und die Eingangstür schloss, so daß der Flur in vollkommene Dunkelheit gehüllt wurde.

»Hier-,«

Er klopfte hart mit seinem Zauberstab über Harrys Kopf; Harry fühlte aber jetzt etwas heißes seinen Rücken hinunterrieseln und wußte, daß der Desillusionierungszauber aufgehoben wurde.

»Jetzt sollte jeder stillstehen, ich werde uns ein bißchen Licht machen,«flüsterte Moody.

Die anderen gedämpften Stimmen gaben Harry ein sonderbares Gefühl der Vorahnung; es war als hätten sie gerade das Haus einer sterbenden Person betreten. Er hörte ein sanft rauschendes Geräusch und dann sprudelten altmodische Gaslampen entlang den Wänden ins Leben, die ein flackerndes, kraftloses Licht über die sich ablösende Tapete und den abgenutzten Teppich entlang des düsteren Flures warfen, an dem Spinnengewebe am Kronleuchter über ihm und altersgeschwärzte Bilder schief an den Wänden hingen. Harry hörte etwas hinter der Scheuerleiste krabbeln. Der Kronleuchter und der Tafelleuchter auf dem klapperigen Tisch waren wie Schlangen geformt.

Da waren eilige Schritte und Ron«s Mutter, Mrs. Weasley, tauchte aus einer Tür am Ende des Flures auf. Sie strahlte einladend als sie ihnen eilig entgegenkam, aber Harry bemerkte daß sie eher dünner und blasser aussah als das letzte mal wie sie sich trafen.

»Oh, Harry, ich freue mich so dich zu sehen,«flüsterte sie, nahm ihn in eine Rippen brechende Umarmung, bevor sie ihn eine Armlänge entfernt festhielt und ihn kritisch beäugte.»Du siehst knochig aus; du brauchst etwas zu Essen, aber du mußt noch etwas auf das Abendessen warten, ich bin besorgt.«

Sie drehte sich zu der Gruppe Zauberer hinter ihm und flüsterte dringend:«Er ist gerade angekommen, das Treffen kann anfangen.«

Die Zauberer hinter ihm machten interessierte und aufgeregte Geräusche und fingen an sich hinter ihm in Richtung der Tür einzuordnen, aus der Mrs. Weasley gerade gekommen war. Harry wollte Lupin folgen, aber Mrs. Weasley hielt ihn zurück.

»Nein, Harry, das Treffen ist nur für die Mitglieder des Orden. Ron und Hermine sind die Treppe hinauf, du kannst mit ihnen zusammen warten bis das Treffen zu ende ist, dann gibt es Abendessen. Und sei nicht so laut im Flur,«fügte sie in dringlichem Flüstern hinzu…»Warum?«

»Ich will nicht, daß etwas aufwacht.«

»Was wollen Sie-?«

»Ich werde es dir später erklären, ich bin in Eile, ich möchte an dem Treffen teilnehmen – ich werde dir nur noch zeigen wo du schlafen wirst.«

Mit dem Finger auf den Lippen führte sie ihn auf Zehenspitzen an ein paar langen, mottenzerfressenen Vorhängen vorbei, hinter denen wie Harry annahm eine weitere Tür lag, und sie gingen an einen großen Schirm vorbei, der aussah als wäre er aus einem abgetrennten Trollbein gemacht, die dunkle Treppe hinauf, vorbei an einer Reihe geschrumpfter Köpfe, die befestigt waren an einer Platte an der Wand. Ein näherer Blick zeigte Harry, daß diese Köpfe zu Hauselfen gehörten. Alle hatten ungefähr die gleiche schnauzen ähnliche Nase.

Harry«s Verwirrung vertiefte sich mit jedem Schritt den er tat. Was in aller Welt machten sie in einem Haus, daß aussah als würde es dem dunkelsten aller Zauberer gehören.

»Mrs. Weasley, warum-?«

»Ron und Hermine werden dir alles erklären, mein Lieber, ich muß wirklich gleich weiter rasen.«Flüsterte Mrs.

Weasley abgelenkt.» Sie-,«sie erreichten den zweiten Treppenabsatz,»- du mußt in Tür zur Rechten. Ich werde dich rufen, wenn es vorbei ist.«

Und sie eilte die Treppen wieder hinunter.

Er überquerte den schäbigen Treppenabsatz, drehte den Schlafzimmertürknauf, der geformt war wie ein Schlangenkopf, und öffnete die Tür. Er erhaschte einen kurzen flüchtigen Blick auf das hoch deckige Zweibettzimmer; dann war da ein laut zwitscherndes Geräusch, gefolgt von einem noch lauterem Kreischen und seine Sicht wurde durch eine Menge buschiger Harre verdunkelt. Hermine umarmte Harry so stürmisch, daß sie beide auf den Boden flogen, während Ron«s winzige Eule, Pigwidgeon, über ihren Köpfen aufgeregt umher schwirrte.

»HARRY! Ron, er ist hier, Harry ist hier! Wir haben nicht gehört, daß du angekommen bist! Oh, wie geht es dir? Ist alles in Ordnung? Bist du wütend auf uns? Ich wette du bist es, ich weiß, unsere Briefe waren sinnlos – aber wir durften dir nichts erzählen, wir mußten Dumbledore schwören, daß wir es nicht tun, oh, wir müssen dir so viel erzählen, du mußt uns viel erzählen – die Dementoren! Als wir hörte – und diese Ministeriumsanhörung – es ist einfach unverschämt, ich habe überall nachgeschlagen, sie können dich nicht ausschließen, es gibt eine Verordnung in der Beschlussfassung für die sinnvolle Beschränkung minderjähriger Zauberei für den Gebrauch der Magie in lebesbedrohlichen Situationen -«

»Laß in atmen, Hermine,«sagte Ron grinsend als er die Tür hinter Harry schloss. Er schien in dem Monat den sie getrennt waren mehrere Zentimeter gewachsen zu sein, sie machten ihn größer und schlacksiger wie früher, aber die lange Nase, die glänzenden roten Haare und die Sommersprossen waren die selben.

Immer noch strahlend, ließ Hermine Harry los, aber bevor sie noch ein Wort sagen konnte, hörte er sanftes zischendes Geräusch und etwas weißes segelte von der Spitze des dunklen Kleiderschranks und landete sachte auf Harry«s Schulter.

»Hedwig!«

Die Schneeeule klickte mit ihrem Schnabel und knabberte liebevoll an seinem Ohr, als Harry ihre Federn streichelte.

»Sie ist in einem recht guten Zustand,«sagte Ron.»Pickte uns halb tot als sie deinen letzten Brief brachte, schau dir das an -«

Er zeigte Harry den Zeigefinger seiner rechten Hand, welcher einen halbverheilten, aber einen deutlich tiefen Schnitt sehen ließ.

»Oh, ja,«sagte Harry.»Es tut mir leid, aber ich habe mir Antworten gewünscht, weißt du -«

»Wir wollten sie dir geben, Kumpel,«sagte Ron.» Hermine hat sich ziemlich aufgeregt, sie sagte, du würdest etwas dummes tun, wenn du alleine ohne Nachrichten irgendwo festsitzt, aber Dumbledore nahm uns -«

»- das Versprechen ab, mir nichts zu erzählen,«sagte Harry.»Ja, Hermine sagte es bereits.«

Das warme Glühen das beim ersten Anblick seiner beiden Freunde erschien, wurde abgelöscht als etwas eisiges seine Magengrube durchflutete. Auf einmal – nach der Sehnsucht, die er sie einen festen Monat nicht sehen konnte – fühlte er sich, wie wenn Ron und Hermine ihn eher alleine lassen.

Es gab eine belastende Ruhe, in der Harry Hedwig wie automatisch streichelte, ohne einen der beiden anderen anzusehen…»Es erschien ihm das Beste,«sagte Hermine eher atemlos.»Dumbledore, meine ich.«

»Richtig,«sagte Harry. Er bemerkte, das ihre Hände Kratzer von Hedwig«s Schnabel aushalten mußten und es tat ihm nicht wirklich leid.

»Ich nehme an, er dachte du wärst bei den Muggeln am sichersten -«begann Ron.

»Ja?«sagte Harry seine Augebrauen anhebend.»Wurde einer von euch beiden diesen Sommer von Dementoren attackiert?«

»Also, nein – aber deshalb hat er dich doch die ganze Zeit von Mitgliedern des Phönixordens beschatten lassen -«

Harry fühlte einen großen Schock in seinen Därmen, als würde er eine Treppenstufe abwärts verfehlen. Also wußte jeder, daß er verfolgt wurde, nur er nicht.

»Es hat ja toll funktioniert, nicht?«fragte Harry, der alles versuchte, um seine Stimme ruhig zu halten.»Mich zu überwachen nach allem, was passiert ist?«

»Er war so wütend,«sagte Hermine mit einer fast ergriffenen Stimme.»Wir haben Dumbledore gesehen, als er herausfand, daß Mundungus gegangen war, bevor er seine Schicht beendet hatte. Er war unheimlich.«

»Nun, ich bin froh, daß er gegangen ist,«sagte Harry kalt,»wenn er nicht gegangen wäre, hätte ich nicht gezaubert, und Dumbledore hätte mich wahrscheinlich den ganzen Sommer im Ligusterweg gelassen.«

»Bist du…? Bist du nicht über die Anhörung im Zaubereiministerium besorgt?«fragte Hermine leise.

»Nein,«schwindelte Harry. Er ging durch den Raum und sah sich um, wobei sich Hedwig zufrieden an seine Schulter schmiegte. Aber das Zimmer war nicht dazu angetan, seine Stimmung zu heben. Es war dunkel und feucht. Eine leere Leinwand in einem prunkvollen Bilderrahmen war alles, was die kahlen Wände verdeckte und als Harry daran vorbeiging, meinte er jemanden kichern zu hören, der außer Sicht lauerte.

»Also, warum war Dumbledore so scharf darauf, mich im Dunkeln tappen zu lassen?«fragte Harry, wobei er sich immer noch anstrengte, seine Stimme lässig klingen zu lassen.»Habt ihr – er – zwei ihn überhaupt gefragt?«

Er sah gerade rechtzeitig auf, um zu bemerken, wie sie einen Blick tauschten, der ihm sagte, daß er sich nun so benahm, wie sie befürchtet hatten. Das verbesserte seine Stimmung auch nicht gerade.

»Wir haben Dumbledore gesagt, daß wir dir erzählen wollen, was los ist,«sagte Ron.»Wir haben, Harry. Aber er ist jetzt wirklich beschäftigt, wir haben ihn nur zweimal gesehen seit wir hier sind und er hatte nicht viel Zeit. Er ließ uns nur schwören, daß wir dir keine wichtigen Informationen mitteilen, wenn wir dir schreiben. Er sagte, daß man die Eulen abfangen könnte.«

»Dumbledore hätte mich trotzdem informieren können, wenn er gewollt hätte,«sagte Harry.»Erzählt mir bloß nicht, daß Dumbledore keine Wege kennt, Nachrichten ohne Eulen zu versenden.«

Hermine sah kurz Ron an und sagte:»Das dachte ich auch, aber er wollte nicht, daß du irgendetwas weißt.«

»Vielleicht denkt er ja, daß man mir nicht vertrauen kann,«sagte Harry, während er sie beobachtete.

»Sei vernünftig,«sagte Ron und sah sehr verstört aus.

»Oder, daß ich nicht selbst auf mich aufpassen kann.«

»Das denkt er natürlich nicht!,«sagte Hermine besorgt.

»So? Wie kommt es dann, daß ich bei den Dursleys bleiben muß, während ihr zwei in alles eingeweiht werdet, was hier passiert?,«sagte Harry, wobei sich sie Worte überstürzten und seine Stimme mit jedem Wort lauter wurde.»Wie kommt es, daß euch zweien erlaubt ist, alles zu erfahren?«

»Wir wissen nicht alles!«unterbrach ihn Ron.»Mom lässt uns nicht an den Besprechungen teilnehmen. Sie sagt wir sind zu jung.«

Bevor es ihm gewahr wurde, schrie Harry.

»SO, IHR WART NICHT IN DEN BESPRECHUNGEN? GROASSARTIG! IHR SEID DIE GANZE ZEIT HIER

GEWESEN ODER NICHT? IHR WART IMMER ZUSAMMEN! UND ICH? ICH STECKTE EINEN MONAT BEI

DEN DURSLEYS! UND DABEI HABE ICH MEHR GETAN, ALS IHR JEMALS KÖNNTET UND

DUMBLEDORE WEISS DAS. – WER HAT DEN STEIN DER WEISEN GERETTET? WER HAT DAS RÄTSEL

UM TOM RIDDLE GELÖST? WER HAT EUCH BEIDE VOR DEN DEMENTOREN GERETTET?«

Jeder bittere und ärgerliche Gedanke, den Harry im vergangenen Monat gehabt hatte, strömte aus ihm heraus: seine Frustration aufgrund des Nachrichtenmangels, der Schmerz, daß sie alle ohne ihn zusammen waren, seine Wut darüber, daß er überwacht wurde und nicht Bescheid wußte – all die Gefühle, von denen er halb beschämt war, sprengten am.Ende ihre Grenzen. Hedwig erschrak sich wegen des Lärms und flog auf den Garderobenständer; Pigwidgeon zwitscherte alarmiert und flog schneller um ihre Köpfe.

»WER MUßTE LETZTES JAHR GEGEN DRACHEN; SPHINXEN UND DIE GANZEN ANDEREN ÜBLEN

KREATUREN KÄMPFEN? WER SAH IHN ZURÜCKKOMMEN? WER MUßTE VOR IHM FLIEHEN? ICH!«

Ron stand da mit halb offenem Mund, eindeutig betäubt und wortlos, während Hermine Tränen in den Augen hatte.

»ABER WARUM SOLLTE ICH WISSEN, WAS LOS IST? WARUM SOLLTE ES IRGENDJEMAND KÜMMERN;

MIR ZU SAGEN WAS LOS IST?«

»Harry, wir wollten es dir sagen, wir wollten es wirklich -«begann Hermine.

»ERWARTE ICH ZUVIEL? IHR HÄTTET MIR EINE EULE SCHICKEN KÖNNEN, ABER DUMBLEDORE LIESS

EUCH SCHWÖREN

»Ja, das hat er getan -«

»VIER WOCHEN STECKTE ICH IM LIGUSTERWEG UND HABE ZETTEL AUS PAPIERKÖRBEN GEKLAUBT

UM HERRAUSZUFINDEN; WAS LOS IST -«

»Wir wollten -«

»ICH NEHME AN, IHR FINDET ES IST EIN GROSSER LACHER EUCH HIER ALLE ZUSAMMEN ZU

VERKRIECHEN -«

»Nein, ehrlich -«

»Harry, es tut uns wirklich leid!«sagte Hermine verzweifelt. Ihre Augen waren jetzt voll von Tränen.»Du hast absolut Recht, Harry – An deiner Stelle wäre ich genauso wütend!«

Harry starrte sie an, während er tief ein- und ausatmete. Dann drehte er sich um und ging im Zimmer auf und ab.

Hedwig schrie niedergeschlagen von der Garderobe herab und es gab eine lange Pause, die nur vom Quietschen der Dielen unterbrochen wurde.

»Was ist das hier überhaupt für ein Ort?«fragte er Ron und Hermine.

»Das ist das Hauptquartier des Orden des Phönix,«antwortete Ron sofort.

»Möchte mir einer von euch sagen, was der Orden des Phönix ist?«

»Der Orden des Phönix ist eine geheime Gesellschaft,«sagte Hermine schnell.»Dumbledore hat ihn ins Leben gerufen.

Er besteht aus den Zauberern und Hexen, die vor 15 Jahren gegen Du-Weißt-Schon-Wen gekämpft haben.«

»Wer ist dabei?,«fragte Harry, mit den Händen in der Hosentasche.

»Ziemlich viele Leute!«

»Wir haben etwa zwanzig von ihnen getroffen,«sagte Ron,»aber wir denken, daß es mehr sind.«

Harry starrte sie an.

»Nun?«sagte Harry, von einem zum anderen schauend.

»Äh,«sagte Ron.»Nun was?«

»Voldemort!«sagte Harry wütend, so daß Ron und Hermine zusammenzuckten.»Was ist los? Was macht er? Wo ist er?

Was tun wir, um ihn aufzuhalten?.«

»Wir haben dir gesagt, daß der Orden uns nicht an den Besprechungen teilnehmen lässt,«sagte Hermine nervös.»Also wir wissen keine Details – aber wir haben eine ungefähre Vorstellung,«fügte sie hastig hinzu, als sie den Ausdruck auf Harrys Gesicht sah.

»Fred und George haben»Ausdehnbare Ohren«erfunden,«sagte Ron.»Sie sind wirklich nützlich.«

»Ausdehnbare-?«

»Ohren ja. Aber wir mußten in letzter Zeit leider aufhören, sie zu benutzen, weil Mom es herausgefunden hat und wütend wurde. Fred und George mußten sie alle verstecken, um Mom davon abzuhalten sie wegzuwerfen. Aber wir haben einiges erfahren, bevor Mom merkte, was los war. Wir wissen, daß manche Mitglieder des Ordens bekannten Todesessern folgen und sie im Auge behalten, weißt du? -«

»Manche von ihnen arbeiten daran, mehr Leute zum Orden zu rekrutieren -«sagte Hermine.

»Und manche von ihnen wachen über etwas,«sagte Ron.»Sie reden immer über einen Wachdienst.«.»Der wachte nicht zufällig über mich?«fragte Harry sarkastisch.

»Oh ja,«sagte Ron mit einem Blick von dämmerndem Verständnis.

Harry prustete. Er ging wieder im Zimmer herum, wobei er überall hinsah, außer zu Ron und Hermine.»Also, was habt ihr zwei gemacht, wenn Besprechungen waren?«fragte er.»Ihr sagtet, daß ihr beschäftigt wart.«

»Wir haben,«sagte Hermine schnell.»Wir haben dieses Haus gesäubert, es stand jahrelang leer und das Ungeziefer hat sich hier unglaublich vermehrt. Wir haben die Küche gesäubert, die meisten Schlafzimmer gereinigt, und ich denke, daß das Wohnzimmer morgen dran – AARGH!«

Mit zwei lauten Knallen materialisierten Fred und George, Rons ältere Zwillingsbrüder, inmitten des Zimmers.

Pigwidgeon zwitscherte wilder als vorher und flog zu Hedwig auf den Garderobenständer.

»Lasst das!,«sagte Hermine schwach zu den Zwillingen, die genauso leuchtend rotes Haar wie Ron hatten, aber stämmiger und etwas kleiner waren.

»Hallo, Harry,«sagte George strahlend.»Wir dachten, wir würden deine wohlklingenden Stimme hören.«

»Du solltest deinen Ärger nicht so aufstauen, Harry, laß alles raus,«sagte Fred ebenso strahlend.»Es könnte da in 80

km Entfernung ein paar Leute geben, die dich noch nicht gehört haben.«

»Ihr habt also eure Apparations-Tests bestanden?«fragte Harry mürrisch.

»Mit Auszeichnung,«sagte Fred, der etwas in der Hand hielt, das wie ein Stück sehr lange, fleischfarbene Schnur aussah.

»Es hätte euch nur dreißig Sekunden gekostet, wenn ihr die Treppe hinuntergegangen wärt,«sagte Ron.

»Zeit ist Galleonen, kleiner Bruder,«antwortete Fred.»Dennoch, Harry, du störst den Empfang! Ausdehnbare Ohren,«

fügte er als Antwort auf Harrys erhobene Augenbrauen hinzu und hielt die Schnur hoch, und Harry bemerkte, daß sie jetzt bis zum Boden reichte.»Wir versuchen, zu hören, was unten besprochen wird.«

»Seid vorsichtig,«sagte Ron, während er das Ohr anstarrte,»wenn Mom noch eins von den Dingern sieht,…«

»Es ist das Risiko wert. Das ist eine wichtige Besprechung, die unten stattfindet,«sagte Fred.

Die Tür öffnete sich und eine lange Mähne roten Haares erschien.

»Oh, hallo Harry«! sagte Rons jüngere Schwester, Ginny, fröhlich.»Ich glaubte, daß ich Deine Stimme hörte.«

Sich zu Fred und George drehend, sagte sie,» Es geht nicht mehr mit den Ausdehnbare Ohren, sie ist gegangen und legt einen Unerschütterlichen Bann auf die Küchentür.«

»Woher weißt du«n das?«sagte George, geknickt aussehend.

»Tonks erzählte mir, wie man es herausfindet«sagte Ginny.»Man schmeißt irgendein Zeug gegen die Türe und wenn es zu keinem Kontakt mit der Tür kommt, ist sie Unerschütterlich. Ich habe Stinkbomben von der Spitze der Treppe aus dagegen geschnippt und sie sind geradewegs davon weggesegelt, also gibt’s keine Möglichkeit mehr, wie man mit Ausdehnbare Ohren durch einen Spalt etwas hören könnte.«

Fred erhob einen Stoßseufzer.

»Schande. Ich wollte wirklich herausfinden, was der alte Snape unternommen hat.«

»Snape!«sagte Harry schnell.»Ist er hier?«

»Jo,«sagte George, vorsichtig die Tür schließend und sich auf eines der Betten setzend; Fred und Ginny folgten.»Gibt einen Bericht. Streng geheim.«

»Mistk…,«sagte Fred träge.

»Er ist jetzt auf unserer Seite,«sagte Herimne tadelnd.

Ron schnaubte.»Hält ihn nicht davon ab, ein Mistkerl zu sein. Die Art, wie er uns ansieht, wenn er uns sieht.«

»Bill mag ihn auch nicht,«sagte Ginny, als ob das die Angelegenheit begründete.

Harry war sich nicht sicher, daß sein Zorn bereits nachgelassen hatte; aber sein Durst nach Informationen überkam nun seinen Drang weiter zu brüllen. Er sank auf das Bett gegenüber den anderen.

»Ist Bill hier?«fragte er.»Ich dachte, er würde in Ägypten arbeiten?«

»Er beantragte einen Schreibtischjob, so konnte er nach Hause kommen und für den Orden arbeiten,«sagte Fred.»Er sagt, er vermißt die Grabstätten, but,«er grinste,»es gibt Entschädigungen.«.»Was meinst du?«

»Erinnerst du dich an die gute, alte Fleur Delacour?«sagte George.»Sie hat einen Job bei Gringotts, um ich Ängliesch su verbeesern

»Und Bill gibt ihr eine Menge Privatstunden,«kicherte Fred.

»Charlie ist auch im Orden,«sagte George,»aber er ist weiterhin in Rumänien. Dumbledore will so viele ausländische Zauberer wie möglich drinhaben, also versucht Charlie so viele Kontakte wie möglich in diesen Tagen zu knüpfen.«

»Könnte Perce das nicht tun?«fragte Harry. Das Letze, was er gehört hatte war, das der dritte Weasley-Bruder für die Abteilung Internationaler Magischer Zusammenarbeit im Zaubereiministerium arbeitete.

Bei Harrys Worten tauschten alles Weasleys und Hermine dunkle, bedeutende Blicke aus.

»Was immer du auch tust, erwähne Percy nicht in Gegenwart von Mom oder Dad,«mahnte Ron Harry mit einer angespannten Stimme.

»Warum nicht?«

»Weil jedes mal, wenn Percys Name erwähnt wird, zerbricht Dad, was er gerade in Händen hält und Mom fängt an zu weinen,«sagte. Fred.

»Ich denke, es war ein echter Seitenhieb von ihm,«sagte George, mit einem für ihn uncharacteristischen, angewiderten Gesichtsausdruck.

»Was ist geschehen?«sagte Harry.

»Percy und Dad hatten Krach miteinander,«sagte Fred.»ich habe noch niemals gesehen, das Dad einen solchen Krach mit irgendjemandem hatte. Normalerweise ist es Mom, die brüllt.«

»Es war die erste Woche, als wir zurück waren, nach dem Ende des Schuljahres,«sagte Ron.»Wir sollten gerade dem Orden beitreten. Percy kam nach hause und sagte uns, das er befördert worden war.«

»Du machst wohl Witze?«sagte Harry.

Obwohl er nur zu gut wußte, wie ehrgeizig Percy sein konnte, so war es doch Harrys Eindruck, das Percy nicht gerade viel Erfolg mit seiner ersten Aufgabe im Zaubereiministerium hatte. Percy hatte sich den groben Schnitzer geleistet, zu übersehen, daß sein Boss von Lord Voldemort gesteuert wurde (nicht daß das Ministerium das geglaubt hätte – sie alle dachten, Mr. Crouch wäre verrückt geworden).

»Ja waren wir alle völlig überrascht,«sagte George,»weil Percy eine Menge Ärger wegen Crouch bekam, es gab eine Anhörung und alles. Sie sagten, daß Percy bemerkt haben müßte, das Crouch übergeschnappt war und seine Vorgesetzen informieren solen. Aber du kennst Percy, Crouch überließ ihm die Verantwortung, er wollte sich nicht beklagen.«

»Wie kommt es dann, das sie ihn beförderten?«

»Das ist genau das, worüber wir uns wunderten,«sagte Ron, der sich schwer zurückhielt, um das Gespräch normal weiterzuführen, jetzt wo Harry aufgehört hatte zu brüllen.»Er kam sehr selbstzufrieden mit sich nach Hause – noch viel zufriedener als gewöhnlich, wenn du dir das vorstellen kannst – und erzählte Dad, das man ihm eine Stelle in Fudge«s eigenem Büro angeboten habe. Eine wirklich großartige für jemanden, der erst seit einem Jahr aus Hogwarts raus war:

Zweiter Assistent des Ministers. Er erwartete von Dad, daß er beeindruckt hätte sein müssen, denke ich.«

»Nur Dad war«s nicht,«sagte Fred grimmig.

»Warum nicht?«sagte Harry.

»Nun, wie es scheint ist Fudge durch das Ministerium gewütet, um sicher zu sein, das Niemand mehr Kontakt zu Dumbledore hat,«sagte George.

»Dumbledore ist dieser Tage erledigt im Zaubereiministerium, weißt du,«sagte Fred.»Sie alle denken, er macht nur Ärger, zu sagen Du-Weißt-Schon-Wer sei zurück.«

»Dad sagt Fudge hätte klargemacht, das jederman, der mit Dumbledore unter einer Decke stecke, seine Schreibtisch räumen könne,«sagte George.

»Die Schwierigkeit ist, Fudge verdächtigt Dad, er weiß, das er zu Dumbledore freundlich ist, und er hat Dad bereits immer für einen irren Typen gehalten, wegen seiner Besessenheit für die Muggle.«

»Aber was hat das mit Percy zu tun?«fragte Harry verwirrt.

»Dazu komme ich jetzt. Dad ist der Meinung, Fudge wolle Percy nur in seinem Büro, weil er ihn als Spion gegen unsere Familie – und Dumbledore – benutzen möchte.«.Harry stieß einen Pfiff aus.

»Wette, Percy liebt das.«

Ron lachte auf eine hohle Art.

»Er war absolut rasend. Er sagte – nun, er sagte eine Menge schrecklicher Sachen. Er sagte das er gegen Dad«s lausigen Ruf ankämpfen müsse, seid er sich dem Ministerium anschloß und das Dad keinerlei Ehrgeiz hätte und das der Grund wäre, warum wir immer – du weißt – wir hatten nie viel Geld, meine ich -«

»Was?«sagte Harry ungläubig, als Ginny ein Geräusch wie eine verängstigte Katze machte.

»Ich weiß,«sagte Ron mit leiser Stimme.»Und es wurde noch schlimmer. Er sagte, Dad wäre ein Idiot, hinter Dumbledore herzulaufen, das Dumbledore auf eine Menge Ärger zusteuerte und Dad zusammen mit ihm untergehen würde, und das er – Percy – wüßte, wem gegenüber er loyal sein müsse und zwar dem Ministerium gegenüber. Und wenn Mom and Dud zu Verrätern gegenüber dem Ministerium werden würden, dann würde er sicherstellen, das jederman wüßte, er würde nicht mehr zu unserer Familie gehören. Und dann packte er seine Koffer und verließ uns in derselben Nacht. Er lebt jetzt hier in London.«

Harry fluchte unter seinem Atem. Er hatte Percy immer am wenigsten von allen Brüdern Ron«s gemocht, aber er hätte niemals geglaubt, er würde solche Dinge zu Mr. Weasley sagen.

»Mom war ganz aus dem Häuschen,«sagte Ron schwerfällig.»Du weißt – weinen und so«n Zeug. Sie kam nach London um mit Percy zu reden, aber er schlug ihr die Tür vor der Nase zu. Ich weiß«nicht,«was er tut wenn er Dad auf der Arbeit trifft – ihn ignorieren, denk«ich.«

»Aber Percy muß doch wissen, das Voldemort zurück ist,«sagte Harry langsam.»Er ist nicht dumm, er muß wissen, das eurer Mom und euer Dad nicht ohne Beweise alles riskieren würden.«

»Jo, nun, dein Name wurde in den Dreck gezogen,«sagte Ron, Harry einen verstohlenen blick zuwerfend.»Percy sagte, der einzige Beweis wäre dein Wort und… ich weiß«nich«… er denkt, daß das nicht gut genug wäre.«

»Percy nimmt den Tagespropheten ernst,«sagte Hermine scharf, und die anderen nickten alle.

»Wovon redet ihr?«fragte Harry, und sah sie alle an. Sie waren ihm gegenüber behutsam.

»Hast du – hast du den Tagespropheten nicht bekommen?«fragte Hermine nervös.

»Doch, habe ich!«sagte Harry.

»Hast du ihn – ähm – sorgfältig gelesen?«fragte Hermine, jetzt noch besorgter.

»Nicht von Anfang bis Ende,«sagte Harry abwehrend.»Wenn sie etwas über Voldemort geschrieben hätten, wäre es doch in den Schlagzeilen erschienen, nicht wahr?«

Die anderen zuckten beim Klang des Namens zusammen. Hermine fuhr eilig fort,»Nun, du hättest ihn von Anfang bis Ende lesen sollen, um es aufzunehmen, aber sie – öhm – sie haben dich ein paarmal die Woche erwähnt.«

»Aber ich hätte doch gesehen -«

»Nicht, wenn du nur die Vorderseite gelesen hättest, oder,«sagte Hermine, ihren Kopf schüttelnd.»Ich rede nicht von großen Artikeln. Sie haben dich nur kurz eingebracht, wie einen laufenden Witz.«

»Was willst du -?«

»Es ist sehr unangenehm,«sagte Hermine mit erzwungen ruhiger Stimme.»Sie bauen einfach auf Ritas Zeug auf.«

»Aber sie schreibt doch nicht mehr für die, oder?«

»Oh, nein, sie hat ihr Versprechen gehalten – nicht das sie eine Wahl gehabt hätte,«fügte Hermine voller Befriedigung hinzu.»Aber sie hat die Grundlage gelegt für das, was sie jetzt tun.«

»Welche wäre?«sagte Harry ungeduldig.

»Okay, du weißt, sie schrieb du wärst vollständig zusammengebrochen und sagtest, deine Narbe würde schmerzen und all«das?«

»Jau,«sagte Harry, der die Geschichten von Rita Kimmkorn über ihn bestimmt nicht so schnell vergessen würde.

»Nun, die schreiben über dich, als wärst du diese aufmerksamkeitsheischende Person, die glaubt, sie wäre ein großer tragischer Held, oder so etwas,«sagte Hermine, sehr schnell, als ob es weniger unangenehm für Harry wäre, diese Fakten schneller zu hören.»Sie bringen immer wieder diese abfälligen Kommentare über dich hinein. Wenn irgendeine weit hergeholte Story auftaucht, sagen sie etwas wie,»Eine Harry Potter würdige Geschichte,«und wenn jemand einen.seltsamen Unfall oder so etwas hatte,» Hoffentlich hat er keine Narbe auf seiner Stirn oder wir sollen ihn bald auch verehren«-«

»Ich will nicht, das mich irgend jemand-«begann Harry hitzig.

»Ich weiß, daß du das nicht willst,«sagte Hermine schnell, ängstlich dreinschauend.

»Ich weiß, Harry. Aber verstehst du nicht, was die tun? Sie versuchen dich zu jemandem zu machen, dem niemand glauben wird. Da steckt Fudge hinter, da wette ich drauf. Die wollen, daß die Zauberer auf der Straße denken, daß du nur ein dummer Junge bist, ein Witz, der sich wichtig macht, weil er gerne berühmt ist und es auch bleiben will.«

»Ich hab nicht darum gebeten – Ich wollte nicht – Voldemort hat meine Eltern getötet!«stieß Harry hervor.»Ich wurde berühmt, weil er meine Familien ermordete, aber er konnte mich nicht töten! Wer will schon dafür berühmt sein?

Glauben die nicht, das es mir lieber wäre, wenn es niemals -«

»Wir wissen das, Harry,«sagte Ginny ernst.

»Und natürlich haben sie nicht über die Dementoren berichtet, die dich angegriffen haben,«sagte Hermine.»Jemand hat ihnen befohlen, das nicht zu erwähnen. Das wäre eine wirklich große Story geworden, Dementoren außer Kontrolle.

Sie haben nicht einmal berichtet, daß du das Internationale Gesetz zur Geheimhaltung gebrochen hast. Wir hatten gedacht, sie würden, es würde so gut hineineinpassen in dieses Bild von dir als dummer Angeber. Wir denken, sie warten ab, bis du rausgeworfen wirst, dann legen sie richtig los – Ich meine, falls du rausgeworfen wirst, natürlich,«

sagte sie hastig.»Du solltest eigentlich nicht, jedenfalls nicht, wenn sie sich an ihre eigenen Gesetze halten, da spricht nichts gegen dich.«

Sie waren wieder bei der Anhörung/Verhandlung und Harry wollte nicht darüber nachdenken. Er überlegte, wie er das Thema wechseln könne, aber das wurde ihm abgenommen durch das Geräusch von Fußtritten, die die Treppe hinaufkamen.

»Oh oh.«

Fred zog heftig an den Ausdehnbare Ohren, es gab einen weiteren lauten Knall und er und George verschwanden.

Sekunden später erschien Mrs Weasley in der Schlafzimmertür.

»Das Treffen ist vorbei, ihr könnt jetzt herunterkommen und zu Abend essen. Alle wollen dich unbedingt sehen, Harry.

Und wer hat die ganzen Stinkbomben draußen vor der Küche liegen gelassen?«

»Krumbein,«sagte Ginny ohne rot zu werden.» Er spielt so gerne damit.«

»Oh,«sagte Mrs Weasley,»Ich dachte es wäre Kreacher gewesen, er macht ständig solche seltsamen Sachen. Und jetzt vergesst nicht, im Flur leise zu sein. Ginny, deine Hände sind dreckig, was hast du gemacht? Geh und wasche sie bitte vor dem Essen.«

Ginny schnitt eine Grimasse und folgte ihrer Mutter aus dem Zimmer und ließ Harry alleine mit Ron und Hermine.

Beide schauten ihn besorgt an als ob sie Angst hätten, daß er nun wieder anfangen würde herum zu brüllen, jetzt wo alle anderen wieder weg waren. Beide schauten so nervös, das sich Harry bei ihrem Anblick etwas schämte.

»Seht mal…«murmelte er, aber Ron schüttelte den Kopf und Hermine sagte ruhig,»Wir wußten, daß du verärgert sein würdest, wir werfen dir nichts vor, aber du mußt verstehen, daß wir wirklich versucht haben, Dumbledore zu überreden

– «

»Ja, ich weiß,«sagte Harry kurz.

Er suchte nach einem Thema, das nichts mit dem Schulleiter zu tun hatte, weil genau dieser Gedanke seinen Ärger wieder zum brodeln brachte.

»Wer ist Kreacher?«fragte er.

»Der Hauself, der hier wohnt,«sagte Ron.»Ein Verrückter. Hab«nie jemanden wie ihn getroffen.«

Hermine runzelte die Stirn bei diesen Worten.

»Er ist nicht verrückt, Ron.«

»Sein Lebensziel ist es seinen Kopf abgeschnitten zu bekommen damit er auf einer Gedenktafel befestigt werden kann, genau wie der seiner Mutter,«sagte Ron gereizt.»Ist das normal, Hermine?«

»Hm – hm, wenn er etwas seltsam ist, ist es nicht seine Schuld.«

Ron rollte seine Augen so daß Harry es sehen konnte

»Hermine hat immer noch nicht BelfeR aufgegeben.«.»Es heißt nicht BelfeR!«sagte Hermine hitzig.»Das ist der»Bund für Elfen Rechte«Und nicht nur ich, sondern auch Dumbledore sagt, daß wir nett zu Kreacher sein sollen.«

»Ja, ja,«sagte Ron.»Los, kommt, ich verhungere.«

Er ging als erster aus der Tür und auf die Balustrade, aber bevor er die Treppen herunter gehen konnte -

»Wartet!«flüsterte Ron und hielt schnell den Arm heraus, um Harry und Hermine am weitergehen zu hindern.»Sie sind immer noch in der Eingangshalle, vielleicht können wir noch etwas hören.«

Die drei schauten vorsichtig über das Treppengeländer. Die düstere Eingangshalle unter ihnen war voll mit Hexen und Zauberern, einschließlich derer, die auf Harry aufgepasst hatten. Sie flüsterten aufgeregt miteinander. In der Mitte der Gruppe sah Harry den mit fettigen, dunklen Haaren bedeckten Kopf und die auffällige Nase seines ungeliebtesten Lehrers in Hogwarts, Professor Snape. Harry lehnte sich weiter über das Geländer. Er war sehr interessiert, was Snape für den Orden des Phönix tat…

Ein dünnes, fleischfarbenes Stück Schnur wurde vor Harrys Augen heruntergelassen. Als er aufschaute, sah er Fred und George auf der Balustrade über ihnen, wie sie vorsichtig die Ausdehnbare Ohren in Richtung der dunklen Ansammlung von Menschen herabließen. Einen Moment später jedoch begannen sich alle zur Tür und außer Sichtweite zu begeben.

»Verdammt,«hörte Harry Fred flüstern als er die Ausdehnbare Ohren wieder hochzog.

Sie hörten, wie sich die Haustür öffnete und wieder schloss.

»Snape isst nie hier,«sagte Ron Harry leise.»Gott sei Dank. Los komm.«

»Und vergiss nicht in der Eingangshalle leise zu sein, Harry,«flüsterte Hermine.

Als sie an der Reihe mit den Köpfen der Hauselfen an der Wand vorbei gingen, sahen sie Lupin, Mrs Weasley und Tonks die Haustür mit ihren vielen Schlössern und Riegeln magisch hinter denen versiegeln, die gerade gegangen waren.

»Wir essen unten in der Küche,«flüsterte Mrs Weasley, die unten an der Treppe auf sie wartete.»Harry, mein Lieber, geh bitte auf Zehenspitzen durch die Halle durch die Tür da hinten -«

KRACH.

»Tonks!«rief Mrs Weasley aufgebracht hinter sich schauend.

»Es tut mir leid!«jammerte Tonks, die auf dem Fußboden lag.»Es ist dieser dumme Regenschirmständer, das ist das zweite Mal, das ich drüber gefallen bin -«

Aber der Rest ihrer Worte ging in einem schrecklichen, markerschütternden Schrei unter.

Die Mottenzerfressenen Samtvorhänge, an denen Harry vorher vorbeigegangen war, waren auseinandergeflogen, aber da war keine Tür hinter ihnen. Für einen Augenblick dachte Harry, daß er durch ein Fenster sähe, ein Fenster hinter dem eine alte Frau in einem Schwarzen Umhang schrie und schrie als ob sie gefoltert würde – dann bemerkte er, daß es einfach ein Portrait in Lebensgröße war, aber das realistischste und unangenehmste, das er je in seinem Leben gesehen hatte.

Die alte Frau geiferte, ihre Augen rollten, die gelbe Haut ihres Gesichts war gespannt als sie schrie; und an der ganzen Wand hinter ihnen wachten die anderen Portraits auf und begannen auch zu schreien, so daß Harry die Augen bei dem Lärm verdrehte und sich mit den Händen die Ohren zu hielt.

Lupin und Mrs Weasley sprangen nach vorne und versuchten die Vorhänge wieder vor die alte Frau zu ziehen, aber sie ließen sich nicht schließen und sie kreischte lauter als vorher, ihre klauenförmigen Hände nach ihnen schwingend als ob sie versuchte ihre Gesichter zu zerfetzen.

»Schmutz! Abschaum! Nebenprodukt von Schmutz und Schändlichkeit! Mischlinge, Mutanten, Mißgeburten, hinfort von diesem Ort! Wie könnt ihr es wagen das Haus meiner Väter zu besudeln -«

Tonks entschuldigte sich immer und immer wieder, während sie versuchte das riesige schwere Trollbein vom Boden aufzuheben; Mrs Weasley hörte auf zu versuchen die Vorhänge zu schließen und lief die Halle hoch und runter um die Portraits mit ihrem Zauberstab zu betäuben; und ein Mann mit langen schwarzen Haaren kam aus einer Tür gerannt, die Harry gegenüber lag.

»Halt die Klappe, du schreckliches altes Weib, HALT DIE KLAPPE!«schrie er und zerrte an dem Vorhang den Mrs Weasly verlassen hatte.

Das Gesicht der alten Frau erbleichte

»Duuuuuuuu!«heulte sie, mit Augen die aus dem Kopf quollen, als sie den Mann sah. »Blutverräter, Abscheulichkeit,

Schande meines Fleisches!«.»Ich sagte – halt – die – KLAPPE!«brüllte der Man und mit einer erstaunlichen Anstrengung schafften Lupin und er es, mit Gewalt die Vorhänge zu schließen.

Das Kreischen der alten Frau ebbte ab und eine unheimliche Stille breitete sich aus.

Er war etwas außer Atem und während er sich das lange dunkle Haar aus den Augen strich, drehte sich Harrys Pate Sirius um, um ihn anzusehen.

»Hallo Harry,«sagte er grimmig,»wie ich sehe, hast du meine Mutter kennengelernt.«.

Kapitel 5 – Der Orden des Phönix

»Deine -?«

»Meine liebe alte Mutter, ja«, sagte Sirius.»Wir haben einen Monat lang versucht, sie herunterzubekommen, aber wir vermuten, sie hat einen Dauerklebzauber auf der Rückseite der Leinwand angebracht. Laß uns runtergehen, schnell, bevor sie alle aufwachen.«

»Aber was macht ein Porträt deiner Mutter hier?«fragte Harry verwundert als sie durch die Tür der Halle traten und eine Unzahl von Steinstufen abwärts gingen, die anderen hinter ihnen.

»Hat es dir niemand erzählt? Das war das Haus meiner Eltern,«sagte Sirius.» Doch ich bin der letzte der Blacks, darum gehört es jetzt mir. Ich habe es Dumbledore als Hauptquartier angeboten – das war wohl alles Nützliche, was ich tun konnte.«

Harry, der einen herzlicheren Empfang erwartet hatte, bemerkte wie hart und verbittert Sirius«Stimme klang. Er folge seinem Paten die Stufen hinunter und durch eine Tür, die in die Küche im Erdgeschoss führte. Sie war kaum weniger düster als die Halle im oberen Stock, ein höhlenähnlicher Raum mit groben Steinmauern. Das meiste Licht kam von einem großen Feuer am anderen Ende des Raumes. Eine Wolke Pfeifenrauch hing in der Luft wie Pulverdampf, in dem sich die bedrohlichen Umrisse schwerer Eisenkessel und Pfannen, die von der dunklen Decke hingen, abzeichneten…

Viele Stühle waren für das Treffen in den Raum geschoben worden und ein langer hölzerner Tisch stand in der Mitte, übersät mit Pergamentrollen, Kelchen, leeren Weinflaschen und einem Haufen, der scheinbar aus Lumpen bestand.

Mr.Weasley und sein ältester Sohn Bill waren, die Köpfe einander zugewendet, ins Gespräch vertieft. Mrs. Weasley räusperte sich. Ihr Ehemann, ein dünner rothaariger Mann mit beginnender Glatze und einer Hornbrille, drehte sich um und sprang auf.»Harry!«sagte Mr. Weasley, während er nach vor eilte, um Harry zu begrüßen und seine Hand zu schütteln.»Wie gut dich zu sehen!«Über seine Schultern sah Harry Bill, der seine Haare immer noch als Pferdeschwanz trug, wie er das Pergament auf dem Tisch hastig zusammenrollte.» War die Reise okay, Harry?,«rief Bill und versuchte zwölf Pergamentrollen auf einmal aufzunehmen.» Hat Mad – Eye dich also nicht über Grönland herkommen lassen?«

»Versucht hat er«s«, sagte Tonks, während sie mit großen Schritten auf Bill zu ging und sofort eine Kerze auf die letzte Seite des Pergaments kippte.» O nein, Entschuldigung -«

»So, meine Liebe,«sagte Mrs. Weasley mit ärgerlicher Stimme, und sie löschte das Pergament mit einem Wink ihres Zauberstabs. Im Schein des Lichtes, den Mrs. Weasleys Zauber erzeugte, erhaschte Harry einen Schimmer von etwas, das aussah wie der Plan eines Gebäudes.

Mrs. Weasley hatte seinen Blick gesehen.

Sie schob den Plan vom Tisch und stopfte ihn auch noch in Bills schon überladene Arme.

»Dieses Zeugs sollte nach dem Ende solcher Treffen sofort weggeräumt werden,«schnappte sie, bevor sie zu einem Geschirrschrank rauschte und anfing Teller, herauszunehmen. Bill nahm seinen Zauberstab, murmelte»Evanesco!«

und die Papierrollen verschwanden.»Setz dich, Harry«, sagte Sirius.»Du hast Mundungus bereits getroffen, nicht wahr?«

Das Ding, von dem Harry angenommen hatte, es sei ein Haufen Lumpen, gab einen langgezogenen grunzenden Schnarcher von sich und fuhr dann aus dem Schlaf.

»Hat jem«nd mein«» Nam«gesagt?«murmelte Mundungus schläfrig.»Sirius hat Recht…«Er streckte eine ziemlich schmuddelige Hand in die Luft wie bei einer Abstimmung, seine blutunterlaufenen, versunkenen Augen wanderten hin und her. Ginny kicherte.»Das Treffen ist vorbei, Dung,«sagte Sirius, während sie sich alle rund um ihn setzten.

»Harry ist da.«»Eh?«sagte Mundungus, Harry unheilvoll durch sein struppiges Haar durch anfunkelnd.»Schande, ist er. Jaah… bist du okay,»Arry?«

»Ja,«sagte Harry.

Mundungus fingerte nervös in seinen Taschen herum, immer noch auf Harry starrend, und nahm eine rußschwarze Pfeife heraus. Er steckte sie in seinen Mund, zündete ihr Ende mit seinem Zauberstab an und nahm einen tiefen Zug daraus. Große Türme aus Wolken grünlichen Rauchs verdeckten ihn in Sekunden.»Bin dir»ne»ntschuldigung schuldig,«grunzte eine Stimme aus der Rauchwolke heraus.»Zum letzten Mal, Mundungus,«rief Mrs. Weasley,«

wirst du bitte dieses Ding nicht in der Küche rauchen, besonders nicht, wenn wir uns ans Essen machen!«

»Ah«; sagte Mundungus.»Ruhig. Tut mir leid, Molly.«

Die Rauchwolke verschwand, als Mundungus seine Pfeife in die Tasche zurück stopfte, aber der beißende Geruch nach verbrannten Socken hielt sich im Zimmer…»Und falls ihr das Abendessen noch vor Mitternacht wollt, werde ich Hilfe brauchen,«sagte FrauWeasley in den Raum hinein.»Nein, nicht du, Harry, du bleibst, wo du bist, du hast eine lange Reise gehabt.«

»Wie kann ich dir helfen, Molly?«fragte Tonks, überschwänglich aufspringend.

Mrs. Weasley zögerte und schaute besorgt.»Äh – nein,ist okay, Tonks, mach auch Pause, du hast heute genug getan.«

»Nein, nein, ich will helfen!«sagte Tonks fröhlich und warf einen Stuhl um, während sie zum Geschirrschrank lief, aus dem Ginny Besteck herausnahm. Bald schnitt eine Reihe schwerer Messer von allein Fleisch und Gemüse, überwacht von Mr. Weasley, während Mrs. Weasley einen Kessel, der über dem Feuer hing, umrührte und die anderen Teller,

sowie mehrere Kelche und Essen aus der Vorratskammer herausholten…

Harry war am Tisch zurückgeblieben, mit Sirius und Mundungus, der ihn immer noch düster anschaute.»Den alten Figg gesehen seitdem?«fragte er.»Nein,«sagte Harry,»Ich habe niemanden gesehen.«

»Schau, ich wär«nicht gegangen«, sagte Mundungus und lehnte sich nach vorne, mit bittendem Ton in der Stimme,

»aber Geschäfte riefen Haben mich gerufen-«

Harry fühlte etwas um seine Knie streichen und erschrak, aber es war nur Krummbein, Hermines bewegliche rote Katze

, die sich um Harrys Beine schlängelte und schnurrte und dann auf Sirius«Schoß sprang und sich zusammenrollte.

Sirius kraulte sie geistesabwesend zwischen den Ohren und drehte sich, immer noch mit grimmigem Gesicht, zu Harry um.»Hattest du soweit einen guten Sommer?«

»Nein, er war lausig,«sagte Harry. Zum ersten Mal huschte der Schimmer eines Grinsens über Sirius«Gesicht.»Ich weiß ja nicht, worüber du dich beklagst.«

»Was?,«fragte Harry ungläubig.»Ich für meinen Teil hätte mich über den Angriff eines Dementoren gefreut. Ein tödlicher Kampf für meine Seele hätte die Langeweile verjagt. Du denkst, du hast es schwer gehabt, wenigstens kanntest du raus, deine Beine bewegen, ein paar Kämpfe bestehen… Ich stecke hier seit einem Monat fest.«

»Warum?«, fragte Harry stirnrunzelnd.»Weil das Zauberministerium immer noch hinter mir her ist und Voldemort wird mittlerweile auch wissen, daß ich ein Animagus bin, Wurmschwanz hat ihn sicher informiert, jetzt ist meine tolle Täuschung nutzlos. Es gibt für mich nicht viel zu tun für den Orden des Phönix… denkt jedenfalls Dumbledore.«Da war ein schwacher Unterton in Sirius«Stimme, als er Dumbledores Namen erwähnte, der Harry sagte, daß auch Sirius mit dem Schulleiter nicht zufrieden war. Harry spürte eine Aufwallung von Zuneigung zu seinem Paten.»Wenigstens bekommst du mit, was vorgeht,«sagte er besänftigend.»Oh, ja,«sagte Sirius sarkastisch.»Indem ich Snapes Berichte anhöre, seine Seitenhiebe einstecken muß, daß er da draußen sein Leben riskieren muß, während ich auf meinem Hintern sitze und es mir gemütlich mache… und er fragt mich wie es mit dem Saubermachen voran geht-«

»Welches Saubermachen?«fragte Harry.

»Saubermachen für menschliche Bewohnung«, sagte Sirius, mit einer Hand auf die düstere Küche weisend.»Seit 10

Jahren hat hier niemand mehr gewohnt, nicht seit meine Mutter gestorben ist, außer du zählst ihren alten Hauself mit, und der hat sich verzogen, schon seit Jahrzehnten hat er nichts mehr sauber gemacht!«

»Sirius,«sagte Mundungus, der scheinbar dem Gespräch nur zugehört hatte, aber einen leeren Kelch genau inspizierte:«Ist das massives Silber, Freundchen?«

»Ja,«sagte Sirius, ihn mit Ekel musternd.»Feinstes von Kobolden bearbeitetes Silber aus dem 15. Jahrhundert, geschmückt mit dem Wappen der Familie Black.«

»Das könnte man herunter nehmen,«murmelte Mundungus, indem er es mit seinem Ärmel polierte.

»Fred- George- nein, tragt sie einfach!«zischte FrauWeasley.

Harry, Sirius und Mundungus schauten sich um, und sprangen dann im Bruchteil einer Sekunde vom Tisch weg. Fred und George hatten einen großen Kessel mit Eintopf, einen Zinnkrug mit Butterbier sowie ein schweres Holzbrett, komplett mit Messer, verzaubert, sodaß alles durch die Luft sauste. Der Eintopf rutschte die ganze Länge des Tisches entlang und kam genau am Ende zu stehen, eine schwarze Schmauchspur blieb auf der Oberfläche des Tisches zurück, der Krug Butterbier fiel krachend um, sein Inhalt spritzte überall herum;das Brotmesser glitt vom Holzbrett und landete, nach unten zeigend gefährlich schwankend, genau dort, wo sich Sekunden zuvor noch Sirius Hand befunden hatte.

»UM HIMMELS WILLEN!«schrie Mrs. Weasley.»ES GAB KEINEN GRUND DAFÜR- ICH HAB GENUG

DAVON – NUR WEIL IHR JETZT EURE ZAUBERSTÄBE BENUTZEN DÜRFT, HEIßT DAS NICHT, DAß IHR

DAS JETZT BEI JEDER KLEINIGKEIT TUN MÜSST!«.»Wir wollten nur ein bißchen Zeit sparen!«sagte Fred und eilte vor, um das Brotmesser aus dem Tisch zu ziehen.»Tut mir leid, Sirius, mein Freund- das wollte ich nicht-«

Harry und Sirius lachten beide; Mundungus, der rückwärts mit dem Stuhl umgekippt war, fluchte, als er sich aufrichtete. Krumbein hatte einen zornigen Zisch von sich gegeben und war unter den Geschirrschrank geschossen, von dort unten sah man seine gelben Augen in der Dunkelheit glühen.

»Jungs,«sagte Mr.Weasley, und schob den Eintopf zur Mitte des Tisches zurück,» eure Mutter hat Recht, ihr solltet etwas mehr Verantwortung an den Tag legen, jetzt wo ihr so groß seid-«

»Von euren Brüdern hat keiner solchen Ärger gemacht!«kreischte Mrs. Weasley die Zwillinge an, als sie einen frischen Krug Butterbier auf den Tisch knallte und fast so viel wie vorher verschüttete.»Bill zauberte nicht auf Schritt und Tritt!

Charlie belegte nicht jeden den er traf mit Zaubern! Percy-«

Sie hielt inne, ihr Atmen stockte, als sie ihren Ehemann ängstlich anschaute, dessen Gesichtsausdruck plötzlich versteinert war.

»Lasst uns essen,«sagte Bill schnell.

»Schaut wunderbar aus, Molly,«sagte Lupin, während er Eintopf auf einen Teller lud und an ihren Platz schob.«

Für ein paar Minuten wurde es still bis auf die Geräusche von Tellern und Besteck und dem Kratzen der Stühle, als alle zum Essen Platz nahmen.

Dann wandte sich Mrs Weasley an Sirius.»Ich dachte, ich hätte Dir erzählt, daß irgendetwas in dem Schreibtisch im Zeichensaal eingeschlossen ist; es raschelt und wackelt immer noch. Natürlich könnte es lediglich ein Irrwicht sein, aber ich dachte, wir sollten Alastor bitten, einen Blick darauf zu werfen, bevor wir es herauslassen.«

»Wie Du meinst,«sagte Sirius unverbindlich.

»Und die Vorhänge sind voller Zahnfeen,«fuhr Mrs Weasley fort.»Ich denke, wir sollten morgen versuchen, sie einzufangen.«

»Das kann ich kaum erwarten,«sagte Sirius. Harry hörte Sarkasmus in seiner Stimme war sich aber nicht sicher, ob die anderen es auch bemerkten. Gegenüber von Harry war Tonks dabei Hermine und Ginny zu unterhalten, indem sie zwischen zwei Bissen ständig ihre Nase verwandelte. Jedesmal kniff sie ihre Augen mit dem gleichen schmerzerfüllten Ausdruck zusammen, den sie in Harrys Schlafzimmer getragen hatte. Ihre Nase schwoll an zu einem schnabelähnlichen Auswuchs, der an Snapes Nase erinnerte, schrumpfte wieder zusammen auf die Grösse eines Pilzkopfes und dann sprossen eine gehörige Anzahl von Haaren aus jedem Nasenloch. Offenbar war dies eine gelungene Unterhaltung zur Mahlzeit, denn schon bald wünschten sich Hermine und Ginny ihre Lieblingsnasen.

»Jetzt wieder die Schweineschnauze, Tonks.«

Tonks erfüllte den Wunsch und Harry, der gerade aufschaute, hatte den flüchtigen Eindruck, ein weiblicher Dudley würde ihn über den Tisch hinweg angrinsen. Mr Weasley, Bill und Lupin diskutierten intensiv über Kobolde.

»Sie haben bisher noch nichts verraten,«sagte Bill.»Ich kann noch nicht erkennen, ob sie daran glauben, daß er zurückgekehrt ist, oder nicht. Natürlich kann es sein, daß sie überhaupt keine Position beziehen wollen. Halten sich heraus.«

»Ich bin sicher, sie würden nie auf die Seite von Du-weisst-schon-wem wechseln,«meinte Mr Weasley und schüttelte seinen Kopf.»Sie haben ebenfalls Verluste erlitten; erinnert Ihr Euch an die Koboldfamilie, die er letztesmal irgendwo in der Nähe von Nottingham ermordet hat?«

»Ich denke, es hängt davon ab, was ihnen angeboten wird,«entgegnete Lupin.»Und ich rede jetzt nicht von Gold.

Wenn ihnen die Freiheiten versprochen werden, die wir ihnen seit Jahrhunderten verwehren, werden sie in Versuchung geraten. Hast Du noch kein Glück mit Ragnok gehabt, Bill?«

»Er ist derzeit nicht gut auf die Zauberer zu sprechen,«sagte Bill,»Er ist immer noch wütend über das Geschäft mit Bagman, argwöhnt, daß das Ministerium die Sache vertuscht. Die Kobolde haben ihr Gold niemals bekommen, müsst Ihr wissen -«

Ein Sturm aus Gelächter von der Tischmitte erstickte Bills restliche Worte. Fred, George, Ron und Mundungus kringelten sich in ihren Stühlen.

»- und dann,«keuchte Mundungus, während ihm die Tränen über das Gesicht flossen,»und dann fragt er mich, ihr werdet es nicht glauben, er fragt mich»Woher hast du denn die vielen Kröten? Ein paar Hundesöhne haben mir meine alle geklaut!«Und ich entgegne»Haben alle Deine Kröten geklaut, Will. Und was jetzt? Willst Du jetzt wieder ein paar neue haben?«Und ob Ihr«s glaubt oder nicht, Jungs, dieser dämliche Wasserspeier kauft alle seine Kröten von mir zurück für deutlich mehr Geld, als er ursprünglich bezahlt hat -«»Ich denke, wir haben genug von Deinen Geschäften.gehört, vielen Dank, Mundungus,«unterbrach Mrs Weasley scharf, als Ron unter brüllendem Gelächter vornüber auf den Tisch kippte.

»Bitte vielmals um Verzeihung, Molly,«erwiderte Mundungus sofort während er sich die Augen wischte und Harry zuwinkte.»Aber Du mußt wissen, Will hat zuvor Warty Harris beklaut, so daß ich wirklich nichts Unrechtes getan habe.«

»Ich weiß nicht, wo Du zwischen Gut und Böse unterscheiden gelernt hast, Mundungus, aber es hat den Anschein, daß du einige grundlegende Lektionen versäumt hast,«sagte Mrs Weasley kalt.

Fred und George verbargen ihre Gesichter hinter ihren Butterbierkelchen; George hatte Schluckauf. Aus irgendeinem Grund bedachte Mrs Weasley Sirius mit einem bösen Blick, bevor sie aufstand um einen großen Rhabarberpudding zu holen.

Harry schaute zu seinem Paten hinüber.

»Molly ist nicht begeistert von Mundungus,«flüsterte Sirius.

»Wie kommt er in den Orden?,«fragte Harry ganz leise.

»Er ist nützlich,«murmelte Sirius.»Kennt alle Gauner – na ja, er ist selbst einer.

Aber er ist auch sehr loyal zu Dumbledore, der ihm einmal aus einer Klemme heraus geholfen hat. Es zahlt sich aus, jemanden wie Dung dabei zu haben; er hört Dinge, die wir nicht hören. Aber Molly denkt, ihn zum Abendessen einzuladen ging zu weit. Sie hat ihm nicht verziehen, daß er seine Pflichten vernachlässigt hat, als er dich überwachen sollte.«

Nach drei Portionen Rhabarber- und Vanillepudding fühlte sich der Hosenbund an Harrys Jeans unangenehm eng an

(was durchaus erwähnenswert ist, da die Jeanshose früher Dudley gehörte). Als er seinen Löffel beiseite legte, war eine Gesprächspause entstanden:

Mr Weasley lehnte sich in seinem Stuhl zurück und machte einen vollgestopften aber entspannten Eindruck; Tonks gähnte ausgiebig, ihre Nase wieder im Normalzustand; und Ginny, die Krumbein unter der Anrichte hervorgelockt hatte, saß mit übereinander geschlagenen Beinen auf dem Fußboden und versuchte, ihn mit Butterbierkorken zu verjagen.

»Bald Zeit zum Schlafengehen, denke ich,«sagte Mrs Weasley mit einem Gähnen.

»Noch nicht, Molly,«warf Sirius ein, schob seinen leeren Teller von sich und drehte sich zu Harry um.»Weißt Du, ich bin überrascht. Ich dachte, du würdest, kaum daß Du hier bist, alle möglichen Fragen über Voldemort stellen.«

Die Athmosphäre im Raum änderte sich so schnell, als ob Dementoren aufgetaucht wären. Wo eben noch eine schläfrige Entspanntheit herrschte, schrillte nun Alarm, war alles gespannt.

Ein Schaudern lief rund um den Tisch bei der Erwähnung von Voldemorts Namen. Lupin, der gerade an seinem Wein nippen wollte, senkte langsam sein Glas und blickte wachsam auf.

»Hab ich doch!,«fuhr Harry entrüstet auf.»Ich habe Ron und Hermine gefragt, aber sie sagten, wir seien nicht zugelassen für den Orden, so -«

»Und damit hatten sie auch Recht,«unterbrach Mrs Weasley.»Ihr seid viel zu jung.«

Sie saß kerzengerade auf ihrem Stuhl, ihre Hände umklammerten die Armlehnen, jede Spur von Schläfrigkeit war verflogen.

»Seit wann muß jemand Mitglied im Orden des Phönix sein, um Fragen stellen zu dürfen?,«fragte Sirius.»Harry war einen Monat lang in diesem Muggelhaus eingesperrt. Er hat ein Recht darauf zu erfahren, was passiert -«

»Einen Moment mal!«unterbrach ihn George lautstark.»Wieso erhält Harry Antworten auf seine Fragen?«warf Fred zornig ein.»Wir haben einen ganzen Monat lang versucht, etwas aus Dir herauszubekommen und du hast uns nicht ein einziges, verdammtes Wort erzählt!,«polterte George.

»Ihr seid zu jung, Ihr gehört nicht zum Orden«,«rief Fred mit einer hohen Stimme, die auf unheimliche Weise der seiner Mutter glich.»Harry ist noch nicht einmal volljährig!«Seite 84»Es ist nicht meine Schuld, daß Du nichts über die Tätigkeit des Ordens weißt.,«sagte Sirius ruhig.»Das war die Entscheidung Deiner Eltern. Harry, auf der anderen Seite -«

»Es liegt nicht an Dir, zu entscheiden, was gut ist für Harry!,«sagte Mrs Weasley scharf.

Der Ausdruck in ihrem sonst freundlichen Gesicht sah gefährlich aus.»Ich nehme doch an, Du hast nicht vergessen, was Dumbledore sagte?«

»Was denn?,«fragte Sirius höflich, aber mit der Miene eines Mannes, der sich auf einen Kampf vorbereitet…»Harry nicht mehr zu erzählen, als er unbedingt wissen muß,«sagte Mrs Weasley, die letzten drei Worte stark betonend.

Die Köpfe von Ron, Hermine, Fred und George drehten sich von Sirius zu Mrs Weasley, als würden sie einen Ballwechsel im Tennis verfolgen. Ginny kniete inmitten eines Haufens weggeworfener Butterbierkorken und beobachtete die Unterhaltung mit leicht geöffnetem Mund. Lupins Blick verfolgte Sirius.

»Ich habe nicht die Absicht, ihm mehr zu erzählen als er unbedingt wissen muß, Molly,«sagte Sirius.»Aber da er derjenige ist, der Voldemorts Rückkehr sah«- wieder lief ein kollektiver Schauder um den Tisch als der Name ausgesprochen wurde -»hat er mehr Anrecht, als die meisten anderen, zu -«

»Er ist kein Mitglied im Orden des Phönix!,«sagte Mrs Weasley.»Er ist erst fünfzehn und -«

»Und er hat sich genausoviel mit der Sache beschäftigt, wie die meisten im Orden,«sagte Sirius,»und sogar mehr noch als manch ein anderer.«

»Niemand streitet seine Leistungen ab!,«sagte Mrs Weasley mit lauter werdender Stimme, ihre Fäuste zitternd auf den Stuhllehnen.»Aber er ist noch -«

»Er ist kein Kind mehr!,«sagte Sirius ungeduldig.

»Er ist aber auch noch nicht erwachsen!,«rief Mrs Weasley mit errötenden Wangen.»Er ist nicht James, Sirius!«

»Danke Molly, aber ich weiß genau, wer er ist,«erwiderte Sirius kalt.

»Dessen bin ich mir gar nicht so sicher!,«sagte Mrs Weasley.»Die Art, wie Du manchmal über ihn redest, erweckt den Eindruck, Du denkst, Du hättest Deinen besten Freund wieder zurückbekommen!«

»Was ist daran verkehrt?,«fragte Harry.

»Verkehrt daran ist, daß Du nicht Dein Vater bist, Harry, auch wenn Du ihm noch so ähnlich bist!,«sagte Mrs Weasley, deren Augen immer noch Sirius anstarrten.

Seite 85»Du gehst noch zur Schule, und das sollten diejenigen Erwachsenen, die verantwortlich für Dich sind, nicht vergessen!«

»Willst Du damit sagen, ich sei ein verantwortungsloser Patenonkel?,«fragte Sirius mit erhobener Stimme.

»Ich will damit sagen, daß du für dein voreiliges Handeln bekannt bist, Sirius, und deswegen ermahnt dich Dumbledore auch ständig, zu Hause zu bleiben und -«

»Die Anweisungen, die ich von Dumbledore erhielt, sollten hier außen vor bleiben, wenn«s recht ist!,«protestierte Sirius lautstark.

»Arthur!,«wandte sich Mrs Weasley an ihren Mann.»Arthur, bitte unterstütze mich!«

Mr Weasley entgegnete nicht sofort. Er nahm seine Brille ab und reinigte sie langsam an seinem Umhang ohne dabei seine Frau anzusehen. Erst als er sie sorgfältig wieder auf seine Nase aufgesetzt hatte, antwortete er.

»Dumbledore weiß, daß sich die Situation verändert hat, Molly. Er ist damit einverstanden, daß Harry bis zu einem gewissen Grad ins Bild gesetzt wird, jetzt, wo er sich im Hauptquartier aufhält.«

»Ja, aber das bedeutet noch nicht, ihn zu ermuntern, alles zu fragen was er möchte!«

»Ich persönlich denke,«sagte Lupin ruhig, der endlich den Blick von Sirius löste, während sich Mrs Weasley ihm rasch zuwandte in der Hoffnung, endlich einen Verbündeten zu finden,»es ist besser, Harry erfährt die Fakten – nicht alle,

Molly, aber in groben Zügen – von uns, als eine verfälschte Version von – von anderen.«

Sein Ausdruck war sanft, aber Harry spürte, daß zumindest Lupin bemerkte, wie Mrs Weasley grosse Ohren bekam.

»Nun,«sprach Mrs Weasley, holte tief Luft und schaute rund um den Tisch nach Unterstützung, die jedoch nicht kam,

»Nun – ich sehe, mein Einwand wird abgewiesen. Ich sage nur soviel: Dumbledore hatte seine Gründe, nicht zu wollen, daß Harry zu viel erfährt und er verhält sich wie jemand, dem Harrys Wohlergehen am Herzen liegt -«

»Er ist nicht Dein Sohn,«erinnerte Sirius ruhig.

»Aber so gut, wie,«schrie Mrs Weasley wütend.»Wen hat er denn sonst gehabt?«

»Er hatte mich!«

»Ja,«entgegnete Mrs Weasley und kräuselte die Lippen,»die Sache ist nur so, daß es für Dich ziemlich schwierig war,

Dich um ihn zu kümmern, während Du in Askaban eingesperrt warst, oder?«

Sirius machte Anstalten, von seinem Stuhl hochzufahren…»Molly, du bist nicht die einzige hier am Tisch, die sich Gedanken um Harry macht,«sagte Lupin scharf.»Sirius, setz dich«

Mrs Weasleys Unterlippe zitterte. Sirius sank langsam zurück auf seinen Stuhl, sein Gesicht war sehr blass.

»Ich denke, Harry sollte hierbei Mitspracherecht haben dürfen,«fuhr Lupin fort,»er ist alt genug, selbst zu entscheiden.«

»Ich will wissen, was los ist,«sagte Harry sofort.

Er sah Mrs Weasley nicht an. Er war gerührt gewesen, als sie sagte, er sei so gut wie ein Sohn, aber ihre Verhätschelung machte ihn auch ungeduldig. Sirius hatte Recht, er war kein Kind.

»Na schön,«sagte Mrs Weasley mit brüchiger Stimme.»Ginny – Ron – Hermine – Fred – George – raus aus der Küche. Jetzt.«

Sofort brach Aufruhr aus.

»Wir sind volljährig!«brüllten Fred und George gleichzeitig.

»Wenn Harry darf, warum ich dann nicht?«rief Ron.

»Ma, ich will es auch hören!«jammerte Ginny.

»NEIN!«schrie Mrs Weasley und stand mit funkelnden Augen auf.»Ich verbiete absolut -«

»Molly, du kannst es Fred und George nicht verbieten,«sagte Mr Weasley müde.»Sie sind volljährig.«

»Sie gehen noch zur Schule«

»Aber vor dem Gesetz sind sie jetzt Erwachsene,«sagte Mr Weasley, mit der gleichen müden Stimme.

Mrs Weasleys Gesicht war inzwischen dunkelrot.

»Ich – oh, na gut, Fred und George können bleiben, aber Ron -«

»Harry wird mir und Hermine sowieso alles erzählen, was ihr sagt!«sagte Ron hitzig.»Oder – oder nicht?«fügte er unsicher hinzu, als er Harrys Blick traf.

Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte Harry, Ron zu antworten, daß er ihm nicht ein einziges Wort sage würde, daß er eine Kostprobe davon bekommen könne, im Unklaren gelassen zu werden, und sehen, wie es ihm gefiel. Aber der gemeine Impuls verschwand, als sie sich ansahen.

»Klar werde ich,«sagte Harry.

Ron und Hermine strahlten.

»Gut«rief Mrs Weasley.»Gut! Ginny – INS BETT!«

Ginny ging nicht ohne Protest. Sie konnten hören, wie sie den ganzen Weg die Treppen hoch gegen ihre Mutter wetterte und tobte, und als sie die Diele erreichten, ergänzten Mrs Blacks ohrenbetäubende Schreie das Getöse. Lupin eilte zu dem Bild, um wieder Ruhe herzustellen. Erst, als er zurückgekommen war, die Küchentür hinter sich geschlossen hatte und wieder an seinem Platz am Tisch saß, sprach Sirius.

»OK, Harry… was willst du wissen?«

Harry holte tief Luft und stellte die Frage, von der er im letzten Monat besessen gewesen war.

»Wo ist Voldemort?«fragte er und ignorierte das erneuten Schaudern und Zusammenfahren, als er den Namen aussprach.»Was macht er? Ich habe versucht, bei den Muggels die Nachrichten zu sehen, und da war nichts, was nach ihm aussah, keine komischen Todesfälle oder sonst was.«

»Das liegt daran, daß es bis jetzt keine komischen Todesfälle gab,«sagte Sirius,»wenigstens nicht, soweit wir wissen…

und wir wissen eine ganze Menge.«

»Jedenfalls mehr als er glaubt,«sagte Lupin.

»Wie kommt es, daß er keine Menschen mehr tötet?«fragte Harry. Er wußte, daß Voldemort allein im letzten Jahr mehr als einmal gemordet hatte.

»Weil er keine Aufmerksamkeit auf sich lenken will,«sagte Sirius.

»Es wäre gefährlich für ihn. Seine Rückkehr ist nicht ganz so gelaufen, wie er es wollte, wie du weißt. Er hat es sich verdorben.«

»Oder eher, du hast es für ihn verdorben,«sagte Lupin mit einem zufriedenen Lächeln…»Wie?«fragte Harry verblüfft.

»Du solltest nicht überleben!«sagte Sirius.»Niemand außer seinen Todessern sollte wissen, daß er zurückgekehrt ist.

Aber du hast überlebt und kannst es bezeugen.«

»Und der allerletzte Mensch, den er direkt in dem Moment seiner Ankunft vor ihm gewarnt haben wollte, war Dumbledore,«sagte Lupin.»Und du hast dafür gesorgt, daß Dumbledore sofort Bescheid wußte.«

»Wie konnte das helfen?«fragte Harry.

»Machst du Witze?«sagte Bill ungläubig.»Dumbledore war der einzige, vor dem Du-Weißt-Schon-Wer jemals Angst hatte!«

»Dank deiner Hilfe konnte Dumbledore den Orden des Phönix eine Stunde nach Voldemorts Rückkehr wieder einberufen,«sagte Sirius.

»Also, was macht der Orden?«sagte Harry und schaute in die Runde.

»So hart arbeiten wie wir können, um sicherzugehen, daß Voldemort seine Pläne nicht ausführen kann,«sagte Sirius.

»Woher wißt ihr, was seine Pläne sind?«fragte Harry schnell.

»Dumbledore hatte ein bestimmtes Gefühl,«sagte Lupin,»und Dumbledores bestimmte Gefühle stellen sich normalerweise als zutreffend heraus.«

»Und was glaubt Dumbledore, was er plant?«

»Also, zum einen will er seine Armee wieder aufbauen,«sagte Sirius.»Früher gehorchten unglaublich viele seinem Kommando: Hexen und Zauberer, die er so unter Druck gesetzt oder verhext hatte, daß sie ihm folgten, seine treuen Todesser, viele verschiedene Dunkle Kreaturen. Du hast gehört, wie er plante, die Riesen anzuheuern; tja, sie werden nur eine von den Gruppen sein, auf die er es abgesehen hat. Er wird ganz sicher nicht versuchen, das Zaubereiministerium mit nur einem Dutzend Todesser zu erobern.«

»Also versucht ihr zu verhindern, daß er mehr Anhänger bekommt?!«

»Wir tun unser Bestes,«sagte Lupin.

»Wie?«

»Nun, das Wichtigstes ist der Versuch, so viele Menschen wie möglich davon zu überzeugen, daß Du-Weißt-Schon-Wer wirklich zurückgekehrt ist, sie wachsam zu machen,«sagte Bill.»Das stellt sich jetzt aber als schwierig heraus.«

»Warum?«

»Wegen der Haltung des Ministeriums,«sagte Tonks.»Du hast Cornelius Fudge gesehen, nachdem Du-Weißt-Schon-Wer zurückkam, Harry. Also, er hat seine Haltung überhaupt nicht geändert. Er weigert sich hartnäckig zu glauben, daß es geschehen ist.«

»Aber warum?«sagte Harry verzweifelt.»Warum ist er so dumm? Wenn Dumbledore -«

»Ah, so, und genau da hast du das Problem,«sagte Mr Weasley mit einem ironischen Lächeln. »Dumbledore.«

»Fudge hat Angst vor ihm, weißt du,«sagte Tonks traurig.

»Angst vor Dumbledore?«sagte Harry ungläubig.

»Angst vor dem, was er vorhat,«sagte Mr Weasley.»Fudge denkt, Dumbledore plant eine Verschwörung, um ihn zu stürzen. Er denkt, Dumbledore will Zaubereiminister werden.«

»Aber Dumbledore will nicht -«

»Natürlich will er nicht,«sagte Mr Weasley.»Er wollte nie das Amt des Ministers haben, obwohl einige Leute wollten, daß er es übernimmt, als Millicent Bagnold sich zur Ruhe gesetzt hat. Fudge kam statt dessen an die Macht, aber er hat nie wirklich vergessen, wie viel öffentliche Unterstützung Dumbledore hatte, selbst ohne sich jemals für die Stelle beworben zu haben.«

»Im Grunde weiß Fudge, daß Dumbledore viel klüger als er selbst ist, ein viel mächtigerer Zauberer, und in den Anfangstagen seines Amtes hat er Dumbledore ständig um Hilfe und Rat gebeten,«sagte Lupin.»Aber anscheinend mag er inzwischen die Macht und ist viel sicherer geworden. Er ist liebend gern Zaubereiminister und hat es geschafft, sich selbst einzureden, daß er der Schlaue ist und Dumbledore einfach nur spaßeshalber für Schwierigkeiten sorgt.«

»Wie kann er das glauben?«fragte Harry zornig.»Wie kann er glauben, daß Dumbledore alles nur erfinden würde -

daß ich alles nur erfinden würde?«.»Wenn er akzeptieren würde, daß Voldemort zurück ist, würde das Schwierigkeiten bedeuten, mit denen das Ministerium seit fast vierzehn Jahren nicht mehr fertig werden mußte, deshalb,«sagte Sirius bitter.»Fudge kann sich nicht überwinden, diesen Tatsachen ins Auge zu sehen. Es ist ja so viel bequemer, sich einzureden, daß Dumbledore lügt, um seine Position zu schwächen.«

»Du siehst das Problem,«sagte Lupin.»Solange das Ministerium darauf besteht, daß von Voldemort nichts zu befürchten ist, ist es schwer, die Menschen von seiner Rückkehr zu überzeugen, vor allen Dingen, weil sie es wirklich nicht glauben wollen. Außerdem übt das Ministerium auf den Tagesprophet Druck aus, damit er nichts von dem druckt, was sie als Dumbledores Gerüchteküche bezeichnen, also ist dem Großteil der Zauberer-Bevölkerung überhaupt nicht bekannt, daß irgendetwas passiert ist, womit sie für die Todesser leichtes Ziel werden, wenn sie den Imperius-Fluch benutzen.«

»Aber ihr sagt es doch den Leuten, oder?«sagte Harry, und schaute auf Mr Weasley, Sirius, Bill, Mundungus, Lupin und Tonks.»Ihr sagt den Menschen, daß er zurück ist?«

Alle lächelten freudlos.

»Also, wo jeder glaubt, daß ich ein Massenmörder bin und das Ministerium zehntausend Gallonen Kopfgeld auf mich ausgesetzt hat, kann ich kaum die Straße entlang schlendern und anfangen, Flugblätter zu verteilen, oder?«sagte Sirius unruhig.

»Und ich bin für die meisten kein besonders beliebter Gast zum Abendessen,«sagte Lupin.»Das gehört zu den Berufsrisiken von Werwölfen.«

»Tonks und Arthur würden ihre Arbeitsplätze beim Ministerium verlieren, wenn sie anfangen würden zu erzählen,«

sagte Sirius,»und für uns ist es sehr wichtig, Spione im Ministerium zu haben, weil du darauf wetten kannst, daß Voldemort sie auch hat.«

»Aber wir haben es geschafft, einige Leute zu überzeugen,«sagte Mr Weasley.»Tonks hier zum einen – sie ist zu jung, um schon beim letzten Mal im Orden des Phönix gewesen zu sein, und Auroren auf unserer Seite zu haben, ist ein großer Vorteil – Kingsley Shacklebolt war auch ein wirklicher Gewinn; er ist zuständig für die Suche nach Sirius, also hat er das Ministerium mit Informationen versorgt, daß Sirius in Tibet ist.«

»Aber wenn keiner von euch die Nachricht verbreitet, daß Voldemort zurück ist -» fing Harry an.

»Wer sagt, daß keiner von uns die Nachricht verbreitet?«sagte Sirius.»Was glaubst du, warum Dumbledore in solchen Schwierigkeiten ist?«

»Was meinst du?«fragte Harry

»Sie versuchen, ihn in Verruf zu bringen,«sagte Lupin.»Hast du letzte Woche nicht den Tagespropheten gelesen? Sie haben berichtet, daß er abgewählt wurde als Vorsitzender des Internationalen Bundes von Zauberern, weil er alt wird und die Dinge nicht mehr im Griff hat, aber das ist nicht wahr; er wurde von Zauberern des Ministeriums abgewählt, nachdem er eine Rede hielt, in der er Voldemorts Rückkehr verkündete. Sie haben ihn zurückgestuft als Oberster Zauberer(?) im Hohen Rat der Zauberer – was das Oberste Gericht der Zauberer ist – und überlegen nun, ihm den Erlaß des Merlins, Erste Klasse, (?) abzunehmen.

»Aber Dumbledore sagt, es ist ihm egal, was sie machen, solange sie ihn nicht von den Schokoladen-Frosch-Karten verbannen,«sagte Bill grinsend.

»Das ist nicht zum Lachen,«sagte Mr Weasley scharf.»Wenn er sich weiterhin dem Ministerium so widersetzt, könnte er in Askaban enden, und das Letzte, was wir wollen, ist Dumbledore hinter Gittern. Solange Du-Weißt-Schon-Wer weiß, daß Dumbledore da draußen ist und weiß, was er vorhat, wird er vorsichtig sein. Wenn Dumbledore aus dem Weg ist – nun, dann wird Du-Weißt-Schon-Wer freie Bahn haben.«

»Aber wenn Voldemort versucht, mehr Todesser für sein Gefolge zu finden, muß es doch herauskommen, daß er wieder da ist, oder?«fragte Harry verzweifelt.

»Voldemort wandert nicht los zu den Häusern der Leute und klopft laut an ihre Türen, Harry,«sagte Sirius.»Er trickst sie aus, verhext und erpresst sie. Er hat Übung damit, im Verborgenen zu arbeiten. Auf jeden Fall ist das Versammeln von Anhängern nur eine Sache, die er vorhat. Er hat auch noch andere Pläne, Pläne, deren Ausübung er sehr unauffällig anfangen kann, und auf die konzentriert er sich zur Zeit.«

»Was will er noch außer Anhängern?«fragte Harry schnell. Er glaube, daß er Sirius und Lupin einen sehr flüchtigen Blick tauschen sah, bevor Sirius antwortete.

»Sachen, die er nur durch Diebstahl bekommen kann.«

Als Harry immer noch verwirrt aussah, sagte Sirius»Wie eine Waffe. Etwas, das er letztes Mal nicht hatte.«

»Als er schon einmal an der Macht war?«.»Ja.«

»Was für eine Waffe?«fragte Harry.»Etwas Schlimmeres als den Avada Kedavra -?«

»Das reicht jetzt!«

Mrs Weasley Stimme kam aus dem Schatten neben der Tür. Harry hatte nicht bemerkt, daß sie zurück war und Ginny hinaufgebracht hatte. Sie hatte ihre Arme verschränkt und sah aufgebracht aus.

»Ihr geht jetzt ins Bett. Alle,«fügte sie hinzu und sah sich zu Fred, George, Ron und Hermine um.

»Du kannst uns nicht herum -» fing Fred an.

»Laß es drauf ankommen,«knurrte Mrs Weasley. Sie zitterte leicht, als sie zu Sirius schaute.»Du hast Harry reichlich Informationen gegeben. Noch ein paar, und du kannst ihn genauso gut direkt in den Orden einführen.«

»Warum nicht?«fragte Harry schnell.»Ich trete bei, ich will beitreten, ich will kämpfen.«

»Nein.«

Dieses Mal sprach nicht Mrs Weasley, sondern Lupin.

»Der Orden besteht nur aus volljährigen Zauberern,«sagte er.»Zauberer, die die Schule hinter sich haben,«ergänzte er, als Fred und George den Mund öffneten.»Es geht um Gefahren, von denen ihr keine Vorstellung haben könnt, keiner von euch. Ich denke, Molly hat recht, Sirius. Wir haben genug gesagt.«

Sirius zuckte knapp die Schultern, aber machte keine Einwände. Mrs Weasley winkte befehlend zu ihren Söhnen und Hermine hinüber. Einer nach dem anderen stand auf, und Harry, der die Niederlage einsah, folgte direkt…

Kapitel 6 – Das noble und uralte Haus derer von Black

Mrs Weasley folgte ihnen mit grimmiger Miene nach oben.

»Ihr geht alle schnurstracks ins Bett, keine langen Gespräche mehr,«sagte sie,als sie den ersten Treppenabsatz erreichten,»wir haben morgen einen arbeitsreichen Tag vor uns. Ich nehme an, Ginny schläft,«fügte sie an Hermine gewandt hinzu,»also versuch, sie nicht aufzuwecken.«

»Schläft schon, na klar,«flüsterte Fred, nachdem Hermine ihnen gute Nacht gewünscht hatte und sie zum nächsten Stockwerk hinaufstiegen.»Wenn Ginny nicht wachliegt und darauf wartet, daß Hermine ihr alles erzählt was sie unten gesagt haben, dann bin ich ein Flubberwurm…«

»Also, Ron, Harry,«sagte Mrs Weasley auf dem zweiten Treppenabsatz.»Ins Bett mit euch.«

»Nacht,«sagten Harry und Ron zu den Zwillingen.

»Schlaft schön,«sagte Fred und zwinkerte.

Mrs Weasley schloss die Tür hinter Harry mit einem scharfen Knallen. Das Schlafzimmer sah auf den zweiten Blick sogar noch feuchter und düsterer aus.

Das leere Bild an der Wand atmete nun tief und langsam, als sei sein unsichtbarer Bewohner eingeschlafen. Harry zog seinen Schlafanzug an, nahm seine Brille ab und kletterte in sein klammes Bett, während Ron Eulen-Leckerli auf den Schrank warf um Hedwig und Pigwidgeon zu beruhigen, die umherhüpften und unruhig mit den Flügeln schlugen.

»Wir können sie nicht jede Nacht zum Jagen rauslassen,«erklärte Ron und schlüpfte in seinen kastanienbraunen Schlafanzug.»Dumbledore will nicht, daß dauernd Eulen über dem Platz herumschweben, der findet, es würde verdächtig aussehen. Hey…ich hab was vergessen…«

Er ging zur Tür hinüber und verriegelte sie.

»Warum machst du das?«

»Kreacher,«sagte Ron und machte das Licht aus.»In der ersten Nacht, wo ich hier war, kam er morgens um drei hier reinspaziert. Glaub mir, aufwachen und den im Zimmer herumschnüffeln zu sehen. Wie auch immer…«er stieg in sein Bett, verkroch sich in die Decken und drehte sich dann im Dunkeln zu Harry um. Im Mondlicht, daß durch das schmutzige Fenster fiel, konnte Harry seinen Umriss erkennen.

»Was hältst du davon

Harry mußte nicht fragen was Ron meinte.

»Naja, sie haben uns nicht viel erzählt, was wir nicht selber erraten hätten, oder?«sagte er und dachte an alles, was unten gesagt worden war.»Ich meine, alles was sie wirklich gesagt haben ist, daß der Orden versucht, Leute dran zu hindern, sich Vol…«

Ron sog scharf die Luft ein.

…«.demort,«sagte Harry fest.»Wann fängst du mal an, seinen Namen zu auszusprechen? Sirius und Lupin tun es.«

Ron ignorierte diesen letzten Kommentar.

»Ja, du hast recht,«sagte er,»wir wußten schon fast alles, was sie uns gesagt haben, wegen der verlängerten Ohren. Das einzig Neue war…«

Krach

»AUTSCH!«

»Sei leise, Ron, oder Mum kommt wieder rauf!«

»Ihr zwei seid gerade auf meinen Knien appariert!«

»Je, nun, im Dunkeln ist es schwerer.«

Harry sah die verschwommenen Umrisse von Fred und George, die von Ron«s Bett sprangen. Die Bettfedern stöhnten und Harrys Matratze sank ein paar Zentimeter, als George sich neben seine Füsse setzte.

»So, seid ihr schon dabei?«fragte George eifrig.

»Bei der Waffe, die Sirius erwähnt hat? sagte Harry…»Hat durchsickern lassen, das trifft«s eher,«sagte Fred mit Befriedigung und sass nun neben Ron. »Davon haben wir noch nichts gehört, mit den ollen Verlängerten, was?

»Was meint ihr, was ist es?«fragte Harry.

»Könnte alles mögliche sein,«sagte Fred.

Aber es kann doch nichts Schlimmeres geben als den Avada Kedavra Fluch, oder?«fragte Ron?»Was ist schlimmer als der Tod?«

»Vielleicht ist es etwas, das jede Menge Leute auf einmal töten kann,«schlug George vor.

»Vielleicht ist es eine besonders schmerzhafte Art und Weise, Menschen umzubringen,«sagte Ron ängstlich.

»Er hat den Cruciatus-Fluch um Leuten Schmerz zuzufügen,«sagte Harry,»er braucht nichts Wirkungsvolleres als das.«

Es gab eine Pause und Harry wußte, daß die anderen, so wie er selbst, sich fragten, was für schreckliche Dinge diese Waffe anstellen konnte.

»Also, was meint ihr, wer hat sie jetzt?«fragte George.

»Ich hoffe, das Ding ist auf unserer Seite,«sagte Ron und klang ein wenig nervös.

»Wenn ja, dann wird wahrscheinlich Dumbledore sie haben.«sagte Fred.

»Wo denn?«sagte Ron schnell.»In Hogwarts?«

»Ich wette, das ist es!«sagte George.»Da hat er den Stein der Weisen auch versteckt.«

»Aber eine Waffe wäre viel größer als der Stein, oder?«sagte Ron.

»Nicht unbedingt,«sagte Fred.

»Ja, Größe sagt nichts über Kraft aus,«sagte George.»Schaut euch Ginny an.«

»Was meinst du?«fragte Harry.

»Du hast noch nie einen von ihren Fledermauspopel-Flüchen abgekriegt, was?«

»Pssst!«sagte Fred und rutschte halb vom Bett.»Hört mal!«

Sie waren mucksmäuschenstill. Schritte kamen die Treppe herauf.

»Mum,«sagte George und ohne jegliche Ankündigung gab es einen lauten Knall. Harry fühlte, wie das Gewicht vom Ende des Bettes verschwand. Ein paar Sekunden später hörten sie vor ihrer Tür eine Diele knarren. Offensichtlich lauschte Mrs Weasley an Tür, ob sie noch miteinander sprachen.

Hedwig und Pigwidgeon schuhuten klagend. Die Diele knarrte wieder und sie hörten, wie sie hinaufging um bei Fred und George zu horchen.

»Sie traut uns überhaupt nicht, weißt du,«sagte Ron bedauernd.

Harry war sich sicher, daß er es nicht schaffen würde, einzuschlafen; der Abend war so vollgestopft gewesen mit Dingen, über die er nachdenken mußte, daß er sicher war, daß er noch stundenlang wachliegen und darüber nachgrübeln würde. Er wollte sich weiter mit Ron unterhalten, aber Mrs Weasley tappte knarrend nach unten und als sie weg war, hörte er deutlich andere nach oben steigen…tatsächlich, vielbeinige Geschöpfe trabten leise den Flur hinter der Schlafzimmertür auf und ab, und Hagrid, der Lehrer für Hege und Pflege magischer Wesen sagte: »Kleene Schönheiten, wa,, Harry? Dieset Jahr nehmwa Waffen durch…«und Harry sah, daß die Wesen Kanonen als Köpfe hatten und sich zu ihm umdrehten… er duckte sich…

Das nächste, was er wußte, war, daß er unter der Decke zu einem kuschelig-warmen Ball zusammengerollt war und Georges laute Stimme den Raum erfüllte.

»Mum sagt, ihr sollt aufstehen, euer Frühstück ist in der Küche und dann braucht sie euch im Salon, da sind noch viel mehr Zahnfeen als sie dachte und sie hat ein Nest mit toten Plusterbällchen unter dem Sofa gefunden.«

Eine halbe Stunde später hatten Harry und Ron sich schnell angezogen und gefrühstückt und betraten den Salon, einen langen Saal im ersten Stock, mit hoher Decke und olivgrünen Wänden, an denen schmutzige Wandteppiche hingen.

Aus dem Teppich stiegen bei jedem Schritt Staubwolken auf und in den langen, moosgrünen Samtvorhängen brummte es, als wäre darin ein Schwarm unsichtbarer Bienen verborgen. Mrs Weasley, Hermine, Ginny, Fred und George standen davor und sahen dabei sehr merkwürdig aus, denn jeder hat sich ein Tuch über Mund und Nase gebunden.

Jeder hatte ausserdem eine große Flasche voll schwarzer Flüssigkeit mit einer Sprühdüse am Deckel in der Hand…»Bedeckt eure Gesichter und fangt an zu sprühen,«sagte Mrs Weasley zu Harry und Ron, kaum daß sie sie erblickt hatte und zeigte auf zwei weitere Flaschen mit schwarzer Flüssigkeit, die auf einem spinnenbeinigen Tischchen standen.»Es ist Zahnfeentod. Ich habe noch nie einen so schlimmen Befall gesehen – was hat dieser Hauself bloß in den letzten zehn Jahren gemacht…?«

Hermines Gesicht war von einem Geschirrtuch halb verdeckt, aber Harry konnte deutlich den vorwurfsvollen Blick sehen, den sie Mrs Weasley zuwarf.

»Kreacher ist so alt, er hat es wahrscheinlich einfach nicht mehr geschafft…«

»Du wärst überrascht, was Kreacher alles schaffen kann, wenn er nur will, Hermine,«sagte Sirius, der gerade den Raum betreten hatte, eine blutfleckige Tasche über der Schulter, die offenbar tote Ratten enthielt.»Ich habe gerade Schnäbelchen gefüttert,«fügte er hinzu, als er Harrys fragenden Blick sah.»Den habe ich oben im Schlafzimmer meiner Mutter einquartiert. Jedenfalls…dieser Schreibtisch…«

Er lie die Tasche mit den Ratten auf einen Sessel fallen und bückte sich, um das verschlossene Schränkchen anzusehen.

Harry fiel erst jetzt auf, daß es leicht zitterte.

»Also, Molly, ich bin ziemlich sicher, das ist ein Boggart,«sagte Sirius und spähte durch das Schlüsselloch,» aber vielleicht sollten wir Mad-Eye einen Blick drauf werfen lassen, bevor wir ihn rauslassen, so wie ich meine Mutter kenne, könnte es auch etwas viel Schlimmeres sein.

»Du hast völlig recht, Sirius,«sagte Mrs Weasley.

Sie sprachen beide ein einem bemüht leichten, höflichen Tonfall, der Harry überdeutlich wissen ließ, daß keiner der beiden ihre Auseinandersetzung von letzter Nacht vergessen hatten.

Eine laute, scheppernde Glocke erklang von unten, gefolgt von einem Strom aus Geschrei und Schluchzern, wie er letzte Nacht von Tonks ausgelöst worden war, als sie den Schirmständer umgestoßen hatte.

»Ich sag«s ihnen immer wieder, sie sollen nicht an der Tür läuten!«sagte Sirius entnervt und eilte aus dem Raum. Sie hörten ihn die Treppe hinunterjagen, während Mrs Blacks Kreischen aufs Neue durch das Haus gellte.

»Schandflecke, dreckige Mischlinge, Verräter unseres Blutes, Kinder des Abschaums…«

»Mach bitte die Tür zu, Harry,«sagte Mrs Weasley.

Harry ließ sich beim Schließen der Tür so viel Zeit, wie er sich getraute; er wollte zuhören, was unten geschah. Sirius hatte es offenbar geschafft, die Vorhänge vor dem Portrait zu schliessen, denn sie hatte aufgehört zu schreien. Er hörte wie Sirius die Eingangshalle entlang ging, das Klappern der Kette an der Eingangstür und dann eine tiefe Stimme, die er als die von Kingsley Shacklebolt erkannte.»Hestia hat mich gerade abgelöst, also hat sie jetzt Moodys Mantel, dachte mir, ich hinterlasse einen Bericht für Dumbledore…«

Harry fühlte den Blick von Mrs Weasley im Nacken und schloss widerwillig die Salontür, um sich wieder der Zahnfeejagd anzuschließen.

Mrs Weasley beugte sich über Gilderoy Lockharts Handbuch der Haushaltsschädlinge, das auf dem Sofa lag, um die Seite über Zahnfeen nachzulesen.

»Also, Kinder, ihr müsst euch vorsehen, Zahnfeen beissen und ihre Zähne sind giftig. Ich habe eine Flasche mit einem Gegenmittel da, aber mir wäre es lieber, keiner würde es brauchen.

»Hallo Kreacher,«sagte Fred ziemlich laut und schlug die Tür zu.

Der Haus-Elf blieb wie angewurzelt stehen, hörte auf vor sich hin zu murmeln und überraschte mit einer sehr betonten aber um so weniger überzeugenden Begrüßung.

»Kreacher hat den jungen Herrn nicht gesehen,«sagte er sich umdrehend und vor Fred verbeugend. Noch immer zum Teppich gewandt fügte er, sehr gut zu verstehen, hinzu:»Das garstige kleine Balg eines Verräters ist er.«

»Entschuldigung?«sagte George.»Ich hab den Rest nicht verstanden.«

»Kreacher hat nichts gesagt,«erwiderte der Elf mit einer weiteren Verbeugung zu George und fügte mit einem abschätzigen Unterton hinzu:»und da ist sein Zwillingsbruder, unnatürliche kleine Bestien sind sie.«

Harry wußte nicht ob er lachen sollte oder nicht. Der Elf richtete sich sie alle missgünstig anblickend auf und fuhr fort zu murmeln, da er offensichtlich davon überzeugt war daß sie ihn nicht hören konnten.

…«.und da ist das Schlammblut, unverschämt steht es herum, oh, wenn die Herrin wüsste, oh, wie sei weinen würde, und da ist ein neuer Junge, Kreacher kennt seinen Namen nicht. Was tut er hier? Kreacher weiss es nicht…«

»Das ist Harry, Kreacher,«sagte Hermine freundlich,»Harry Potter.«

Kreachers blasse Auge weiteten sich und er murmelte schneller und wütender als je zu.zuvor.

»Das Schlammblut spricht mit Kreacher als ob sie mein Freund wäre, wenn Kreachers Herrin ihn in solcher Gesellschaft sähe, oh, was würde sie sagen-«

»Nenn sie nicht Schlammblut!«sagten Ron und Ginny im Chor, äußerst verärgert.

»Das macht nichts,«flüsterte Hermine,»Er ist nicht ganz richtig im Kopf, er weiss nicht-«

»Mach dich nicht lächerlich, Hermine, er weiss ganz genau was er sagt,«sagte Fred, Kreacher mit großem Widerwillen betrachtend.

Kreacher babbelte immer noch vor sich hin, seine Augen auf Harry gerichtet.

»Ist es wahr? Ist es Harry Potter? Kreacher kann die Narbe sehen, es muß also wahr sein, daß ist der Junge der den Dunklen Lord gestoppt hat, Kreacher fragt sich, wie er das angestellt hat-«

»Tun wir das nicht alle Kreacher?«wollte Fred wissen.

»Was willst du überhaupt hier?«fragte George.

»Kreacher putzt«antwortete er ausweichend.

»Eine sehr wahrscheinliche Geschichte,«sagte eine Stimme hinter Harry.

Sirius war zurück gekehrt; er betrachtete den Elfen finster aus dem Türbogen. Der Lärm in der Halle war versiegt; vielleicht hatte Mrs Weasley und Mundungus ihren Streit runter in die Küche verlegt.

Als er Sirius erblickte warf Kreacher sich in eine lächerlich tiefe Verbeugung und seine schnauzengleiche Nase wurde auf den Fussboden gepresst.

»Stell dich grade hin,«sagte Sirius ungeduldig.»Nun, was hast du also vor?«

»Kreacher putzt,«antwortete der Elf.»Kreacher lebt um dem Edlen Haus der Blacks-«

»Und es wird von Tag zu Tag schwärzer, es ist schmutzig«sagte Sirius.

»Der Herr mochte diesen kleinen Witz schon immer,«sagte Kreacher, sich wiederum verbeugend, und fuhr in einem Unterton fort:»Der Herr war ein garstiges undankbares Schwein der das Herz seiner Mutter gebrochen hat-«

»Meine Mutter hatte kein Herz, Kreacher,«versetzte Sirius.»Sie hielt sich nur durch pure Bosheit am Leben.

Kreacher verbeugte sich wieder während er sprach.

»Was auch immer der Herr sagt,«murmelte er aufgebracht.»Der Herr ist es nicht wert Schleim von den Stiefeln seiner Mutter zu wischen, oh, meine arme Herrin, wenn sie sähe daß Kreacher ihm dient, wie sie ihn gehasst hat, was er für eine Enttäuschung gewesen ist-«

»Ich habe dich gefragt, was du vor hattest,«sagte Sirius kalt.»Jedes Mal wenn du dich zeigst und so tust, als ob du putzt, schmuggelst du irgendwas auf dein Zimmer damit wir es nicht rausschmeißen können.«

»Kreacher würde nie etwas von seinem angestammten Platz im Haus seines Meisters bewegen,«sagte der Elf, murmelte dann sehr schnell:»Die Herrin würde Kreacher nie vergeben wenn der Wandteppich runtergerissen würde, er ist seit sieben Jahrhunderten im Familienbesitz, Kreacher muß ihn retten, Kreacher wird nicht zulassen, daß der Herr, die Blutverräter und die Balgen ihn zerstören-«

»Ich dachte mir schon daß es das sein könnte,«sagte Sirius, einen verachtenden Blick auf die gegenüberliegende Wand werfend.»Sie wird seine Rückseite mit einem weiteren Permanenten Anklebe Zauber belegt haben, da habe ich keine Zweifel, aber wenn ich ihn irgendwie loswerden kann tue ich das auch. Und jetzt verzieh dich, Kreacher.«

Es schien so als würde Kreacher es nicht wagen einem direkten Befehl nicht zu gehorchen; trotzdem war der Blick, den er Sirius zuwarf als er an ihm vorbei aus dem Raum schlurfte voll von tiefster Abscheu und er murmelte auf dem ganzen Weg aus dem Raum:

»- kommt zurück aus Askaban und scheucht Kreacher herum, oh, meine arme Herrin, was würde sie sagen wenn sie ihr Haus jetzt sähe, Abschaum darin lebend, ihre Schätze herausgeworfen, sie hat geschworen daß er nicht ihr Sohn sei und er ist zurück, sie sagen sogar das er ein Mörder ist-«

»Murre nur weiter und ich werde zum Mörder!«erwiderte Sirius reizbar als er die Tür hinter dem Elfen zuknallte.

»Sirius, er ist nicht ganz richtig im Kopf,«verteidigte ihn Hermine,»Ich glaube nicht daß er versteht, daß wir ihn hören können.«

»Er war zulange allein,«antwortete Sirius,»bekam verrückte Befehle vom Portrait meiner Mutter und sprach mit sich selbst, aber er war schon immer ein fauler kleiner-«.»Aber wenn du ihn freilassen würdest,«sagte Hermine hoffnungsvoll,»vielleicht-«

»Wir können ihn nicht freilassen, er weiss zu viel über den Orden,«entgegnete Sirius kurz angebunden.»Und überhaupt, der Schock würde ihn töten. Schlag du ihm vor das Haus zu verlassen, mal sehen wie er es verkraftet.«

Sirius durchquerte das Zimmer dorthin wo der Wandteppich, den Kreacher zu verteidigen versucht hatte, die Wand bedeckte. Harry und die anderen folgten ihm.

Der Teppich sah sehr alt aus; er war verblichen und sah aus als ob Zahnfeen ihn angenagt hätten. Wie auch immer, der goldene Faden, mit der er bestickt war funkelte immer noch hell genug um ihnen einen ausgedehnten Stammbaum zu zeigen, der (soweit Harry zu sehen vermochte) bis ins Mittelalter zurück reichte. Große Worte am oberen Ende des Teppich lasen Das Edle und Altehrwürdige Haus derer von Black

»Toujours pur«

»Du bist hier nicht drauf!«stellte Harry fest, nachdem er das Ende des Stammbaums genau betrachtet hatte.

»Ich war früher dort,«sagte Sirius, während er auf ein kleines, rundes, angesengtes Loch deutete, das eher wie ein Brandfleck von einer Zigarette aussah.»Meine süße, alte Mutter hat mich ausgebrannt nachdem ich von Zuhause weggelaufen bin – Kreacher liebt es die Geschichte vor sich hin murmelnd rum zu erzählen.

»Du bist von Zuhause ausgerissen?«

»Als ich ungefähr sechzehn war,«antwortete Sirius.»Ich hatte genug.«

»Wo bist du hingegangen?«fragte Harry, der Sirius anstarrte.

»Zu deinem Vater,«sagte Sirius.»Deine Großeltern war mir sehr wohl gesonnen; sie haben mich sozusagen als zweiten Sohn adoptiert. Ja, ich hab die Schulferien bei deinem Vater verbracht, und als ich siebzehn war, hab ich mir etwas Eigenes zugelegt. Mein Onkel Alphard hat mir ein ordentliches Bißchen Gold hinterlassen – er ist hier auch ausradiert worden, das ist vermutlich der Grund – wie auch immer, danach hab ich mich um mich selbst gekümmert. Aber ich war trotzdem immer bei Mr und Mrs Potter zum Sonntagsessen willkommen.

»Aber…warum bist du…?«

»Fortgegangen?«Sirius lächelte bitter und strich sich mit den Fingern durch seine langen, ungekämmten Haare.

»Weil ich die ganze Bande gehasst habe: Meine Eltern, mit ihrer Reinblüter-Manie, überzeugt davon daß ein Black zu sein einen praktisch königlich machte… meinen idiotischen Bruder, der weich genug war ihnen zu glauben… das ist er.«

Sirius stieß einen Finger ganz am Ende des Stammbaums, auf den Namen»Regulus Black.«Ein Todesdatum (vor ungefähr fünfzehn Jahren) folgte dem Geburtsdatum.

»Er war jünger als ich,«sagte Sirius,»und ein wesentlich besserer Sohn wie man mich immer wieder erinnerte.«

»Aber er starb.«sagte Harry.

»Ja,«erwiderte Sirius,»dämlicher Idiot… er wurde ein Todesser.«

»Du machst Witze!«

»Komm schon Harry, hast du noch nicht genug von diesem Haus gesehen um sagen zu können was für eine Sorte Zauberer wir waren?«fragte Sirius gereizt.

»Waren- waren deine Eltern auch Todesser?«

»Nein, nein, aber glaub mir, sie dachten schon das Voldemort die richtige Idee hatte, sie waren völlig für die Reinhaltung der Zaubererrasse, menschlich Geborene loswerden und Reinblüter an die Macht. Sie waren damit auch nicht allein, es gab ziemlich viele Leute, die dachten das Voldemort den richtigen Ansatz hatte, bevor er seine waren Absichten zeigte…sie haben aber kalte Füsse bekommen als sie sahen, was er bereit war zu tun um an die Macht zu gelangen. Aber meine Eltern dachten am Anfang das Regulus ein kleiner Held war weil er Mitglied wurde.«

»Wurde er von einem Auror getötet?«fragte Harry erregt.

»Oh nein,«antwortete Sirius.»Nein, Voldemort hat ihn umgebracht. Oder eher auf Voldemorts Befehl; ich bezweifle, daß Regulus jemals wichtig genug war um von Voldemort persönlich getötet zu werden. Nach dem was ich nach seinem Tod herausgefunden habe, kam er rein, bekam dann Panik vor dem was er tun sollte und versuchte wieder herauszukommen.

Du kannst bei Voldemort nicht einfach deine Kündigung einreichen. Das ist lebenslange Dienerschaft oder Tod.«.»Mittagessen,«sagte Mrs Weasleys Stimme.

Sie hielt ihren Zauberstab hoch vor sich, auf seiner Spitze ein großes Tablett balancierend, das mit Sandwiches und Kuchen beladen war. Ihr Gesicht war sehr rot und sie blickte noch immer ärgerlich drein. Die anderen gingen zu ihr, begierig nach dem Essen, aber Harry blieb bei Sirius, der sich zu dem Gobelin vorgebeugt hatte.

»Ich habe das schon seit Jahren nicht mehr angesehen… Da ist Phineas Nigellus… mein Ur-Ur-Großvater, weißt du?

… unbeliebtester Schulleiter, den Hogwarts je hatte… und Araminta Meliflua… Cousine meiner Mutter… versuchte ein Ministeriums-Gesetz zu erzwingen, das die Muggel-Jagd legalisieren sollte… und die liebe Tante Elladora… sie begann mit der Tradition Hauselfen zu enthaupten, wenn sie zu alt wurden um den Teewagen zu schieben… aber natürlich, jedes mal wenn die Familie einen halbwegs Anständigen hervorbrachte, wurde er ausgestoßen. Wie ich sehe ist Tonks hier nicht drauf. Vielleicht nimmt Kreacher deshalb keine Befehle von ihr entgegen – er ist dazu verpflichtet, jedem Mitglied unserer Familie seine Wünsche zu erfüllen, was immer von ihm verlangt wird -«

»Du und Tonks seid verwandt?,«fragte Harry, überrascht.

»Oh, ja, ihre Mutter Andromeda war meine leibliche Cousine,«sagte Sirius, und betrachtete den Gobelin genau.»Nein,

Andromeda ist auch nicht hier, schau -«

Er zeigte auf einen anderen kleinen runden Brandfleck zwischen zwei Namen, Bellatrix und Narzissa.

»Andromedas Schwestern sind noch hier, weil sie nette, respektable Reinblut-Heiraten machten, aber Andromeda heiratete einen Muggel-Geborenen, Ted Tonks, deshalb -«

Sirius mimte mit einem Zauberstab den Gobelin zu sprengen und lachte bitter. Harry jedoch lachte nicht; er war zu beschäftigt damit, die Namen zur Rechten von Andromedas Brandfleck zu betrachten. Eine doppelte Stickerei verband Narzissa Black mit Lucius Malfoy, und eine einzelne vertikale goldene Linie von ihren Namen führte zum Namen Draco.

»Du bist mit den Malfoys verwandt!«

»Die Reinblut-Familien sind alle miteinander verwandt,«sagte Sirius.»Wenn du deine Söhne und Töchter nur Reinblütige heiraten lässt, ist deine Auswahl sehr beschränkt; es gibt fast keine von uns mehr. Molly und ich sind Cousine und Cousin durch Heirat, und Arthur ist irgendetwas wie Kind eines Cousins zweiten Grades. Aber es macht keinen Sinn hier nach ihnen zu suchen – wenn es je einen Verein von Blut-Verrätern gab, dann waren es die Weasleys.«

Aber Harry schaute jetzt auf einen Namen links von Andromedas Fleck: Bellatrix Black, die mit einer doppelten Line mit Rodolphus Lestrange verbunden war.

»Lestrange…,«sagte Harry laut. Der Name hatte etwas in seiner Erinnerung wachgerufen; er kannte ihn von irgendwoher, doch einen Moment lang konnte er nicht denken von wo, obwohl es ihm ein merkwürdiges, gruseliges Gefühl in der Magengrube gab.

»Sie sind in Askaban,«sagte Sirius kurz angebunden.

Harry schaute ihn neugierig an.

»Bellatrix und ihr Mann Rodolphus kamen mit Barty Crouch junior,«sagte Sirius, in derselben schroffen Stimme.

»Rodolphus«Bruder Rabastan war auch bei ihnen.«

Dann erinnerte sich Harry. Er hatte Bellatrix Lestrange in Dumbledores Denkarium gesehen, der merkwürdigen Erfindung in der Gedanken und Erinnerungen aufbewahrt werden konnten: eine große, dunkle Frau mit schweren Augenlidern, die bei ihrer Verhandlung gestanden und ihre weiter bestehende Treue zu Lord Voldemort kundgegeben hatte, ihren Stolz daß sie versuchte ihn nach seinem Fall zu finden und ihre Überzeugung eines Tages für ihre Loyalität belohnt zu werden.

»Du hast nie gesagt, daß sie deine -«

»Ist es wichtig, daß sie meine Cousine ist?,«schnauzte Sirius.»Soweit ich betroffen bin, sind sie nicht meine Familie.

Sie ist sicher nicht meine Familie. Ich habe sie nicht mehr gesehen, seit ich so alt war wie du, außer wenn man einen flüchtigen Blick zählt, als sie nach Askaban kam. Glaubst du, ich bin stolz mit jemandem wie ihr verwandt zu sein?«

»Tschuldigung,«sagte Harry schnell,»Ich wollte nicht – ich war nur überrascht, das ist alles -«Es ist egal, entschuldige dich nicht,«murmelte Sirius. Er wandte sich vom Gobelin ab, die Hände tief in die Taschen gesteckt.»Ich mag es nicht, wieder hier zu sein,«sagte er, durch den Salon blickend.»Ich habe nie geglaubt, daß ich wieder in diesem Haus festsitzen würde.«

Harry verstand ihn vollkommen. Er wußte wie er sich fühlen würde, wenn er erwachsen wäre und glaubte, er wäre von diesem Platz für immer frei, zurückkehren und in Nummer vier im Ligusterweg leben müsste…»Natürlich ist es ideal für das Hauptquartier,«sagte Sirius.»Mein Vater legte jede Sicherheitsmaßnahme, die Zauberern bekannt waren, auf es als er hier lebte. Es ist unortbar, so daß es Muggels niemals kommen und besuchen könnten – als wollten sie überhaupt – und jetzt, da Dumbledore seinen Schutz hinzugefügt hat, wäre es sehr schwer irgendwo ein sichereres Haus zu finden. Dumbledore ist der Geheimniswahrer des Orden, weißt du – keiner kann das Hauptquartier finden, außer er sagt ihm persönlich wo es liegt – der Zettel, den dir Moody letzte Nacht zeigte, der war von Dumbledore…«Sirius lachte kurz und bellend.»Wenn meine Eltern sehen könnten, zu was ihr Haus jetzt verwendet wird… na ja, das Portrait meiner Mutter sollte dir einen Eindruck davon geben…«

Er machte ein finsteres Gesicht, seufzte dann.

»Es würde mir nichts ausmachen, wenn ich nur gelegentlich hinaus könnte, und etwas Nützliches tun könnte. Ich habe Dumbledore gefragt, ob ich zu deiner Anhörung mitkommen könnte – als Schnuffel, natürlich – damit ich dir ein bißchen moralische Unterstützung geben kann, was meinst du?«

Harry fühlte sich, als ob sein Magen durch den staubigen Teppich gesunken wäre. Er hatte seit dem Abendessen am vorherigen Abend nicht mehr an die Anhörung gedacht; in der Aufregung mit den Menschen zusammen zu sein, die er am meisten mochte, und alles zu hören, was vor sich ging, war es vollständig aus seinem Gedächtnis geflogen. Mit Sirius«Worten jedoch kam das vernichtende Gefühl großer Angst zurückgekehrt. Er starrte auf Hermine und die Weasleys, die alle bei den Sandwiches zulangten, und dachte darüber nach, wie er sich fühlen würde wenn sie ohne ihn nach Hogwarts zurückgehen würden.

»Mach dir keine Sorgen,«sagte Sirius. Harry schaute auf und bemerkte, daß Sirius ihn beobachtet hatte.»Ich bin mir sicher, sie werden dich freisprechen, es gibt bestimmt irgendetwas im Internationalen Gesetz der Geheimhaltung darüber, daß man Magie gebrauchen darf, um sein Leben zu retten.«

»Aber wenn sie mich hinauswerfen,«sagte Harry leise,»kann ich zurückkommen und hier mit dir leben?«

Sirius lächelte traurig.

»Wir werden sehen.«

»Ich würde mich viel besser bei der Anhörung fühlen, wenn ich wüsste, daß ich nicht zu den Dursleys zurück muß,«

drängte Harry.

»Sie müssen schlimm sein, wenn du diesen Ort bevorzugst,«sagte Sirius düster.

»Beeilt euch, ihr zwei, oder es gibt nichts mehr zu essen,«rief Mrs Weasley.

Sirius stieß einen weiteren großen Seufzer aus und warf dem Gobelin einen dunklen Blick zu. Dann gingen er und Harry zu den anderen.

Harry versuchte hart nicht über die Anhörung nachzudenken, während sie die Vitrinen am Nachmittag leerten.

Glücklicherweise für ihn brauchte diese Arbeit eine Menge Konzentration, da viele der Objekte dort drinnen die staubigen Bretter nur widerwillig zu verlassen schienen. Sirius erlitt einen schweren Biss von einer silbernen Schnupfdose; in wenigen Sekunden entwickelte sich auf der gebissenen Hand ein krustiger Überzug, wie ein harter, brauner Handschuh.

»Es ist OK,«sagte er, die hand mit Interesse untersuchend, bevor er sie leicht mit dem Zauberstab antippte und seine Haut wieder normal wurde,»da muß Wartcap Pulver drinnen sein.«

Er warf die Schachtel beiseite in den Sack, in den sie die Trümmer aus den Vitrinen ablegten; Harry sah George Augenblicke später, die Hand sorgfältig in sein Gewand gewickelt, die Dose in die bereits Zahnfee-gefüllte Tasche schleichen.

Sie fanden ein unangenehm aussehendes silbernes Werkzeug, das wie eine Art Pinzette mit vielen Beinen aussah. Als Harry es aufhob, krabbelte es wie eine Spinne an seinem Arm empor und versuchte, ihn zu stechen. Sirius packte es und zerschmetterte es mit einem dicken Buch mit dem Titel Die Würde der Schöpfung: Abstammungslehre für Zauberer. Es gab eine Spieldose, die eine etwas unheimliche, hell erklingende Melodie spielte, wenn man sie aufzog, und sie alle fühlten sich zunehmend schwächer und schläfriger, bis Ginny geistesgegenwärtig ihren Deckel zuschlug; einen schweren Kasten, den keiner von ihnen aufbekam; eine beträchtliche Anzahl alter Siegel; und – in einer verstaubten Schachtel – einen Orden des Merlin, erster Klasse, der Sirius«Großvater aufgrund von»Verdiensten um das Ministerium«verliehen worden war.

»Das bedeutet, daß er ihnen eine Menge Gold gegeben hat,«sagte Sirius voller Verachtung und warf die Medaille in den Müllsack.

Mehrere Male schlich sich Keacher ins Zimmer, versuchte, Gegenstände unter seinem Lendentuch nach draußen zu schmuggeln und gab fürchterliche Flüche von sich, wenn sie ihn dabei ertappten. Als Sirius ihm einen riesigen Goldring entriss, in den das Wappen der Blacks eingraviert war, brach Kreacher sogar in Tränen der Wut aus, verließ leise schluchzend den Raum und belegte Sirius dabei mit Schimpfworten, die Harry noch nie zuvor gehört hatte…»Der hat meinem Vater gehört,«sagte Sirius, als er den Ring in den Müllsack warf.»Kreacher war ihm nicht ganz so sehr verbunden wie meiner Mutter, aber trotzdem habe ich ihn letzte Woche dabei erwischt, wie er eine seiner alten Hosen geküsst hat.«

* * *

Mrs. Weasley ließ sie die nächsten Tage über hart arbeiten. Es dauerte drei Tage, bis sie den Salon dekontaminiert hatten. Schließlich blieben an unliebsamen Gegenständen nur noch der Stammbaum der Blacks, der all ihren Versuchen, ihn von der Wand zu entfernen, widerstanden hatte, und der klappernde Sekretär übrig. Moody war noch nicht in ihrem Hauptquartier vorbeigekommen, so daß sie sich nicht sicher sein konnten, was sich darin befand.

Nach dem Salon nahmen sie sich ein Esszimmer im Erdgeschoss vor, wo sie Spinnen in der Größe von Untertassen in der Anrichte vorfanden (Ron verließ das Zimmer hastig, um sich eine Tasse Tee zu machen und kehrte erst nach eineinhalb Stunden wieder zurück). Das Geschirr, auf dem das Wappen und der Wahlspruch der Familie Black abgebildet waren, wurde von Sirius ohne langes Zögern in den Müllsack verfrachtet, und das gleiche Schicksal ereilte einige alte Fotografien in angelaufenen Silberrahmen, deren Bewohner laut schrieen, als das Glas, das sie bedeckte, zerbrach.

Snape bezeichnete ihre Arbeit vielleicht als»Saubermachen,«doch Harrys Meinung nach führten sie eher einen Krieg gegen das Haus, das sich heftig zur Wehr setzte und dabei von Kreacher unterstützt und aufgehetzt wurde. Der Hauself tauchte ständig dort auf, wo sie versammelt waren, und sein Gemurmel wurde zunehmend beleidigender, während er versuchte, alles, was er erwischen konnte, wieder aus den Müllsäcken zu entnehmen. Sirius ging sogar so weit, ihm mit Kleidung zu drohen, doch Kreacher fixierte ihn aus seinen wässrigen Augen und murmelte sehr laut:»Meister muß tun, was Meister wünscht,«bevor er sich abwandte und absolut vernehmlich flüsterte:»Aber Meister wird Kreacher nicht gehen lassen, nein, denn Kreacher weiß, was sie vorhaben, oh ja, er schmiedet Ränke gegen den Dunklen Lord, ja, mit diesen Schlammblütern und Verrätern und diesem Abschaum…«

Woraufhin Sirius, ohne Hermines Proteste zu beachten, Kreacher am Rückenteil seines Lendentuchs packte und ihn höchstpersönlich aus dem Zimmer warf.

Die Türglocke erklang mehrmals am Tage, was für Sirius«Mutter immer wieder der Anlaß war, loszukreischen, und für Harry und die anderen, zu versuchen, den Besucher zu belauschen, obwohl sie den flüchtigen Blicken und den Bruchstücken der Unterhaltung, die sie aufschnappten, bevor Mrs. Weasley sie wieder an ihre Pflichten rief, nur wenig entnehmen konnten.

Snape tauchte noch mehrfach in dem Haus auf und verschwand wieder, obwohl sie sich zu Harrys Erleichterung niemals von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden; Harry erblickte auch seine Lehrerin für Verwandlungen,

Professor McGonagall, die in ihrem Muggelkostüm einen ungewöhnlichen Anblick bot, und auch sie schien zu beschäftigt zu sein, um sich länger aufzuhalten. Manchmal jedoch blieben die Besucher da, um zu helfen. An einem denkwürdigen Nachmittag gesellte sich Tonks zu ihnen und sie entdeckten einen blutdürstigen alten Ghoul, der in einer Toilette im Obergeschoss lauerte, und Lupin, der gemeinsam mit Sirius im Haus wohnte, aber oft lange Zeit wegblieb, um geheimnisvolle Aufträge für den Orden zu übernehmen, half ihnen, eine alte Standuhr zu reparieren, die die unangenehme Gewohnheit besaß, Vorbeigehende mit schweren Schrauben zu beschießen. Mundungus fand ein bißchen mehr Gnade vor Mrs. Weasleys Augen, als er Ron vor ein paar purpurroten Umhängen rettete, die versucht hatten, ihn zu erwürgen, als er sie aus dem Schrank nehmen wollte.

Abgesehen davon, daß er immer noch schlecht schlief, immer noch Träume von dunklen Korridoren und verschlossenen Türen hatte, bei denen seine Narbe prickelte, gelang es Harry zum ersten Mal in diesem Sommer, Spaß zu haben. So lange er sich beschäftigen konnte, war er glücklich; wenn es jedoch ruhiger wurde, immer wenn er nicht aufpasste, oder erschöpft um Bett lag und zusah, wie nebelhafte Schatten über die Zimmerdecke wanderten, rückte der Gedanke an die Anhörung des Ministeriums bedrohlich näher. Die Furcht prickelte in seinem Inneren, schmerzte wie Nadelstiche, als er sich fragte, was mit ihm geschehen würde, wenn er von der Schule verwiesen wurde. Der Gedanke war so schrecklich, daß er es nicht wagte, ihn laut auszusprechen, noch nicht einmal Ron und Hermine gegenüber, die -

obwohl er häufig sah, daß sie zusammen flüsterten und besorgte Blicke in seine Richtung warfen – seinem Beispiel folgten und die Angelegenheit nicht erwähnten. Manchmal trat ihm unwillkürlich das Bild eines gesichtslosen Ministerialbeamten vor Augen, der seinen Zauberstab entzweibrach und ihn zu den Dursleys zurückschickte… doch er würde nicht zurückgehen. Diesbezüglich war er fest entschlossen. Er würde hierher, an den Grimauld Place 1 zurückkehren und bei Sirius leben.

Er fühlte sich, als läge ein zentnerschweres Gewicht in seinem Magen, als Mrs. Weasley sich während des Abendessens an ihn wandte und leise sagte:»Ich habe deine besten Sachen für morgen früh gebügelt, Harry, und ich möchte, daß du dir heute Abend auch die Haare wäschst. Ein guter erster Eindruck kann Wunder bewirken.«

Ich finde die Bezeichnung so gut gewählt; ein klingender Name, ähnlich wie»Diagon Alley«und»Nocturn Alley«,

der besagt, dass es sich bei Sirius’ Wohnadresse um einen»grim old place«, also um einen schlimmen alten Ort handelt…Ron, Hermine, Fred, George und Ginny hörten auf, sich zu unterhalten, und sahen zu ihm hinüber. Harry nickte und versuchte, sein Kotelett weiterzuessen, doch sein Mund war so trocken geworden, daß er nicht kauen konnte.

»Wie komme ich dorthin?,«fragte er Mrs. Weasley, und versuchte, möglichst unbeteiligt zu klingen.

»Arthur nimmt dich mit, wenn er zur Arbeit geht,«erwiderte Mrs. Weasley sanft. Mr. Weasley schenkte Harry über den Tisch hinweg ein ermutigendes Lächeln.

»Du kannst in meinem Büro bleiben, bis es Zeit für die Anhörung ist,«sagte er.

Harry sah zu Sirius hinüber, doch bevor er seine Frage stellen konnte, hatte Mrs. Weasley sie bereits beantwortet.

»Professor Dumbledore hält es für keine besonders gute Idee, daß Sirius dich begleitet, und ich muß sagen, ich -«

»- denke, daß er damit vollkommen Recht hat,«vervollständigte Sirius ihren Satz mit zusammengebissenen Zähnen.

Mrs. Weasley schürzte die Lippen.

»Wann hat Dumbledore das gesagt?,«fragte Harry und starrte Sirius an.

»Er kam letzten Abend vorbei, als du schon im Bett warst,«sagte Mr. Weasley.

Sirius piekste mit seiner Gabel übellaunig nach einer Kartoffel. Harry senkte seinen Blick auf seinen Teller. Die Vorstellung, daß Dumbledore am Vorabend seiner Anhörung im Haus gewesen war und nicht darum gebeten hatte, ihn sehen zu dürfen, bewirkte, daß er sich, sofern das möglich war, noch schlechter fühlte…

Kapitel 7 – Das Zaubereiministerium

Harry wachte am nächsten Morgen um halb sechs so abrupt und vollständig auf, als hätte ihm jemand ins Ohr gebrüllt.

Einige Minuten lang lag er unbeweglich, da die Aussicht auf eine disziplinarische Anhörung jeden Partikel seines Gehirns ausfüllte, dann, als es unerträglich wurde, sprang er aus dem Bett und setzte seine Brille auf. Mrs. Weasley hatte eine frisch gewaschene Jeans und ein T-Shirt am Fußende seines Bettes bereitgelegt. Harry zwängte sich in sie hinein. Das leere Bild an der Wand kicherte.

Ron lag ausgestreckt auf seinem Rücken, mit weit offenem Mund, schlafend. Er rührte sich nicht als Harry den Raum durchquerte, draußen auf den Treppenabsatz trat und die Türe leise hinter sich schloß. Er versuchte nicht daran zu denken, wann er wohl das nächste mal Ron wiedersehen würde, wenn sie vielleicht keine Schulkameraden mehr auf Hogwarts wären. Harry stieg leise die Treppe hinab, vorbei an den Köpfen von Kreachers Vorfahren und hinein die Küche.

Er hatte erwartet, das sie leer wäre, doch als er die Türe erreichte, hörte er das leise Grollen von Stimmen auf der anderen Seite. Er öffnete sie und sah Mr. und Mrs. Weasley, Sirius, Lupin und Tonks dort sitzen, als ob sie ihn bereits erwartet hätten. Alle waren vollständig bekleidet, mit Ausnahme von Mrs. Weasley, die in eine purpurrote Steprobe gekleidet war. Sie sprang in dem Moment auf ihre Füße, als Harry eintrat.

»Frühstück,«sagte sie während sie ihren Zauberstab hervorzog und zum Feuer hinübereilte.

»M – m – morgen, Harry«gähnte Tonks. Ihr Haar war blond und lockig an diesem Morgen.»Gut geschlafen?«

»Jau,«sagte Harry.

»Ich w – w – wahr die ganze Nacht über wach,«sagte sie, während sie ein zweites Mal schaudernd gähnte.»Komm und setz«dich…«

Sie zog einen Stuhl hervor, während sie den daneben stehnenden dabei umwarf.

»Was möchtest du Harry?«rief Mrs. Weasley.»Haferbrei? Muffins? Räucherheringe? Speck? Eier? Toast?«

»Nur – nur Toast, danke,«sagte Harry.

Lupin blickte Harry flüchtig an, dann sagte er zu Tonks,»Was wolltest du über Scrimgeour sagen?«

»Oh… ja… nun, wir müssen ein wenig vorsichtiger sein, er hat hat Kingsley und mir sonderbare Fragen gestellt…«

Harry fühlte sich vage dankbar, das er nicht benötigt wurde, um an dem Gespräch teilzunehmen. Sein Innerstes war sich am winden. Mrs. Weasley platzierte einige Stücke Toast und Orangenmarmelade vor ihm hin; er versuchte zu essen, doch war es, als würde er Teppich kauen. Mrs. Weasley setzte sich auf seine andere Seite und kümmerte sich um sein T-shirt, steckte das Etikett nach innen und glättete die Falten über seinen Schultern. Er wünschte, sie würde es nicht tun.

»…und ich muß Dumbledore bescheid geben, das ich morgen keinen Nachtdienst machen kann, ich bin zu müde,«

beendete Tonks, wieder mit einem riesengroßen Gähnen.

»Ich werde das für dich übernehmen,«sagte Mr. Weasley.»Ich bin okay, ich muß sowieso noch einen Bericht zu Ende bringen.«

Mr. Weasley trug keine Zaubererkleidung, stattdessen hatte er eine Nadelstreifenhose an und eine alte Bomberjacke. Er wandte sich von Tonks an Harry.

»Wie fühlst du dich?«

Harry zuckte die Schultern.

»Es wird bald alles vorbei sein,«sagte Mr. Weasley steif.»In ein paar Stunden wirst du frei sein.«

Harry sagte nichts.

»Die Anhörung ist auf meiner Etage, in Amelia Bones Büro. Sie ist die Leiterin der Abteilung für magische Rechtsdurchsetzung, und diejenige, die dir die Fragen stellen wird.«

»Amelia Bones ist in Ordnung, Harry«sagte Tonks ernsthaft.»Sie ist anständig, sie wird dir zuhören.«

Harry nickte, immer noch unfähig an irgendwas zu denken, was er sagen konnte.

»Verlier«nicht deine Beherschung,«sagte Sirius schroff.»Sei höflich und bleib bei den Fakten.«

Harry nickte wieder…»Das Gesetz ist auf deiner Seite,«sagte Lupin ruhig.»Selbst minderjährigen Zauberern ist es erlaubt Magie in lebensgefährlichen Situationen anzuwenden.«

Etwas sehr kaltes rieselte Harry«s Nacken herunter; für einen Moment dachte er, jemand würde einen Desillusionierungszauber auf ihn sprechen, aber dann bemerkte er, das sich Mrs. Weasley mit einem nassen Kamm bewaffnet seinen Haaren stellte. Sie presste ihn hart gegen seinen Kopf.

»Liegt es denn niemals flach?«sagte sie verzweifelt.

Harry schüttelte seinen Kopf.

Mr. Weasley überprüfte seine Armbanduhr und sah dann Harry an.

»Ich denke, wir sollten jetzt gehen,«sagte er.»Wir sind ein wenig früh, aber ich denke, du bist besser schon einmal im Ministerium, als das du hier herumhängen mußt.«

»Okay,«sagte Harry automatisch, ließ sein Toast fallen und kam auf die Beine.

»Du wirst schon sehen, alles wird gut, Harry,«sagte Tonks, und tätschelte ihm den Arm.

»Viel Glück,«sagte Lupin.»Ich bin sicher, es wird alles glatt gehen.«

»Und wenn nicht,«sagte Sirius grimmig,»werde ich für dich nach Amelia Bones sehen…«

Harry lächelte schwach. Mrs. Weasley umarmte ihn.

»Wir werden alle unsere Finger kreuzen,«sagte sie.

»In Ordnung,«sagte Harry.»Gut… wir sehen uns dann.«

Er folgte Mr. Weasley die Treppe hinauf und die Halle entlang. Er konnte Sirius Mutter grunzen hören, in ihrem Schlaf hinter ihren Vorhängen. Mr. Weasley entriegelte die Türe und sie traten hinaus in die kalte, graue Morgendämmerung.

»Normalerweise gehen sie nicht zu Fuß zur Arbeit, oder?«fragte Harry ihn, als sie flott einen öffentlichen Platz überquerten.

»Nein, für gewöhnlich Appariere ich,«sagte Mr. Weasley,»aber offensichtlich kannst du das nicht, und ich denke, es ist das beste, wenn wir in gründlich nichtmagischer Kleidung erscheinen… macht einen besseren Eindruck, bedenkt man, warum du diszipliniert werden sollst…«

Mr. Weasley ließ seine Hand in der Jacke als sie so gingen. Harry wußte, sie war zusammengepresst um seinen Zauberstab. Die Straße hinab herrschte noch gähnende Leere, doch als sie die klägliche, kleine U-Bahn-Station erreichten, trafen sie auf die ersten frühmorgendlichen Pendler. Wie immer, wenn er sich in großer Nähe zu Muggeln befand, die ihren täglichen Geschäften nachgingen, war es Mr. Weasley nur schwer möglich, seinen Enthusiasmus zu zügeln.

»Einfach fabelhaft,«flüsterte er, auf die automatischen Ticketmachinen deutend.»Wundervoll raffiniert.«

»Sie sind kaputt,«sagte Harry, wobei er auf ein Schild deutete.

»Ja, aber trotzdem…«sagte Mr. Weasley, der sie verträumt anstrahlte.

Sie kauften ihre Tickets statt dessen von einem schläfrig aussehenden Zugbegleiter (Harry führte die Transaktion durch, da Mr. Weasley nicht sehr gut war im Umgang mit Muggelgeld) und fünf Minuten später bestiegen sie eine U-Bahn die sich ratternd in Richtung des Zentrums von London in Bewegung setzte. Mr. Weasly prüfte und überprüfte immer wieder die U-Bahn-Karte über dem Fenster.

»Noch vier Haltestellen, Harry… Jetzt sind noch drei über… Nur noch zwei Haltestellen, Harry…«

Sie verließen sie an einem Bahnhof im Herzen Londons, und sie wurden von einer Welle aus anzugtragenden Männern und Frauen mit Aktentaschen von der Bahn fortgetragen. Sie fuhren die Rolltreppe hinauf, passierten die Fahrkartenschranke (Mr. Weasley war entzückt von der Art des Zaunritts, der sein Ticket schluckte), und tauchten auf einer breiten Straße auf, in der viele beeindruckend aussehende Häuser sich aneinander reihten und die voller Verkehr war.

»Wo sind wir?«sagte Mr. Weasley verdutzt, und für den Augenblick eines Herzschlags dachte Harry, sie wären an der falschen Haltestelle ausgestiegen, trotz Mr. Weasleys kontinuierlicher Überprüfung der Karte; aber einen Augenblick später sagte er,»Ah, ja… hier entlang, Harry,«and führte ihn eine Seitenstraße hinunter.

»Entschuldige,«sagte er,»aber ich komme nie per Bahn und es sieht alles so anders aus, aus der Muggelperspektive.

Tatsächlich habe ich noch niemals zuvor den Besuchereingang benutzt.«.Je weiter sie gingen, um so kleiner und weniger beeindruckend wurden die Gebäude, bis sie schließlich eine Straße erreichten, die verschiedene schäbig aussehnde Bürohäuser, eine Kneipe und eine überlaufende Müllkippe beherrbergte. Harry hatte einen beeindruckenderen Standort für das Zaubereiministerium erwartet.

»Da sind wir,«sagte Mr. Weasley heiter, deutete auf eine alte, rote Telefonzelle, der bereits mehrere Fensterscheiben fehlten und die vor einer heftig Graffitiverschmierten Wand stand.»Nach dir, Harry.«

Er öffnete die Türe der Telefonzelle.

Harry schritt hinein, wunderte sich, was auch immer das werden sollte. Mr. Weasley quetschte sich neben Harry hinein und schloß die Türe. Es passte gerade so; Harry wurde gegen den Telefonapparat gequetscht, der trügerisch von der Wand hing, als hätte ein Vandale versucht ihn abzureissen. Mr. Weasley griff hinter Harry nach dem Hörer.

»Mr. Weasley, ich denke, der dürfte auch defekt sein,«sagte Harry.

»Nein, nein, ich bin mir sicher, er ist in Ordnung,«sagte Mr. Weasley, hielt den Hörer über seinen Kopf und betrachtete die Wählscheibe.»Las mal sehen… sechs…«er wählte eine Nummer,»zwei… vier… und nochmal vier… und nochmal zwei…«

Als die Wählscheibe sich langsam zurückdrehte, erklang auf einmal eine weibliche Stimme in der Telefonzelle, nicht aus dem Hörer in Mr. Weasleys Hand, aber so laut und klar, als würde eine unsichtbare Frau hier direkt zwischen ihnen stehen.

»Willkommen im Zaubereiministerium. Bitte nennen Sie Ihren Namen und Ihr Anliegen.«

»Ähm…«sagte Mr. Weasley, vollkommen unsicher darüber ob er in den Hörer antworten mußte oder nicht. Er fand einen Kompromiss, indem er das Mundstück über sein Ohr hielt,»Arthur Weasley, Büro über den Mißbrauch von Muggleartefakten, ich bringe Harry Potter, der gebeten wurde, bei einer disziplinarischen Anhörung zu erscheinen…«

»Vielen Dank,«sagte die kühle weibliche Stimme.»Besucher, bitte nehmen Sie die Plakette und befestigen Sie sie an der Vorderseite Ihrer Robe.«

Da war ein klicken und klappern, und Harry sah etwas die Metallrutsche hinab und in den Behälter fallen, in den normalerweise die restlichen Münzen fielen. Er nahm es auf: es war ein viereckiger silberner Anstecker mit Harry Potter, Disziplinarische Anhörung darauf. Er steckte es an die Vorderseite seines T-Shirts, als die weibliche Stimme wieder zu sprechen anfing.

»Besucher des Ministeriums, sie werden benötigt um eine Suche zu unterstützen und bringen bitte Ihren Zauberstab zur Registrierung an den Sicherheitsschalter, der sich am entfernten Ende des Atriums befindet.«

Der Boden der Telefonzelle erschauderte. Sie sanken langsam in den Boden. Harry beobachtete besorgt, wie der Bürgersteig sich über die Glasscheiben der Telefonzelle erhob und sich die Dunkelheit über ihren Köpfen schloß. Dann konnte er nichts mehr sehen; er konnte nur schwache, knirschende Geräusche hören, als die Telefonzelle ihren Weg durch die Erde nach unten nahm. Nach einer Minute, für Harry hatte es sich viel länger angefühlt, erleuchtete ein Spalt goldenen Lichts seine Füße, verbreitete sich, stieg an seinem Körper hinauf, bis er ihn im Gesicht traf und er blinzelte mußte, damit seine Augen aufhörten zu tränen.

»Das Zaubereiministerium wünscht Ihnen einen angenehmen Tag,«sagte die Frauenstimme.

Die Türe der Telefonzelle sprang auf und Mr. Weasley trat heraus, gefolgt von Harry, dessen Mund nun offenstand.

Sie standen am Ende einer sehr prächtigen Halle, mit hochpolierten, dunklen Holzfußboden. In die pfauenblaue Decke waren glühende, goldene Symbole eingearbeitet, die sich bewegten und veränderten, so als wäre sie eine enorme, himmliche Notiztafel. Die Wände zu beiden Seiten waren getäfelt mit glänzendem, dunklen Holz und verfügten über viele vergoldete Kamine. Alle paar Sekunden kam eine Hexe oder ein Zauberer mit einem gedämpften Wusch aus einem der linksseitigen Kamine. Auf der rechten Seite hatten sich kleine Warteschlangen vor jedem Kamin gebildet, wartend auf die Abreise.

Auf halbem Wege die Halle hinunter war ein Springbrunnen. Eine Gruppe goldener, überlebensgroßer Statuen stand in der Mitte des kreisförmigen Beckens. Am größten von allen war ein nobel aussehender Zauberer, der mit seinem Zauberstab direkt in den Himmel hinein zu zeigen schien. Um ihn herum angeordnet waren eine wunderschöne Hexe, ein Zentaur, ein Kobold und ein Hauself. Die letzten drei sahen so aus, als würden sie die Hexe und den Zauberer anbeten. Glitzernde Wasserstrahlen entsprangen den Enden ihrer Zauberstäbe, der Spitze des Zentaurenpfeils, dem Zipfel des Koboldhuts und aus jedem Ohr des Hauselfen, so daß das klirrende Zischen fallenden Wassers sich zu den platz- und knallgeräuschen der Apparierenden hinzugesellte, und dem Geklapper von Hunderten von Hexen und Zauberern, vielen von ihnen trugen bedrückte, frühmorgendliche Blicke, schritten mit grossen Schritten auf ein paar goldener Tore am entfernten Ende der Halle zu.

»Hier entlang,«sagte Mr. Weasley…Sie schlossen sich der Menschenmenge an, die sich ihren Weg an den Ministeriumsmitarbeitern vorbei suchte, einige von ihnen truen Stapel von Pergamenten, andere verbeulte Aktentaschen; wiederum andere lasen den Tagespropheten während sie gingen. Als sie den Brunnen passiert hatten, sah Harry Sickle und Knuts auf dem Boden des Beckens glitzern. Auf einem kleinen verschmierten Schild war zu lesen:

ALLE ERTRÄGE AUS DEM BRUNNEN DER MAGISCHEN BRUDERSCHAFT WERDEN DEM ST. MUNGO«S KRANKENHAUS FÜR

MAGISCHE KRANKHEITEN UND VERLETZUNGEN GEGEBEN.

Wenn ich nicht von Hogwarts ausgeschlossen werde, dann werde ich zehn Galleonen hineinwerfen, dachte Harry verzweifelt bei sich.

»Hier rüber, Harry,«sagte Mr. Weasley, and dann traten sie aus dem Strom der Ministeriumsmitarbeiter heraus die sich auf die goldenen Tore zubewegten. Sitzend an einem Schreibtisch zu ihrer Linken, neben einem Schild mir der Aufschrift Sicherheit, saß ein schlecht rasierter Zauberer in einer pfauenblauen Robe und sah auf als sie sich näherten und nahm seinen Tagespropheten herunter.

»Ich eskortiere einen Besucher,«sagte Mr. Weasley, auf Harry deutend.

»Komm«hier herüber,«sagte der Zauberer mit einer gelangweilten Stimme.

Harry ging näher auf ihn zu und der Zauberer hielt einen langen goldenen Stab hoch, dünn und flexibel wie eine Autoantenne, und strich damit mehrfach vor Harrys Vorder- und Rückseite hoch und wieder runter.

»Zauberstab,«grunzte der Sicherheitszauberer Harry an, nahm das goldene Instrument herunter und hielt seine ausgestreckte Hand hin.

Harry zog seinen Zauberstab heraus. Der Zauberer legte ihn auf ein seltsames Messinginstrument, das aussah wie eine Waage, aber mir nur einer flachen Schüssel. Es begann zu vibrieren. Ein schmaler Streifen Pergament kam aus einem Schlitz an seinem Fuß heraus. Der Zauberer riß es auf und las was darauf geschrieben stand.

»Elf Zoll, Phönixfeder Kern, wird seit vier Jahren genutzt. Ist das korrekt?«

»Ja,«sagte Harry nervös.

»Ich behalte das,«sagte der Zauberer, und steckte das Pergament auf eine dünne Messingspitze.»Du erhältst den hier zurück,«fügte er hinzu, und schob den Zauberstab Harry zu.

»Danke sehr.«

»Stehenbleiben…«sagte der Zauberer langsam.

Seine Augen hatten den Namen auf der silbernen Besucherplakette ausgemacht und wanderten von da aus über Harrys Brust hin zu seiner Stirn.

»Danke, Eric,«sagte Mr. Weasley förmlich, und packte Harry an der Schulter, dann steuerte er ihn weg vom Schreibtisch und zurück in dem Strom der Hexen und Zauberer, der auf die goldenen Tore zuführte.

Geringfügig von der Menge gedrängelt, folgte Harry Mr. Weasley in die kleinere Halle jenseits der Pforten, wo wenigstens zwanzig Lifts sich hinter handgedrehten goldenen Gittern befanden. Harry und Mr. Weasley schlossen sich der Menge um einen herum an. In der Nähe stand ein langbärtiger Zauberer, der eine große Pappschachtel hielt, die kratzende Geräusche von sich gab.

»Alles klar, Arthur?«sagte der Zauberer, zu Mr. Weasley nickend.

»Was hast du da, Bob?«fragte Mr. Weasley, der die Schachtel betrachtete.

»Wir sind nicht sicher,«sagte der Zauberer ernsthaft.»Wir dachten es wäre ein gewöhnliches Sumpfhuhn, bis es anfing Feuer zu spucken. Für mich sieht es wie eine schwere Verletzung des Verbots experimentellen Brütens aus.«

Unter großen klirren und klappern stieg ein Lieft vor ihnen herunter; das goldene Gitter fuhr zurück und Harry und Mr.

Weasley schritten in den Lift, zusammen mit dem Rest der Menge und Harry fand sich selbst eingequetscht gegen die Rückseite der Wand. Einige Hexen und Zauberer betrachteten ihn neugierig; er starrte auf seine Füße, um deren Blicken auszuweichen, was seinen Pony flacher erschienen ließ. Die Gitter schlossen sich mit einem krachen und der Lift stieg langsam auf, Ketten rasselten, während dieselbe kalte Frauenstimme, die Harry bereits zuvor in der Telefonzelle gehört hatte, erklang.

»Siebter Stock, Abteilung für Magische Spiele und Sport, enthält die Britischen und Irischen Quidditsch-Liga Hauptquartiere, den Offiziellen Gobstone Club und Ludicrous Patentamt.«

Die Aufzugtüren öffneten sich. Harry erhielt einen flüchtigen Blick auf einen unordentlich aussehenden Gang, mit verschiedenen Postern von Quidditch-Mannschaften die mit der Oberseite an die Wände geheftet waren. Einer der.Zauberer im Aufzug, der die Arme voller Besen trug, wand sich unter Mühen heraus und verschwand den Korridor hinunter. Die Türen schlossen sich, der Aufzug ruckelte weiter nach oben und die Frauenstimme kündigte an:

»Sechster Stock, Abteilung für Magische Transporte, enthält die Floh-Netzwerk-Behörde, die Besen Kontrollbehörde, das Portschlüssel-Büro und das Apparierung-Testzentrum.«

Wieder einmal öffneten sich die Aufzugtüren und vier oder fünf Hexen und Zauberer gingen hinaus; zur selben Zeit fielen ein paar Papierflugzeuge über den Aufzug her. Harry starrte zu ihnen hinauf, wie sie nutzlos um ihre Köpfe herum flatterten; sie hatten eine fahle, violette Farbe und man konnte Zaubereiministerium am Rande ihrer Flügel entlang gestempelt lesen.

»Nur hausinterne Memos,«murmelte Mr. Weasley ihm zu.»Zuvor haben wir Eulen genutzt, aber der Schmutz war unglaublich… überall, auf den Schreibtischen…«

Als sie wieder weiter nach oben klapperten, flatterten die Memos um die Lampe herum, die unter der Decke des Aufzugs schwankte.

»Fünfter Stock, Abteilung für Internationale Magische Zusammenarbeit, enthält die Internationale Magische Handelskörperschaft, das Internationale Magische Büro für Recht und das Internationale Bündnis der Zauberer,

Britischer Sitz.«

Als sich die Türen öffneten, sausten zwei der Memos samt einiger weniger Hexen und Zauberer heraus, aber einige Memos mehr sausten herein, so daß das Licht der Lampe über ihnen flackerte und aufleuchtete, als sie sich darum bewegten.

»Vierter Stock, Abteilung zur Regulierung und Kontrolle der Magischen Kreaturen, enthält die Biester, Sein und Geister Abteilung, das Amt für Kobold Angelegenheiten und das Schädlings Beratungs Büro.«

»Tschuldigung,«sagte der Zauberer der das Feuer atmende Huhn trug und verließ den Aufzug verfolgt durch einen kleinen Schwarm von Memos. Die Türen schlossen sich erneut klirrend.

»Dritter Stock, Abteilung für Magische Unfälle und Katastrophen, enthält das Geschwader zur Umkehrung Magischer Unfälle, das Obliviator Hauptquartier und das Muggel-würdige Entschuldigungskommitee.«

Jederman verließ den Aufzug auf dieser Etage, bis auf Mr. Weasley, Harry und eine Hexe die ein extrem langes Pergamentstück am lesen war, welches über den Boden schleifte. Die verbleibenden Memos fuhren damit fort um die Lampe herum zu schwirren, als der Lift weiter nach oben ruckelte, dann öffneten sich die Türen und die Stimme machte ihre Ansage.

»Zweiter Stock, Abteilung für Magische Rechtsdurchsetzung, enthält das Amt gegen Mißbrauch von Magie, das Auroren Hauptquartier und die Wizengamot Verwaltungsdienste.«

»Das sind wir, Harry,«sagte Mr. Weasley, und sie folgten der Hexe aus dem Aufzug heraus in einen Gang mit Reihen voller Türen.»Mein Büro ist auf der andere Seite des Flurs.«

»Mr. Weasley«sagte Harry, als sie ein Fenster passierten, durch das Sonnenlicht hereinströmte,»sind wir nicht immer noch unterirdisch?«

»Ja, sind wir,«sagte Mr. Weasley.»Das sind verzauberte Fenster. Die Magische Instandhaltung entscheided welches Wetter wir jeden Tag erhalten. Wir hatten zwei Monate lang Wirbelstürme, als sie letztens um eine Gehaltserhöhung kämpften… Jetzt hier herum, Harry.«

Sie gingen um eine Ecke, wanderten durch ein paar schwerer Eichentüren und tauchten in einer zerklüffteten offenen Ebene auf, die in Kabinen aufgeteilt war, die mir Gesprächen und Gelächter gefüllt war. Memos sausten hinein und heraus aus den Kabinen, wie Miniaturraketen. Auf einem herabhängenden Schild an der nächsten Kabine stand:

Auroren Hauptquartier.

Harry schaute neugierig durch die Türöffnungen, als sie sie passierten. Die Auroren hatten ihre Kabinenwände mit allem behangen, vom Bild eines gesuchten Zauberers, über Fotografien ihrer Familien, bis hin zu den Postern ihrer bevorzugten Quidditch-Mannschaften und Artikeln aus dem Tagespropheten. Ein Mann mit einem scharlachroten Mantel und einem Pferdeschwanz der länger war als Bill seiner, saß mit den die Füßen auf dem Schreibtisch, einen Bericht an seinen Federkiel diktierend. Etwas weiter den Gang hinunter sprach eine Hexe mit einer Augenklappe über die Kabinenwand hinüber mit Kingsley Shacklebolt.

»Morgen, Weasley,«sagte Kingsley unbesorgt, als sie näher kamen.»Ich wollte mit ihnen sprechen, haben sie eine Sekunde?«

»Ja, wenn es wirklich nur eine Sekunde ist,«sagte Mr. Weasley,»Ich bin wirklich in Eile.«

Sie sprachen so miteinander, als ob sie einander kaum kannten und als Harry den Mund öffnen wollte um Kingsley zu begrüßen, trat Mr. Weasley auf seinen Fuß. Sie folgten Kingsley die Reihe entlang und in die letzte Kabine hinein…Harry erhielt einen leichten Schock. Sirius Gesicht blinzelte ihn aus allen Richtungen an. Zeitungsausschnitte und alte Fotografien – sogar das von Serius als Trauzeuge bei der Hochzeit der Potters, tapezierten die Wände. Der einzige Siriusfreie Platz war eine Karte der Welt, in der kleine rote Nadeln wie Juwelen glühten.

»Hier«sagte Kingsley schroff zu Mr Weasley, und drückte ihm ein Bündel Pergament in die Hand.»Ich brauche so viele Informationen wie möglich über diese fliegenden Muggel-Fahrzeuge, die in den letzten zwölf Monaten gesichtet wurden. Wir haben Informationen erhalten, daß Black immer noch sein altes Motorrad benutzen könnte.«

Kingsley zwinkerte Harry zu und flüsterte:»Gib ihm das Magazin, er findet es sicher interessant.«Dann sagte er im normalen Tonfall»Und nicht zu lange brauchen, Weasley, die Verzögerung bei diesem»Waffeln«- Bericht hat unsere Recherchen einen Monat lang aufgehalten.«

»Wenn Sie meinen Bericht gelesen hätten, wüssten Sie, daß der Begriff»Waffen«heisst,«sagte Mr Weasley gelassen.

»Und ich fürchte, Sie müssen auf die Informationen über Motorräder ein wenig warten, wir haben sehr viel zu tun.«Er senkte seine Stimme und sagte»Wenn du vor sieben Uhr loskommst… Molly macht Fleischklösschen!«

Er winkte Harry heran und führte ihn aus Kingsleys Kabine heraus, durch eine zweite Reihe von Eichentüren, in einen anderen Korridor. Sie bogen nach links, marschierten durch einen weiteren Gang, bogen nach rechts in einen schummrig erleuchteten, merklich verwahrlosten Korridor, und erreichten schliesslich eine Sackgasse, wo auf der linken Seite eine Tür angelehnt war, die einen Besenschrank offenbarte, und an der rechten Tür war auf einer Messingbeschlagenen Platte zu lesen:»Missbrauch von Muggel-Artefakten«:

Mr Weasley«s schäbiges Büro schien ein Bißchen kleiner als der Besenschrank zu sein. Zwei Schreibtische waren hineingestopft, und es war kaum Platz, um sie herumzuwandern, wegen der überquellenden Aktenschränke, die die Wände verkleideten, mit Haufen wackelnder Akten obenauf.

Der wenige freie Platz an der Wand legte Zeugnis ab über Mr Weasley«s Leidenschaften: Mehrere Poster von Autos, eins davon zeigte einen ausgebauten Motor. Zwei Illustrationen mit Briefkästen, die er wohl aus einem Muggel-Kinderbuch ausgeschnitten hatte. Ein Schaubild zeigte, wie man einen Stecker verkabelt.

Oben auf Mr Weasley«s Posteingangskorb lag ein Toaster, der einen untröstlichen Schluckauf hatte, und ein Paar leerer Lederhandschuhe, die Däumchen drehten.

Neben dem Eingangskorb stand ein Foto der Weasley«s. Harry bemerkte, daß Percy anscheinend herausgewandert war.

»Wir haben kein Fenster«sagte Mr Weasley entschuldigend, zog seine Bomberjacke aus, und hängte sie über die Stuhllehne.»Wir haben eins beantragt, aber sie scheinen nicht zu denken, daß wir eins brauchen. Setz dich hin, Harry, es sieht nicht so aus, als ob Perkins schon da wäre.«

Harry quetschte sich in den Stuhl hinter Perkin«s Schreibtisch, während Mr Weasley durch das Pergamentbündel, das Kingsley ihm gegeben hatte, blätterte.

»Ah!«sagte er grinsend, als er ein Exemplar eines Magazins mit dem Titel»Der Haarspalter«aus der Mitte herauszog.

»Ja…«er blätterte es durch.» Ja, er hat recht, ich bin sicher, Sirius wird es amüsant finden – oh je, was ist das jetzt?«

Ein Memo war gerade durch die offene Tür hereingeflogen, und machte flatternd eine Pause auf dem hicksenden Toaster. Mr Weasley entfaltete es, und las laut:

»Dritte erbrechende öffentliche Toilette in Bethnal Green ermittelt, sofort vorsichtige Nachforschungen anstellen.«…

Das wird mittlerweile echt lächerlich…«

»Eine kotzende Toilette?«

»Anti-Muggel Streiche,«sagte Mr Weasley stirnrunzelnd.»Wir hatten zwei davon letzte Woche, einen in Wimbledon, einen in Elephant and Castle. Muggel betätigen die Spülung, und anstatt daß alles verschwindet… naja, du kannst es dir vorstellen. Die armen Dinger rufen immer diese… Camper… denke ich, heissen sie – du weisst schon, die die Rohre reparieren und so etwas.«

»Klempner?«

»Ja, genau, aber natürlich sind die total verblüfft. Ich hoffe nur, wir fangen die, wer auch immer das getan hat.«

»Werden die Auroren sie fangen?«

»Nein, nein, das ist zu trivial für Auroren, das wird die gewöhnliche»Streife zur Durchsetzung magischen Rechts«

erledigen – Ah, Harry, das ist Perkins.«

Ein gebeugter, schüchtern aussehender alter Zauberer mit flaumigem, weissen Haar hatte gerade den Raum betreten, nach Luft ringend…»Oh, Arthur«sagte er verzweifelt, ohne Harry zu beachten.»Gottseidank, ich wußte nicht, was ich tun sollte, hier auf dich warten, oder nicht. Ich habe dir gerade eine Eule nach Hause geschickt, aber offensichtlich hast du sie verpasst -

eine dringende Nachricht kam vor zehn Minuten -«

»Ich weiss das schon von der kotzenden Toilette,«sagte Mr Weasley.

»Nein, nein, es geht nicht um die Toilette, es geht um die Anhörung des Potter-Jungen – sie haben die Zeit und den Ort geändert- es beginnt jetzt um acht Uhr, unten im alten Gerichtssaal zehn.«

»Unten im… – aber sie haben mir gesagt… – bei Merlin«s Bart!«

Mr Weasley schaute auf seine Uhr, schrie kurz auf, und sprang von seinem Stuhl hoch.»Schnell, Harry, wir hätten vor fünf Minuten da sein sollen!«

Perkins drückte sich gegen die Aktenschränke, als Mr Weasly das Büro rennend verliess, Harry dicht auf den Fersen.

»Warum haben sie die Zeit geändert?«keuchte Harry atemlos, als sie an den Auror-Kabinen vorbeirasten. Leute streckten ihre Köpfe heraus und glotzten, als sie vorbeistriffen. Harry fühlte sich, als hätte er all seine Innereien auf Perkin«s Schreibtisch zurückgelassen.

»Ich weiss es nicht, aber Gottseidank waren wir so früh hier, wenn du die Sitzung verpasst hättest, das wäre eine Katastrophe gewesen!«

Mr Weasley kam rutschend neben den Fahrstühlen zum Stehen und schlug ungeduldig auf den Knopf mit dem Pfeil nach unten.

»Komm schon!«

Der Fahrstuhl kam klappernd in Sichtweite, und sie eilten hinein.

Jedesmal, wenn er anhielt, fluchte Mr Weasley wütend, und schlug auf den Knopf mit der Nummer neun.»Diese Gerichtssäle sind jahrelang nicht benutzt worden,«sagte Mr Weasly wütend,»ich kann mir nicht vorstellen, warum sie es dort unten machen – ausser – aber nein-«

Eine fette Hexe, die einen rauchenden Kelch trug, betrat den Lift in diesem Moment, und Mr Weasley führte den Satz nicht mehr weiter aus.

»Das Atrium«sagte eine kühle weibliche Stimme, und die goldenen Gitter glitten auf, und ermöglichten Harry einen kurzen Blick auf die goldenen Statuen im Springbrunnen. Die fette Hexe stieg aus, und ein blasser Zauberer mit sehr traurigem Gesicht betrat den Fahrstuhl.»Morgen, Arthur!«sagte er mit Grabesstimme, als der Lift begann, abzusteigen.

»Man sieht dich nicht oft hier unten!«»Wichtige Geschäfte, Bode.,«sagte Mr Weasley, der auf seinen Fussballen hüpfte, und Harry besorgte Blicke zuwarf.

»Ah, ja,«sagte Bode, Harry inspizierend,»natürlich.«Harry hatte kein Gefühl zu verschwenden für Bode, aber dessen unbeugsames Starren bereitete ihm kein angenehmes Gefühl.

»Mysterienabteilung«sagte die kühle Frauenstimme, und beliess es dabei.

»Schnell, Harry,«sagte Mr Weasly, als die Fahrstuhltüren rasselnd aufgingen, und sie rasten einen Korridor hinunter, der sich ziemlich von den oberen unterschied. Die Wände waren kahl; es gab keine Fenster und keine Türen, ausser die eine, am Ende des Gangs. Harry erwartete, daß sie hindurchgingen, aber stattdessen packte ihn Mr Weasley am Arm und zerrte ihn nach links, wo eine Öffnung zu einer Treppenflucht führte.

»Hier runter, hier runter,«keuchte Mr Weasley, zwei Stufen auf einmal nehmend.»Der Fahrstuhl kommt nicht mal so weit runter… warum machen sie das da unten- Ich…«

Sie erreichten das untere Ende der Treppe und rannten einen weiteren Korridor entlang, der eine grosse Ähnlichkeit aufwies mit dem, der zu Snape’s Verlies in Hogwarts führte, mit rauhen Steinwände und Fackeln in Halterungen.

Die Türen, an denen sie vorbeikamen, hatten eiserne Klinken und Schlüssellöcher.

»Gerichtssaal zehn… ich denke… wir sind gleich da… Ja!«

Mr Weasley blieb stolpernd vor einer russgeschwärzten Tür mit einem riesigen eisernem Schloss stehen, sank gegen die Wand und hielt sich dje stechende Brust.

»Komm schon,«keuchte Mr Weasly, mit dem Finger auf die Tür zeigend.»Geh da rein!«

»Kommen…kommen Sie nicht mit?«

»Nein,nein, ich darf nicht. Viel Glück!«

»Harrys Herz schlug ihm heftig pulsierend bis zum Hals…Er schluckte, betätigte die Türklinke, und betrat den Gerichtssaal…

Kapitel 8 – Die Anhörung

Harry keuchte; er konnte sich nicht helfen. Das große Verlies, das er betreten hatte, war ihm so furchtbar vertraut. Er hatte es zuvor nicht nur gesehen, er war zuvor hier gewesen. Dies war der Platz, den er innerhalb von Dumbledores Kammer besucht hatte, der Ort, wo er die Lestranges gesehen hatte, die zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe in Askaban verurteilt wurden.

Die Wände waren aus dunklem Stein, schwach erleuchtet von Fackeln. Leere Bänke befanden sich an seinen Seiten, aber vorn, auf den höchsten Bänken waren viele schattenhafte Gestalten. Sie sprachen mit abgesenkter Stimme, aber als die schwere Tür hinter Harry zufiel, trat hinten eine unheilvolle Stille ein.

Eine kalte männliche Stimme klang durch den Gerichtssaal.

»Sie kommen zu spät.«

»Es tut mir leid,«sagte Harry nervös.»Ich – ich wußte nicht, daß die Zeit umgestelllt worden ist«

»Das ist nicht die Schuld der Wizengamots,«sagte die Stimme.»Eine Eule wurde heute Morgen an Sie gesandt.

Nehmen Sie Platz.«

Harry ließ seinen Blick zum Stuhl in der Mitte des Raumes schweifen, dessen Armlehnen von Ketten bedeckt waren.

Er hatte gesehen, wie jene Ketten zum Leben erwachten und jeden anketteten, der zwischen ihnen saß. Seine Schritte hallten laut, als er über den Steinboden ging. Wenn er vorsichtig auf der Kante des Stuhles saß, ließen die Ketten ein drohendes Klirren vernehmen, aber banden nicht ihn. Sich ziemlich krank fühlend, sah er auf die Leute, die oben auf der Bank saßen.

Es gab etwa fünfzig von ihnen, alle, soweit er sehen konnte, bekleidet mit pflaumenfarbenen Roben, mit einem eingearbeiteten silbernen W auf der linken Seite der Brust, mit ihren Nasen ganz fixiert auf ihn, einige mit einem sehr strengen Ausdruck, anderen schauten mit offener Neugier.

Genau in der Mitte der vorderen Reihe saß Cornelius Fudge, der Minister für Zauberei. Fudge war ein beleibter Mann, der oft einen limonengrünen Bowlingspielerhut trug, doch heute hatte er auf ihn verzichtet; er hatte auch auf das nachsichtige Lächeln verzichtet, das er einmal getragen hatte, als er mit Harry sprach. Eine dicke, breitgesichtige Hexe mit sehr kurzem grauem Haar saß auf Fudge«s linker Seite; sie trug ein Monokel und sah abstoßrend aus. Rechts von Fudge war noch eine andere Hexe, aber sie saß so weit hinten auf der Bank, daß ihr Gesicht im Schatten lag.

»Sehr gut,«sagte Fudge.»Die Angeklagten sind anwesend – schließlich – lassen Sie uns beginnen. Sind Sie bereit?«

rief er in die Reihe hinunter.

»Ja, Sir«sagte eine eifrige Stimme, die Harry kannte. Rons Bruder Percey saß am Ende des Präsidiums. Harry sah auf Percy und erwartete ein Zeichen des Wiedererkennens, aber es kam keines. Percys Augen waren hinter seiner Hornbrille auf sein Pergament gerichtet, eine Schreibfeder ruhte in seiner Hand.

»Disziplinaranhörung vom zwölften August,«sagte Fudge mit seiner wohlklingenden Stimme, und Percy begann sofort Notizen zu machen,»wegen begangener Verstöße gegen die Verordnung über die vernünftige Einschränkung von unerlaubter Hexerei und gegen das Internationale Statut der Verschwiegenheit durch Harry James Potter, Bewohner von Nummer 4, Ligusterweg, Little Whinging, Surrey.«

»Vernehmungsbeamte: Cornelius Oswald Fudge, Minister für Zauberei; Amelia Susan Bones, Vorsitzende der Abteilung für die Durchsetzung magischer Gesetze; Dolores Jane Umbridge, Senior parlamentarische Staatssekretärin des Ministers. Gerichtsschreiber, Percy Ignatius Weasley-«

»Zeuge der Verteidigung, Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore,«sagte eine ruhige Stimme hinter Harry, der seinen Kopf so schnell drehte, daß er sich den Hals verrenkte.

Dumbledore schritt gelassen durch den Raum, gekleidet in eine lange, mitternachtsblaue Robe, einen vollkommen ruhigen Ausdruck im Gesicht. Sein langer silberner Bart und das Haar schimmerten im Fackelschein, als er auf Harrys Höhe war und durch die Brille mit halbmondförmigen Gläsern, die weit unten auf seiner sehr gebogenen Nase ruhte, nach oben zu Fudge blickte.

Die Mitglieder des Wizengamot murmelten. Alle Augen waren nun bei Dumbledore. Einige blickten verärgert, andere leicht erschreckt; zwei ältliche Hexen aus der hintersten Reihe jedoch erhoben ihre Hände und winkten zur Begrüßung.

Beim Anblick von Dumbledore war in Harrys Brust ein starkes Gefühl aufgestiegen, ein ermutigendes, hoffnungsvolles Gefühl, daß ihn an jenes vom Lied des Phönix erinnerte. Er wollte Dumbledores Blick begegnen, aber Dumbledore sah woanders hin; er blickte weiterhin nach oben zu dem offensichtlich verwirrten Fudge…»Ah,«sagte Fudge, der vollkommen verwirrt aussah.»Dumbledore. Ja. Sie – äh – haben unsere – äh – Nachricht, daß die Zeit und – äh -der Ort der Anhörung geändert wurden, ja?«

»Ich muß sie verpaßt haben,«sagte Dumbledore freundlich.»Jedoch, wegen eines glücklichen Fehlers kam ich heute drei Stunden zu früh ins Ministerium, so ist kein Schaden entstanden.«

»Ja – gut – ich nehme an, wir werden einen weiteren Stuhl brauchen – ich – Weasley, könntest du?«

»Mühen sie sich nicht, mühen sie sich nicht,«sagte Dumbledore liebenswürdig; er zog seinen Zaubestab hervor, gab ihm einen leichten Schlag, und ein weicher Sessel aus Chintz erschien neben Harry aus dem Nichts. Dumbledore setzte sich, legte die Spitzen seiner sehr langen Finger gegeneinander und blickte Fudge über ihnen mit einem Ausdruck höflichen Interesses an. Die Wizengamot murmelten noch immer und zappelten ruhelos herum; erst als Fudge wieder sprach, kamen sie ur Ruhe.

»Ja,«sagte Fudge wieder,indem er in seinen Notizen kramte.»Gut, dann. So. Die Anklagepunkte. Ja.«

Er zog ein Blatt Pergament aus dem Stapel vor sich, nahm einen tiefen Atemzug und las vor,

Die Anklagepunkte gegen den Beschuldigten lauten wie folgt:

Daß er wissentlich und absichtlich und bei vollem Bewußtsein der Unrechtmäßigkeit seiner Handlungen, nachdem er eine zuvor vom Zaubereiministerium geschriebene Warnung in ähnlicher Sache erhalten hatte, einen Patronus-

Dementorenabwehrzauber in einem von Muggeln bewohnten Gebiet erzeugt hatte, in Gegenwart eines Muggels, am zweiten August um 23 Minuten nach Neun, was eine Verletzung von Paragraph C des Gesetzes zur vernünftigen Einschränkung der Zauberei Minderjähriger, von 1875, und auch des Abschnitts 13 des Statuts der Geheimhaltung des Internationalen Bündnisses der Zaubererschaft darstellt.

»Du bist Harry James Potter, Ligusterweg 4, Little Whinging, Surrey,«sagte Fudge indem er Harry über das Pergament hinweg ansah.

»Ja”, sagte Harry.

»Du hast vor drei Jahren eine offizielle Warnung vom Ministerium wegen der Nutzung illegalen Zaubers erhalten, richtig?«

»Ja, aber -«

»Und doch hast du einen Patronus in der Nacht vom zweiten August erzeugt?,«sagte Fudge.

»Ja,«sagte Harry»aber-«

»Wissend, daß du keinen Zauber ausserhalb der Schule benutzen darfst, weil du noch nicht 17 bist?«

»Ja, aber -«

»Wissend, daß du in einem Gebiet voller Muggel warst?«

»Ja, aber -«

»Das du in unmittelbarer Nähe von mehreren Muggeln warst?«

»Ja,«sagte Harry ärgerlich»aber ich habe ihn nur benutzt weil wir -«

Die Hexe mit dem Monokel fiel ihm mit einer dröhnenden Stimme ins Wort.

»Du hast einen voll-entwickelten Patronus hergestellt?«

»Ja,«sagte Harry,«weil -«

»Einen corporealen Patronus?«

»Einen – was?” sagte Harry.

»Der Patronus hatte eine klar erkennbare Form? Ich will sagen, war es mehr als Dampf oder Rauch?«

»Ja,«sagte Harry und fühlte sich sowohl ungeduldig und auch leicht verzweifelt»es ist ein Hirsch, es ist immer ein Hirsch«

»Immer?,«donnerte Madame Bones.»Du hast bevor jetzt schon einmal einen Patronus hergestellt?«

»Ja,«sagte Harry,»Ich mache ihm schon seit über einem Jahr«

»Und du bist fünfzehn Jahre alt?«

»Ja, und -«.»Du hast das in der Schule gelernt?«

»Ja, Professor Lupin hat es mir in meinem dritten Jahr beigebracht, wegen der -«

»Beeindruckend,«sagte Madame Bones und staunte auf Harry herab,»einen echten Patronus in diesem Alter… wirklich sehr beeindruckend.«

Einige der Zauberer und der Hexen um sie herum murmelten wieder; ein paar nickten, aber andere runzelten ihre Stirn und schüttelten den Kopf.»Es geht nicht darum, wie beeindruckend die Zauberei war,«sagte Fudge mit unwirscher Stimme,»je eindrucksvoller sie war, umso schlechter ist es. Ich würde meinen, daß es der Junge einfach in Anbetracht eines Muggles gemacht hat.«

Jene, die die Stirn gerunzelt hatten, murmelten übereinstimmend, aber es war das ungläubige, scheinheilige Nicken von Percy, das Harry wütend machte.

»Ich machte es wegen der Dementoren,«sagte Harry aufgebracht, bevor in wieder jemand unterbrach.

Harry hatte wieder Gemurmel erwartet, aber es wurde ganz still, was Harry noch schlimmer fand.»Dementoren?«

fragte Madam Bones nach einem Moment mit weit aufgerissenen Augen.»Was meinst du damit, Junge?«

»Ich meine damit, daß in dieser Gasse 2 Dementoren waren, die auf mich und meinen Vetter zukamen.«»Ah,«sagte Fudge und sah sich grinsend um, als ob er darauf wartete, daß die anderen den Witz verstünden.»Ja, ja, ich habe mir schon gedacht, daß wir so was hören werden.«

»Dementoren in Little Whinging?«sagte Madame Bones überrascht.»Ich verstehe das nicht.«

…«…nicht?«fragte Fudge, immer noch grinsend.»Lasst es mich erklären.«Er dachte nochmals darüber nach und kam zum Ergebnis, daß Dementoren eine nette kleine Titelgeschichte abgeben würden.»Aber Muggles können Dementoren nicht sehen, stimmt doch, oder?«

»Stimmt ganz genau! Und außerdem haben wir nur dein Wort und keine Zeugen.«

»Ich lüge nicht,«erwiderte Harry aufgebracht, nachdem es wieder zu neuen Tuscheleien unter den Anwesenden kam.

»Außerdem haben tatsächlich einen Zeugen, der die Anwesenheit der zwei Dementoren in dieser Gasse bestätigen kann. Außer Dudley natürlich,«sagte Dumbledore. Fudges«Gesicht schien kleiner zu werden, als ob ihm jemand die Luft herausgelassen hätte. Er starrte einen Moment auf Dumbledore hinunter und sagte dann:»Ach kommen Sie Dumbledore. Ich fürchte wir habe keine Zeit mehr, um uns solche irrsinnigen Geschichten anzuhören.«

»Aber ist das nicht die Politik der Abteilung für magische Gesetze, Madame Bones?«fragte er, seinen Blick fest auf Madame Bones gerichtet.»Vielleicht liege ich falsch,«sagte Dumbledore ruhig,»aber ich bin mir sicher, daß vor Gericht der Angeklagte das Recht hat, daß Zeugen in seinem Fall anwesend sind.«

»Stimmt,«sagte Madame Bones,»stimmt genau.«»Ok, ok, ok,«sagte Fude wütend. Wo ist diese Person?«

»Ich habe sie mitgebracht,«sagte Dumbledore.»Sie steht vor der Türe. Soll ich sie…?«

»Nein, Weasly, sie gehen!«fuhr Fudge Percy an…der sofort aufstand, die steinigen Treppen hinabstieg und an Harry und Dumbledore vorbei eilte, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Einen Moment später kehrte Percy, gefolgt von Misses Figg, in den Saal zurück. Sie sah ängstlicher und gestresster aus als jemals zuvor. Harry wünschte sich, daß sie wenigstens daran gedacht hätte, ihre aus Teppichboden hergestellten Pantoffeln auszuziehen.

Dum bledore stand auf, gab Misses Figg seinen Stuhl und zauberte Sekunden später einen neunen Stuhl für sich.

»Voller Name?«fragte Fudge laut, als sich MIsses Figg nervös auf die äußerste Kante ihres Stuhles gesetzt hatte.

»Arabella Doreen Figg,«antwortete sie in ihrer quackigen Stimme.»Und wer sind Sie genau?«sagte Fudge in einer gelangweilten, hochnäsigen Stimme.»Ich wohne in Little Whinging, fast genau dort wo Harry Potter lebt,«antwortete Misses Figg.»Wir haben keine Daten von einer Hexe oder einem Zauberer, außer Harry Potter, von denen wir wissen, daß sie in Little Whinging leben,«sagte Madame Bones sofort.

»Ich bin ein Squib,«sagte Misses Figg.»Deshalb haben sie keine Informationen über mich.«»Ach, ein Squib,«

bemerkte Fudge, die Augen zu Schlitzen verengt.»Das werden wir überprüfen.«

»Geben Sie meinem Assistenten Percy Informationen über Ihre Herkunft! Übrigens, können Squibs überhaupt Dementoren sehen?,«fügte er hinzu und schaute sich fragend links und rechts um.»Natürlich können wir!«antwortete Misses Figg entrüstet. Fudge schaute mit hochgezogenen Augenbrauen zu ihr herunter.»Na gut. Erzählen Sie uns Ihre Geschichte.«

»Ich bin hinausgegangen, um Katzenfutter im Tante-Emma-Laden am Ende des Ligusterwegs zu kaufen. Es war etwa

9.00 Uhr abends am 2. August,«sagte Misses Figg sofort, als ob sie es auswendig gelernt hätte…»Plötzlich hörte ich Geräusche unten in der Gasse zwischen Magnolien- und Ligusterweg. Ich bin sofort hingegangen und sah einen Dementoren, der davonrannte.«»Der rannte?«entgegnete Madam Bones überrascht.»Dementoren rennen nicht, sie schweben.«»Ja, das ist es, was ich sagen will«erwiderte Misses Figg schnell, als ihre verrunzelten Wangen rosarot anliefen.

»Sie schwebten durch die Gasse auf etwas zu, das wie zwei Jungs aussah.«»Wie sahen diese Jungs aus?,«fragte Madame Bones mit zu Schlitzen verengten Augen.

»Nun, der eine war ziemlich groß und der andere sehr schmal.«

»Nein, nein,«sagte Madam Bones ungeduldig.»Ich meine die Dementoren, können Sie sie beschreiben?«

»Oh,«antwortete Misses Figg mit deutlich erkennbarem Rosa auf ihren Wangen,»sie waren groß und hatten Mäntel an.«Harry fühlte sich, als hätte er einen Schlag in die Magengrube erhalten.

Was Misses Figg sagte, hörte sich so an, als hätte sie bestenfalls ein Bild von einem Dementoren gesehen. Aber ein Bild kann nicht die Wahrheit dieser schrecklichen Wesen vermitteln, diese unheimliche Art, wie sie sich bewegen oder der nach Verwesung stinkende Geruch, der von ihnen ausgeht und erst recht nicht der rasselnde Atem, wenn sie Luft einsaugen.

In der zweiten Reihe lehnte sich ein Zauberer mit einem schwarzen Schnurrbart zu seinem Nebensitzer hinüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Der grinste und nickte.

»Sie waren groß und hatten Mäntel an,«wiederholte Madam Bones kühl, während Fudge spöttisch prustete.»Ok, sonst noch etwas?«

»Ja,«fuhr Misses Figg fort.»Ich habe sie gefühlt. Obwohl es eine warme Sommernacht war, wurde plötzlich alles eiskalt. Als ob das ganze Glück der Welt plötzlich weg wäre. Ich erinnerte mich an schreckliche Dinge…«Ihre Stimme zitterte und verstummte. Madam Bone«s Augen weiteten sich leicht.»Was haben die Dementoren gemacht?,«

fragte sie und Harry spürte, wie Hoffnung in ihm aufkam.

»Sie bewegten sich auf die Jungs zu«sagte Misses Figg mit stärkerer Stimme als je zuvor. Das Rosa in ihrem Gesicht war wie weggeblasen.«Einer der beiden Jungs war hingefallen, der andere wich zurück und versuchte, die Dementoren aufzuhalten. Das war Harry. Er versucht es zweimal, erzeugte aber nur silbernen Dampf. Beim dritten Versuch erzeugte er dann einen Patronus, der zuerst den ersten, dann den zweiten Dementor verjagte. Und das, das ist, was geschehen ist,«sagte Misses Figg.

Während Madame Bones ruhig auf Misses Figg herunterschaute, beachtete Fugde sie überhaupt nicht, sondern spielte mit seinen Papieren. Schließlich erhob er sich und bemerkte in einem aggressiven Ton:»Ist das alles, was Sie gesehen haben?«

»Das ist es, was passiert ist«wiederholte Misses Figg.»Sehr gut, Sie können gehen.«

Misses Figg schaute ängstlich zwischen Fudge und Dumbledore hin und her, erhob sich dann, ging zur Tür und verließ den Saal.

»Ein nicht sehr überzeugender Zeuge,«meinte Fudge hochnäsig.»Na ja, ich weiß nicht«, erwiderte Madam Bones.»Sie beschrieb die Wirkung eines Dementoren sehr genau und ich kann mir keinen Grund vorstellen, warum sie lügen sollte.«

»Aber warum kommen Dementoren in einen Muggle-Vorort!!? Das müsste doch ein riesiger Zufall gewesen sein«

überlegte Fudge.»Oh, ich glaube, keiner von uns hier denkt, daß die Dementoren dort zufällig waren,«entgegnete Dumbledore.

Die Hexe mit dem Monokel schnitt ihm mit dröhnender Stimme das Wort ab.

»Du hast einen ausgewachsenen Patronus hervorgebracht?«

»Ja,«sagte Harry,»weil-«

»Einen körperlichen Patronus?«

»Einen… was?«sagte Harry.

»Dein Patronus hatte eine klar abgegrenzte Form? Was ich sagen will, war er mehr als Dampf und Rauch?«

»Ja,«sagte Harry, der sich sowohl ungeduldig als auch verzweifelt fühlte, es ist ein Hirsch, es ist immer ein Hirsch.«

»Immer?«fragte Madam Bones.»Du hast schon vorher einen Patronus hervorgebracht?«

»Ja,«sagte Harry.»Ich mache es schon seit über einem Jahr.«

»Und Du bist fünfzehn Jahre alt?«.»Ja, und -«

»Du hast das in der Schule gelernt?«

»Ja, Professor Lupin hat es mich im dritten Jahr gelehrt, wegen der -«

»Beeindruckend,«sagte Madam Bones, die auf ihn herunter starrte,»ein echter Patronus in seinem Alter… wahrhaftig sehr beeindruckend.«

Einige der Zauberer und Hexen um sie herum begannen wieder zu murmeln; ein paar nickten, aber andere runzelten die Stirn und schüttelten den Kopf.

»Die Frage ist nicht, wie beeindruckend die Magie war,«sagte Fudge mit gereizter Stimme,»es ist sogar umso schlimmer, je beeindruckender es war, würde ich denken, da der Junge es im offensichtlichen Beisein von Muggeln tat!«

Die, die bisher die Stirn gerunzelt hatten, murmelten jetzt Zustimmung, aber es war ein Blick auf Percys scheinheiliges Nicken, das Harry dazu brachte, die Stimme zu erheben.

»Ich habe es wegen der Dementoren getan,«sagte er laut, bevor ihn jemand unterbrechen konnte.

Er hatte weiteres Getuschel erwartet, aber das Schweigen, das daraufhin entstand wirkte dichter als vorher.

»Dementoren?«sagte Madam Bones nach einem Augenblick, und ihre buschigen Augenbrauen erhoben sich soweit, daß das Monokel herunterzufallen drohte.

»Was meinst Du, Junge?«

»Ich meine, in der Gasse waren zwei Dementoren, und sie waren hinter mir und meinem Cousin her!«

»Aha,«sagte Fudge erneut, unerfreulich grinsend, während er im Wizengamot umherschaute, als wollte er sie einladen, den Witz mit ihm zu teilen.»Ja, ja. Ich dachte doch, daß wir etwas in dieser Richtung hören würden.«

»Dementoren in Little Whinging?«fragte Madam Bones mit einer Stimme, die zeigte, wie überrascht sie war.»Ich verstehe nicht -«

»Wirklich nicht, Amelia?«fragte Fudge, immer noch grinsend.»Laß es mich erklären. Er hat es sich durchdacht und hielt Dementoren für eine gute Idee, seine Geschichte zu decken, wirklich eine nette Geschichte. Muggels können keine Dementoren sehen, oder doch, Junge? Überaus praktisch, überaus praktisch… Also gibt es nur Dein Wort, aber keine Zeugen…«

»Ich lüge nicht!,«rief Harry laut, um das erneut aufkommende Gemurmel des Gerichts zu übertönen.»Es waren zwei von ihnen, die von beiden Enden der Gasse kamen, alles wurde dunkel und kalt und als mein Cousin sie spürte, rannte er los -«

»Genug, genug!«sagte Fudge, mit einem sehr hochmütigen Ausdruck im Gesicht.»Es tut mir leid, eine Geschichte zu unterbrechen, die wahrscheinlich sehr sorgfältig einstudiert wurde -«

Dumbledore räusperte sich. Das Wizengamot wurde wieder still.

»Wir haben durchaus einen Zeugen für die Anwesenheit von Dementoren in jener Gasse,«sagte er,»abgesehen von Dudley Dursley natürlich.«

Fudges pralles Gesicht schien zu erschlaffen, als ob jemand die Luft herausgelassen hätte. Für einen Augenblick oder zwei starrte er auf Dumbledore herunter, dann sagte er, mit dem Ausdruck eines Mannes, der sich zusammenreißt,»ich bedaure, Dumbledore, wir haben leider keine Zeit, uns weiteren Schnickschnack anzuhören. Ich möchte diese Sache schnell hinter mich bringen -«

»Ich kann mir irren,«sagte Dumbledore freundlich,»aber ich bin mir sicher, daß in den Statuten des Wizengamot dem oder der Angeklagten das Recht zugestanden wird, Zeugen zu benennen? Ist das nicht das Verfahren der Abteilung für die Durchführung Magischer Gesetze, Madam Bones?,«fuhr er fort, die Hexe mit dem Monokel ansprechend.

»Wahr,«sagte Madam Bones,»das entspricht der Wahrheit.«

»In Ordnung, sehr schön, sehr schön,«knurrte Fudge.»Wo ist diese Person?«

»Ich habe sie mitgebracht,«sagte Dumbledore,»sie steht draußen vor der Tür. Soll ich sie holen? -«

»Nein – Weasley, Sie gehen,«bellte Fudge zu Percy, der sofort aufsprang, die Treppen von der Empore des Gerichts herunterrannte und an Dumbledore und Harry vorbeihastete ohne sie eines Blicke zu würdigen.

Einen Augenblick später kam Percy zurück, gefolgt von Frau Figg. Sie sah verängstigt aus und noch weniger bei Trost als sonst. Harry wünschte, sie hätte daran gedacht, statt der Hausschuhe etwas anderes anzuziehen…Dumbledore stand auf und bot Ihr seinen Platz an, bevor er sich einen zweiten Stuhl herzauberte.

»Vollständiger Name?«fragte Fudge laut, nachdem Frau Figg sich nervös am der äußersten Kante der Sitzfläche niedergelassen hatte.

»Arabella Doreen Figg,«antwortete sie mit ihrer zittrigen Stimme.

»Und wer genau sind Sie?«fragte Fudge gelangweilt und hochmütig.

»Ich wohne in Little Whinging, in der Nähe von Harry Potter.«sagte Frau Figg.

»Wir haben keine amtlichen Dokumente irgendeiner Hexe oder eines Zauberer in Little Whinging, mit Ausnahme von Harry Potter,«sagte Madam Bones sofort.

»Dieser Zustand wurde immer penibel überwacht, seit… seit es diese Vorkommnisse gab.«

»Ich bin ein Squib,«sagte Frau Figg,»also würden Sie über mich keine amtlichen Dokumente führen, nicht wahr?«

»Eine Squib, soso?«fragte Fudge und betrachtete sie genau.»Wir werden das überprüfen. Sie werden Einzelheiten über ihre Eltern meinem Assistenten Weasley mitteilen. Nebenbei gefragt, können Squibs Dementoren sehen?«schob er nach, dabei nach links und rechts zu den anderen schauend.

»Ja, das können wir,«rief Frau Figg empört.

Fudge schaute auf sie mit hochgezogenen Augenbrauen herab.»Also schön,«fragte er,»was ist Ihre Geschichte?«

»Ich bin aus dem Haus gegangen, um Katzenfutter vom Eckladen am Ende des Wisteria Walk zu kaufen, es war so gegen neun Uhr am Abend des zweiten August,«plapperte Frau Figgs sofort los, als ob sie auswendig gelernt hätte, was sie sagen wollte,»als ich plötzlich einen Aufruhr in der Gasse zwischen Magnolia Crescent und Wisteria Walk hörte. Als ich zum Anfang der Gasse kam, sah ich zwei Dementoren rennen -«

»Rennen?«fragte Madam Bones scharf.»Dementoren rennen nicht, sie gleiten.«

»Das ist genau, was ich sagen wollte,«sagte Frau Figgs schnell, und ihre ausgetrockneten Wangen wurden rot.»Sie glitten die Gasse entlang auf etwas zu, was aussah wie zwei Jungen.«

»Wie sahen die beiden aus?«fragte Madam Bones, und ihre Augen wurden dabei so schmal, daß die Ränder ihres Monokel unter der Haut verschwanden.

»Nun, einer war sehr groß, und der andere war sehr schmal-«

Madam Bones rief ungeduldig»Nein, nein. Beschreiben Sie die Dementoren.«

»Oh,«sagte Frau Figgs, und die Röte stieg ihr bis ins Genick.»Sie waren groß. Groß, und trugen Umhang.«

Harry spürte ein furchtbares Sinken im Bauch. Was auch immer sie sagte, für ihn klang es so, als ob sie höchstens mal ein Bild von Dementoren gesehen hätte, und ein Bild konnte niemals die Wahrheit über diese Wesen deutlich machen: ihre unheimliche Art sich zu bewegen, Zentimeter über dem Boden zu schweben; oder ihren verrotteten Gestank; oder das furchtbare Geräusch das sie machten wenn sie die umgebende Lust einsaugten…

In der zweiten Reihe lehnte sich ein untersetzter Zauberer mit einem großen schwarzen Schnurrbart zu seiner Nachbarin, und flüsterte der Hexe mit dem gekräuselten etwas ins Ohr. Sie grinste und nickte.

»Groß, und trugen Umhang«wiederholte Madam Bones nüchtern, während Fudge verächtlich durch die Nase zog.»Ich verstehe. Sonst noch was?«

»Ja,«sagte Frau Figgs.»Ich habe sie gespürt. Alles wurde kalt, und immerhin war es eine sehr warme Sommernacht, ist klar. Und ich spürte… als ob die ganze Fröhlichkeit aus der Welt gegangen wäre… und ich erinnerte mich an…

abscheuliche Dinge…«

Ihre Stimme zitterte und verstummte.

Madam Bones Augen weiteten sich ein wenig. Harry sah rote Spuren unter den Augenbrauen, wo das Monokel sich eingegraben hatte.

»Was haben die Dementoren getan?«fragte sie, und Harry spürte einen Funken Hoffnung.

»Sie waren hinter den Jungs her,«begann Frau Figgs wieder, und ihre Stimme war stärker und voller Selbstvertrauen, die Röte verschwand aus ihrem Gesicht.»Einer war hingefallen. Der andere schritt zurück und versuchte die Dementoren abzuwehren. Das war Harry. Er hat es zweimal probiert und erzeugte nur silbernen Dampf. Beim dritten Versuch brachte er einen Patronus hervor, der dem ersten Dementor nachstellte und, auf seine Aufforderung hin, den zweiten Dementor von seinem Cousin vertrieb. Und das… das ist was passierte.«endete Frau Figgs lahm…Schweigsam schaute Madam Bone auf Frau Figgs. Fudge schaute sie überhaupt nicht an, sondern blätterte in seinen Papieren. Endlich schaute er auf und fragte, mit aggressiver Stimme,»Ist das, was Sie gesehen haben?«

Frau Figgs wiederholte»das ist, was passierte.«

»Sehr schön, Sie können jetzt gehen.«sagte Fudge.

Frau Figg warf einen ängstlichen Blick auf Fudge und Dumbledore, stand dann auf und schlurfte zur Tür. Harry hörte die Tür hinter ihr schließen.

Hochnäsig sagte Fudge»Das war keine sehr überzeugte Zeugin.«

Madam Bones antwortete mit dröhnender Stimme:»Oh, ich weiß nicht. Sie hat die Ereignisse eines Dementorenangriffs sehr genau beschrieben. Und ich kann mir nicht vorstellen, warum sie sagen würde, daß sie da waren wenn sie gar nicht da waren.«

»Aber Dementoren die in ein Wohngebiet von Muggeln gehen und zufällig auf einen Magier stoßen?«höhnte Fudge.

»Die Wahrscheinlichkeit dürfte doch wohl sehr sehr gering sein. Sogar Bagman hätte nicht gewettet…«

Dumbledore warf beiläufig ein»Oh, ich glaube nicht, daß irgendwer von uns der Meinung ist, die Dementoren wären zufällig dort gewesen.«

Die Hexe die zur Rechten von Fudge saß und ihr Gesicht im Schatten verbarg, bewegte sich ein wenig. Alle anderen saßen leise und ruhig.

Eiskalt fragte Fudge»Und was soll das bedeuten?«

»Das bedeutet, daß ich glaube, daß sie dorthin kommandiert wurden«sagte Dumbledore.

»Ich denke wie würden eine Aufzeichnung darüber haben wenn jemand sie kommandiert.«

Dann hörte das Flüstern auf. Harry wollte die Richter ansehen, aber fand, das es wirklich viel, viel leichter war, auch weiterhin die Fliesen anzustarren.

»Diejenigen, die den Angeklagten von allen Anschuldigen freisprechen?«sagte Madame Bones donnernde Stimme.

Harrys Kopf zuckte nach oben. Da wären Hände in der Luft, viele davon… mehr als die Hälfte! Sehr stark atmend, versuchte er sie zu zählen, aber bevor er damit fertig wurde, hatte Madame Bones bereits gesaagt,»Und jene die einen Schuldspruch befürworten?«

Fudge hob seine Hand; so taten es ihm auch ein halbes Dutzend andere nach, einschließlich der Hexe zu seiner Rechten und der Zauberer mit dem riesenhaften Schnurrbart und die kraushaarige Hexe in der zweiten Reihe.

Fudge warf ihnen allen einen flüchtigen Blcik zu, es sah aus, als würde etwas großes in seiner Kehle festsitzen, dann ließ er seine Hand sinken. Er nahm zwei tiefe Atemzüge und sagte, mit einer Stimme voll unterdrückter Wut,»Nun gut, nun gut… frei von allen Anschuldigungen.«

»Ausgezeichnet,«sagte Dumbledore lebhaft, auf seinen Füßen federnd, zog seinen Zauberstab hervor und ließ die beiden buntbedruckten Armlehnen verschwinden.»Nun, ich muß leider weiter. Guten Tag, euch allen.«

Und ohne Harry einmal anzuschauen, hatte er den Kerker verlassen…

Kapitel 9 – Der Kummer Mrs. Weasleys

Harry war völlig überrascht von Dumbledores plötzlichem Aufbruch. Er blieb wie angewurzelt in dem Kettenstuhl sitzen, schockiert und erleichtert zugleich. Die Mitglieder des Wizengamot erhoben sich, unterhielten sich, sammelten ihre Papiere ein und packten sie weg. Harry stand auf. Niemand schien ihn mehr zu beachten, außer der krötenähnlichen Hexe zu Fudge«s Rechten, die nun nicht mehr auf Dumbledore sondern auf ihn herunterstarrte. Er ignorierte sie und versuchte einen Blick von Fudge oder Madam Bone zu erhaschen. Er fragte sich, ob er denn jetzt gehen könne, aber es schien, daß Fudge entschlossen war Harry nicht zu bemerken, und Madame Bone war mit ihrem Aktenkoffer beschäftigt. Also tastete er sich vorsichtig Richtung Ausgang vor, und als niemand ihn zurückrief beschleunigte er seine Schritte.

Die letzten Stufen sprang er hinunter, stieß die Tür auf und wäre fast gegen Mr. Weasly geprallt, der bleich und besorgt direkt hinter der Tür stand.

»Dumbledore hat nicht gesagt, ob Du -«

»Freigesprochen,«sagte Harry, während er die Tür hinter sich zuzog,»in allen Anklagepunkten!«

Strahlend packte Mr. Weasly Harry bei den Schultern.

»Harry, das ist ja großartig! Nun, natürlich hätten sie dich gar nicht verurteilen können, nicht mit den Beweisen, aber dennoch kann ich nicht behaupten ich wäre nicht -«

Mr. Weasley hörte auf zu sprechen als die Gerichtstür sich wieder öffnete. Das Wizengamot verließ gerade den Saal.

»Bei Merlins Bart!«stieß Mr. Weasley erstaunt aus, und zog Harry zur Seite um sie vorbeizulassen.»Das komplette Gericht hat Deinen Fall verhandelt?«

»Ich glaube ja,«sagte Harry leise.

Ein paar Zauberer, wie Madame Bones, nickten Harry im Vorbeigehen zu und sagten,»Morgen, Arthur,«aber die meisten vermieden es ihnen in die Augen zu sehen. Cornelius Fudge und krötenhafte Hexe waren die vorletzten, die den Kerker verließen. Fudge tat als seien Mr. Weasley und Harry Luft, aber sie schaute Harry wieder musternd an, während sie vorbeiging. Percy kam als letzter. Genauso wie Fudge ignorierte er Harry und seinen Vater völlig; er schritt an ihnen vorbei, eine große Rolle Pergament und eine Hand voll Federn fest umklammert. Die Falten um Mr.

Weasleys Mund vertieften sich, aber sonst ließ er sich nicht anmerkern, daß gerade sein dritten Sohn an ihm vorbeigegangen war.

»Ich werde Dich sofort zurückbringen, damit Du den anderen die gute Nachricht erzählen kannst,«sagte er und bedeutet Harry mit einem Kopfnicken vorauszugehen, als Percys Absätze die Stufen hinauf zur neunten Etage verschwunden waren.»Ich setze Dich auf meinem Weg zu dieser Toilette in Bethnal Green ab. Komm…«

»Was werden Sie mit der Toilette machen?«fragte Harry grinsend. Alles schien auf einmal fünfmal so lustig wie sonst.

Langsam begriff er: er war freigesprochen, und er würde nach Hogwarts zurückkehren.

»Ach, nur ein kleiner Gegenfluch,«sagte Mr. Weasley als sie die Stufen hinaufkletterten,»aber es geht ja gar nicht darum den Schaden zu beheben, sondern vielmehr um die Gesinnung, die hinter diesem Vandalismus steckt, Harry.

Muggles jagen mag zwar einigen Zauberern lustig erscheinen, aber es ist der Ausdruck von etwas viel tieferem, abscheulicherem, und ich für meine Teil -«

Mr. Weasley stoppte in der Mitte des Satzes. Sie hatten gerade die neunte Etage erreicht und da stand Cornelius Fudge, nur ein paar Meter entfernt, in eine leise Unterhaltung vertieft mit einem Mann, der glattes blondes Haar und ein spitzes, blasses Gesicht hatte.

»So, so, so… Patronus Potter,«sagte Lucius Malfoy in unterkühltem Ton. Harry fühlte sich als wäre er gegen eine Betonwand gelaufen. Diese kalten grauen Augen hatte er zuletzt unter der Kapuze eines Todesfressers gesehen, und die Stimme auf einem dunklen Friedhof johlen gehört, während Lord Voldemort ihn folterte. Harry konnte nicht glauben, daß Lucius Malfoy sich erdreisstete ihm ins Gesicht zu schauen; er konnte nicht glauben, daß er hier war, im Magieministerium, und noch viel weniger, daß Cornelius Fudge sich mit ihm unterhielt. Und daß, obwohl Harry Fudge vor nur wenigen Wochen erzählt hatte, daß Malfoy ein Todesfresser ist.

»Der Minister erzählte mir gerade von deinem glücklichen Entkommen, Potter,«sagte Malfoy in seiner schleppenden Art.»Ziemlich erstaunlich, wie Du Dich immer wieder durch die kleinsten Löcher schlängelst… wirklich schlangenhaft.«

Mr. Weasley griff warnend Harrys Schulter…»Nicht war,” sagte Harry,» ich bin wirklich gut im Entkommen.”

Lucius Malfoy hob seine Augen und blickte Mr. Waesley an.

»Und da ist ja auch Arthur! Was machst Du denn hier, Arthur?«

»Ich arbeite hier,«erwiderte Mr Weasley knapp.

»Aber doch sicherlich nicht hier?«sagte Mr Malfoy mit erhobenen Augenbrauen und blickte flüchtig auf die Tür hinter Mr Weasley.»Ich dachte Du wärst oben auf der zweiten Etage… machst Du nicht irgendwas daß mit Muggle Artefacten stibitzen zu tun hat, die Du dann zu Hause behext?«

»Nein,«blaffte Mr Weasley zurück. Seine Finger gruben sich nun krampfhaft in Harrys Schulter.

»Was tun Sie überhaupt hier?«fragte Harry.

»Ich glaube nicht daß Dich die privaten Angelegenheiten zwischen dem Minster und mir etwas angehen, Potter,«sagte Malfoy und glättete die Vorderseite seines Gewands. Harry vernahm das leise Klingen von etwas, das sich merklich wie ein voller Beutel mit Gold anhörte.

»Nur weil Du Dumbledores Liebling bist, mußt Du nicht von allen anderen die gleiche Hingabe erwarten… sollen wir uns in Ihr Büro zurückziehen, Minister?«

»Aber natürlich,«sagte Fudge und wandte Harry und Mr Weasley den Rücken zu.»Hier entlang, Lucius.«

Sie stiefelten davon während sie sich mit gedämpften Stimmen weiter unterhielten. Mr Weasley ließ Harrys Schulter nicht los, bevor die beiden im Aufzug verschwunden waren.

»Warum hat er denn nicht vor Fudges Büro gewartet, wenn sie geschäftlich miteinander verabredet waren?«platze Harry verärgert heraus.»Was wollte er hier unten?«

»Wenn Du mich fragst, der hat versucht sich in den Gerichtssaal zu schleichen,«sagte Mr Weasley, der jetzt sehr aufgewühlt aussah und immer wieder über seine Schulter sah, um sicher zu gehen, daß niemand lauschte. Er wollte wissen, ob sie Dich rausgeschmissen haben. Ich werde Dumbledore eine Nachricht hinterlassen, wenn ich Dich absetze.

Er sollte wissen, daß Malfoy wieder mit Fudge redet.«

»Was für private Angelegenheiten meinte er denn?«

»Gold, würde ich mal vermuten,«sagte Mr Weasley wütend.»Malfoy spendet schon seit Jahren großzügig für alle möglichen Sachen… verschafft sich so Kontakte zu den richtigen Leuten… die kann er dann um Gefallen bitten…

Gesetze zu verzögern, die nicht durchkommen sollen… oh, ja er hat hervorragende Verbindungen dieser Lucius Malfoy.«

Der Aufzug hielt; bis auf eine Schar von Memos, die um Mr Weasleys Kopf flatterten, als er den Knopf für das Atrium drückte. Die Aufzugtüre schepperte zu. Mr Weasley war gereizt und schlug nach den Memos.

»Mr Weasley,«sagte Harry langsam,»wenn Fudge sich mit einem Todesfresser wie Malfoy trifft, wenn er ihn alleine trifft, woher wissen wir dann, daß sie ihn nicht mit dem Imperius Fluch belegt haben?«

»Glaub nicht, daß wir daran nicht auch schon gedacht haben, Harry,«sagte Mr Weasley leise.»Aber Dumbledore denkt, daß Fudge im Moment aus eigenem Antrieb handelt – was, so meint Dumbledore, nicht weniger beunruhigend ist. Aber es wäre besser jetzt nicht weiter darüber zu reden, Harry.«

Der Aufzug öffnete sich und sie traten in das leere Atrium. Eric, der Wachzauberer, hatte sich wieder hinter seinem Daily Prophet vergraben. Sie waren schon an dem goldenen Brunnen vorbeigelaufen, als Harry sich erinnerte.

»Warten Sie…«rief er hinter Mr Weasley her, zog seinen Geldbeutel aus der Hosentaschen und ging zurück zum Brunnen.

Er schaute hinauf zu dem stattlichen Zauberergesicht, aber von nahem, fand Harry, sah es eher schwach und ein bißchen dümmlich aus. Die Hexe trug ein Lächeln so fad wie das der Teilnehmerin eines Schönheitswettbewerbs, und nach allem was Harry über Goblins und Zentauren wußte würden sie niemals irgendeinen Menschen mit solch einem rührseligen Ausdruck anschauen. Nur die Kreacherische Unterwürfigkeit des Elfen konnte Harry überzeugen. Mit einem Grinsen daran, was Hermine wohl sagen würde, wenn sie diese Elfenstatue sehen könnte stülpte Harry seinen Geldbeutel um und schüttet nicht nur zehn Gallonen, sondern den gesamten Inhalt in das Becken.

* * *

»Ich weiß es!«schrie Ron in die Luft schlagend.»Du bist immer mit dem Zeug weggegangen!«

»Es wird Zeit dich aufzuklären,«Sagte Hermine, die Harry mit einem überaus besorgten Blick ansah, als er die Küche betrat und nun mit der Hand vor ihren Augen wedelte.»es war nichts gegen dich, wirklich nicht.«.»Jeder glaubt das, während ihr alle darüber nachdenkt, das ich freigesprochen wurde.«Sagte Harry lächelnd.

Während Mrs Weasley sich ihr Gesicht an ihrem Ärmel abwischte und Fred, George und Ginny eine Art Kriegstanz zu einem Takt der»Er ist frei, er ist frei, er ist frei…«ging vollführten.

»Das reicht! Setzt euch!«rief Mrs Weasley, aber auch sie lächelte.»Hör mal, Sirius, Lucius Malfoy war im Ministerium…«

»Was?«fragte Sirius scharf.

»Er ist frei, er ist frei, er ist frei…«

»Seit ruhig ihr drei! Ja, wir sahen ihn mit Fudge reden, auf der neunten Etage…dann gingen sie zusammen in Fudges Büro. Dumbledore sollte das wissen.«

»Absolut.«Sagte Sirius.»Wir werden es ihm sagen, mach dir darüber keine Sorgen.«

»Nun, ich sollte besser gehen, da ist eine sich übergebende Toilette, die auf mich in Bethnal Green wartet. Molly, es könnte spät werden. Ich begleite Tonks, aber Kingsley müsste zum Essen hier sein.«

»Er ist frei, er ist frei, er ist frei…«

»Das reicht – Fred – George – Ginny!«sagte Mrs Weasley als Mr Weasley die Küche verlassen hatte.»Harry Schatz, komm und setz dich, ist etwas zum Mittag, du hast so früh gefrühstückt.«

Ron und Hermine setzten sich Harry gegenüber hin und guckten glücklicher denn je, seit er neulich in der Grimmauld Straße eintraf. Und Harry fühlte sich schwindelig, als er an sein Treffen mit Lucius Malfoy dachte, wurde es wieder schlimmer. Das düstere Haus wirkte plötzlich wärmer und freundlicher als zuvor. Nur Kreacher sah weiter häßlich aus, als er seine Rüsselähnliche Nase in die Küche hielt, um nach der Stimmung zu gucken.»Als Dumbeldore an deiner Seite auftauchte, war da eigentlich kein Grund mehr sich sorgen zu machen, das sie dich verbannen würden…«sagte Ron glücklich, jedem einen großen Berg zermatschte Kartoffeln auf den Teller häufend.»Yeah, er hat es für mich gedeichselt,«sagte Harry. Er fühlte, das es wirklich undankbar war, wenn nicht sogar beleidigend, zu sagen»Ich wünschte er hätte mit mir auch gesprochen. Oder mich wenigstens angesehen.«Und während er das dachte, brannte seine Narbe so sehr, das er seine Hand auf sie legte.

»Was ist los?«fragte Hermine alarmiert.

»Narbe«murmelte Harry.»Aber es ist nichts…es passiert öfters in letzter Zeit…«

Keiner von den anderen hatte etwas mitbekommen, alle waren damit beschäftigt sich gegenseitig Essen auf den Teller zu tun, als auf Harry zu achten. Fred, George und Ginny sangen immer noch. Hermine guckte weiterhin besorgt, aber bevor sie etwas sagen konnte, sagte Ron fröhlich»Ich hoffe Dumbledore kommt diesen Nachmittag zurück um mit uns zu feiern, weißt du.«

»Ich fürchte er wird nicht können, Ron.«Sagte Mrs Weasley, während sie eine Platte mit gerösteten Hähnchen vor Harry abstellte.»Er ist momentan sehr beschäftigt.«

»ER IST FREI, ER IST FREI, ER IST FREI…«

»SEIT RUHIG!«brüllte Mrs Weasley.

Die nächsten Tage kam Harry nicht umher, zu registrieren daß da eine Person im Grimmauld Place 12 war, die nicht sehr fröhlich darüber war, das er nach Hogwarts zurückkehren würde. Sirius hatte eine gute Show abgezogen, das er sich wirklich für ihn freute, als er die Nachricht das erste Mal hörte, er hatte Harrys Hand gedrückt und genauso wie die anderen gestrahlt. Nun war er noch launischer als vorher, redete mit jeden anderen, außer Harry und schloß sich immer häufiger mit Seidenschnabel in dem Raum seiner Mutter ein.

»Fühl dich nicht mies!«sagte Hermine sanft, nachdem Harry ihr und Ron seine Gefühle mitgeteilt hatte, während sie ein drekiges Regal auf dem dritten Flur ein paar Tage später schrubbten.»Du gehörst nach Hogwarts und Sirius weiß das. Ich persönlich denke, er ist egoistisch.«

»Das ist eine harte Anschuldigung, Hermine«sagte Ron, während er etwas Matsch, welcher sich um seinen Finger gewickelt hatte, entfernte.»du wirst krank in diesem Haus ohne Gesellschaft.«

»Aber er wird Gesellschaft haben!«sagte Hermine.»Es ist das Hauptquartier des Phönixordens, oder? Er hat nur seine Hoffnung aufgegeben, das Harry hier mit ihm leben würde.«

»Ich glaube nicht, daß das stimmt.«Sagte Harry, während er seine Sachen auswrang.»Er gab mir keine direkte Antwort, als ich ihn fragte, ob ich das könnte.«.»Er wollte nur seine eigenen Hoffnungen nicht noch einmal aufgeben.«Sagte Hermine weise.»Und er fühlt sich vielleicht auch ein bißchen Schuldig, weil ein Teil von ihm wirklich hoffte, das du von der Schule verwiesen wist.«

»Hör auf damit!«sagten Harry und Ron gleichzeitig, aber Hermine fuhr fort.»Hört selber damit auf! Aber manchmal denke ich, das Rons Mutter recht hat und Sirius verwirrt darüber ist, ob du du bist oder dein Vater, Harry.«

»Du denkst er wird verrückt?«sagte Harry besorgt.

»Nein, ich denke nur, das er für eine sehr lange Zeit alleine war.«Sagte Hermine einfach.

An diesem Punkt kam Mrs Weasley in den SchlaFraum hinter ihnen.»Noch nicht fertig?«fragte sie, ihren Kopf in den Schrank steckend.»Und ich dachte du wärst hier um uns zu sagen, das wir eine Pause machen sollen!«sagte Ron bitter.

»Weißt du eigentlich, wieviel Staub wir gewischt haben, seit wir hier sind?«

»So bist du in der Lage dem Orden zu helfen,«antwortete Mrs Weasley»du kannst deinen Teil dazu beitragen, daß Hauptquartier bewohnbar wird.«

»Ich fühle mich wie ein Hauself«grummelte Ron.

»Nun, dann verstehst du, was für ein schreckliches Leben sie führen und vielleicht verbringst du etwas mehr Zeit in SPEW!«erklärte Hermine hoffnungsvoll, als Mrs Weasley sie verließ.»Weißt du, vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, den Leuten genau zu zeigen wie schrecklich es ist die ganze Zeit zu putzen – wir könnten eine Veranstaltung im Gryffindor Gemeinschaftsraum machen, um alle über SPEW zu informieren. Es würde helfen!«

»Ich helfe dir dabei nicht mehr über SPEW zu reden.«flüsterte Ron stur, aber so, das nur Harry ihn hören konnte.

Harry ertappte sich bei immer mehr Tagträumen von Hogwarts, während das Ende der Ferien näher kam. Er konnte es nicht abwarten Hagrid wieder zu sehen, Quidditch zu spielen, oder durch die Reihen des Gewächshauses zu streunen.

Alles war besser, als dieses dreckige Haus zu verlassen, wo die Hälfte der Schränke geschlossen war und Kreacher aus den Schatten heraus kam, wenn man gerade vorbeiging, dachte Harry. Aber er war so umsichtig das nicht zu sagen, wenn Sirius ihn hören konnte.

Der Fakt war, das es nicht so interessant war, im Hauptquartier einer Anti-Voldemort-Bewegung zu leben, wie Harry es erst gedacht hatte. Sicher, die Mitglieder des Orden des Phönixes kamen und gingen regelmäßig, manchmal blieben sie zum essen, manchmal nur um einige Minuten eine flüsternde Unterhaltung zu führen. Mrs Weasley achtete darauf, das Harry und die anderen immer außer Hörweite waren (ob nun mit Lauschern oder so) und niemand, nicht einmal Sirius, war der Meinung, das Harry mehr wissen müsste, als er in der Nacht erfahren hatte, als er ankam. In den letzten Ferientagen, holte Harry gerade Hedwigs Eulenkekse von der Garderobe, als Ron mit einigen Umschlägen herein kam.

»Die Einkaufslisten sind da«sagte er und reichte einen der Umschläge Harry, der auf einem Stuhl stand.»Genau zur Zeit, ich dachte sie hätten uns vergessen, normalerweise kommen sie früher…«

Harry packte die letzten Kekse in einen Plastiktüte und warf die Tasche über Rons Kopf in einem Müllkorb in Flur, welcher schwankte und laut schepperte. Er hatte seinen Brief geöffnet. Es beinhaltete zwei Blätter Pergament: Das übliche Pergament, welches daran erinnerte, das die Schule am ersten September begann, und das andere, welches ihm sagte, welche Bücher er für das kommende Jahr brauchte.»Nur zwei Neue.«Sagte er, seine Liste lesend.»Das Standartbuch der Zaubersprüche, Klasse fünf von Miranda Gosahwk und die Theroie der Verteidigung von Wilbert Slinkhard.«

Krach.

Fred und George apparierten direkt neben Harry. Er hatte sich jetzt schon so daran gewöhnt das er noch nicht mal von seinem Stuhl fiel.

»Wir haben uns gerade gewundert wer das Buch von Slinkhard verlangt«sagte Fred gesprächig.

»Denn das bedeutet das Dumeldore einen neuen DK Lehrer gefunden hätte«sagte Georg

»Das wurde aber auch Zeit«sagte Fred.

»Wieso, was meinst du?«fragte Harry und sprang direkt neben sie.

»Vor ein paar Wochen belauschten wir über die ausziehbaren Ohren Mum und Dad«erzählte Fred Harry»und so wie es sich anhörte hat Dumbledore ziemlich große Probleme irgendjemand für den Job zu finden.«

»Es ist aber auch nicht wirklich überraschend, oder, wenn du siehst was in den letzten vier Jahren passiert ist.«sagte George.

Einer eingesperrt, einer tot, einem das Gedächtnis gelöscht und einer eingesperrt in einem Koffer für neun Monate«

sagte Harry während er sie mit den Fingern abzählte.»Ja ich verstehe was du meinst.«.»Was ist los mit dir, Ron?«fragte Fred Ron gab keine Antwort, Harry schaute sich um. Ron stand sehr still, sein Mund war leicht offen und er starrte auf seinen Brief von Hogwarts.

»Was gibst?«fragte Fred ungeduldig, stellte sich hinter Ron und schaute über dessen Schulter auf das Pergament.

Fred«s Mund klappte auch auf.

»Vertrauensschüler?«sagte er, und starrte ungläubig auf den Brief »Vertrauensschüler?«

George stürzte nach vorne und riss Ron den Umschlag aus der anderen Hand und drehte ihn um. Harry sah irgendetwas rotes und goldenes in Georgs Hand fallen.

»Das gibt es nicht«sagte Georg mit leiser Stimme.

»Das muß ein Missverständnis sein«sagte Fred und nahm Ron den Brief aus der Hand und hielt ihn gegen das Licht um das Wasserzeichen zu überprüfen.»Niemand der ganz richtig im Kopf ist würde Ron zu einem Vertrauensschüler machen.«

Die Köpfe der Zwillinge drehten sich gleichzeitig und beide starrten Harry an.

Wir dachten du wärst es sicher!«sagte Fred in einem Ton der vermittelte das Harry sie irgendwie ausgetrickst hatte.

»Wir dachten Dumbledore wäre verpflichtet dich auszusuchen«sagte Georg empört

»Du hast das Trimagisches Tunier gewonnen und das alles«sagte Fred

»Ich vermute all das verrückte Zeug muß gegen ihn gesprochen haben«sagte Georg zu Fred.

»Ja«sagte Fred langsam»ja, du hast zu viel Trubel verursacht, Kumpel. Naja, wenigsten einer von euch weiß seine Prioritäten richtig zu setzen.«

Er schritt zu Harry hinüber und klopfte ihm auf die Schulter während er Ron einen vernichtenden Blick zuwarf.

»Vertrauensschüler… Ronnie der Vertrauensschüler«

»Ohh, Mum wird ausflippen«stöhnte George, und drückte das Vertrauensschüler Abzeichen in Ron«s Hand als dachte er, er könnte sich anstecken.

Ron, der noch immer kein Wort gesagt hatte, nahm das Abzeichen und starrte es für einen Moment an, dann hielt er es zu Harry als ob er um stumme Bestätigung bitten würde, das es auch wirklich echt ist. Harry nahm es. Ein großes V

war auf den Gryffindor Löwen gelegt. Er hatte genau das gleiche an Percy«s Brust gesehen, an seinem ersten Tag in Hogwarts.

Die Türe sprang auf. Hermine kam in den Raum gestürzt, die Backen rot und die Harre wehend. Ein Umschlag war in ihrer Hand.

»Hast du es – hast du es -?«

Sie sah das Abzeichen in Harry«s Hand und ließ einen Schrei los.

»Ich wußte es!«sagte sie aufgeregt, und wedelte mit ihrem Brief.»Ich auch, Harry, ich auch!«

»Nein«sagte Harry schnell, und gab das Abzeichen zurück in Ron«s Hand.

»Es ist Ron, nicht ich«

»Ist – was?«

»Ron ist Vertrauensschüler, nicht ich«sagte Harry.

»Ron?«sagte Hermine, ihr Kiefer klappte nach unten.»Aber… bist du sicher? Ich meine -«

Sie wurde rot als Ron mit einem trotzigen Gesichtsausdruck zu ihr herüberschaute.

»Es ist mein Name in dem Brief«sagte dieser.

»Ich…«sagte Hermine, und schaute wirklich verwirrt.»Ich… na ja…wow! Gut gemacht, Ron! Das ist wirklich -«

»Unerwartet«sagte Georg, nickend

»Nein«sagte Hermine noch mehr errötend als sie sowieso schon war.»Nein ist nicht… Ron hat wirklich viel… er ist wirklich…«

Die Türe hinter ihr öffnete sich noch ein bißchen mehr und Mrs. Weasley kam in das Zimmer und trug einen Stapel frisch gewaschener Roben…»Ginny sagte die Bücherliste ist endlich gekommen«sagte sie und schaute auf all die Umschläge als die ihren Weg zum Bett machte und begann die Roben in zwei Stapel zu sortieren.

»Wenn ihr mir die Listen gebt, nehme ich sie heute Nachmittag mit zur Winkelgasse und besorge euch die Bücher während ihr packt. Ron, du brauchst noch mehr Pyjamas, diese sind dir mindestens 6 inches zu kurz, ich kann nicht glauben wie schnell du wächst… welche Farbe möchtest du denn?«

»Kauf ihm Rot und Gold damit sie zu seinem Abzeichen passen«sagte Georg grinsend

»Passend zu was?«fragte Mrs. Weasley abwesend, rollte ein Paar Socken zusammen und legte sie auf Ron«s Stapel.

»Sein Abzeichen«sagte Fred, der das schlimmste schnell hinter sich haben wollte.»Sein liebliches, schimmerndes neues Vertrauensschüler Abzeichen.«

Es dauerte einen Moment bis Freds Worte zu Mrs. Weasley, die mit den Pyjamas beschäftigt war, durchgedrungen waren.

»Seine… aber… Ron, du bist nicht…?«

Ron hielt sein Abzeichen hoch.

Mrs. Weasley ließ, wie Hermionie zuvor, einen Schrei los.

»Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben. Oh, Ron, wie wunderschön! Ein Vertrauensschüler! So wie jeder in der Familie!«

»Was sind Fred und ich, Nachbarn?«sagte George entrüstet, als seine Mutter ihn zur Seite schubste und ihre Arme um ihren jüngsten Sohn schlang.

»Warte bis das dein Vater hört! Ron, ich bin so stolz auf dich, welch wunderbare Neuigkeiten, du könntest auch ein Head Boy werden genau wie Bill und Percy, das ist der erste Schritt. Ich bin so aufgeregt, daß so etwas passiert, zwischen diesen ganzen Sorgen. Oh Ronnie -«

Fred und George machten beide laute würgende Geräusche hinter ihrem Rücken, aber Mrs. Weasley bemerkte es nicht; die Arme fest um Ron«s Genick, küsste sie ihn über sein ganzes Gesicht welches knallrot geworden war. Röter als sein Abzeichen.

»Mom…nicht… Mom reiß dich zusammen…«murmelte er und versuchte sie wegzuschieben.

Sie ließ ihn los und sagte atemlos,»Was soll es sein? Percy hat eine Eule bekommen, aber du hast ja schon eine«

»W-was meinst du?«fragte Ron, er sah aus als wenn er seinen Ohren nicht trauen würde.

»Du bekommst eine Belohnung dafür«sagte Mrs Weasley zärtlich.

»Was hältst du von einer neuen Festrobe?«

»Wir haben ihm schon eine neue gekauft«sagte Fred sauer, der aussah als wenn er das wirklich bereuen würde.

»Oder einen neuen Kessel, Charlie«s alter rostet schon durch, oder eine neue Ratte, du mochtest Krätze -«

»Mom«sagte Ron hoffnungsvoll»kann ich einen neuen Besen haben?«

Mrs Weasleys Gesicht fiel bemerkbar, Besen waren sehr teuer.

»Keinen wirklich guten«fügte Ron hastig hinzu»Nur – nur einen neueren…«

Mrs. Weasley zögerte und dann sagte sie lächelnd.

»Natürlich kannst du… na ja ich werde jetzt wohl besser gehen wenn ich auch noch einen neuen Besen kaufen muß.

Ich sehe euch alle später…mein kleiner Ronnie, ein Vertrauensschüler! Und vergesst nicht eure Koffer zu packen…ein Vertrauensschüler… oh, ich bin ganz daneben!”

Sie gab Ron noch einen Kuss auf die Backe, sniefte laut und huschte aus dem Raum.

Fred und Georg tauschten einen Blick aus

»Es stört dich nicht, wenn wir dich nicht küssen oder Ron?«sagte Fred mit falscher besorgter Stimme.

»Wir könnten dich verhexten wenn du möchtest«sagte George

»Oh, haltet die Klappe«knurrte Ron

»Oder was?«sagte Fred, ein fieses Grinsen breitete sich über sein Gesicht aus.»Willst du uns Nachsitzen lassen?«

»Ich liebe es ihn zu sehen wie er das versucht«kicherte George.»Er könnte wenn ihr nicht aufpasst«sagte Hermine ärgerlich.

Fred und George prusteten los, und Ron murmelte»laß es, Hermine«

»Wir müssen jetzt aufpassen, George«sagte Fred und tat so als ob er zitterte.»mit diesen Beiden auf unseren Fersen…«

»Ja, es sieht so aus als ob unsere gesetzbrechenden Zeiten jetzt vorbei wären«sagte George und schüttelte den Kopf.

Und mit einen weiteren lauten crack, die Zwillinge disappierten.

»Diese beiden«sagte Hermionie sauer, schaute nach oben zur Decke wo sie nun Fred und Georg brüllen hörten vor Lachen in ihrem Räumen überhalb.

»Hör nicht auf die, Ron, die sind nur eifersüchtig«

»Ich glaube nicht daß sie das sind«sagte Ron zweifelnd und schaute auch nach oben»Sie sagten immer nur Streber werden Vertrauensschüler… aber«fügte er fröhlicher hinzu»sie hatten nie neue Besen. Ich wünschte ich könnte mit Mum gehen und mir einen aussuchen… sie wird mir nie einen Nimbus kaufen können, aber der neue Cleansweept ist rausgekommen, der wäre großartig… ja, ich denke ich werde zu ihr gehen und ihr sagen das ich den Cleansweept möchte, nur das sie es weiß.

Er stürzte, Harry und Hermine alleine lassend, aus dem Raum. Aus irgendeinem Grund fand Harry, daß er Hermine nicht angucken wollte. Er ging zu seinem Bett, hob den Stapel mit sauberen Umhängen, den Mrs. Weasley darauf gelegt hatte, und durchquerte den Raum zu seinem Koffer.

»Harry?«fragte Hermine versuchsweise.

»Gut gemacht, Hermine,«antwortete Harry, so herzlich, daß es überhaupt nicht wie seine Stimme klang, und, sie immer noch nicht anguckend,»Brilliant. Vertrauensschüler. Großartig…«

»Danke,«sagte Hermine.»Ähm – Harry – könnte ich mir Hedwig ausleihen um es Mum und Dad zu erzählen? Sie werden wirklich dankbar sein – ich mein Vertrauensschüler ist etwas das sie verstehen können.«

»Ja, kein Problem,«antwortete Harry, immer noch in der schrecklich herzlichen Stimme die nicht zu ihm gehörte.

»Nimm sie dir!«

Er lehnte sich über seinen Koffer, legte die Umhänge auf seinen Boden, und tat so als würde er ihn nach etwas durchsuchen, während Hermine zu Garderobe ging und Hedwig hinunterrief. Ein paar Momente vergingen; Harry hörte wie die Tür geschlossen wurde aber blieb wie er war, hellhörend; das einzige Geräusch das er hören konnte, war wie das weiße Bild an der Wand wieder kicherte und der Altpapierkorb in der Ecke vor Eulendreck hustend.

Er richtete sich auf und guckte hinter sich. Hermine und Hedwig hatten den Raum verlassen. Harry eilte durch den Raum, schloss die Tür, kehrte langsam zu seinem Bett zurück und ließ sich – blind auf den Fuß der Garderobe starrend

– darauf fallen.

Er hatte komplett vergessen, daß Vertrauensschüler im fünften Schuljahr ausgewählt werden. Er war zu besorgt gewesen, er könnte von Hogwarts verwiesen werden, um auch nur einen Gedanken für die Tatsache übrig zu haben, daß die Abzeichen ihren Weg zu bestimmten Leuten finden. Aber wenn er sich daran erinnert hätte… wenn er daran gedacht hätte… was hätte er erwartet?

Nicht das, sagte eine leise und wahrheitsvolle Stimme in seinem Kopf.

Harry verdrehte sein Gesicht und verdeckte es mit seinen Händen. Er konnte sich nicht selbst anlügen; wenn er gewusst hätte, daß das Vertrauensschülerabzeichen auf seinem Weg war, hätte er erwartet daß es zu ihm gekommen wäre, nicht zu Ron. Machte ihn daß so Arrogant wie Draco Malfoy? Glaubte er sich selbst besser als alle anderen? Dachte er wirklich er wäre besser als Ron?

Nein, sagte die Leise Stimme aufsässig.

War das wahr?, fragte sich Harry, besorgt seine eigenen Gefühle erforschend.

Ich bin besser in Quidditch, sagte die Stimme. Aber ich bin in nix anderem besser.

Das war auf jeden Fall wahr, dachte Harry; er war in der Schule nicht besser als Ron. Aber was ist mit außerhalb der Schule? Was ist mit den Abenteuern die Ron, Hermine und er zusammen erlebt hatten, seid ihrem Start an Hogwarts, oft viel gefährlicher als die Ausscheidung?

Also, Ron und Hermine waren die meiste Zeit bei dir, sagte die Stimme in Harrys Kopf.

Nicht die ganze Zeit, trotzdem, erörterte Harry sich selbst. Sieh hatten nicht mit mir gegen Quirrell gekämpft. Sie haben Tom Riddle und den Basilisk nicht mit auf sich genommen. Sie befreiten sich nicht von all den Dementoren, in der Nacht als Sirius zurückkam. Sie waren nicht mit mit mir auf dem Friedhof, in der Nacht als Voldemort wieder kehrte…Und das gleiche Gefühl von Krank sein daß ihn in der Nacht überwältigt hat in der er wieder aufgestiegen war. Ich hab auf jeden Fall mehr getan, dachte Harry entrüstet. Ich hab mehr getan als alle Beide!

Aber vielleicht, sagte die leise Stimme richtig, vielleicht wählt Dumbledore nicht Vertrauensschüler, weil sie sich selbst in viele gefährliche Situationen gebracht haben… vielleicht wählt er sie aus anderen Gründen… Ron muß etwas haben, das du nicht hast…

Harry öffnete seine Augen und starrte durch seine Finger auf den zerkratzten Fuß der Garderobe, sich daran errindernd, was Fred gesagt hatte:»Niemand würde Ron mit guten Absichten zum Vertrauensschüler machen…«

Harry gab ein kleines Gelächter von sich. Eine Sekunde später fühlte er sich von sich selbst angewiedert.

Ron hatte Dumbledore nicht darum gebeten, ihm das Vertrauensschülerabzeichen zu verabreichen. Das war nicht Rons Fehler. Wollte er, Harry, Rons bester Freund auf der Welt, zu schmollen anfangen, weil er kein Abzeichen hatte, mit den Zwillingen hinter Rons Rücken lachen, das für Ron zerstören, weil er Harry zum ersten mal in etwas geschlagen hatte?

An diesem Punkte hörte Harry wieder Rons Schritte auf der Treppe. Seine Brille ausgerichtet stand er auf, und setzte ein Grinsen auf sein Gesicht als Ron von der Tür zurückprallte.

»Grad noch erwischt!,«sagte er glücklich.»Sie sagt, daß sie den Sauberwisch bekommen wird wenn sie kann.«

»Cool,«sagte Harry und er war erleichtert zu hören daß seine Stimme aufgehört hatte herzlich zu klingen.»Hör zu -

Ron – gut gemacht, Alter.«

Das lächeln auf Rons Gesicht verblasste.

»Ich dachte nie, daß ich es sein würde!,«sagte er den Kopf schüttelnd.»Ich dachte du wärst es!«

»Nein, ich hab zu viel Ärger verursacht,«sagte Harry Fred wiederholend.

»Ja,«sagte Ron,»ja, vermutlich… also, wir sollten besser unsere Koffer packen, oder?«

Es war merkwürdig, wie weit ihre Besitzungen sie zerstreut zu haben scheinen seit sie angekommen waren. Sie brauchten die meiste Zeit des Nachmittags, um ihre Bücher und Eigentümer von überall aus dem Haus zusammen zu suchen und sie wieder in ihren Schulkoffern zu verstauen. Harry bemerkte, daß Ron sein Vertrauensschülerabzeichen ständig woanders hin stellte, zuerst auf seinem Nachtisch platzierte, dann in seine Hosentasche steckte, und schließlich herausnahm und auf seinen gefalteten Umhang legte, als ob er sehen wollte, wie das rote auf dem schwarz wirkt. Nur wenn Fred und George es wegnahmen und anboten es mit einem dauerklebenden Zauberspruch an seiner Stirn anzubringen, packte er es zärtlich in seine kastanienbraunen Socken und schloss es in seinen Koffer.

Mrs Weasley kehrte ungefähr sechs Uhr aus der Winkelgasse zurück, beladen mit Büchern und ein langes in dickes braunes Papier gewickeltes Packet tragend, daß Ron ihr mit einem sehnsüchtigen Stöhnen abnahm.

»Denk nicht dran es jetzt auszupacken, es kommen Leute zum essen, ich möchte daß ihr dann alle unten seid,«sagte sie, aber in dem Moment als sie außer Sicht war, riss Ron wie ihm Wahnsinn das Papier ab und begutachtete jeden Zentimeter seines neuen Besens mit einem verzückten Ausdruck im Gesicht.

Unten im Keller hatte Mrs Weasley ein scharlachrotes Banner über dem schwer beladenem Esstisch aufgehängt, auf dem zu lesen war:

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH

RON UND HERMINE

NEUE VERTRAUENSSCHÜLER

Sie hatte eine bessere Laune als Harry sie in den ganzen Ferien gesehen hatte.

»Ich dachte wir hätten eine kleine Party und nicht ein Verschnaufessen,«erzählte sie Harry, Ron, Hermine, Fred,

George und Ginny, als sie den Raum betraten.»Dein Vater und Bill sind auf dem Weg, Ron. Ich hab ihnen beiden Eulen gesendet und sie sind begeistert,«fügte sie strahlend hinzu.

Fred rollte mit seinen Augen.

Sirius, Lupin, Tonks und Kingsley Shacklebolt waren schon da und Mad-Eye Moody kam bald herein, nachdem Harry sich ein Butterbier genommen hatte…»Oh, Alastor, ich bin froh daß du hier bist,«sagte Mrs Weasley fröhlich, als Mad-Eye seinen Reiseumhang ablegte.

»Wir wollten dich schon vor Ewigkeiten fragen – kannst du dir mal das schreibende Pult im Zeichenraum angucken und uns sagen was da drin ist? Wir wollten es nicht öffnen falls etwas wirklich hässliches sein könnte.«

»Kein Problem, Molly…«

Moodys magisches Auge drehte sich nach oben und starrte unbeweglich durch die Decke der Küche.

»Zeichenraum…,«knurrte er, als seine Pupille sich verengte.»Schreibtisch in der Ecke? Ja, ich sehe es… ja, es ist ein Irrwicht… willst du daß ich hoch gehe und ihn davon befreie, Molly?«

»Nein, nein, ich werde es später selbst machen,«strahlte Mrs Weasley,»du hast deinen Getränk. Wir haben eine kleine Fete, im Moment…«

Sie zeigte mit einer Geste auf das scharlachrote Banner.»Vierter Vertrauensschüler in der Familie!,«sagte sie liebevoll Rons Haare sträubend.

»Vertrauensschüler, ja?,«knurrte Moody, sein normales Auge auf Ron und sein magisches Auge herumschwenkend, in die Seite seines Kopfes guckend. Harry hatte das sehr unangenehme Gefühle, daß es ihn anguckte, und ging weg in Richtung Sirius und Lupin.

»Also, Herzlichen Glückwunsch,«sagte Moody, sein normales Auge immer noch auf Ron gerichtet,»Autoritäre Menschen ziehen oft Ärger an, aber ich nehme an Dumbledore denkt, daß du die meisten großen Flüche aushalten kannst, oder er hätte dich nicht bestimmt…«

Ron guckte ziemlich erschrocken aus diesem Punkte gesehen aber ihm wurde der Ärger des Antwortens von der Ankunft seines Vaters und seines ältesten Bruders erspart. Mrs Weasley war in einer guten Laune sie beschwerte sich auch nicht darüber, daß sie Mundungus mitgebracht hatten; er trug einen langen Überzieher was auf seltsame Weise an unwahrscheinlichen Plätzen lumpig schien, lehnte das Angebot ab, ihn zu entfernen, und tat es zu Moodys Reiseumhang.

»Also, ich denke ein Toast ist in Bestellung,«sagte Mr Weasley, als jeder etwas zu trinken hatte. Er errichtete den Kelch.»Für Ron und Hermine, die neuen Gryffindor Vertrauensschüler!«

Ron und Hermine strahlten als jeder mit ihnen trank und dann applaudierte.

Harry nahm die Fotografie. Eine Ansammlung von Menschen sah zu ihm hoch, einige winkten ihm, andere rückten ihre Brillen zurecht.

»Da bin ich«sagte Moody, überflüssigerweise auf sich deutend. Der Moody auf dem Foto war nicht zu verkennen, obwohl sein Haar etwas weniger grau war und seine Nase intakt.»Und da ist Dumbledore neben mir, Dädalus Diggel auf der anderen Seite…das ist Marlene McKinnon, sie wurde, zwei Wochen nachdem die Aufnahme gemacht wurde, getötet, ihre ganze Familie wurde ausgelöscht. Das sind Frank und Alice Longbottom-«

Harrys Magen, bereits vorher unruhig, zog sich zusammen, als er Alice Longbottom ansah; ihr rundes, freundliches Gesicht war ihm sehr vertraut, obwohl er ihr nie begegnet war,denn sie war das Ebenbild ihres Sohnes, Neville.

»- arme Teufel,«knurrte Moody.»Besser tot zu sein, als so, wie es ihnen erging… und das ist Emmeline Vance, du hast sie kennengelernt, und das dort ist Lupin, offensichtlich… Jenjy Fenwick, er hatte ein böses Schicksal, wir haben nur Teile von ihm gefunden…geht mal beiseite,«fügte er hinzu, das Foto berührend, und die kleinen Menschen auf der Fotografie bewegten sich seitwärts, so daß jene, die zum Teil rückwärts verborgen waren, ins Bild kamen.

»Das ist Edgar Bones… Bruder von Amelia Bones, auch ihn und seine Familie haben sie erwischt, er war ein toller Zauberer… Sturgis Podmore, verdammt, der sieht noch jung aus… Caradoc Dearborn, verschwand sechs Monate später, wir haben seinen Körper nie gefunden… Hagrid, natürlich, sieht genauso aus wie immer… Elphias Doge, du hast ihn gesehen, ich hatte vergessen, daß er diesen merkwürdigen Hut trug… Gideon Prewett, es brauchte fünf Todesser, um ihn und seinen Bruder Fabian zu töten, sie haben gekämpft wie Helden… geht weiter, geht weiter…«

Die kleinen Menschen auf dem Foto drängelten sich gegenseitig weiter und jene, die noch rechts hinten verborgen waren, erschienen an der Vorderansicht des Bildes.

»Das ist Dumbledores Bruder Aberforth, das einzige Mal, daß ich ihn getroffen habe, merkwürdiger Kerl… das ist Dorcas Meadowes, Voldemort tötete sie eigenhändig… Sirius, als er noch kurzes Haar hatte…und… da sind sie, dachte, das würde dich interessieren!«

Harrys Herz machte einen Sprung. Seine Mutter und sein Vater strahlten freudig zu ihm hoch, zu beiden Seiten eines kleinen Mannes mit wässrigen Augen sitzend, den Harry sofort als jenen Wurmschwanz erkannte, der Voldemort den Aufenthaltsort seiner Eltern verraten hatte und auf diese Weise geholfen hatte, sie zu töten.

»Na?,«sagte Moody…Harry blickte hoch in das stark vernarbte und gekerbte Gesicht von Moody. Zweifellos hatte Moody den Eindruck, daß er Harry gerade eben einen kleinen Genuss verschafft hätte.

»Ja, also,«sagte Harry, noch einmal ein Grinsen vorgebend.»Ja…hör mal, ich hab mich gerade erinnert: ich hab mein Dingsbums noch nicht eingepackt.«

Er sah sich mit dem Problem konfrontiert, einen Gegenstand zu erfinden, den er noch nicht gepackt hätte. Sirius hatte gerade eben gemeint:»Was hast du da, Mad-Eye?,«und Moody hatte sich zu ihm umgedreht. Harry durchquerte die Küche, schlüpfte durch die Tür und lief die Treppe hoch, ehe irgendjemand ihn zurückrufen konnte.

Er wußte nicht, warum es solch ein Schock gewesen war; er hatte Fotos von seinen Eltern schon früher gesehen, und er hatte Wurmschwanz getroffen…aber als sie ihm so plötzlich ins Gesicht sahen, als er es am wenigsten erwartet hätte…niemand würde sich darüber freuen, dachte er wütend…

Und dann, sie umgeben zu sehen von all diesen glücklichen Gesichtern… Genjy Fenwick, den man nur mehr in Teilen gefunden hatte, und Gideon Prewett, der als Held gestorben war, und die Longbottoms, die in den Wahnsinn gefoltert worden waren… alle winkten sie glücklich aus dem Foto heraus, nicht wissend, daß sie dem Untergang geweiht waren… also, Moody fand das vielleicht interessant… er, Harry, fand das höchst verstörend…

Harry lief auf Zehenspitzen die Stiegen aus der Halle hinauf, vorbei an den ausgestopften Elfenköpfen, erleichtert, wieder ganz für sich zu sein, doch als er beinahe den ersten Stock erreichte, hörte er Geräusche. Jemand schluchzte im Salon.

»Hallo?,«sagte Harry.

Es gab keine Antwort, aber das Schluchzen dauerte fort. Er stieg die verbleibenden Stufen hinauf, zwei auf einmal nehmend, durchquerte das Stockwerk und öffnete die Tür zum Salon.

Jemand kauerte gegen die dunkle Wand gekehrt, den Zauberstab in ihrer Hand, der ganze Körper vom Schluchzen geschüttelt. Ausgestreckt auf dem schmutzigen alten Teppich in einem Streifen Mondlicht, offensichtlich tot, lag Ron.

Die Luft schien aus Harrys Lungen zu weichen; er fühlte sich, als würde er durch den Boden sinken; sein Hirn wurde eiskalt – Ron tot, nein, das konnte nicht sein -

Einen Moment, das konnte nicht sein – Ron war unten -

»Mrs. Weasley?,«krächzte Ron.

»R-r-riddikulus!,«schluchzte Mrs. Weasley, mit ihrem bebenden Zauberstab auf Rons Körper deutend.

Krack.

Rons Körper verwandelte sich in den von Bill, Arme und Beine von sich gestreckt auf dem Rücken, seine Augen weit offen und leer. Mrs. Weasley schluchzte lauter als zuvor.

»R-riddikulus!,«schluchzte sie erneut.

Krack

Mr. Weasleys Körper ersetzte den von Bill, seine Brille beiseite, Blutspritzer, die über sein Gesicht liefen.

»Nein!,«stöhnte Mrs. Weasley.»Nein…riddikulus! Riddikulus! RIDDIKULUS!«

Krack. Tote Zwillinge. Krack. Toter Percy. Krack. Toter Harry…

»Mrs. Weasley, verlassen sie einfach den Raum!,«schrie Harry, auf seinen toten Körper am Boden starrend.»Lassen Sie jemand anders -«

»Was ist los?«

Lupin kam in den Raum geschossen, dicht gefolgt von Sirius, ein stampfender Moody hinter ihnen. Lupin blickte von Mrs. Weasley zum toten Harry auf dem Boden und schien im Bruchteil einer Sekunde zu verstehen. Seinen eigenen Zauberstab ziehend, sagte er, sehr klar und deutlich:

»Riddikulus!«

Harrys Körper verschwand. Eine silbernde Scheibe hing in der Luft über jenem Punkt, wo er gewesen war. Lupin bewegte seinen Zauberstab noch einmal und die Scheibe verschwand in einem Wölkchen aus Rauch.

»Oh – oh – oh!,«gurgelte Mrs. Weasley, in Tränen ausbrechend, ihr Gesicht in den Händen.

»Molly,«sagte Lupin rauh, auf sie zu gehend.»Molly, nicht…«Im nächsten Moment schluchzte sie an seiner Schulter.

»Molly, es war nur ein Irrwicht,«sagte er besänftigend, ihren Kopf tätschelnd.»Nur ein dummer Irrwicht…«.»Ich sehe sie die ganze Zeit über t-t-tot!,«stöhnte sie an seiner Schulter.»Die ganze Z-Z-Zeit! Ich t-t-träume davon…«

Sirius starrte auf den Bereich des Teppichs, wo der Irrwicht gelegen hatte, vorgebend Harry zu sein. Moody sah Harry an, der seinen Blick vermied. Er hatte das merkwürdige Gefühl, Moodys magisches Auge sei ihm den ganzen Weg aus der Küche gefolgt.

»E-e-erzählt es nicht Arthur,«schluckte Mrs. Weasley jetzt, während sie ihre Augen hektisch mit ihren Handgelenken abwischte.»Ich möchte n-n-nicht, daß er weiß…dumm verhalte…«

Lupin gab ihr ein Taschentuch und sie schnäuzte sich.

»Harry, es tut mir so leid. Was mußt du von mir denken?,«sagte sie zitternd.»Nicht mal fähig, einen Irrwicht zu vertreiben…«

»Seien Sie nicht dumm,«sagte Harry in einem Versuch zu lächeln.

»Ich hab bloß s-s-solche Angst,«sagte sie, wieder rannen Tränen aus ihren Augen.»die halbe Familie im Orden, es w-w-

wäre ein Wunder, wenn alle davon kämen… und P-P-Percy spricht nicht mehr mit uns… was, wenn etwas S-S-Schreckliches passiert und wir nie wieder mit ihm z-z-zusammen kommen? Und was passiert, wenn Arthur und ich getötet werden, wer w-w-wird sich um Ron und Ginny kümmern?«

»Molly, jetzt ist es aber genug,«sagte Lupin fest.»Es ist nicht wie letztes Mal. Der Orden ist besser vorbereitet, wir hatten einen guten Start, wir wissen, was Voldemort will -«

Mrs Weasley ließ beim Klang des Namens einen kleinen Angstschrei hören.

»Oh, Molly, komm schon, es wird Zeit, daß du dich daran gewöhnst, seinen Namen zu hören – schau, ich kann dir nicht versprechen, daß niemand verletzt wird, niemand kann das, aber wir sind viel besser dran als das letzte Mal. Du warst damals nicht im Orden, du verstehst das nicht. Letztes Mal kamen zwanzig Todesser auf einen von uns und sie nahmen sich uns einzeln vor…«

Harry dachte erneut an die Fotografie, an die strahlenden Gesichter seiner Eltern. Er wußte, daß Moody ihn noch immer beobachtete.

»Mach dir keine Gedanken um Percy,«sagte Sirius abrupt.»Er wird auf unsere Seite kommen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor Voldemort auf der Bildfläche erscheint; und wenn er das tut, wird das ganze Ministerium uns anbetteln, ihnen zu vergeben. Und ich bin nicht sicher, ob ich ihre Entschuldigung annehmen werde,«fügte er bitter hinzu.

»Und wenn es darum geht, wer sich um Ron und Ginny kümmern wird, falls du und Arthur sterben solltet,«sagte Lupin, heiter lächelnd,»was glaubst du, was wir tun würden, sie verhungen lassen?«

Mrs. Weasley lächelte zitternd.

»Bin so dumm,«murmelte sie nochmals, über ihre Augen wischend.

Aber Harry, seine Schlafzimmertür etwa zehn Minuten später hinter sich schließend, konnte sich nicht vorstellen, daß es dumm von Mrs. Weasley gewesen war. Er sah noch immer seine ihn von der ramponierten alten Fotografie anstrahlenden Eltern, nicht wissend, daß ihr Leben, wie so viele andere der sie umgebenden Menschen, dem Tode bereits nahe war. Das Bildnis des Irrwichts, die Körper jedes einzelnen Weasleys darstellend, flimmerte noch immer vor seinen Augen.

Ohne Warnung brannte die Narbe auf seiner Stirn schmerzhaft und sein Magen verkrampfte sich ganz schrecklich.

»Weg damit,«sagte er fest, über die Narbe reibend, als der Schmerz nachließ.»Erste Anzeichen von Verrücktheit, wenn du mit deinem eigenen Kopf sprichst,«sagte eine schlaue Stimme aus dem leeren Bildnis an der Wand.

Harry ignorierte sie. Er fühlte sich älter als je zuvor, und es erschien ihm höchst erstaunlich, daß er kaum eine Stunde zuvor, über einen Scherz-Laden nachgedacht hatte, und darüber, wer das Abzeichen eines Vertrauensschülers erhalten hatte.

Die kleinen Leute in dem Foto schubsten sich untereinander und jene, die im Hintergrund versteckt waren, erschienen im Vordergrund des Bildes.

»Das ist Dubledore«s Bruder Aberforth, nur einmal hab ich ihn getroffen, komischer Kauz… das ist Dorcas Meadowes, Voldemort tötete sie persönlich… Sirius, als er noch kurze Haare hatte… und… hier, dachte das würde dich interessieren!.«

Harrys Herz überschlug sich. Seine Mutter und Vater strahlten zu ihm empor, die auf beiden Seiten eines kleinen Mannes mit wässrigen Augen saßen, den Harry sofort als Wurmschwanz wiedererkannte. Als denjenigen, der den Aufenthaltsort seiner Eltern an Voldemort verriet und so half sie zu Tode zu bringen.

»Äh?,«sagte Moody…Harry schaute in Moodys schwer zerfurchtes und mit Narben überzogenes Gesicht auf. Offensichtlich hatte Moody den Eindruck, Harry gerade eine besondere Freude zu machen.

»Ja,«sagte Harry, der wieder einmal versuchte zu grinsen.»Ähm… hört mal, mir fällt gerade ein, daß ich bisher noch nicht gepackt habe, mein…«

Es bereitete ihm Mühe, sich etwas einfallen zu lassen, das er noch nicht gepackt hatte. Sirius sagte gerade:»Was ist das was du da hast, Mad-Eye?,«und Moody drehte sich nach ihm um. Harry ging quer durch die Küche, schlich durch die Tür und die Treppen hoch, bevor ihn jemand zurückrufen konnte.

Er wußte nicht warum es solch ein Schock für ihn gewesen war; nach all dem hatte er schon zuvor Bilder von seinen Eltern gesehen, und er hatte Wurmschwanz getroffen… aber zu sehen, wie sie sich auf so auf ihn stürzen wie in diesem Fall, wo er es am wenigsten erwartet hatte… keinem hätte das gefallen, dachte er verärgert…

Und außerdem sie von all den anderen fröhlichen Gesichtern umringt zu sehen… Benjy Fenwick, der in Stückchen gefunden wurde, und Gideon Prewett, der als ein Held starb, und die Longbottoms, die in den Wahnsinn gefoltert wurden… für alle Zeiten fröhlich aus dem Foto zu winken, ohne zu wissen, daß sie verdammt seien… gut, Moody mochte dies interessant finden… er, Harry, fand es beängstigend…

Harry ging auf Zehenspitzen an den ausgestopften Elf-Köpfen vorbei die Halle hinauf, froh wieder alleine zu sein, als er sich dem ersten Treppenabsatz näherte und Geräusche hörte. Jemand schluchzte im Wohnzimmer.

»Hallo?,«sagte Harry.

Es kam keine Antwort, stattdessen hielt das Schluchzen an. Er stieg die restlichen Stufen – immer zwei auf einmal -

hinauf, überquerte den Treppenabsatz und öffnete die Wohnzimmertür.

Jemand kauerte an der dunklen Wand, sieh hielt einen Zauberstab in der Hand und ihr ganzer Körper wurde von Schluchzern r durchschüttelt. In einem Flecken Mondlicht auf dem staubigen alten Teppich lag Ron, alle Viere von sich gestreckt und zweifellos tot.

Die ganze Luft aus Harrys Lunge schien zu verschwinden; er fühlte sich, als ob er durch den Boden fallen würde; sein Gehirn war wie eingefroren – Ron tot, nein, das konnte nicht sein -

Doch einen Moment, es konnte nicht sein – Ron war unten -

»Mrs Weasley?, «krächzte Harry

»R – r – riddikulus!,«schluchzte Mrs Weasley, die ihren zitternden Zauberstab auf Rons Körper richtete.

Knall Rons Körper verwandelte sich in den von Bills, Arme und Beine von sich gestreckt, auf dem Rücken liegend und mit weit aufgerissen, leeren Augen. Mrs Weasley schluchzte stärker als zuvor.

»R – riddikulus!,«schluchzte sie wieder.

Knall Mr Weasleys Körper erschien an Bills Stelle, die Brille schief im Gesicht und ein Rinnsal Blut lief ihm das Gesicht runter.

»Nein!,«jammerte Mrs Weasley.»Nein… riddikulus! Riddikulus! RIDDIKULUS!«

Knall. Tote Zwillinge. Knall. Toter Percy. Knall. Toter Harry…

»Mrs Weasley, kommen Sie da einfach heraus!”, brüllte Harry, der auf seinen eigenen am Boden liegenden, toten Körper starrte.»Lassen Sie das jemand anderes -«

»Was geht hier vor?«

Lupin war in den Raum gerannt gekommen, dicht gefolgt von Sirius und Moody, der ihnen hinterher stampfte. Lupin schaute von Mrs Weasley zu dem toten Harry auf dem Boden und schien sofort zu verstehen. Er zog seinen Zauberstab heraus und sagte fest und deutlich:

»Riddikulus

Harrys Körper verschwand. Über der Stelle wo er lag, hing eine silbrige Kugel in der Luft. Lupin schwang seinen Zauberstab erneut und die Kugel verschwand in einer Rauchwolke.

»Oh – oh – oh,«schnappte Mrs Weasley nach Luft, und sie brach in Tränen aus, ihr Gesicht in ihren Händen.

»Molly,«sagte Lupin düster, als er zu ihr hinüberging.»Molly, nicht…«

In der nächsten Sekunde schluchzte sie an Lupins Schulter ihr Herz aus…»Molly, es war nur ein Wicht, «sagte er besänftigend, während er ihr den Kopf tätschelte.»Nur ein dummer Wicht…«

»Ich sehe sie t – t – tot, die ganze Zeit!,«seufzte Mrs Weasley in seine Schulter.»Die ganze Z – z – Zeit! Ich t – t -

träume davon…«

Sirius starrte auf den Flecken Teppich wo der Wicht lag, als er vorgab Harry zu sein. Moody schaute auf Harry, der seinem Blick auswich. Er hatte das seltsame Gefühl, daß Moodys magisches Auge ihm den ganzen Weg aus der Küche heraus gefolgt war.

»S-s-sagt Arthur nichts davon,«schluckte Mrs Weasley nun, und wischte sich hektisch ihre Augen mit ihrem Ärmelaufschlägen ab.»Ich mö-mö-möchte nicht, daß er«s erfährt… wie dumm…«

Lupin reichte ihr ein Taschentuch und sie putzte sich ihre Nase.

»Harry, es tut mir leid. Was mußt du wohl von mir halten?,«sagte sie zittrig.»Wird«nicht einmal mit einen Wichtel fertig…«

»Seien Sie nicht albern,«sagte Harry und versuchte zu lächeln.

»Ich bin einfach so b – b – besorgt,«sagte sie, während ihr wieder Tränen aus den Augen strömten.»Die Halbe F – F -

Familie ist im Orden, ein W – W – Wunder, wenn wir da alle heil rauskommen… und P – P – Percy spricht nicht mit uns… was wenn ihm etwas f – f – furchtbares zustößt und wir uns nie mit ihm v – v – versöhnen? Und was soll passieren wenn Arthur und ich getötet werden, wer w – w – wird auf Ron und Ginny aufpassen?«

»Molly, das reicht,«sagte Lupin hart.»Dies hier ist nicht wie beim letzten Mal. Der Orden ist besser vorbereitet, wir haben einen Vorsprung, wir wissen worauf Voldemort aus ist -«

Bei dem Klang des Namens gab Mrs Weasley ein Quieken der Angst von sich.

»Oh, Molly, komm schon, so langsam müsstest du dran gewöhnt sein, den Namen zu hören – schau, ich kann nicht versprechen, daß niemand verletzt wird, niemand kann dies versprechen, aber wir sind besser dran als wir es letztes Mal waren. Beim letztem Mal waren wir den Todesser zahlenmäßig unterlegen und sie haben uns einen nach dem anderen niedergemetzelt…«

Harry dachte wieder an das Foto, an seine strahlenden Eltern. Er wußte, daß Moody ihn immer noch anschaute.

»Mach dir keine Sorgen um Percy,«sagte Sirius kurz angebunden.»Er wird schon rumkommen. Es ist nur eine Frage der Zeit bis Voldemort sich ins Freie wagt; wenn er das tut, wird uns das gesamte Ministerium anflehen ihnen zu verzeihen. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich ihre Entschuldigung akzeptieren werde,«fügte er verbittert hinzu.

»Und überhaupt, wer auf Ron und Ginny aufpasst, sollten du und Arthur sterben,«sagte Lupin mit einem leichten Lächeln,»Was glaubst du würden wir tun, sie verhungern lassen?«

Mrs Weasley lächelte zitternd.

»Dumm von mir,«murmelte sie erneut, während sie sich über die Augen wischte.

Aber Harry, der seine Schlafzimmertür einige zehn Minuten hinter sich schloss, hielt Mrs Weasley nicht für dumm. Er konnte immer noch seine Eltern sehen, die ihn von dem Foto aus anstrahlen, ohne zu wissen, daß ihr Leben, wie das vieler um sie herum, sich ihrem Ende neigte. Das Bild des Wichtels, der sich nacheinander als Leichnam jedes Familienmitgliedes von Mrs Weasley verwandelte, blitzte weiter vor seinen Augen auf.

Ohne Vorwarnung brannte wieder seine Narbe auf seiner Stirn vor Schmerz und sein Magen drehte sich fürchterlich.

»Stell es ab,«sagte er bestimmt und rieb sich die Narbe, während der Schmerz nachließ.

»Erste Anzeichen von Wahnsinn, wenn du mit deinem eigenen Kopf redest,«sagte eine schlaue Stimme aus einem leeren Bilderrahmen an der Wand.

Harry ignorierte sie. Er fühlte sich älter als er sich je in seinem Leben gefühlt hatte und dies schien außergewöhnlich für ihn, wo er sich vor etwa einer Stunde noch über einen Scherzartikel-Laden und wer eine Vertrauensschülerabzeichen bekam gesorgt hatte…

Kapitel 10 – Luna Lovegood

Harry hatte des Nachts einen unruhigen Schlaf. Seine Eltern schlängelten sich hinein und heraus aus seinen Träumen, niemals sprechend; Mrs. Weasley schluchzte über Kreachers totem Körper, beobachtet von Ron und Hermine die Kronen trugen, und wieder fand Harry sich einen Korridor hinunter gehen, der vor einer verschlossenen Türe endete. Er erwachte abrupt mit kribbelnder Narbe, und fand Ron vor, der sich bereits anzog und zu ihm sprach.

»…beeil dich lieber, Mom dreht bald durch, sie sagt, wir werden noch die Straßenbahn verpassen.«

Es gab ein großes Durcheinander im Haus. Von dem was er hörte, als er sich mit Höchstgeschwindigkeit anzog, schloß Harry, daß Fred und George ihre Kisten verzaubert hatten, die Treppe herunterzufliegen, um sich die Mühe zu ersparen, sie tragen zu müssen, mit dem Ergebnis, das sie auf Ginny zugerast waren und sie überfuhren, so daß sie zwei Treppen tief in die Halle flog; Frau Black und Mrs. Weasley schrien in den höchsten Tönen.

»- HÄTTE SICH SCHWER VERLETZEN KÖNNEN; IHR IDIOTEN -«

»- SCHMUTZIGE HALBBRUT, BESCHMUTZEN DAS HAUS MEINER VÄTER -«

Hermine kam, nervös dreinblickend, in den Raum geeilt, als Harry gerade damit beschäftigt war, seine Turnschuhe anzuziehen. Hedwig schwankte auf ihrer Schulter, und sie trug einen sich windenden Krumbein in ihren Armen.

»Mom und Dad haben gerade Hedwig zurückgeschickt.«Die Eule flatterte gefällig zu ihrem Käfig hinüber und setzte sich obenauf.»Seid ihr bereits fertig?«

»Beinah. Ist Ginny schon fertig?«fragte Harry, seine Brille zurechtrückend.

»Mrs. Weasley hat sie zusammengeflickt,«sagte Hermine.»Aber jetzt beklagt Mad-eye sich, daß wir nicht los können, bis Sturgis Podmores hier ist, sonst hätten wir einen zu wenig in der Wache.

»Wache?«sagte Harry.»Wir müssen nach Kings Cross mit einer Wache?«

»Du mußt nach Kings Cross mit einer Wache,«korrigierte Hermine ihn.

»Warum? sagte Harry gereizt.»Ich dacht, Voldemort wäre mit anderen Dingen beschäftigt, oder wollt ihr mir erzählen, er würde hinter einer Mülltonne hervorspringen und versuchen mich hineinzustopfen?«

»Ich weiß es nicht, es ist nur was Mad-eye gerade gesagt hat,«sagte Hermine beunruhigt, ihre Armbanduhr betrachtend,»aber wenn wir nicht bald hier weg sind, werden wir definitiv den Zug verpassen…«

»WÜRDET IHR HAUFEN BITTE JETZT HIER HERUNTERKOMMEN!» brüllte Mrs. Weasley und Hermine sprang, auf als hätte sie sich verbrüht und eilte aus dem Raum. Harry ergriff Hedwig, stopfte sie kurzerhand in ihren Käfig, und eilte die Treppen hinunter hinter Hermine her, seinen Schrankkoffer hinter sich her ziehend.

Frau Blacks Bildnis heulte voller Wut, aber niemand kümmerte darum, die Vorhänge über ihr zu schließen; jedweder Lärm in der Halle hätte sie sowieso wieder wachgerüttelt.

»Harry, du kommst mit mir und Tonks,«rief Mrs. Weasley – über das wiederholte Gekreische von

»SCHLAMMBLÜTER! ABSCHAUM! KREATUREN DES SCHMUTZES!«hinweg -»Laß deine Kiste und deine Eule zurück, Alastro wird sich mit dem Gepäck befassen… oh, um Gottes Willen, Dumbledore sagte Nein!«

Ein bärengleicher, schwarzer Hund war an Harry«s Seite erschienen, als er über die verschiedenen Kisten kletterte, die in der Halle herumstanden, um zu Mrs. Weasley zu gelangen.

»Also wirklich…«sagte Mrs. Weasley verzweifelt.»Nun, es ist dein Kopf!«

Sie öffnete die Haustür mit einem Ruck und trat in das schwache September Sonnenlicht heraus. Harry und der Hund folgtenihr. Die Tür schlug hinter ihnen zu und Frau Blacks Schreie wurden sofort abgeschnitten.

»Wo ist Tonks?«sagte Harry, der sich umsah, als sie die steinernen Stufen von Nummer zwölf hinabstiegen, die in dem Moment verschwanden, als sie den Bürgersteig erreichten.

»Sie wartet hier bereits auf uns,«sagte Mrs. Weasley steif, ihre Augen von dem zotteligen, schwarzen Hund neben Harry abwendend.

Eine alte Frau grüßte sie an der Ecke. Sie hatte dichtes, graues, aufgewickeltes Haar und trug einen purpurnen, wie eine Schweinefleischpastete geformten, Hut.

»Gib acht, Harry,«sagte sie, zwinkernd.»Beeilen wir uns lieber, nicht wahr, Molly?«fügte sie hinzu, ihre Armbanduhr prüfend…»Ich weiß, ich weiß,«stöhnte Mrs. Weasley, ihren Schritt verlängernd,»aber Mad-eye, wollte auf Sturgis warten…

wenn doch nur Arthur uns wieder hätte Autos vom Ministerium besorgen können… Aber Fude würde ihm heutzutage nicht einmal ein leeres Tintenfaß borgen… wie können es Muggle nur fertigbringen, ohne Magie zu reisen?«

Aber der große schwarze Hund gab ein freudiges Gebell und hüpfte um sie herum, schnappte nach Tauben und jagte seinen eigenen Schwanz. Harry konnte sich nicht helfen und mußte lachen. Sirius war eine lange Zeit drinne gefangen gewesen. Mrs. Weasley zog ihre Lippen auf eine Tante-Petunia-Weise zusammen.

Sie brauchten zwanzig Minuten, um King«s Cross zu Fuß zu erreichen und nichts ereignisreiches passierte während dieser Zeit, als das Sirius ein paar Katzen zu Harrys Unterhaltung verscheuchte. Sobald sie im Bahnhof waren, verweilten sie ungezwungen jenseits der Barriere zwischen Gleis neun und zehn, bis die Luft rein war, dann lehnte sich einer nach dem anderen gegen sie und fiel sachte hindurch zu Gleis Neundreiviertel, wor der Hogwarts Express stand, schwärzlichen Dampf über das mit abreisenden Schülern und ihren Familien gefüllte Gleis ausstoßend. Harry atmete den vertrauten Geruch ein und fühlte wie sich sein Geist belebte… er würde wirklich zurückkehren…

»Ich hoffe, die anderen schaffen es rechtzeitig,«sagte Mrs. Weasley besorgt, den hinter ihr stehenden, gleisüberspannenden Bogen aus gedrehtem Eisen anstarrend, durch den die Neuankömmlinge eintrafen.

»Netter Hund, Harry!«meinte ein großer Junge mit Dreadlocks.

»Danke, Lee«sagte Harry grinsend, während Sirius wie rasend mit seinem Schwanz wedelte.

»Oh gut,«sagte daß Mrs. Weasley, erleichtert klingend,»hier kommt Alastor mir dem Gepäck, sieh…«

Die Mütze eines Portiers tief über seine ungleichen Augen gezogen, kam Moody durch den Bogengang hinkend, der einen Gepäckwagen mit ihren Koffern vor sich her schiebend.

»Alles Okay,«murrte er zu Mrs. Weasley und Tonks,»glauben nicht, daß wir verfolgt wurden…«

Sekunden später, tauchte Mr. Weasley mit Ron und Hermine auf dem Gleis auf. Sie hatten bereits fast Moodys Gepäckwagen mit den Koffern entladen, als Fred, George und Ginny zusammen mit Lupin auftauchten.

»Kein Ärger?«knurrte Moody.

»Nichts,«sagte Lupin.

»Muß Dumbledore noch von Sturgis berichten,«sagte Moody,»ist das das zweite Mal, das er in dieser Woche nicht aufgetaucht ist. Wird genauso unzuverlässig, wie Mundungus.«

»Nun, passt gut auf euch auf,«sagte Lupin, alle die Hände schüttelnd. Zuletzt reichte er sie Harry und gab ihm einen Klaps auf die Schulter.»Du auch, Harry. Sei vorsichtig.«

»Jau, halt den Kopf unten und die Augen offen,«sagte Moody, der nun auch Harrys Hand schüttelte.»Und vergesst nicht, ihr alle – seid vorsichtig mit dem, was ihr schreibt. Wenn ihr Zweifel habt, schreibt es nicht in einem Brief.«

»Es war großartig, euch alle zu treffen,«sagte Tonks, Hermine und Ginny umarmend.»Nun, wir sehen uns bald wieder, denke ich.

Ein warnender Pfeifton erklang; die Schüler, die sich noch auf dem Bahnsteig befanden, beeilten sich damit den Zug zu besteigen.

»Schnell, schnell,«sagte Mrs. Weasley beunruhigt, sie umarmend, wie sie ihr zufällig unterkamen, wobei sie Harry zweimal erwischte.»Schreibt… seid artig… wenn ihr etwas vergessen habt, senden wir es euch nach… in den Zug mit euch, jetzt, beeilt euch…«

Für einen kurzen Moment bäumte sich der große, schwarze Hund auf seine Hinterbeinen und lege seine Vorderpfoten auf Harrys Schultern, aber Mrs. Weasley schubste Harry fort in Richtung Zugtür, zischend»um Gottes Willen, verhalte dich mehr wie ein Hund, Sirius«zischend!

»Bis dann!«rief Harry aus dem offenen Fenster, als der Zug sich in Bewegung setzte, während Ron, Hermine und Ginny neben ihm winkten. Die Gestalten von Tonks, Lupin, Moody und Mr. und Mrs. Weasley schrumpften rasch, aber der schwarze Hund sprang neben dem Fenster her, mit seinem Schwanz wedelnd; verschwommen aussehende Leute auf dem Bahnsteig lachten, als sie ihn den Zug jagen sahen, dann umrundeten sie eine Biegung, und Sirius war verschwunden.

»Er hätte nicht mit uns kommen sollen,«sagte Hermine mit einer besorgten Stimme.

»Ach, nimm«s leicht,«sagte Ron,»er hat seit Monaten nicht das Tageslicht gesehen, armer Kerl.«

»Nun,«sagte Fred, die Hände zusammen klatschend,»können nicht den Ganzen Tag herumstehen und plaudern, wir müssen unsere Geschäfte mit Lee besprechen. Wir sehen uns später,«und er und George verschwanden den Korridor hinunter nach rechts…Der Zug nahm immer noch Geschwindigkeit auf, so daß die Häuser außerhalb des Fensters vorbeirauschten, und sie schwankten wo sie standen.

»Sollen wir losgehen und ein Abteil finden?«fragte Harry.

Ron und Hermine tauschten Blicke aus.

»Er,«sagte Ron.

»Wir sind – nun – von Ron und mir wird erwartet, das wir uns in den Wagen für die Vertrauensschüler begeben,«sagte Hermine unbeholfen.

Ron sah Harry nicht an, er schien sich brennend für die Fingernägel seiner linken Hand zu interessieren.

»Oh,«sagte Harry.»Richtig. Nett.«

»Ich denke nicht daß wir die ganze Reise dort bleiben müssen,«sagte Hermine schnell.»in unseren Briefen stand nur daß wir Anweidungen von den Schulsprechern holen sollen und ab und zu die Korridore überwachen sollen.«

»Gut,«sagte Harry wieder.»Na ja, ich – ich sehe euch dann später.«

»Ja, definitiv,«sagte Ron während er Harry kurz verstohlen und besorgt ansah.

»Es ist eine Belastung da jetzt hingehen zu müssen. Ich würde lieber – aber wir müssen – ich meine, mir macht das keinen Spaß, ich bin nicht Percy,» beendete er bestimmt.

»Das weiß daß du das nicht bist,«sagte Harry und grinste. Aber als Ron und Hermine ihre Koffer, Krumbein und den Käfig mit Pigwideon in Richtung Lok davontrugen fühlte er sich merkwürdig verloren. Er war noch nie ohne Ron mit dem Hogwarts-Express gefahren.

»Komm mit,«rief ihm Ginny zu,»wenn wir jetzt losgehen können wir ihnen Plätze reservieren.«

»Richtig,«sagte Harry und nahm Hedwigs Käfig in die eine und seinen Koffer in die andere Hand. Langsam gingen sie den Korridor hinunter, während sie immer wieder durch Glastüren in die vorbei ziehenden Abteile schauten, die aber zumeist schon voll waren. Harry konnte nicht umhin zu bemerken wie viele Leute ihn mit großem Interesse anstarrten und mehrere ihre Nachbarn anstießen und mit dem Finger auf ihn zeigten. Nachdem er dieses Verhalten in fünf aufeinander folgenden Wagen gesehen hatte, fiel ihm wieder ein, daß der»Tagesprophet«seinen Lesern den ganzen Sommer mitgeteilt hatte was für ein Lügner sei, der immer im Mittelpunkt stehen müsse. Er wunderte sich trübe ob die Leute die ihn anstarrten und flüsterten die Geschichten geglaubt hatten.

Im allerletzten Wagen trafen sie Neville Longbottom, Harrys Klassenkameraden im fünften Jahr bei Gryffindor, sein Gesicht glänzend vor Anstrengung, weil er versuchte seinen Koffer zu ziehen und gleichzeitig seine zappelnde Kröte Trevor mit einer Hand festzuhalten.

»Hi, Harry,«keuchte er.»Hi, Ginny… der ganze Zug ist voll… ich finde nirgends einen Sitzplatz…«

»Rede kein dummes Zeug!,«sagte Ginny, die sich an Neville vorbei gequetscht hatte um in das Abteil hinter ihm zu schauen.»Hier sind doch noch Plätze frei, nur Loony Lovegood ist hier -«

Neville murmelte irgendwas darüber, daß er niemanden stören wolle.

»Stell dich nicht so an,«sagte Ginny lachend,»sie ist in Ordnung.«

Sie schob die Tür auf und zerrte ihren Koffer hinein. Harry und Neville folgten.

»Hi Luna,«sagte Ginny,»geht es in Ordnung, wenn wir die Sitze hier nehmen?«

Das Mädchen neben dem Fenster blickte auf. Sie hatte widerspenstige dreckige blonde Haare, die ihr bis zur Hüfte reichten, sehr bleiche Augenbrauen und hervorstehende Augen, was ihr einen dauerhaften Ausdruck von Überraschung auf ihrem Gesicht bescherte. Harry wußte sofort, warum Neville nicht in dieses Abteil wollte. Das Mädchen gab eine Aura von tiefer Verwirrtheit ab. Vielleicht lag es an der Tatsache, daß sie ihren Zauberstab zur Sicherheit hinter ihr linkes Ohr geklemmt hatte, oder das sie beschlossen hatte eine Halskette aus Butterbier-Korken zu tragen, oder soeben eine Zeitschrift verkehrt herum las. Ihre Augen wanderten über Neville und kamen bei Harry zum stehen. Sie nickte.

»Danke,«sagte Ginny lächelnd zu ihr.

Harry und Neville verstauten die drei Koffer und Hedwigs Käfig im Gepäckhalter und setzen sich. Luna beobachtete sie über ihre umgedrehte Zeitschrift, die den Titel Der Wortklauber hatte. Sie schien nicht so oft zwinkern zu müssen wie normale Menschen. Sie starrte andauernd zu Harry, der den Sitz ihr gegenüber genommen hatte und sich jetzt wünschte es nicht getan zu haben.

»Hattest du einen schönen Sommer, Luna?,«fragte Ginny…»Ja,«sagte Luna verträumt, ohne ihre Augen von Harry abzuwenden.»Ja, es war ziemlich erfreulich, weißt du. Du bist Harry Potter,«fügte sie hinzu.

»Ist mir klar, daß ich der bin,«sagte Harry.

Neville grinste. Luna wandte ihre blassen Augen nun ihm zu.

»Aber ich weiß nicht wer du bist.«

»Ich bin niemand,«sagte Neville schnell.

»Nein bist du nicht,«sagte Ginny spitz.»Neville Longbottom – Luna Lovegood. Luna ist im selben Jahr wie ich, nur in Ravenclaw.«

»Grenzenlose Weisheit ist der größte Schatz des Menschen,«sagte Luna in einer eintönigen Stimme.

Sie hob ihre umgedrehte Zeitschrift hoch genug, um ihr Gesicht zu verstecken, und wurde still. Harry und Neville schauten sich gegenseitig mit gehobenen Augenbrauen an. Ginny unterdrückte ein Lachen.

Der Zug ratterte vorwärts und trug sie hinaus in die offene Landschaft. Es war ein seltsamer, unbeständiger Tag, im einen Moment war der Waggon geflutet mit Sonnenlicht und im nächsten fuhren sie unter ominösen dunklen Wolken hindurch.

»Ratet mal was ich zum Geburtstag bekommen habe?«sagte Neville.

»Noch ein Erinnermich?«sagte Harry, der sich an das murmelähnliche Gerät erinnerte, daß ihm seine Großmutter geschickt hatte um sein schwaches Gedächtnis etwas aufzubessern.

»Nein,«sagte Neville.»Eins war genug, obwohl ich das alte schon vor Ewigkeiten verloren habe… nein, schaut euch das hier an…«

Er kramte mit der Hand, mit der er nicht versuchte, Trevor festzuhalten, in seiner Schultasche. Nach einigem stöbern zog er etwas heraus, das sich als kleiner grauer Kaktus in einem Topf erwies, außer, daß er mit etwas überzogen war, was eher wie Beulen anstatt Stacheln aussah.

Mimbulus mimbletonia, erklärte er stolz.

Harry starrte es an. Es pulsierte leicht, was ihm den schauerlichen Anblick eines kranken inneren Organs verlieh.

»Sie ist sehr, sehr selten,«sagte Neville strahlend.»Ich weiß nicht einmal ob es eine im Gewächshaus von Hogwarts gibt. Ich kann es gar nicht erwarten sie Professor Sprout zu zeigen. Mein Großonkel Algie hat sie für mich aus Assyria besorgt. Mal sehen ob ich Ableger davon züchten kann.«

Harry wußte, daß Nevilles Lieblingsfach Kräuterkunde war, aber konnte er sich beim besten Willen nicht vorstellen, was Neville mit einer verkrüppelten Pflanze anfangen sollte.

»Macht es – ähm – irgendwas?«fragte er.

»Ungeheuer viel sogar!«sagte Neville stolz.»Es hat einen faszinierenden Abwehrmechanismus. Hier, halte Trevor für mich…«

Er ließ Trevor in Harrys Schoß fallen und zog eine Feder aus seiner Schultasche. Luna Lovegood«s hervorstehende Augen erschienen wieder über ihrer umgedrehten Zeitschrift um zu sehen was Neville vorhatte.

Neville hielt den Mimbulus mimbletonia nun auf Augenhöhe. Mit der Zunge zwischen den Zähnen zielte er und gab ihr einen heftigen Stich mit der Spitze seiner Feder.

Eine stinkende, zähe, dunkle Flüssigkeit spritzte in dicken dunklen Fontänen aus jeder einzelnen Beule der Pflanze. Sie trafen die Decke, die Fenster und bespritzten Luna Lovegoods Zeitschrift. Ginny, die ihre Arme rechtzeitig vor ihr Gesicht geworfen hatte, sah lediglich so aus, als würde sie einen schleimigen grünen Hut tragen, aber Harry, dessen Hände damit beschäftigt waren Trevors Flucht zu verhindern, erwischte es voll im Gesicht. Es roch wie ranziger Dünger.

Neville, dessen Gesicht und Körper ebenfalls vollgespritzt waren, schüttelte seinen Kopf um das schlimmste aus seinen Augen zu bekommen.

»Tsch- Tschuldigung,«keuchte er.»Ich hab das noch nie vorher probiert… dachte nicht es würde so… aber keine Panik, Stinksaft ist nicht giftig,«fügte er nervös hinzu, als Harry einen Mundvoll Schleim auf den Boden spuckte.

Genau in diesem Moment ging die Tür ihres Abteils auf.

»Oh… hallo Harry,» sagte eine nervöse Stimme.»Ähm… störe ich?«

Harry wischte sich die Brillengläser mit seiner freien Hand…Eine sehr hübsches Mädchen mit langen glänzenden schwarzen Haaren stand in der Türöffnung und lächelte ihn an:

Cho Chang, der Sucher im Ravenclaw Quidditch Team.

»Oh… hi,«sagte Harry ausdruckslos.

»Ähm…«sagte Cho.»Naja… ich dachte nur ich sag mal hallo… bis dann.«

Mit errötetem Gesicht schloss sie die Tür und verschwand. Harry ließ sich wieder in seinen Sitz fallen und stöhnte. Er hätte es lieber gehabt, wenn Cho ihn mit einer Gruppe von sehr coolen Leuten angetroffen hätte, die sich gerade über einen seiner Witze totlachten. Harry hätte es sich nicht ausgesucht, triefend voll Stinksaft hier neben Neville und Loony Lovegood zu sitzen, während er eine Kröte festhielt.

»Kein Problem,«sagte Ginny ermutigend.»Schau, wir können das Zeug ganz einfach loswerden.«Sie zog ihren Zauberstab heraus. »Scourgify!«

Der Stinksaft verschwand.

»Tschuldigung,«sagte Neville nochmals, in einer leisen Stimme.

Ron und Hermine tauchten fast eine ganze Stunde lang nicht auf, erst zu der Zeit als der Essens-Wagen schon wieder weg war. Harry, Ginny und Neville hatten gerade ihre Kürbispasteten aufgegessen und waren dabei ihre Schokoladenfrosch-Karten zu tauschen, als die Abteiltür aufging und Harry und Hermine hereinkamen, begleitet von Krumbein und dem schrill johlenden Pigwidgeon in seinem Käfig.

»Ich verhungere,«sagte Ron während er Pigwidgeon neben Hedwig stellte. Er schnappte sich einen Schokoladenfrosch von Harry, warf sich auf den Sitz neben ihm, riss die Verpackung auf, biss den Kopf des Frosches ab und lehnte sich mit geschlossenen Augen zurück, als ob er einen sehr anstrengenden Vormittag verbracht hatte.

»Nun ja, es gibt zwei Vertrauensschüleren aus der fünften Klasse von jedem Haus,«sagte Hermine, die total verstimmt dreinblickte, als sie sich in ihren Sitz setze.

»Ein Mädchen und ein Junge von jedem.«

»Und ratet mal wer Slytherins Vertrauensschüler ist?«sagte Ron, mit immer noch geschlossenen Augen.

»Malfoy,«antwortete Harry sofort, denn er war sich sicher, daß seine schreckliche Vermutung bestätigt werden würde.

»Genau,«sagte Ron bitter und schob sich den Rest des Frosches in seinen Mund, worauf er gleich einen neuen nahm.

»Und diese blöde Kuh Pansy Parkinson,«zischte Hermine.

»Wie konnte sie nur Vertrauensschüler werden? Die ist doch fetter als ein dummer Troll…«

»Wer sind Hufflepuffs Vertrauensschülere?«fragte Harry.

»Ernie Macmillan und Hannah Abbott,«antwortete Ron.

»Und Anthony Goldstein und Padma Patil für Ravenclaw,«sagte Hermine.

»Du gingst zum Weihnachtsball mit Padma Patil,«sagte eine undeutliche Stimme.

Alle drehten sich zu Luna Lovegood um, die Ron ohne zu zwinkern über ihren Wortklauber anstarrte. Ron schluckte seinen Frosch hinunter.

»Klar, ich weiß,«sagte er etwas überrascht.

»Es gefiel ihr nicht so besonders,«informierte ihn Luna.»Sie glaubt nicht, daß du sie besonders gut behandelt hast, weil du nicht mit ihr tanzen wolltest. Mir hätte es nichts ausgemacht.«fügte sie nachdenklich hinzu,»Ich tanze nicht so gerne.«

Sie zog sich wieder hinter ihren Wortklauber zurück. Ron starrte einige Sekunden mit offenem Mund auf das Cover, dann schaute er zu Ginny für eine Art Erklärung, aber Ginny stopfte sich ihre Fingerknöchel in den Mund um ein Lachen zu unterdrücken. Ron schüttelte verwirrt den Kopf, dann schaute er auf seine Uhr.

»Wir sollten die Korridore immer mal wieder kontrollieren,«sagte er zu Harry und Neville,»und wir können Strafen austeilen wenn sich die Leute falsch verhalten. Ich kann es gar nicht erwarten Crabbe und Goyle für irgendwas dranzukriegen…«

»Du sollst deine Position nicht ausnutzen, Ron!«sagte Hermine scharf.

»Nein, ich geh nur sicher, daß ich seine Kumpel drankriege, bevor er meine kriegt.«

»Du lässt dich also auf seinen Level herab?«

»Nein, ich gehe nur sicher, daß ich seine Kumpels drankriege, bevor er meine kriegt.«.»Um Himmels Willen, Ron -«

»Ich laß Goyle Sätze schreiben, das wird ihn umbringen, er hasst es zu schreiben,«sagte Ron glücklich. Er senkte seine Stimme zu Goyle«s tiefem Grunzen und verzerrte sein Gesicht zu einem Ausdruck von schmerzhafter Konzentration während er in der Luft schrieb.»Ich… darf… nicht… aussehen… wie… ein… Pavian… Arsch.«

Jeder lachte, aber keiner lachte lauter wie Luna Lovegood. Sie stieß einen Schrei von Freude aus, der Hedwig dazu brachte aufzuwachen und empört mit den Flügeln zu schlagen und Krumbein zischend in den Gepäckhalter springen lies. Luna lachte so laut, daß ihr ihr Magazin aus der Hand fiel und über ihre Beine auf den Boden glitt.

»Das war lustig!«

Ihre hervorstehenden Augen schwammen in Tränen und sie schnappte nach Luft, während sie Ron anstarrte. Total verblüfft schaute Ron in die Runde. Alle lachten nun über den Gesichtsausdruck von Ron und dem lächerlich überzogenen Gelächter von Luna Lovegood, die vor und zurück schaukelte und sich den Bauch hielt vor lachen.

»Verarschst du mich?«sagte Ron, während er sie düster ansah.

»Pavian… Arsch!«gluckste sie und hielt sich ihre Rippen.

Jeder andere sah Luna zu, wie sie lachte, doch Harry blickte des Magazin auf dem Fußboden an, bemerkte etwas, was ihn danach greifen ließ. Umgekehrt war es schwierig gewesen, zusagen, was das Bild auf der Titelseite war, aber jetzt hatte Harry es als eine ziemlich schlecht gezeichnette Karrikatur über Cornelius Fudge erkannt; Harry erkannte ihn nur wegen der lindgrünen Melone. Eine von Fudges händen hielt eine Tasche voller Gold fest; mit der anderen würgte er einen Kobold. Der Karrikatur war mit einer Legende versehen: Wie weit wird Fudge gehen, um an die Reichtümer von Gringotts zu gelangen?

Darunter waren die Titel von anderen Artikeln der Zeitschrift aufgelistet.

Korruption in der Quidditch Liga Wie die Tornados die Führung übernehmen Geheimnisse der alten Runen enthüllt Sirius Black: Schurke oder Opfer?

»Kann ich einen Blick rein werfen?«fragte Harry Luna gespannt.

Sie nickte, immer noch Ron anstarrend, atemlos vor Lachen.

Harry schlug die Zeitschrift auf und überflog das Inhaltsverzeichnis. Bis zu diesem Moment hatte er die Zeitschrift völlig vergessen, die Kingsley an Mr. Weasley gereicht hatte, damit dieser sie Sirius geben sollte, aber es muß diese Ausgabe des Der Wortklauber gewesen sein.

Er fand die Seite, und wandte sich aufgeregt dem Artikel zu.

Dieser wurde ebenso mit einer ziemlich schlechten Karrikatur veranschaulicht; Harry hätte in der Tat nicht gewußt, das es Sirius sein sollte, wäre sie nicht mit einer Legende versehen worden. Sirius stand auf einem Stapel menschlicher Gebeine, seinen Zauberstab gezückt. Die Schlagzeile zu diesem Artikel lautete:

SIRIUS – BLACK WIE ER ANGEMALT IST?

Notorischer Massenmörder oder unschuldige, singende Sensation?

Harry mußte den ersten Satz ein paar mal lesen, bevor er davon überzeugt wurde, das er ihn nicht mißverstanden hatte.

Seit wann war Sirius ein Gesangstalent?

Seit vierzehn Jahren glaubte man Sirius Black sei schuldig des Massenmordes an zwölf unschuldigen Müggeln und einem Zauberer. Black«s dreiste Flucht aus Askaben vor zwei jahren hat zur größten, jemals vom Zaubereiministerium geleiteten, Menschenjagd geführt. Niemand von uns hat jemals bezweifelt, daß er es verdienen würde, wieder eingefangen und den erneut den Dementoren übergeben zu werden.

ABER TUT ER ES?

Überraschende neue Beweise sind erst kürzlich aufgetaucht, die es unmöglich erscheinen lassen, das Sirius Black die Verbrechen verübt hat, für die er nach Askaban gesandt wurde. Tatsache ist, sagt Doris Purkiss, von Bärenklau Weg

18, Little Norton, Black sei nicht zugegen gewesen, während der Morde.

»Was die Leute nicht erkennen ist, das Sirius Black ein falscher name ist,«sagte Frau Purkiss.»Der Mann, von dem die Leute glauben, er sei Sirius Black, ist in Wahrheit Stubby Boardman, Leadsänger der populären Gesangsband The Hobgoblins, der sich aus der Öffentlichkeit zurückzogen hat, nachdem sich ein Schlag mit einer Rübe auf sein Ohr vor fünfzehn Jahren in der Kirche von Little Norton ereignete. Ich erinnerte mich seiner in dem Moment, als ich sein Bild.in der Zeitung sah. Nun, Stubby könnte möglicherweise die Verbrechen gar nicht verübt haben, da er am fraglichen Tag ein romantisches Abendessen im Schein der Kerzen mit mir zusammen verbrachte. Ich habe dem Zaubereiminister geschrieben und erwarte täglich, das er sich bei Stubby, alias Sirius, vollständig entschuldigt.«

Harry hatte zu Ende gelesen und starrte die Seite ungläubig an. Vielleicht war es ein Witz, dachte er, vielleicht druckte die Zeitschrift des öfteren ausgemachten Schwindel ab. Er blätterte ein paar Seiten zurück und fand das Stück mit Fudge.

Cornelius Fudge, der Zaubereiminister, leugnete, daß er irgendwelche Pläne hatte, die laufenden Geschäfte der Zaubererbank, Gringotts, zu übernehmen, als er vor fünf Jahren zum Zaubereiminister gewählt wurde. Fudge hat stets darauf bestanden, das er sich nichts mehr wünscht, als eine friedliche Zusammenarbeit mit den Wächtern unseres Goldes.

ABER TUT ER ES?

Dem Minister nahestehende Quellen haben kürzlich aufgedeckt, daß es Fudge«s größter Wunsch ist, die Kontrolle über die Koboldgoldversorgung zu übernehmen und das er nicht zögern wird, diesen Notfalls mit Gewalt zu erreichen.

»Es wäre auch nicht das erste Mal,«sagte ein Ministeriumsinsider.»Cornelius Kobolquetscher Fudge, so nennen ihn seine Freunde. Wenn sie ihn hören könnten, wenn er denkt niemand würde ihn hören, oh, redet er immerzu über die Kobolde, denen er etwas angetan hat; er hat sie ertränken lassen, er hat sie von Gebäuden fallen lassen, er hat sie vergiften lassen, er hat sie als Pasteten kochen lassen…«

Harry las nicht mehr weiter. Fudge mochte viele Fehler haben, aber Harry fand es sehr schwer sich vorzustellen, wie er es anordnete, Kobolde als Pasteten zubereiten zu lassen. Er überflog den Rest der Zeitschrift. Alle paar Seiten hielt er an und las: ein Vorwurf, daß die Tutshill-Tornados die Quidditsch-Liga mit einer Mischung aus Erpressung, illegaler Besenmanipulation und Folter gewannen; ein Interview mit einem Zauberer, der darauf bestand, auf einem Cleansweep Six zum Mond geflogen zu sein und eine Tasche von Mondfröschen mit zurückgebracht zu haben, um es zu beweisen; und ein Artikel über uralte Runen, der die Erklärung dafür war, warum Luna den Wortklauber umgekehrt gelesen hatte.

Entsprechend der Zeitschrift, enthüllten die Runen einen Zauberspruch, wenn man diese auf den Kopf stellte, die die Ohren deiner Feinde in Kumquats verwandelten. In der Tat, verglichen mit dem Rest der Artikel im Wortklauber, schien der Vorschlag, das Sirius der Leadsänger der The Hobgoblins sein könnte, wirklich vernünftig.

»Irgendwas gutes da drin?«fragte Ron als Harry die Zeitschrift zuklappte.

»Natürlich nicht,«sagte Hermine bissig, bevor Harry antworten konnte.»Der Wortklauber ist Mist, das weiß doch jeder.«

»Entschuldige,«sagte Luna; ihre Stimme hatte plötzlich jegliche traumhafte Qualität verloren.»Mein Vater ist der Herausgeber.«

»Ich – oh,«sagte Hermine, betreten aussehend.»Nun… er hat eine interessante… ich meine, er ist sehr…«

»Darf ich es zurückhaben, danke,«sagte Luna kalt, und vornüber gebeugt, riss sie es aus Harrys Händen. Sie blätterte vor bis Seite siebenundfünfzig, dann drehte sie ihn entschlossen um und verschwand wieder dahinter, gerade als sich die Abteiltüre zum dritten Mal öffnete.

Harry sah sich um; er hatte es erwartet, aber das machte den Anblick des ihn angrinsenden Draco Malfoy, der zwischen seinen beiden Kumpanen, Crabbe und Goyle, stand, nicht angenehmer.

»Was?«sagte er aggressiv, bevor Malfoy den Mund aufmachen konnte.

»Sachte, Potter, oder ich werde dich Nachsitzen lassen,«sprach Malfoy gedehnt, dessen glattes, blondes Haar und spitzes Kinn, wie das seines Vaters war.»Du siehst, ich, im Gegensatz zu dir, wurde zum Vertrauensschüler gemacht, das bedeutet, daß ich, im Gegensatz zu dir, die Macht habe, Strafen auszuteilen.«

»Jo,«sagte Harry, aber du, im Gegensatz zu mir, bist ein Witz, also geh raus und laß uns alleine.«

Ron, Hermine, Ginny und Neville lachten. Malfoy schürzte die Lippen.

»Sag mir, wie es sich anfühlt, wenn man der Zweitbeste nach Weasley ist, Potter?«fragte er.

»Halt den Mund, Malfoy,«sagte Hermine scharf.

»Ich scheinen einen Nerv getroffen zu haben,«sagte Malfoy grinsend.»Nun, paß auf dich auf, Potter, denn ich werde jedem deiner Schritte wie ein Bluthund folgen, für den Fall das du aus der Reihe tanzt.«

»Raus mit dir!«sagte Hermine im aufstehen.

Kichernd warf Malfoy Harry einen letzten böswilligen Blick zu und verschwand, Crabbe und Goyle trampelten weiter in seinem Kielwasser. Hermine schlug die Abteiltür hinter ihnen zu und drehte sich um, um Harry anzuschauen, der.sofort wußte, daß sie, wie er, sofort registriert hatte, was Malfoy gesagt hatte und davon genauso entmutigt gewesen war.

»Wirf uns einen weiteren Frosch rüber«sagte Ron, der augenscheinlich nichts bemerkt hatte.

Harry konnte nicht frei in Gegenwart von Neville und Luna sprechen. Er tauschte nervöse Blicke mit Hermine aus, dann starrte er zum Fenster heraus.

Er hatte geglaubt, daß Sirius, der ihn zum Bahnhof begleitet hatte, ihn ein wenig zum Lachen brachte, aber plötzlich schien es bedeutungslos geworden zu sein, wenn nicht sogar hundertprozentig gefährlich… Hermine hatte recht…

Sirius hätte nicht mitkommen sollen. Was, wenn Mr. Malfoy den schwarzen Hund bemerkt und es Draco erzählt hatte?

Was, wenn er daraus gefolgert hätte, das die Weasleys, Lupin, Tonks und Moody wußten, wo sich Sirius versteckte?

Oder hatte Malfoys Verwendung des Wortes Bluthund ein reiner Zufall?

Das Wetter blieb unbeständig, als sie weiter und weiter nach Norden reisten. Regen bespritzte die Fenster auf halbem Wege, dann trat die Sonne als matte Erscheinung hervor, und einmal mehr wurde sie von den vorbeiziehenden Wolken verdeckt. Als die Dunkelheit einbrach und die Lampen innerhalb der Abteile entflammten, rollte Luna den Wortklauber zusammen, steckte ihn sorgfältig in ihre Tasche zurück und begann stattdessen alle im Abteil anzustarren.

Harry saß, die Stirn gegen das Zugfenster gepresst, im Versuch einen ersten entfernten Blick auf Hogwarts zu erhaschen, aber es war eine mondlose Nacht und die Regenstreifen verschmutzten das Fenster.

»Wir sollten uns besser umziehen«sagte Hermine endlich, und alle öffneten ihre Truhen unter Schwierigkeiten und zogen ihre Schulroben an. Sie und Ron hefteten ihre Vertrauensschülerabzeichen vorsichtig auf ihren Brustkörben fest.

Harry sah, wie Ron sein Spiegelbild im schwarzen Fenster überprüfte.

Der Regen begann schließlich, sich abzuschwächen und sie hörten den gewöhnlichen Lärm, als jeder sich bemühte, zu seinem Gepäck und seinem Tier zu gelangen, bereit, den Zug zu verlassen. Da Ron und Hermine dies alles zu beaufsichtigen hatten, verschwanden sie wieder aus dem Wagen, wobei sie Harry und die anderen zurückließen, um nach Krumbein und Pigwidgeon zu schauen.

»Ich trage die Eule, wenn du möchtest,«sagte Luna zu Harry. Sie streckte ihre Hand nach Pigwidgeon aus, als Neville Trevor vorsichtig in einer Innentasche verstaute.

»Oh – äh – danke,«sagte Harry, als er ihr den Käfig gab und Hedwig weiter hoch in seine Arme hob.

Sie schlürften aus dem Abteil. Sie fühlten das erste Stechen der Nachtluft in ihren Gesichtern, als sie sich der Menge auf einem Gang anschlossen. Sie bewegten sich langsam auf die Tür zu. Harry roch Kiefern, die entland dem Pfad, der zum See hinunterführte, standen. Er betrat den Bahnsteig und schaute sich um, wobei er auf den bekannten Ruf

»Erstklässler, hier her… Erstklässer…«hörte.

Aber er kam nicht. Stattdessen rief eine andere Stimme, eine muntere weibliche,»Erstklässler, hier aufreihen, bitte!

Alle Erstklässler zu mir!«

Eine Laterne kam schwingend auf Harry zu, in ihrem Licht sah Harry das hervorstehende Kinn und den strengen Haarschnitt von Professor Rauhe-Pritsche, die Hexe, die den Unterricht für die Pflege magischer Geschöpfe im vorherigen Jahr für eine Weile übernommen hatte.

»Wo ist Hagrid,«rief er.

»Ich weiß es nicht,«sagte Ginny.»Aber wir sollten lieber aus dem Weg gehen, wir blockieren die Tür.«

»Oh, ja…«

Harry und Ginny wurden getrennt, als sie weiter liefen, am Bahnsteig entlang und hinaus über den Bahnhof. Während er von der Menge angerempelt wurde, schielte Harry durch die Dunkelheit, um Hagrid zu erspähen. Er mußte hier sein,

Harry hatte sich darauf verlassen – Hagrid wieder zu sehen, war eines der Dinge, auf die Harry sich am meisten gefreut hatte. Aber es gab kein Zeichen von ihm.

Er kann nicht gegangen sein, sagte sich Harry, als er langsam mit dem Rest der Menge durch einen schmalen Durchgang, auf die Straße hinaus, schlurfte. Er hat nur eine Erkältung oder so was

Er sah sich nach Ron oder Hermine um, da er wissen wollte, was sie von Professor Rauhe-Pritsches Wiedererscheinen hielten. Aber keiner von beiden war bei ihm, weshalb er sich vorwärts auf die regennasse Straße außerhalb des Hogsmeade-Bahnhofs schieben ließ.

Hier standen die etwa hundert pferdelosen Postkutschen, die immer die Schüler oberhalb der ersten Klasse hoch zum Schloss brachten. Harry warf ihnen einen flüchtigen Blick zu, drehte sich weg, um Ausschau nach Ron oder Hermine zu halten und schaute verblüfft zurück zu den Kutschen…Die Kutschen waren nicht länger pferdelos. Dort standen Kreaturen zwischen den Schäften der Kutschen. Wenn er ihnen hätte Namen geben sollen, so glaubte er, hätte er sie Pferde genannt, obwohl sie auch etwas von einem Reptil hatten. Sie waren komplett fleischlos, ihre schwarze Haut lag auf ihrem Skelett, von dem jeder Knochen sichtbar war.

Ihre Köpfe sahen wie die von Drachen aus und ihre Augen waren weiß, ohne Pupille und starrten. Flügel waren an jeder Seite – riesige schwarze Flügel, die aussahen, als ob sie zu riesigen Fledermäusen gehören sollten. Die Kreaturen, die immer noch in der Dunkelheit standen, sahen schaurig und unheimlich aus. Harry konnte nicht verstehen, warum die Kutschen von solch schrecklichen Pferden gezogen wurden, wenn sie doch fähig waren, sich alleine fortzubewegen.

»Wo ist Pig?,«sagte Rons Stimme gleich hinter Harry.

»Diese Luna hat ihn getragen,«sagte Harry. Er drehte sich schnell zu Ron, um ihn wegen Hagrid zu fragen.»Wo, glaubst du -«

»- ist Hagrid? Keine Ahnung,«sagte Ron, wobei er besorgt klang.»Er sollte besser in Ordnung sein…«

In einer kurzen Entfernung war Draco Malfoy, gefolgt von seine Kumpanen, darunter Crabbe, Goyle und Pansy Parkinson, gerade dabei, einige ängstlich aussehende Zweitklässler aus dem Weg zu räumen, so daß er und seine Freunde eine Kutsche für sich haben konnten. Sekunden später erschien Hermine hechelnd aus der Menge.

»Malfoy hat sich dort hinten einem Erstklässler gegenüber absolut gemein benommen. Ich schwöre, daß ich über ihn Bericht erstatten werde. Er hat sein Abzeichen gerade erst drei Minuten und benutzt es, um die Leute schlimmer als jemals zuvor zu ärgern… Wo ist Krumbein?«

»Ginny hat ihn,«sagte Harry.»Da ist sie…«

Ginny war gerade aus der Menge aufgetaucht, einen sich windenden Krumbein umklammernd.

»Danke,«sagte Hermine, Ginny die Katze abnehmend.»Los kommt, nehmen wir uns eine Kutsche, bevor sie alle voll sind…«

»Ich habe Pig bis jetzt noch nicht bekommen!«sagte Ron, aber Hermine schritt bereits auf die nächste leer stehende Kutsche zu. sagte, aber Hermine schnitt schon gegen den nächsten leeren Trainer ab. Harry blieb mit Ron zurück.

»Was sind das für Dinger, schätzt du?«fragte er Ron, nickend zu den schrecklichen Pferden, während die anderen Schüler an ihnen vorbei wogten.

»Welche Dinger?«

»Diese Pferde -«

Luna erschien, den Käfig von Pigwidgeon in ihren Armen halten; die kleine Eule zwitscherte, wie gewöhnlich, aufgeregt.

»Da seid ihr,«sagte sie.»Er ist eine süße kleine Eule, nicht wahr?«

»Ähm… jau… er ist in Ordnung,«sagte Ron barsch.»Nun, dann komm, laß uns reingehen… was sagst du Harry?«

»Ich sagte, was sind diese Pferdedinger?«sagte Harry, als er, Ron und Luna sich gerade auf die Kutsche zubewegten, in der Hermine und Ginny bereits saßen.

»Welche Pferdedinger?«

Die Pferdedinger, die die Kutschen ziehen!«sagte Harry ungeduldig. Sie waren etwa einen Meter vom nächsten entfernt; es sah sie mit leeren weißen Augen an. Ron allerdings sah Harry verwirrt an.

»Wovon redest du?«

»Ich spreche über – seht!«

Harry ergriff Ron«s Arm und drehte ihn soweit, das er Auge in Auge vor dem geflügelten Pferd stand. Ron starrte für eine Sekunde geradeaus, dann blickte er zurück zu Harry.

»Was soll ich mir ansehen?«

»An der – dort, zwischen den Deichseln! Angeschirrt vor der Kutsche! Es ist direkt davor -«

Aber, da Ron fortfuhr, verwirrt auszusehen, kam ein seltsamer Gedanke in Harry auf.

»Könnt ihr… könnt ihr es nicht sehen?

»Was sehen?«

»Könnt ihr nicht sehen, was die Wagen zieht?«

Ron sah jetzt ernsthaft beunruhigt aus…»Fühlst du dich wohl, Harry?«

»J… jau…«

Harry fühlte sich völlig verwirrt. Das Pferd war direkt vor ihm, fest in dem Dämmerlicht glänzend, das von den Bahnhofsfenstern hinter ihnen kam, Dampf entstieg seinen Nüstern in der kühlen, nächtlichen Luft. Dennoch, auch wenn Ron es vortäuschte – und es war ein sehr schwacher Scherz, wenn es einer war – Ron konnte es überhaupt nicht sehen.

»Sollen wir dann einsteigen?«sagte Ron unsicher, Harry anschauend, obgleich er sich Sorgen über ihn machte.

»Jau,«sagte Harry.»Jau, los weiter…«

»Es ist in Ordnung,«sagte eine verträumte Stimme neben Harry, da Ron in das dunkle Innere der Kutsche verschwand.

»Du bist nicht verrückt oder sowas. Ich kann sie auch sehen.«

»Kannst du?«sagte Harry verzweifelt, sich zu Luna drehend. Er könnte die mit Fledermausflügeln versehenen Pferde sich in ihren silbernen Augen spiegeln sehen.

»Oh ja,«sagte Lune,»Ich konnte sie schon immer sehen, seit meinem ersten Tag hier. Sie haben schon immer die Kutschen gezogen. Seid unbesorgt. Sie sind genauso geistig gesund, wie ich es bin.«

Mit einem leichten Lächeln, stieg sie hinter Ron in das muffige Innere der Kutsche. Ganz und gar nicht beruhigt, folgte Harry ihr…

Kapitel 11 – Das neue Lied des Sortierenden Huts

Harry wollte den anderen nicht erzählen, das er und Luna dieselbe Halluzination hatten, wenn es das war, darum sagte er nicht mehr über die Pferde als er sich in die Kutsche setzte und die Tür hinter sich zuschlug. Nichtsdestoweniger, er konnte nicht damit aufhören, die Silhouetten der Pferde jenseits des Fensters zu beobachten.

»Habt ihr alle Professor Rauhe-Pritsche gesehen?«fragte Ginny.»Was tut sie wieder hier? Hagrid ist doch nicht weg, oder?«

»Ich wäre glücklich, wenn er es wäre,«sagte Luna,»er ist doch kein sehr guter Lehrer, oder?«

»Doch ist er!«sagten Harry, Ron und Ginny verärgert.

Harry funkelte Hermine an. Sie räusperte sich schnell und sagte,»ähm… doch… er ist sehr gut.«

»Tja, wir in Ravenclaw denken, daß er ein ein Witz ist,«sagte Luna, unumwunden.

»Dann habt ihr einen beschissenen Sinn für Humor,«schnappte Ron, während die Räder unter sich knarrend in Bewegung setzten.

Luna schien durch Rons Grobheit nicht beunruhigt zu sein; im Gegenteil, sie bertrachtete ihn einfach eine Zeit lang, als wäre er ein milde interessantes Fernsehprogramm.

Klappernd und schwankend, bewegten sich die Kutschen im Konvoy die Fahrbahn hinauf. Als sie zwischen den großen Steinpfeilern mit geflügelten Ebern darauf hindurchfuhren, lehnte sich Harry nach vorne um zu sehen, ob er Licht in Hagrids Hütte nahe des Verbotenen Waldes sehen konnte, aber das Gebiet war in vollkommene Dunkelheit getaucht.

Das Schloss von Hogwarts jedoch, bedrohlicher als sonst näher, seine Türmchen ragten pechschwarz gegen den dunklen Himmel, hier und dort glühte feurig hell ein Fenster über ihnen.

Die Wagen kamen klirrend zum Halten nahe den steinernen Stufen, die hinauf zu den Eichenhaustüren führten, und Harry verließ die Kutsche als erster. Er drehte sich noch einmal um und hielt Ausschau nach beleuchteten Fenstern unten nahe des Waldes, aber es gab definitiv kein Lebenszeichen innerhalb von Hagrids Hütte. Widerwillig, da er gehoffte hatte, sie wären verschwunden, wandte er seinen Blick stattdessen den fremdartigen, Skelettkreaturen zu, die ruhig in der kühlen Nachtluft standen, ihre leeren, weißen Augen glühten.

Harry hatte bereits zuvor schon einmal die Erfahrung gemacht, das er etwas sehen konnte, das Ron nicht sah, aber es war nur der Wiederschein in einem Spiegel, etwas weitaus weniger körperloses als eine Hundertschaft sehr fest aussehender Biester, die stark genug waren, um eine Flotte von Kutschen zu ziehen. Wenn er Luna glauben konnte, waren die Biester immer schon dagewesen, allerdings unsichtbar. Warum konnte Harry sie dann aber sehen, und warum konnte Ron es nicht?

»Kommst du, oder was«? sagte Ron neben ihm.

»Oh… ja,«sagte Harry schnell und sie stiessen zu der Menge, die die Steinstufen hinauf ins Schloss eilte.

Die Eingangshalle war in den Schein von Fackeln gehüllt und Schritte halten überall, während die Schüler über die Bodenfliessen zur Doppeltüre rechts von ihnen gingen, die in die Große Halle und zum Beginn-des-Semesters Festes führten.

Die vier langen Haustische in der Großen Halle füllten sich unter der sternenlosen, schwarzen Decke, die so aussah wie der Himmel den man durch die hohen Fenster erblicken konnte. Kerzen schwebten über allen Tischen in der Luft, erleuchteten die silbernen Gespenster, die über die ganze Halle verteilt waren, und die Gesichter der Schüler die begierig untereinander die Nachrichten des Sommers austauschten, Freunden von anderen Häusern Grüße zuriefen, und die neuen Haarschnitte und Roben der anderen beäugten. Wieder stellte Harry fest, das die Leute ihre Köpfe zusammensteckten und flüsterten, wenn er an ihnen vorbei ging; er biß die Zähne zusammen und tat so, als würde er es weder merken noch sich darum kümmern.

Luna trieb von ihnen fort zum Ravenclaw-Tisch. Der Moment, in dem sie die Gryffindors erreichten, wurde Ginny von einigen Viertklässlern begrüßt und eingeladen, sich zu ihnen zu setzen; Harry, Ron, Hermine und Neville fanden vier Sitze nebeneinander, auf halbem Wege den Tisch hinunter zwischen dem Fast-Kopflosen-Nick, dem Hausgeist von Gryffindor, und Parvati Patil und Lavender Brown, den beiden letzten, die Harry überspannt, überfreundlich begrüßten, so daß er sicher sein konnte, das sie erst Sekunden zuvor aufgehört hatten, über ihn zu reden. Es gab wichtigere Dinge, über die er sich den Kopf zerbrechen konnte. Er sah über die Köpfe der Schüler zum Lehrertisch, der am Kopfende der halle entlang lief.

»Er ist nicht da.«.Ron und Hermine überflogen ebenfalls den Lehrertisch, auch wenn es dazu keinen wirklichen Grund gab; Hagrids Größe machte ihn sofort innerhalb jeder Schlange sichtbar.

»Er kann nicht weg sein,«sagte Ron, leicht besorgt klingend.

»Natürlich nicht,«sagte Harry bestimmt.

»Du denkst aber nicht, das er… verletzt ist, oder so?«sagte Hermine unsicher.

»Nein,«sagte Harry sofort.

»Aber wo ist er dann?«

Es gab eine Pause, dann sagte Harry sehr leise, so daß Neville, Parvati und Lavender nichts hören konnten,»Vielleicht ist er noch nicht zurück. Ihr wißt schon – von seiner Mission – die Sache, die er den Sommer über für Dumbledore erledigen sollte.«

»Jau… ja, das wird«s sein,«sagte Ron beruhigt, aber Hermine biß sich auf die Lippe, sah den Lehrertisch hinab und heraus als hoffte sie darauf, eine überzeugende Erklärung für Hagrids Abwesenheit zu finden.

»Wer ist das«?«sagte sie scharf, auf die Mitte des Lehretischs deutend.

Harrys Augen folgten ihren. Zuerst betrachteten Sie Professor Dumbledore, der in seinem hochlehnigen, goldenen Sessel in der Mitte des Lehrertischs saß, eine tief-purpurne Robe die mit silbernen Sternen gesprenkelt war und einen passenden Hut tragend. Dumbledores Kopf war der Frau direkt neben ihm zugewandt, die in sein Ohr sprach. Sie sah aus, dachte Harry, wie jemand unverheirateter: kauernd, mit kurzen, krausen, mausbraunem Haar, in denen sie ein schreckliches rosanes Elsenband befestigt hatte, das zu der flaumigen rosanen Strickjacke passte, die sie über ihrer Robe trug. Dann drehte sie langsam ihr Gesicht um an ihrem Kelch zu nippen und er sah, mit dem Schock des Erkennens, ein farbloses, pilzhaftes Gesicht mit einem Paar hervorspringender Augen.

»Es ist diese Umbridge-Frau!«

»Wer?» sagte Hermine.

»Sie war bei meiner Anhörung, sie arbeitet für Fudge!«

»Schöne Strickjacke,«sagte Ron, grinsend.

»Sie arbeitet für Fudge!«sagte Hermine stirnrunzelnd.»Was in aller Welt tut sie dann hier?«

»Weiss nich«…«

Hermine überflog den Lehrertisch, ihre Augen verengten sich.

»Nein,«murmelte sie,»Nein, sicherlich nicht…«

Harry verstand nicht, wovon sie sprach, aber er fragte sie auch nicht; seine Aufmerksamkeit war gefangenommen von Proffessor Rauhe-Pritsche, die gerade hinter dem Lehrertisch erschienen war; sie arbeitete sich zum anderen Ende des Tisches durch und nahm an der Stelle Platz, wo sonst immer Hagrid gesessen hatte. Das bedeutete, das die Erstklässler nun den See überquert und das Schloss erreicht hatten, und tatsächlich, ein paar Sekunden später öffneten sich die Türen der Eingangshalle. Eine lange Reihe von erschreckt dreinblickenden Erstklässlern trat ein, angeführt von Professor McGonagall, die einen Schemel trug, auf dem der uralte Zaubererhut saß, schwer geflickt und mit einem breiten Riß nahe der fransigen Krempe.

Das Summen der Gespräche in der Großen Halle ebbte ab. Die Erstklässler stellten sich in einer Reihe vor dem Lehrertisch auf, die Gesichter den Mitschülern zugewandt, und Professor McGonagall stelte den Schemel vorsichtig vor ihnen hin, dann nahm sie Abstand.

Die Gesichter der Erstklässler glühtem blaß im Kerzenlicht. Ein kleiner Junge, rechts in der Mitte, sah aus als würde er zittern. Harry erinnerte sich flüchtig, wie verängstigt er war, als er dort gestanden hatte, wartend auf die unbekannte Prüfung, die bestimmen würde, zu welchem Haus er gehören würde.

Die ganze Schule wartete mit angehaltenem Atem. Dann öffnete sich der Riß nahe der Krempe des Hutes, breit wie ein offener Mund, und aus dem Sortierenden Hut erklang ein Lied:

In alten Zeiten, als ich noch neu, und Hogwarts gerade begann Die Gründer unserer edlen Schule dachten niemals an Trennung dann:

Vereint von einem gemeinsamen Ziel,

Hatten Sie das gleiche Verlangen,

Die beste magische Schule der Welt zu sein.Und ihre Lehren weiter zu reichen.

»Zusammen werden wir aufbauen und unterrichten!«

Die vier guten Freunde entschieden Und niemals träumten sie davon Das sie eines Tages sich teilten,

Gab es jemals solche Freunde irgendwo Wie Slytherin und Gryffindor?

Außer wenn es das zweite Paar war von Hufflepuff und Ravenclaw?

Wie hat es nur so falsch laufen können?

Wie konnte solch Freundschaft versiegen?

Warum, ich war dar und kann euch erzählen Die ganze, traurige, betrübte Mär.

Slytherin sprach,»Wir unterrichten jene, deren Abstammung ist am reinsten.«

Ravenclaw sprach,»Wir unterrichten jene, deren Intelligenz am sichersten ist.«

Gryffindor sprach,»Wir unterrichten all jene mit mutigen Taten in ihrem Namen.«

Hufflepuff sprach,»Wir unterrichten die Masse und behandeln sie genau gleich.«

Diese Unterschiede verursachten wenig Streit Als sie zuerst ans Tageslicht kamen,

Denn jeder der vier Gründer hatte ein Haus in das sie konnten nehmen jene, die sie nur wollten, daher, zum Beispiel, Slytherin nahm nur reinblüt«ge Zaub«rer Von großer Schlauheit, so wie er,

Und nur jene des schärfsten Verstandes Wurden von Ravenclaw unterrichtet Während die tapfersten und mutigsten sich verwegen an Gryffindor wandten.

Gute Hufflepuff, sie nahm den Rest,

Und lehrte sie alles, was sie wußte,

So daß die Häuser und ihre Gründer ihre Freundschaften fest und wahr behielten.

So arbeitete Hogwarts in Harmonie Für einige glückliche Jahre,

Aber dann kroch Mißklang unter uns Unsere Schuld und unsere Ängste nährend.

Die Häuser die, wie Säulen vier, einst unsere Schule trugen,

Wandten sich nun gegeneinander, und aufgeteilt, versuchten zu herrschen.

Und für eine kurze Zeit schien die Schule ein frühes Ende zu nehmen,

Was mit Duellen und Kämpfen begann, und dem Zusammenstoß von Freund auf Freund Doch zuletzt kam dann ein Morgen,

Als der alte Slytherin abreiste Und so starben dann die Kämpfe aus Er verließ uns wahrhaft niedergeschlagen.

Und niemals seit der Gründer vier wurden hinab auf drei verringert Haben die Häuser sich einander vereint Wie sie«s derzeit einst hätten sollen.

Und jetzt ist der Sortierende Hut hier Und ihr alle sollt Bescheid wissen:

Ich sortiere euch in die Häuser Weil es das ist, wozu es mich gibt,

Aber diese Jahr werde ich weitergehen,.Drum hört nun auf mein Lied:

Obwohl ich verurteilt bin euch zu teilen Mach«ich mir Sorgen, es ist falsch,

Obwohl ich meine Pflicht erfüllen muß Und euch in vier teile jedes Jahr Frag«ich mich ob nicht sortieren,

Bringt das Ende das ich fürcht.

Oh, erkennt die Gefahren, lest die Zeichen,

Der Geschichte Warnung zeigt,

Das unser Hogwarts in Gefahr ist vor äußeren, tödlichen Feinden.

Und wir müssen uns in ihr verein«gen Oder von Innen werden wir zerbröckeln.

Ich habe es euch gesagt, ich habe euch gewarnt…

Nun laßt uns mit dem Sortieren beginnen.

Der Hut wurde wieder bewegungslos; Applaus brach aus, doch zum ersten Mal in Harrys Erinnerungen wurde er von Tuscheleien und Flüstern unterbrochen. Überall in der großen Halle wurden Bemerkungen mit den Nachbarn ausgetauscht und Harry, der ebenso mit allen klatschte, wußte genau über was sie sprachen.

»Fällt etwas aus der Regel, dieses Jahr, nicht wahr?«sagte Ron mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Zu Recht ist es so,«sagte Harry.

Der Sortierende Hut beschränkt sich normalerweise darauf nach den verschiedenen Qualitäten jedes einzelnen der vier Häuser auszusuchen und seine eigene Rolle beim Auswählen.

»Ich möchte wissen ob er schon einmal Warnungen von sich gegeben hat?«sagte eine sich besorgt anhörende Hermine.

»Ja, es gab sie tatsächlich,«sagte der Fast-Kopflose Nick wissend, während er sich durch Neville hindurch zu ihr herüber beugte. (Neville zuckte zurück; es war nicht gerade gemütlich wie ein Geist sich durch einen hindurch lehnte).

»Der Hut nimmt es als seine Ehrenpflicht der Schule kommende Warnungen zu geben, wenn er etwas fühlt -«

Aber Professor McGonagall, die darauf wartete die Namen des ersten Jahrgangs von der Liste zu lesen, schickte den Tuschelnden einen giftigen Blick. Daneben presste der Fast-Kopflose Nick einen durchsichtigen Finger an seine Lippen und setzte sich auf einmal aufrecht hin als das Tuscheln aufhörte. Mit einem letzten eisigen Blick, der über die Vier Haustische flog, senkte sie ihre Augen auf ihre lange Rolle Pergament und rief die ersten Namen aus.

»Abercombie, Euan.«

Der verschreckt aussehende Junge, den Harry schon zuvor bemerkt hatte, stolperte vorwärts und setzte sich den Sortierenden Hut auf seinen Kopf; dieser wurde nur von seinen sehr herausragenden Ohren davon abgehalten auf seine Schultern zu fallen. Der Hut überlegte einen Moment, dann öffnete sich der Schlitz nahe dem Rand wieder und rief:

»Gryffindor!«

Harry klatschte wie wild mit dem Rest des Hauses Gryffindor als Euan Abercrombie auf ihren Tisch zu wankte und sich hinsetzte, er sah aus als würde er viel lieber in einem Loch versinken und nie wieder gesehen werden wollen.

Langsam wurde die lange Reihe der Erstklässler weniger. In den Pausen zwischen den Namen und den Entscheidungen des Sortierenden Huts, konnte Harry hören, daß Rons Magen sehr laut knurrte. Schließlich wurde»Zeller, Rose«nach Hufflepuff gewählt und Professor McGonagall hob den Hut vom Stuhl auf und ging mit ihm auf die Seite als Dumbledore aufstand.

Was auch immer seine früheren bitteren Gefühle gegen seinen Schulleiter gewesen waren, war Harry aber jemand, der beruhigt war Dumbledore vor allen andere dort zu sehen. Zwischen der Abwesenheit von Hagrid und dem Auftauchen der Drachenpferde, fühlte er, daß seine so heiß ersehnte Rückkehr nach Hogwarts voll war von Überraschungen wie Stellen in einem bekannten Lied. Aber dies war schließlich immer wie es sein sollte: ihr Schulleiter stand auf um alle zu willkommen zu heißen vor dem Begrüßungsfest.

»An unsere Neuankömmlinge,«sagte Dumbledore mit einer singenden Stimme; seine Arme waren weit ausgestreckt und ein gewinnendes Lächeln auf seinen Lippen,»willkommen! An unsere älteren – willkommen zurück! Es gibt Zeit zum Redenhalten, aber die ist jetzt nicht. Haut rein!«

Da war ein dankbares Lachen und Applaus brach aus als Dumbledore sich wieder hinsetzte und er warf seinen langen Bart in einer Weise über seine Schulter, so als ob er ihn aus dem Weg vor seinem Teller haben wollte – Essen erschien aus dem Nirgendwo, so daß die lebenslangen Tische unter den Häppchen und Stücken und Tellern mit Gemüse, Brot und Soßen und Kannen voller Kürbissaft ächzten…»Genau richtig,«sagte Ron mit einem langen Stöhnen und er langte nach der am nähesten stehenden Platte mit Koteletts und begann sie auf seinen Teller unter den strengen Augen des Fast Kopflosen Nicks zu häufen.

»Was haben sie vor der Auswahlzeremonie gesagt?«Hermine fragte den Geist.»Daß der Hut Warnungen gibt?«

»Oh, ja,«sagte Nick, der glücklich über einen Grund zu sein schien sic von Ron, der nun Bratkartoffeln mit fast unanständiger Begeisterung aß, wegzudrehen.»Ja, ich habe gehört, daß der Hut schon zuvor mehrere Warnungen gegeben hat, immer in Zeiten, wenn es Zeiten großer Gefahr für die Schule betraf. Und natürlich immer war sein Rat der selbe: zusammenstehen, stark von innen sein.«

»Wie w0w kunnit nofe skusin danger ifzat?” sagte Ron.

Harry dachte, daß es für ihn fast eine Anstrengung war überhaupt ein Geräusch zu machen, da sein Mund so voll war.

»Verzeihung. Wie bitte?” sagte der Fast Kopflose Nick höflich, während Hermine geziert schaute. Ron gab einen ernomen Rülpser von sich und sagte:

»Wie kann er wissen, ob die Schule in Gefahr ist, wenn es ein Hut ist?”

»Ich habe keine Ahnung,” sagte der Fast Kopflose Nick.»Natürlich, ist er normalerweise in Dumbledore«s Büro und so würde ich sagen, daß er Dinge von dort mitnimmt.”

»Und er will alle Häuser als seine Freunde haben?” sagte Harry, der hinüber zum Slytherin Tisch sah, wo Draco Malfoy

»Gericht” hielt.»Große Chance”

»Nun, jetzt denke ich solltest du nicht diese Angewohneit übernehmen,«sagter Nick tadelnd.»Friedliche Zusammenarbeit. Das ist der Schlüssel. Wir Geister, trotz dessen daß wir verschiedenen Häusern zugehören, haben auch freundschaftliche Verbindungen aufrechterhalten. Trotz des Wettbewerbs zwischen Gryffindor und Slytherin würde ich nie davon träumen eine Auseinandersetzung mit dem Blutigen Baron zu haben.«

»Auch nur deshalb, weil sie sich vor ihm fürchten,«sagte Ron.

Der Fast Kopflose Nick sah tief beleidigt aus.

»Fürchten? Ich hoffe, Sir Nicholas de Mimsy-Porpngton, war bisher niemals der Feigheit schuldig geblieben in meinem Leben! Das edle Blut, daß in meinen Venen läuft.

»Was für ein Blut?«fragte Ron.»Ich bin sicher, sie haben immer noch…?«

»Es ist eine Redensart!«sagte der Fast Kopflose Nick, der jetzt so verärgert war, daß sein Kopf im Gesamten auf seinem teilweise noch erhaltenen Nacken zittert.»Ich vermute, daß es mir immer noch erlaubt ist die Worte zu wählen, die ich benutze. Ich möchte es, auch wenn das Vergnügen des Essens und des Trinkens mir nicht möglich sind! Aber ich bin fast gewöhnt, daß die Schüler sich einen Spaß aus meinem Tod machen, ich versichere,»sie«!«

»Nick, er wollte sie nicht auslachen!«sagte Hermine, die einen spitzen Blick zu Ron hinüber warf.

Unglücklicherweise war Rons Mund bis zum Platzen voll und alles was er sagen konnte war:»Node iddum eentup sechew,«das Nick nicht als passende Entschuldigung aufnahm. Indem er in die Luft aufstieg setzte er sich seinen federnbesetzten Hut auf und schwebte weg von ihnen zu dem anderen Ende des Tisches und kam zwischen die Creeveys Brüder, Colin und Dennis zur Ruhe.

»Toll gemacht, Ron,«schnappte Hermine.

»Was?«sagte Ron unschuldig, er hatte es mittlerweile auf die Reihe gebracht, sein Essen hinunterzuschlucken.»Ist es mir etwa nicht erlaubt, eine einfache Frage zu stellen?«

»Oh, vergiss es,«sagte Hermine irritiert und sie beide verbrachten den Rest des Males in einer drückenden Stille.

Harry war an ihre Sticheleien viel zu gewohnt, als daß er versuchte Versöhnung zu stiften; er dachte, daß es besser sich seinem Essen zu zuwidmen und sich dabei zu den Steaks und dem Nierenstück durchzuessen und danach einen großen Teller voll von seiner Lieblingssirup Torte zu verdrücken.

Als alle Schüler mit dem Essen fertig waren und der Geräuschpegel in der Halle wieder anfing sich bemerkbar zu machen, stand Dumbledore wieder auf. Das Sprechen verstummte plötzlich als alle ihr Gesicht dem Schulleiter zuwandten. Harry fühlte sich nun angenehm schläfrig. Sein»four-poster«Bett wartet irgendwo oben, wundervoll warm und weich.

»Nun, da wir alle ein wiederum tolles Fest verdauen, möchte ich für ein paar Momente eure Aufmerksamkeit für die gewöhnlichen Schuljahresanfangs Nachrichten haben,«sagte Dumbledore.

»Erstklässler sollten wissen, daß der Wald auf dem Gelände für die Schüler verboten ist – und ein paar der älteren.Schüler sollten es auch von jetzt an wissen.«(Harry, Ron und Hermine tauschten Grimassen aus.)

»Mr. Flich, der Hausmeister, bat mich zu sagen: die Vierhundertundsechzigste Regel ist um euch alle zu erinnern, daß Zauberei nicht auf den Korridoren zwischen den Klassen erlaubt ist. Weiter auch eine Zahl anderer Dinge, die alle auf der Liste, die an Mr.Flichs Bürotür aushängt eingesehen werden können.

»Wir haben dieses Jahr zwei Wechsel auf den Lehrerpostionen. Wir möchten unseren Professor Rauhe-Pritsche, wieder willkommen heißen. Er wird die Pflege magischer Tiere Stunden übernehmen; wir sind ebenso erfreut Professor Umbridge vorzustellen, unseren neuen Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste.«

Es gab in der ganzen Runde höflichen aber verhalteten Beifall, während der Harry, Ron und Hermine leicht nervöse Blicke austauschten; Dumbledore hatte nicht gesagt, wie lange Rauhe-Pritsche unterrichten würde.

Dumbledore fuhr fort,»Probespiele für die Quidditch Mannschaften der Häuser finden statt am -«

Er brach ab, Professor Umbridge fragend ansehend. Das sie stehend nicht viel größer als sitzend war, gab es einen Augenblick, in dem niemand verstand, warum Dumbledore aufgehört hatte zu sprechen, aber dann räusperte sich Professor Umbridge,»Hem, hem,«und dann wurde es allen bewußt, das sie aufgestanden war und eine Rede halten wollte.

Dumbledore schaute nur einen Moment überrascht, setzte sich dann aber höfflich und sah Professor Umbridge aufmerksam an, als ob er nichts lieber tun würde als ihrer Ansprache zu zuhören. Die anderen Lehrer waren weniger Begabt darin ihre Überraschung zu verbergen. Professor Sprout«s Augenbrauen verschwanden in ihren herunter hängenden Haaren und Professor McGonnagall«s Mund war dünner als Harry ihn je gesehen hatte. Kein neuer Lehrer, zuvor hatte Dumbledore je unterbrochen. Viele der Schüler grinsten; diese Frau wußte offensichtlich nicht wie die Dinge in Hogwarts liefen.

»Danke, Schulleiter,«lächelte Professor Umbridge,»für die netten Willkommensworte.«

Ihre Stimme war sehr hoch Mädchenhaft, und Harry überkam erneut eine Welle der Abneigung, die er sich nicht erklären konnte. Das einzige was er wußte, daß er alles an ihr verabscheute, angefangen von ihrer dummen Stimme, bis hin zu ihrer plüschigen rosa Strickjacke. Sie ließ erneut ein Räuspern hören (»hem, hem«) und fuhr fort.

»Ich muß sagen, es ist reizend wieder in Hogwarts zu sein.«Lächelte sie, und ließ deutlich ihre Zähne aufblitzen,»und so viele, solch fröhlicher Gesichter, die zu mir hinauf schauen!«

Harry sah sich um. Keines der Gesichter, daß er sah, schaute fröhlich. Andererseits sahen alle so sprachlos aus, von den Worten, die an sie gerichtet waren.

»Ich freue mich sehr darauf, sie alle kennen zu lernen und ich bin mir sicher wir werden sehr gute Freunde werden!«

Die Schüler tauschten daraufhin Blicke aus und einige konnten kaum ihr grinsen verstecken.

»Ich werde ihre Freundin, solange ich mir nicht diese Strickjacke borgen muß.«Flüsterte Parvati Lavender zu und beide fingen an still zu kichern.

Professor Umbridge räusperte sich erneut (»hem, hem«) als sie weiter sprach war die Tonlosigkeit aus ihrer Stimme verschwunden. Sie klang jetzt viel geschäftlicher und ihre Worte schienen völlig dumpf.

»Das Zauberministerium hat die Ausbildung junger Hexen und Zauberer, immer für eine der wichtigsten Dinge gehallten. Aus der seltenen Gabe, mit der sie geboren wurden, wird Nichts, wenn sie nicht bei einer sorgfältigen Ausbildung, genährt und feingeschliffen wird. Die alten Fähigkeiten sind einmalig, in der Zauberergesellschaft und müssen überliefert werden, an die kommenden Generationen, damit wir sie nicht für immer verlieren. Der Schatz an magischem Wissen, welches von unseren Ahnen gesammelt wurde, muß beschützt, ergänzt und poliert werden, von jenen, die den edlen Beruf des Lehrens ausführen.«

Professor Umbridge hielt hier inne und machte eine kleine Verbeugung, zu ihren Kollegen gewannt, aber keiner erwiderte dies. Professor McGonnagalls dunkle Augenbrauen hatte sie so stark zusammen gezogen, daß sie eindeutig adlerähnlich aussahen, und Harry sah sie deutlich einen vielsagenden Blick mit Professor Sprout austauschen, als Umbridge ein erneutes »hem, hem«verlauten ließ und mit ihrer Ansprache fort setzte.

»Jeder Schulleiter und Schulleiterin von Hogwarts brachte etwas neues, zu den schweren Aufgaben, diese historische Schule zu verwalten, und so sollte es sein, denn ohne Fortschritte wird es zur Stagnation und Verfall kommen. Hier muß abgeraten werden, einen Fortschritt zu erzwingen, nur damit man einen Fortschritt vollbracht hat, für unsere erprobte und getestete Tradition, erfordert es oft kein herumpfuschen. Ein Gleichgewicht zwischen alt und neu, zwischen Beständigkeit und Wechsel, zwischen Tradition und Innovation…«.Harrys Aufmerksamkeit sank, als ob sein Gehirn in dem Klang hin und her rutschte. Die Stille die sonst, wenn Dumbledore sprach die Halle fühlte, löste sich auf als die Schüler anfingen zu flüstern und zu kichern. Drüben, am Ravenclawtisch schwatzte Cho Chang, aufgeregt mit ihrer Freundin. Einige Plätze weiter von Cho, hatte Luna Lovegood »Der Wortklauber«wieder hervor geholt. In der zwischen Zeit, war Ernie Mcmillan am Hufflepufftisch, einer der Einzigen, der Professor Umbridge still zu zuhören schien und anstarrte, aber seine Augen waren recht wässrig, und Harry war sich sicher, er versuchte lediglich vorzutäuschen, daß er zuhörte um sein glänzendes Vertrauensschüler Abzeichen auf seiner Brust besser zeigen zu können.

Professor Umbridge schien die Unruhe ihrer Zuhörer nicht wahrzunehmen. Harry hatte den Eindruck, vor ihren Augen hätte ein riesen Krawall losbrechen können, und sie wäre mit ihrer Ansprache fort gefahren. Die Lehrer jedoch, hörten ihr aufmerksam zu, und Hermine schien in jedem Wort, das Umbridge sprach zu versinken, obwohl nach ihrem Gesichtsausdruck, passten sie ihr überhaupt nicht.

…«.da einige Veränderungen besser sind, während andere sein müssen, sind es dennoch Fehler des Urteils. Inzwischen werden einige alte Angewohnheiten behalten, und richtig so, wohingegen andere, altmodische und abgenutzte, abgeschafft werden müssen. Lasst uns vorwärts gehen, in eine neue Ära von Offenheit, Wirksamkeit und Verantwortlichkeit, mit der Absicht, das zu erhalten, was erhalten werden sollte, zu vervollkommnen was vervollkommnet werden muß, und einzugreifen wo immer wir Übungen finden, die verboten werden sollten.«

Sie setzte sich hin. Dumbledore begann zu klatschen. Die Lehrer folgten dem, obwohl Harry Festellen mußte, das etliche nur ein oder zwei mal die Hände zusammen schlugen, bevor sie aufhörten. Einige Schüler taten es ihnen gleich, aber die meisten eher unbewusst, da sie von der Rede nur einige Worte mitbekommen hatten, und bevor sie wirklich applaudieren konnten, war auch schon Dumbledore wieder aufgestanden.

»Haben sie vielen Dank, Professor Umbridge es war sehr aufschlussreich.«Sagte er und verbeugte sich kurz.»Nun, ich sagte das Quidditchtraining wird stattfinden…«

»Ja, es war sicher aufschlussreich,«sagte Hermine mit gedämpfter Stimme.

»Erzähl mir nicht du hast dich daran erfreut?«Warf Ron schnell ein, und drehte sich mit glasigen Augen zu Hermine.

»Das war die langweiligste Rede, die ich je gehört habe, und ich wuchs mit Percy auf.«

»Ich sagte aufschlussreich, nicht erfreulich,«sagte Hermine.»Es erklärt eine ganze Menge.«

»Tut es?«Fragte Harry überrascht.»Klingt für mich eher wie eine Menge Schwachsinn.«

»Es waren einige wichtige Dinge, in diesem Schwachsinn versteckt.«Sagte Hermine grimmig.

»Waren dort?«meinte Ron

»Was ist mit diesem:»es muß abgeraten werden, einen Fortschritt zu erzwingen, nur damit man einen Fortschritt vollbracht hat,«oder»einzugreifen wo immer wir Übungen finden, die verboten werden sollten«?«

»Gut und was soll das heißen?«Sagte Ron ungeduldig.

»Ich werde die sagen, was das heißt,«sagte Hermine durch ihre zusammen gebissenen Zähne.»Es bedeutet, das Ministerium wird sich in Hogwarts einmischen.«

Es gab ein heftiges Schleifen und Klappern überall. Dumbledore hatte offensichtlich die Schüler gehen lassen, da alle aufgestanden und dabei waren, die Halle zu verlassen. Hermine sprang auf und sah nervös aus.

»Ron, wir sollen den Erstklässlern den Weg zeigen!«

»Achja,«sagte Ron, der es völlig vergessen zu haben schien.»Hey -hey, ihr da! Knirpse!«

»Ron!«

»Hm, aber sie sind, sie sind doch winzig…«

»Ich weiß, aber du kannst sie nicht Knirpse nennen! -Erstklässler!«Rief Hermine den Tisch entlang.»Hier entlang, bitte!«

Eine Gruppe von neuen Schülern lief schüchtern, in der Lücke zwischen den Gryffindor und Hufflepufftischen entlang, und versuchte die Gruppe nicht zu verlieren. Sie sahen wirklich sehr klein aus; Harry war sich sicher nicht so jung ausgesehen zu haben als er hier ankam. Er grinste sie an. Ein blonder junge neben Euan Abercrombie sah wie versteinert aus. Er stupste Euan an und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Euan Abercrombie sah genauso verängstigt aus und schaute dann Harry kurz entsetzt an, dem das Grinsen aus dem Gesicht glitt wie eine Stinkbombe.

»Bis nachher,«sagte er dumpf zu Ron und Hermine, und ging allein aus der Großen Halle, und tat alles um das Flüstern, Starren und auf ihn zeigen, zu ignorieren, als er vorbei ging. Er blickte nur geradeaus, als er sich den Weg durch die Menge, in die Eingangs Halle bahnte, beeilte er sich dann die Marmortreppe hoch zu kommen, und sah noch ein paar versteckte Blicke und hatte dann die größere Menge hinter sich gelassen…Er war dumm gewesen, daß nicht erwartet zu haben, dachte er sich verärgert, als er den oberen Korridor entlang lief, der viel leerer war. Natürlich starrte ihn jeder an. Er war von dem Trimagischem Tunier entkommen vor zwei Monaten, den toten Körper eines Mitschülers umklammernd und behauptete er habe gesehen, wie Lord Voldemort seine Kraft wieder erlangt hat. Es war kaum Zeit gewesen es ihm Selbst zu erklären, bevor sie alle nachhause gefahren waren -

nicht mal wenn er sich in der Lage gefühlt hätte den ganzen detaillierten Bericht, von den schrecklichen Ereignissen auf dem Friedhof, zu erzählen.

Harry hatte das Ende des Korridors zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum erreicht und kam vor dem Porträt der Fetten Dame zum Stehen, als er bemerkte, daß er das neue Passwort nicht kannte.»Ähm…,«sagte er mürrisch, und starrte die Fette Dame an, die die Falten ihres pinkfarbenen Satinkleides glatt strich und ihn streng anschaute.»Kein Passwort, kein Durchkommen,«sagte sie trocken.»Harry, ich weiß es!,«keuchte jemand hinter ihm. Er drehte sich um und sah Neville auf ihn zu laufen.»Rate mal, was es ist? Diesmal kann sogar ich es mir ausnahmsweise einmal merken.«Er schwang den verkrüppelten kleinen Kaktus, den er ihnen im Zug gezeigt hatte. »Mimbulus Mimbletonia!«

»Korrekt,«sagte die Fette Dame, und ihr Porträt schwang in ihre Richtung auf wie eine Tür, ein rundes Loch in der Wand dahinter freigebend, durch das Harry und Neville nun kletterten.

Der Gryffindor-Gemeinschaftsraum sah einladend wie immer aus, ein gemütliches, rundes Turmzimmer voll mit altersschwachen, weichen Sesseln und wackligen alten Tischen. Im Kamin knisterte ein Feuer fröhlich vor sich hin, und einige Leute wärmten sie noch die Hände daran, bevor sie in ihre Schlafsäle gingen. Auf der anderen Seite des Raumes hefteten Fred und George Weasley etwas an das Schwarze Brett. Harry winkte ihnen ein»Gute Nacht«zu und steuerte geradewegs auf die Tür zum Jungs-Schlafsaal zu; ihm war nicht nach reden im Moment. Neville folgte ihm.

Dean Thomas und Seamus Finnigan waren schon im Schlafzimmer und waren gerade dabei, die Wände neben ihren Betten mit Postern und Bildern zu dekorieren. Sie hatten geredet, als Harry die Tür aufmachte, doch in dem Moment, als sie ihn sahen, hörten sie plötzlich auf damit. Harry fragte sich zuerst, ob sie wohl über ihn geredet hatten, und dann, ob er paranoid war.

»Hi,«sagte er, ging hinüber zu seinem Koffer und öffnete ihn.

»Hey, Harry,«sagte Dean, der gerade einen Schlafanzug in den Farben von West Ham anzog.»Gute Ferien gehabt?«

»Nicht schlecht,«murmelte Harry, da eine ehrliche Antwort zu seinen Ferien fast die ganze Nacht gedauert hätte und er das nicht durchgehalten hätte.»Und du?«

»Ja, war okay,«kicherte Dean.»Besser als Seamus seine auf jeden Fall, hat er mir grad erzählt.«

»Warum, was ist passiert, Seamus?,«fragte Neville, als er seinen Mimbulus Mimbletonia vorsichtig auf seinen Nachttisch stellte.

Seamus antwortete nicht sofort; er gab sich auffällig Mühe, sicher zu gehen, daß sein Poster vom Kenmare Kestrels Quidditch-Team gerade hing. Dann sagte er, immer noch den Rücken zu Harry gedreht:»Meine Mutter wollte nicht, daß ich zurück gehe.«

»Was?,«sagte Harry, und hielt beim Ausziehen seines Gewands inne.»Sie wollte nicht, daß ich zurück nach Hogwarts gehe.«Seamus wandte sich von seinen Postern ab und zog seinen Schlafanzug aus seinem Koffer, er schaute Harry immer noch nicht an.

»Aber – warum?,«sagte Harry verwundert. Er wußte, daß Seamus«Mutter eine Hexe war und verstand deshalb nicht, wie sie auf so etwas Dursley-Mäßiges hatte kommen können.

Seamus antwortete nicht, bis er mit dem Zuknöpfen seines Schlafanzuges fertig war.

»Na ja,«sagte er mit gepresster Stimme,»ich glaube… wegen dir.«

»Was meinst du damit?,«sagte Harry schnell. Sein Herz schlug ziemlich schnell jetzt, und er fühlte sich, als ob ihn etwas umzingeln würde.

»Na ja,«sagte Seamus wieder, immer noch Harrys Blick ausweichend,»sie… ähm… na ja, es ist nicht nur wegen dir, auch wegen Dumbledore…«

»Sie glaubt dem Tagespropheten?,«sagte Harry.»Sie glaubt, ich wäre ein Lügner und Dumbledore ein alter Narr?«

Seamus sah ihn an.»Ja, so was in die Richtung.«

Harry sagte nichts. Er schmiss seinen Zauberstab auf den Tisch neben seinem Bett, zog sein Gewand aus, stopfte es ärgerlich in seinen Koffer und streifte seinen Schlafanzug über. Er hatte es satt; satt, die Person zu sein, die die ganze Zeit angestarrt und über die ständig geredet wurde. Wenn nur einer von ihnen wüsste, wenn nur einer von ihnen die leiseste Ahnung davon hätte, wie es war, immer dieser eine zu sein, dem das alles passierte… Frau Finnigan hatte keine Ahnung, diese alberne Frau, dachte er wütend…Er ging in sein Bett und wollte gerade die Vorhänge drumherum zuziehen, doch bevor er das tun konnte, fragte Seamus ihn:»Weißt du… was IST denn nun genau passiert in dieser Nacht, als… du weißt schon, als… das mit Cedric Diggory und allem?«

Seamus klang nervös und neugierig gleichzeitig.

Dean, der sich über seinen Koffer gebeugt hatte und versuchte, einen Pantoffel zu finden, wurde seltsam leise und Harry wußte, daß er genau zuhörte.

»Wozu fragst du mich?,«erwiderte Harry scharf.»Lies doch einfach den Tagespropheten wie deine Mutter, nicht? Der wird dir alles sagen, was du wissen mußt.«

»Mach meine Mutter nicht an,«schnauzte Seamus ihn an.

»Ich mache jeden an, der mich einen Lügner nennt,«erwiderte Harry.

»Sprich nicht so mit mir!«

»Ich sprech«mit dir wie ich will,«sagte Harry, und wurde schnell so wütend, daß er seinen Zauberstab wieder vom Tisch riss.»Wenn du ein Problem damit hast, ein Schlafzimmer mit mir zu teilen, geh und frag McGonagall, ob du umziehen darfst… damit sich deine Mutter keine Sorgen mehr machen muß.«

»Laß meine Mutter da raus, Potter!«

»Was ist hier los?«Ron war im Eingang erschienen. Seine erstaunt aufgerissenen Augen wanderten von Harry, der auf seinem Bett kniete und den Zauberstab auf Seamus gerichtet hielt, zu Seamus, der mit erhobenen Fäusten dort stand.

»Er beleidigt meine Mutter!,«schrie Seamus.

»Was?,«sagt Ron.»Harry würde das nie tun, wir haben deine Mutter doch mal getroffen, wir mochten sie…«

»Das war, bevor sie jedes Wort glaubte, was der verdammte Tagesprophet über mich schreibt!«sagte Harry mit lauter Stimme.

»Oh,«sagte Ron, und auf seinem sommersprossigen Gesicht machte sich der Ausdruck des Verstehens breit.»Oh…

okay.«

»Weißt du was?,«sagte Seamus hitzig, Harry einen giftigen Blick zuwerfend.»Er hat Recht, ich will kein Schlafzimmer mehr mit ihm teilen. Er ist verrückt.«

»Das ist bescheuert, Seamus,«sagte Ron, und seine Ohren begannen, rot zu glühen, was immer ein Zeichen für Gefahr war.

»Bescheuert bin ich also?,«brüllte Seamus, der, im Gegensatz zu Ron, blaß wurde.»Du glaubst all den Unsinn, den er über Du-Weißt-Schon-Wer erzählt, oder was? Denkst du, er sagt die Wahrheit?«

»Ja, tu ich.,«erwiderte Ron ärgerlich.

»Dann bist du auch verrückt,«sagte Seamus angewidert.

»Ach so? Tja, unglücklicherweise für dich, mein Freund, bin ich auch Vertrauensschüler!«sagte Ron, und tippte sich mit einem Finger gegen seine Brust.»Und wenn du keine Strafarbeit willst, solltest du besser aufpassen, was du sagst!«

Seamus schaute für ein paar Sekunden so, als hielte er eine Strafarbeit für einen angemessenen Preis, zu sagen, was ihm gerade durch den Kopf ging. Doch dann drehte er sich mit einem verachtenden Grunzen auf dem Absatz um, schwang sich in sein Bett und zog die Vorhänge mit so viel Gewalt zu, daß sie vom Bett gerissen wurden und in einem staubigen Haufen zu Boden fielen.

Ron starrte ihn wütend an, und schaute dann zu Dean und Neville.

»Haben noch irgendwelche anderen Eltern ein Problem mit Harry?,«sagte er aggressiv.

»Meine Eltern sind Muggel, man,«sagte Dean schulterzuckend.»Die wissen nichts über irgendwelche Morde in Hogwarts. Ich bin nämlich nicht so doof, ihnen davon zu erzählen.«

»Du kennst meine Mutter, die kriegt aus jedem alles raus,«blaffte Seamus ihn an.»Aber klar, deine Eltern kriegen den Tagespropheten nicht. Die wissen nicht, daß unser Schulleiter vom Wizengamot und vom Internationalen Bündnis der Zauberer gefeuert wurde, weil er dabei ist, den Verstand zu verlieren…«

»Meine Omi sagt, das ist Quatsch,«meldete sich Neville zu Wort.»Sie sagt, daß es mit dem Tagespropheten abwärts geht, nicht mit Dumbledore. Sie hat unser Abo gekündigt. Wir glauben Harry,«sagt Neville bestimmt. Er kletterte ins Bett und zog die Bettdecke bis zum Kinn, nicht ohne noch einen Seitenblick auf Seamus zu werfen.»Meine Omi hat immer gesagt, daß Du-Weißt-Schon-Wer eines Tages zurück kommen würde. Sie meint, wenn Dumbledore sagt, daß er zurück ist, dann ist er zurück.«.Harry fühlte eine Woge der Dankbarkeit gegenüber Neville in sich. Niemand anderes sagte etwas. Seamus nahm seinen Zauberstab, reparierte seine Bettvorhänge und verschwand hinter ihnen. Dean ging ins Bett, drehte sich um und wurde still. Neville, der so aussah, als hätte er auch nichts mehr zu sagen, starrte liebevoll auf seinen Kaktus, den der Mond beleuchtete.

Harry lehnte sich an sein Kopfkissen, während Ron am nächsten Bett noch herumwuselte und Sachen wegpackte. Er fühlte sich aufgewühlt von dem Streit mit Seamus, den er immer sehr gemocht hatte. Wie viele andere Leute würden noch behaupten, daß er log, oder gar austickte? Hatte Dumbledore genauso gelitten diesen Sommer, als zuerst das Wizengamot und dann das Internationale Bündnis der Zauberer ihn aus ihren Reihen warf? War es vielleicht Wut auf Harry, die Dumbledore die ganze Zeit davon abgehalten hatte, mit ihm Kontakt aufzunehmen? Immerhin steckten sie beide in dieser Angelegenheit drin. Dumbledore hatte Harry geglaubt, und seine Version der Ereignisse zuerst der ganzen Schule und dann der restlichen Zauberwelt verkündet. Jeder, der Harry für einen Lügner hielt, mußte auch Dumbledore für einen halten, oder aber denken, daß Dumbledore hereingelegt wurde…

Am Ende werden sie wissen, daß wir Recht haben, dachte Harry unglücklich, als Ron in sein Bett stieg und die letzte Kerze im Schlafzimmer ausmachte. Doch er überlegte, wie viele Angriffe wie den von Seamus er wohl noch durchstehen mußte, bevor dieser Zeitpunkt kommen würde…

Kapitel 12 – Professor Umbridge

Seamus zog sich am nächsten Morgen in Höchstgeschwindigkeit an und verließ den Schlafsaal, bevor Harry auch nur seine Socken anziehen konnte.

»Glaubt er wohl, daß er verrückt wird, wenn er zu lange mit mir in einem Raum bleibt?,«fragte Harry laut, als der Saum von Seamus Mantel aus Sichtweite verschwand.

»Mach dir nichts draus,«murmelte Dean, während er seine Schultasche aufsetzte.»Er ist eben…«Aber scheinbar es ihm unmöglich, exakt auszudrücken, was Seamus war, und nach einer kurzen peinlichen Pause folgte er ihm und verlies das Zimmer.

Neville und Ron warfen beide Harry einen Blick der Art»Das ist sein Problem, nicht deins!«zu, aber Harry war wenig beruhigt. Was würde er noch alles in dieser Art zu ertragen haben?

»Was ist los,«fragte Hermine fünf Minuten später, als sie Ron und Harry auf halben Weg im Gemeinschaftsraum einholte, den sie auf dem Weg zum Frühstück durchquerten.»Du siehst wirklich – oh, um Himmels Willen!«

Sie starrte auf das Schwarze Brett, an dem ein großer neuer Zettel hing.

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»Das ist doch die Höhe,«sagte Hermine grimmig, während sie den Zettel abnahm, den Fred und George über ein Plakat gepinnt hatten, das das Datum des ersten Wochenendes in Hogsmeade bekannt gab, das im Oktober stattfinden sollte.

»Wir müssen mit ihnen reden, Ron.«

Ron sah äußerst beunruhigt aus.

»Warum?«

»Weil wir Vertrauensschüler sind,«sagte Hermine, als sie durch das Portraitloch herauskletterten.»Es ist unsere Aufgabe, solche Dinge zu unterbinden.«Ron sagte nichts; Harry konnte an seinem verdrießlichen Gesicht ablesen, daß er die Aussicht nicht gerade einladend fand, Fred und George von ihrem Vorhaben abzubringen. Die beiden taten genau das, was sie am liebsten machten.

»Trotzdem, was ist los, Harry?,«fuhr Hermine fort, als sie die von Portraits von alten Hexen und Zauberern eingerahmten Treppen hinunterstiegen. Keines der Portraits beachtete sie, da sie selbst ins Gespräch vertieft waren.

»Die siehst aus, als hättest durch dich über irgendetwas geärgert.«

»Seamus vermutet, das Harry über Du-Weißt-Schon-Wer lügt,«sagte Ron knapp, als Harry nicht reagierte. Hermine, von der Harry erwartete hätte, daß sie wie er ärgerlich reagieren würde, seufzte.»Ja, auch Lavender denkt so,«sagte sie bedrückt.»Du hattest wohl eine nette kleine Unterhaltung mit ihr ob ich wohl lüge oder nicht. Sensationslüsternes Pack!,«sagte Harry laut.»Nein,«sagte Hermine ruhig,»ich habe ihr nur gesagt, sie soll großes Mundwerk über dich halten. Und es wäre richtig nett von dir, wenn du aufhören würdest, uns an die Gurgel zu springen, Harry. Für den Fall, daß du es noch nicht bemerkt hast, Ron und ich sind auf deiner Seite.«

Es entstand eine kurze Pause.

»Tut mir leid,«sagte Harry mit leiser Stimme.

»Das ist schon in Ordnung«sagte Hermine würdevoll. Dann schüttelte sie ihren Kopf.»Erinnerst du dich nicht daran, was Dumbledore beim letzten Schuljahrabschlussfest gesagt hat?«

Harry und Ron schauten sie beide verblüfft an und Hermine seufzte erneut.

»Über Du-Weißt-Schon-Wer. Er sagte,»er besitzt ein großes Talent, Zwietracht und Feindseligkeit zu verbreiten. Dem können wir nur entgegentreten, wenn wir ein nicht minder starkes Band der Freundschaft und des Vertrauens knüpfen.«.»Wie kannst du dich nur an so ein Zeug erinnern?,«fragte Ron und schaute sie bewundernd an.

»Ich höre zu, Ron,«sagte Hermine mit einem Anflug von Strenge.

»Das mache ich ja auch, aber ich könnte dir nicht genau sagen, was…«

»Der Punkt ist,«hob Hermine lautstark hervor,»daß Dumbledore genau von diesen Dingen gesprochen hat. Du-Weißt-Schon-

Wer ist gerade mal zwei Monate zurück und schon haben wir angefangen, miteinander zu streiten. Und die Warnung des Sortierenden Hutes ging in die gleich Richtung: haltet zusammen, seid eins.«

»Und Harry hat es letzte Nacht richtig abgekriegt!,«erwiderte Ron.»Wenn das bedeutet, daß von uns erwartet wird, daß wir uns mit den Slytherins verbrüdern – das ist aussichtslos.«

»Nun, ich denke, das ist ein Jammer, daß wir nicht versuchen, wenigsten ein bißchen Gemeinschaft zwischen den Häusern zu haben.,«sagte Hermine gereizt.

Sie waren gerade am Fuß der Marmortreppe angekommen. Eine Reihe von Ravenclaws im vierten Jahr durchquerte die Eingangshalle; als sie Harry entdeckten, beeilten sie sich enger zusammenzurücken, als ob sie fürchteten, er würde Nachzügler angreifen.

»Oh ja, wir sollten wirklich versuchen, Freundschaft mit solchen Leuten zu schließen,«sagte Harry sarkastisch.

Sie folgten den Ravenclaws in die Große Halle. Alle schauten instinktiv zum Lehrertisch als sie eintraten. Professor Rauhe-Pritsche unterhielt sich mit Professor Sinistra, der Astronomie-Lehrerin, und Hagrid glänzte wieder einmal durch Abwesenheit. Das verzauberte Deckengewölbe spiegelte Harrys Stimmung wider. Es war ein erbärmliches regenwolkengrau.

»Dumbledore hat nicht mal erwähnt, wie lange diese Rauhe-Pritsche bleibt,«sagte er, als sie zum Tisch der Gryffindors hinübergingen.

»Vielleicht…,«sagte Hermine gedankenvoll.

»Was?,«sagten beide Harry und Ron gleichzeitig.

»Na ja… vielleicht wollte er die Aufmerksamkeit nicht auf Hagrids Abwesenheit lenken.«

»Was meinst du mit»Aufmerksamkeit lenken?,«sagte Ron verschmitzt.

»Wie sollten wir das nicht bemerken?«

Bevor Hermine antworten konnte, kam ein hoch aufgeschossenes Mädchen mit schwarzem, geflochtenem Haar auf Harry zu.

»Hi, Angelina.«

»Hi,«sagte sie munter,»guten Sommer gehabt?«Und ohne die Antwort abzuwarten,»Stell dir vor, ich bin zum Gryffindor Quidditch Kapitän ernannt worden.

»Super,«sage Harry und grinste ihr zu; er vermutete, daß Angelinas Motivationsreden nicht so langatmig sein würden, wie die von Oliver Wood. Das konnte nur eine Verbesserung sein.

»Ja, gut. Wir brauchen einen neuen Hüter, nachdem Oliver weg ist. Probetraining ist am Freitag um fünf Uhr und ich möchte, daß das ganze Team da ist, in Ordnung? Dann können wir sehen wie der Neue reinpasst.«

»OK,«sagte Harry.

Angelina lächelte ihm zu und ging weiter.

»Ich hatte ganz vergessen, daß Wood seine Abschluss gemacht hat,«sagte Hermine, als sie sich neben Ron setzte und den Toastteller zu sich her zog.»Ich vermute, daß das einige Veränderungen ins Team bringen wird?«

»Ja, denke ich auch,«sagte Harry sich auf die gegenüberliegende Bank setzend.»Er war ein guter Hüter…«

»Trotzdem wird es nicht schaden, etwas frisches Blut reinzubringen, oder?,«sagte Ron.

Mit Getöse und Geflatter kamen Hunderte von Eulen durch die oberen Fenster geflogen. Über die ganze Halle verteilt gingen sie nieder, um Briefe und Päckchen für die Empfänger zu bringen. Dabei duschten sie die Frühstückenden mit Wassertropfen; es mußte draußen heftig regnen. Hedwig war nirgends zu sehen, aber Harry war wenig überrascht, sein einziger Briefpartner war Sirius, und er zweifelte, daß Sirius ihm irgendwelche Neuigkeiten zu erzählen haben könnte, nachdem gerade mal vierundzwanzig Stunden vergangen waren. Jedoch Hermine mußte schnell ihren Orangensaft zur Seite schieben, um für eine feuchte Schleiereule, die einen durchweichten Tagespropheten im Schnabel hatte…»Wozu beziehst du den immer noch?,«sagte Harry gereizt und dachte dabei an Seamus, während Hermine einen Knut in den Lederbeutel am Fuß der Eule steckte. Die Eule startete wieder.»Ich möchte mich damit nicht herumschlagen…

eine Menge Müll.«

»Es ist das beste, um zu erfahren, was der Feind von sich gibt,«sagte Hermine düster, faltete die Zeitung auseinander, verschwand dahinter und kam erst wieder zum Vorschein, als Harry und Ron fertig gegessen hatten.

»Nichts,«sagte sie nur, rollte die Zeitung zusammen und legte sie auf ihren Teller.»Nichts über dich oder Dumbledore und sonst irgendetwas.

Professor McGonagall ging nun die Tische entlang und verteilte Stundenpläne.

»Schau mal heute!«stöhnte Ron.»Geschichte der Zauberei, zweimal Zaubertränke, Wahrsagen und zweimal Verteidigung gegen die Dunklen Künste… Binns, Snape, Trelawney und diese Umbridge Frau, alle an einem Tag! Ich wünschte, Fred und George würden sich beeilen und diese Blaumacher Imbissschachteln hinbekommen…«

»Täuschen mich meine Ohren?«sagte Fred, mit George kommend und sich auf die Bank neben Harry quetschend.

»Hogwarts Vertrauensschüler wünscht sicher kein Schwänzen von Unterricht?«

»Sieh, was wir heute bekommen haben,«sagte Ron mürrisch, seinen Stundenplan unter Freds Nase haltend.»das ist der schlimmste Montag, den ich je gesehen habe.«

»Klare Sache, kleiner Bruder,«sagte Fred, die Spalte musternd. Du kannst ein bißchen Nasenbluten Nougat billig haben, wenn du möchtest.

»Warum ist es billig?«fragte Ron misstrauisch.

»Weil du weiter bluten wirst, bis du alt und grau bist. Wir haben noch kein Gegengift,«sagte George.

Gut gelaunt packte Ron seinen Stundenplan ein und sagte»Ich denke, ich werde den Unterricht besuchen.«

»Und um auf die Blaumacher Imbissschachteln zurückzukommen,«sagte Hermine, Fred und George durchdringend anschauend,»die kannst du nicht an Gryffindors Wandtafel für Tester anpreisen.«

»Sagt wer?«fragte George erstaunt.

»Sage ich«sagte Hermine»und Ron.«

»Laß mich da bitte raus«erwiderte Ron hastig.

Hermine starrte ihn an. Fred und George kicherten.

»Du wirst noch früh genug einen anderen Ton anstimmen, Hermine,«sagte Fred, ein Brot dick mit Butter bestreichend.

»Du beginnst dein fünftes Jahr, du wirst uns noch früh genug um eine Imbissschachtel anbetteln.«

»Und warum sollte der Beginn des fünften Jahres bedeuten, daß ich eine blaumachende Imbissschachtel wünschte?«

fragte Hermine.

»Das fünfte Jahr ist das Jahr der Eule«sagte George.

»So?«

»Ihr werdet eure Examen ablegen, nicht wahr? Sie werden eure Nasen so fest an dem Schleifstein halten, daß sie wund gerieben werden«sagte Fred voller Zufriedenheit.

»Um zu den Zaubergraden zurückzukommen: nach der Hälfte des Jahres hatten wir kleine Zusammenbrüche«sagte George fröhlich.»Risse und Tantrums… Patricia Stimpson blieb schwach zurück…

»Kenneth Tawler bekam Blutgeschwüre, erinnerst du dich?«sagte Fred erinnernd.

»Das war, weil du ihm Bulbadox Puder in den Pyjama gestreut hast«sagte George.

»Oh ja«sagte Fred grinsend.»Ich hatte es vergessen… es war einige male schwer, den Faden nicht zu verlieren, nicht wahr?«

»Irgendwie ist es ein Alptraum des Jahres, des fünften.«Sagte George.»Wenn ihr euch in irgendeiner Weise für die Examensresultate interessiert«Fred und ich managten es, sie irgendwie aufzubewahren.

»Ja… hast du, was war es? Je drei Examen?«fragte Ron.

»Yep«sagte Fred desinteressiert, aber wir spüren unsere zukunft weit entfernt von akademischen Leistungen liegen.«

»Wir überlegten ernsthaft, ob wir beide zu unserem siebten Jahr zurückkommen würden«sagte Fred freudig strahlend

»und nun sind wir wieder hier -.«.Er wandte sich von Harrys warnendem Blick ab, der wußte, daß George drauf und dran war, den Triumpf mit dem Trimagisches Turnier zu erwähnen, den er ihnen gegeben hatte.

»- nun haben wir unsere Zaubergrade«sagte George hastig.

»Ich meine, müssen wir wirklich Unheimlich Tolle Zauberer werden? Aber wir glaubten nicht daran, daß Mutter uns genehmigen würde, die Schule früher zu verlassen. Nicht nachdem Percy dabei ist, der Welt bester Prahler zu werden.«

»Wir werden unser letztes Jahr hier nicht vergeuden«sagte Fred, wehmütig durch die Große Halle blickend.»Wir werden es nutzen, um Marktforschung zu betreiben, exakt herausfinden, was der durchschnittliche Hogwarts Schüler aus einem Scherzartikelgeschäft so braucht, die Resultate unserer Forschung sorgfältig auswerten und dann Produkte herstellen, die den Bedarf decken.«

»Aber woher wollt Ihr das Gold nehmen, um ein Scherzartikelgeschäft zu eröffnen?«fragte Hermine skeptisch.»Ihr werdet alle Bestandteile und Materialien benötigen – und Räume ebenfalls, vermute ich.«

Harry sah nicht auf die Zwillinge. Sein Gesicht fühlte sich heiß an. Er ließ seine Gabel vorsichtig fallen und bückte sich, um sie wieder aufzuheben. Er hörte Fred über seinem Kopf sagen:»Stell uns keine Fragen, und wir werden dir keine Lügen erzählen«Hermine. C«mon.

George, wenn wir sie rechtzeitig bekommen, könnten wir vor noch Kräuterkunde ein paar Ausdehnbare Ohren verkaufen.«

Harry tauchte unter dem Tisch hervor, um Fred und George weggehen zu sehen, jeder einen Stapel Toasts mit sich nehmend.

»Was hat das zu bedeuten?«fragte Hermine, von Harry zu Ron schauend.»Stell uns keine Fragen…«Bedeutet es, daß sie bereits Gold haben, um ein Scherzartikelgeschäft zu eröffnen?«

»Du weißt, daß ich mich darüber bereits gewundert habe«sagt Ron die Augenbrauen runzelnd.»Sie kauften mir diesen Sommer eine neue Ausstattung an Kleidung und ich konnte nicht verstehen, woher sie die Galleonen nahmen.«

Harry beschloss, die Konversation aus diesen gefährlichen Gefilden herauszuführen.

»Glaubt ihr, daß es stimmt, daß dieses Jahr so schwer wird, wegen der Examen?«

»Oh ja,«sagte Ron»sehr schwer sogar. Die Zaubergrade sind wirklich wichtig. Sie beeinflussen für welche Jobs du dich bewerben kannst und alles. Wir bekommen auch Bewerbungsberatung später in diesem Jahr, sagte Bill. So kannst du auswählen, welche UTZs du nächstes Jahr machen willst.«

»Wißt ihr schon, was ihr nach Hogwarts machen wollt?«fragte Harry die anderen beiden als sie die Große Halle rückwärts verließen und auf ihren Klassenraum für Geschichte der Zauberei zusteuerten.

»Nicht wirklich«sagte Ron langsam.»Ausser…gut…«

Er schaute etwas verlegen.

»Was?«drängte ihn Harry.

»Gut, es wäre cool, ein Auror zu sein«sagte Ron die Hand vor den Mund haltend.

»Ja, wäre es«sagte Harry leidenschaftlich.

»Aber sie sind wie eine Elite«sagte Ron»du mußt sehr gut sein. Was ist mit dir, Hermine?«

»Ich weiss nicht, sagte sie.«Ich denke, ich würde gern etwas wirklich lohnenswertes machen.«

»Ein Auror ist lohnenswert«sagte Harry.

»Ja, ist es. Aber es ist nicht die einzige lohnenswerte Sache«sagte Hermine nachdenklich.»Ich meine, wenn ich später zum Bund für Elfenrechte gehen könnte…«

Harry und Ron vermieden es vorsichtig, sich einander anzusehen.

Geschichte der Zauberei war für gewöhnlich das langweiligste Fach der Zauberei. Prof. Binns, ihr Gastlehrer, hatte eine dröhnende eintönige Stimme, was immer eine Garantie dafür war, binnen 10 Minuten eine feine Schläfrigkeit zu erzeugen, bei warmem Wetter in fünf Minuten. Er variierte die Form seiner Unterrichtsstunden nie, lektorierte ohne Pause, während sie Notizen machten oder treffender, schläfrig in den Raum blickten. So hatten Harry und Ron schon lange für sich beschlossen, Notizen für dieses Fach lediglich vor Examen auf Kopien von Hermines Aufzeichnungen zu beschränken, sie allein schien der einschläfernden Macht von Binn«s Stimme standhalten zu können.

Heute litten sie eineinhalb Stunden unter dem Brummeln über gigantische Kriege. Harry hörte bereits in den ersten zehn Minuten genug, um wage einschätzen zu können, daß dieses Fach bei einem anderen Lehrer hätte interessant sein können, doch dann verlor sich seine Aufmerksamkeit völlig und er verbrachte die übrige Stunde und zwanzig Minuten.mit dem Spielen von Henker mit Ron auf einer Ecke seines Pergaments während Hermine ihnen böse Blicke aus ihren Augenwinkeln zuwarf.

»Wie wäre es,«fragte sie sie kühl als sie das Klassenzimmer zur Pause verließen (Binns trieb es durch die Tafel fort)

wenn ich euch dieses Jahr meine Notizen nicht ausleihen würde?«

»Wir würden durch unser Examen fallen«sagte Ron,»wenn du das mit deinem Gewissen vereinbaren kannst,

Hermine…«

»Ja, das hättet ihr auch verdient,«erwiderte sie,»ihr versucht gar nicht, ihm zuzuhören, stimmts?«

»Wir versuchen es«sagte Ron.»Wir haben nur nicht dein Gehirn oder dein Gedächtnis oder dein Konzentration. – du bist eben cleverer als wir – ist es interessant, ihm zu folgen?«

»Oh, erzählt mir nicht so einen Blödsinn.«sagte Hermine, aber sie schaute etwas erleichtert, als sie den Weg hinaus in den feuchten Hof anführte.

Ein feiner, dunstiger Nieselregen fiel herunter, so daß die Menschen zusammgedrängt in den Hofecken standen, verschwommen auf die Ecken sehend. Harry, Ron und Hermine wählten eine abgelegene Ecke unter einem tropfenden Balkon die Kragen ihrer Roben hochschlagend gegen die kalte Septemberluft und sprachen darüber, was Snape ihnen gewöhnlich in der ersten Stunde des Hahres vorbrachte. Sie stimmten dem zu, daß es für gewöhnlich etwas extrem schweres war, gerade um sie aufzuwecken nach zwei Monaten Ferien. Da kam jemand um die Ecke auf sie zu.

»Hallo, Harry!«

Es war Cho Chang und, was noch wichtiger war, sie war wieder alleine. Dies war höchst ungewöhnlich: Cho war meistens umgeben von einer Bande kirchernder Mädchen; Harry erinnerte sich an die Höllenqualen, als er versuchte, sie zu fragen, ob sie ihn zum Weihachtsball begleiten würde.

»Hi,«sagte Harry, sein Gesicht fühlte sich heisser werdend an. Wenigstens bist du diesmal nicht mit Stinksaft bedeckt, sagte er zu sich selbst. Cho schien denselben Gedanken zu haben.

»Du bist das Zeug also los geworden?«

»Jau,«sagte Harry, der versuchte zu grinsen, so als ob der Gedanke an ihre letztes Treffen ihn erheiterte, statt ihn zu kränken.»Also, hast du… ähm… einen schönen Sommer gehabt?«

Einen Moment, nachdem er das gesagt hatte, wünschte er sich, er hätte es nicht getan – Cedric war Chos Freund gewesen und die Erinnerung an seinen Tod muß ihre Ferien fast so schlecht beeinflußt haben, wie er auf Harrys Einfluß genommen hatte. Es war schien ihr Gesicht zu straffen, aber sie sagte:»Oh, es war in Ordnung, weißt du…«

»Ist das ein Tornados-Abzeichen?«wollte Ron plötzlich wissen, auf die Vorderseite von Cho«s Robe deutend, wo ein himmelblaues Abzeichen geschmückt mit einem doppelten, goldenen T festgeheftet war.»Du unterstützt sie nicht, oder?«

»Doch, das tue ich,«sagte Cho.

»Hast du sie immer schon unterstützt, oder erst seit sie damit anfingen, die Liga zu gewinnen?«sagte Ron, mit einer, wie Harry es empfand, unnötig anklagenden Stimme.

»Ich habe sie unterstützt, seit ich sechs war,«sagte Cho kühl.»Wie auch immer… bis dann, Harry.«

Sie ging fort. Hermine wartete, bis sie den Hof zur Hälfte überquert hatte, bevor sie sich Ron zuwandte.

»Du bist so taktlos!«

»Was? Ich habe sie doch nur gefragt -«

»Hättest du«s dir nicht verkneifen könne, vielleicht wollte sie nur allein mit Harry sprechen?«

»So? Hätte sie doch gekonnt, ich habe sie nicht unterbrochen -«

»Warum um aller Welt mußtest du sie wegen ihrer Quidditch Mannschaft angreifen?«

»Angreifen? Ich habe sie nicht angegriffen, ich wollte nur -«

»Wer kümmert sich darum, ob sie die Tornados unterstützt?«

»Oh, komm schon, die Hälfte aller Leute die du mit ihrem Abzeichen rumlaufen siehst, haben es sich erst in der letzten Saison gekauft -«

»Aber war hat das schon zu bedeuten!«

»Es bedeutet, das sie keine wahren Fans sind, sie springen nur auf den fahrenden Zug auf -«.»Das ist die Glocke,«sagte Harry dump, weil Ron und Hermine sich zu laut zankten, um es zu hören. Sie hörten nicht einmal auf dem Weg hinunter in Snapes Verließ auf zu diskutieren, wodurch Harry einen Menge Zeit dazu hatte, sich die Sache mit Neville und Ron noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Er könnte sich glücklich schätzen, wenn er doch nur einmal auf ein Gespräch von zwei Minuten mit Cho hätte, ohne sofort das Land verlassen zu wollen.

Und dennoch glaubte er, als er sich der Schlange außerhalb der Türe von Snapes Klassenzimmer anschloß, das sie es vorgezogen hatte zu Harry zu kommen und mit ihm zu reden, oder? Sie war Cedric«s Freundin; sie hätte Harry leicht dafür hassen könne, das er das Trimagische Labyrinth lebendig verlassen hatte, während Cedric gestorben war, aber sie sprach mit ihm auf eine vollkommen freundliche Art, nicht so, als würde sie ihn für verrückt halten, oder für einen Lügner, oder auf eine schreckliche Art und Weise verantwortlich für Cedrics Tod… ja, sie hatte sich wirklich dafür entschieden, zu ihm zu kommen und mit ihm zu sprechen, und das zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen… und dieser Gedanke beflügelte Harrys Geist. Selbst der bedrohliche Klang der knarrend öffnenden Kerkertüre Snapes konnte kein Loch in die kleine, hoffnungsvolle Blase stechen, die in Harrys Brustkorb zu schwellen schien. Er ordnete sich im Klassenzimmer hinter Ron und Hermine ein und folgte ihnen zu ihrem üblichen Tisch an der Rückseite, wo er sich zwischen Ron und Hermine setzte und die empfindlichen, gereizten Geräusche ignorierte, die beide nun von sich gaben.

»Hinsetzen,«sagte Snape kalt, die Türe hinter sich schließend.

Es bestand keine wirklich Notwendigkeit für einen Ordnungsruf, in dem Moment, als die Klasse die sich schließende Türe wahrnahm, wir sie in Stille versunken und alles zappeln hörte auf. Allein Snapes Anwesenheit war ausreichend genug, um das Schweigen der Klasse sicherzustellen.

»Bevor wir mit der heutigen Unterrichtsstunde anfangen,«sagte Snape, kehrte zu seinem Tisch zurück und starrte sie alle an,»finde ich es passend sie daran zu erinnern, daß im nächsten Juni eine wichtige Prüfung haben werden, während der sie unter Beweis stellen müssen, wieviel sie über die Zubereitung und Verwendung von magischen Tränken gelernt haben. Schwachsinnig, wie einige in dieser Klasse ohne Zweifel sind, erwarte ich daß sie ein»Annehmbar«in ihrem ZAK abschminken, oder meine… Mißgunst erleiden.

Sein Blick verweilte diesmal bei Neville, der schluckte.

»Nachdem viele von Ihnen dieses Jahr natürlich aufhören werden, mit mir zu studieren,«ging Snape weiter,»werde ich nur die besten in meine ZAK Klasse nehmen, was bedeutet, das sicherlich einige von uns auf Wiedersehen sagen werden.«

Seine Augen ruhten auf Harry und er rollte seine Lippe ein. Harry funkelte zurück, eine grimmige Zufriedenheit dabei empfindend, das es ihm nach dem fünften Jahr gestattet war, Zaubertränke aufgeben zu können.

»Aber wir haben noch ein weiteres Jahr, vor jenem glücklichen Moment des Abschieds,«sagte Snape weich,»also, egal ob sie den ZAK angehen oder nicht, rate ich ihnen allen, sich darauf zu konzentrieren, die hohe Zugangsstufe zu erreichen, die ich von meinen ZAK Schülern erwarte. Heute werden wir einen Trank mischen, der oft bei Zauberern der gewöhnlichen Stufe zur Diskussion kommt: der Schluck des Friedens, ein Trank um Ängste zu stillen und Unruhen zu beschwichtigen. Seien sie gewarnt: wenn sie zu unbeholfen mit den Zutaten umgehen, kann der Trinkende in einen schweren, manchmal umumkehrbaren Schlaf versinken, daher sollten sie genau darauf acht geben, was sie tun.«

Zu Harrys Linker saß Hermine ein wenig aufrechter, ihr Ausdruck größter Aufmerksamkeit.

»Die Zutaten und das Verfahren -«Snape ließ seinen Stab vorschnellen»- stehen an der Tafel«(sie erschienen dort)»-

sie finden alles, was sie benötigen -«wieder schnellte sein Stab vor«- im Geschäftsschrank -«(die Tür des besagten Schranks sprang auf)»- sie haben anderhalb Stunden… anfangen.«

Wie Harry, Ron und Hermine es vorausgesehen hatten, hätte Snape sie kaum einen schwierigeren, friesierten Trank herstellen lassen können. Die Zutaten mußten dem Kessel in genau der richtigen Reihenfolge und Menge zugeführt werden; die Mixtur mußte genau entsprechend der vorgegebenen Zahl umgerührt werden, zuert im Uhrzeigersinn, dann entgegen des Uhrzeigersinns; die Hitze der Flamme, auf der sie siedete, mußte nach genau der richtigen Anzahl von Minuten gesenkt werden, bevor die letzte Zutat hinzugefügt wurde.

»Ein leichter Silberdunst sollte ihrem Trank nun entsteigen,«sagte Snape als noch zehn Minuten verblieben.

Harry, der freigiebig schwitzte, sah sich verzweifelt im Verließ um. Sein eigener Kessel gab reichliche Mengen eines dunkelgrauen Dampfs von sich; Ron«s spri grüne Funken. Seamus ließ fieberhaft die Flammen unter dem Boden seines Kessels mit der Zauberstab auflodern, das sie ihm auszugehen drohten. Die Oberfläche von Hermines Trank, wie auch immer, war ein schimmernder Nebel aus Silberdunst, und als Snape heranfegte, blickte er ohne Kommentar an seiner Hakennase hinunter, was bedeutete, das er nichts zum kritisieren finden konnte.

An Harrys Kessel allerdings blieb Snape stehen, and sah auf ihn, mit einem schrecklichen Grinsen auf dem Gesicht, herunter.

»Potter, was soll dies angeblich sein?«.Die Slytherins im Vorderteil der Klasse sahen alle gespannt auf; sie liebten es Snape zuzuhören, wie er Harry verspottete.

»Der Schluck des Friedens,«sagte Harry angespannt.

»Sag mir, Potter,«sagte Snape weich,»kannst du lesen?«

Draco Malfoy lachte.

»Ja, kann ich,«sagte Harry, seine Finger legten sich fest um seinen Stab.

»Lesen sie mir die dritte Zeile der Anweisungen vor, Potter.«

Harry schielte zur Tafel; es war nicht leicht, die Anweisungen durch den Dunstschleier der vielfarbigen Dämpfe, die jetzt den Kerker erfüllten, auszumachen.

»Fügen sie gemahlenes Mondgestein hinzu, rühren sie dreimal gegen Uhrzeigersinn, lassen sie es nun sieben Minuten lang sieden, dann fügen sie zwei, dann fügen sie zwei Tropfen des Sirups einer Nieswurz hinzu.«

Sein Herz sank. Er hatte den Sirup einer Nieswurz nicht hinzugefügt, sondern war direkt zur vierten Zeile der Anweisungen übergegangen, nachdem er seinem Trank erlaubt hatte, für sieben Minuten zu sieden.

»Taten sie alles, was auf der dritten Zeile steht, Potter?«

»Nein,«sagte Harry leise.

»Ich bitte um Verzeihung?«

»Nein,«sagte Harry lauter,»ich vergaß die Nieswurz.«

»Ich weiß, daß sie das taten, Potter, was bedeutet, daß dieser Wust ausgesprochen wertlos ist. Evanesce.«

Der Inhalt aus Harrys Kessel verschwand; er wurde töricht neben einem leeren Kessel stehengelassen.

»Jene von euch, die es vollbrachten die Anweisungen zu lesen, füllen bitte einen Krug mit einer Probe ihres Trankes, ettiketieren sie es deutlich mir Ihrem Namen und bringen sie es zur Überprüfung an meinen Schreibtisch.«sagte Snape.

»Hausaufgabe: zwölf Zoll Pergament über die Eigenschaften des Mondgesteins und seines Gebrauchs bei der Zubereitung von Tränken, abzugeben am Donnerstag.«

Während jeder um ihn herum seinen Krug füllte, räumte Harry seine Sachen weg, vor Wut kochend. Sein Trank war nicht schlechter als der Ron«s gewesen, der jetzt einen üblen Geruch nach faulen Eiern verbreitete; oder Neville«s, der die Konsistenz von frisch gemixten Zement angenommen hatte, den Neville jetzt aus seinem Kessel meißeln mußte; dennoch war es Harry, der keine Punkte für die Arbeit des Tages bekommen würde. Er stopfte seinen Stab zurück in seine Tasche und sack auf seinen Sitz nieder, allen anderen dabei zusehend, wie sie zu Snapes Schreibtisch marschierten, mit ihren gefüllten und verkorkten Krügen. Als endlich die Glocke erklang, war Harry als erster aus dem Verließ und hatte mit seinem Mittagessen bereits begonnen, als Ron und Hermine sich in der Großen Halle zu ihm gesellten. Die Decke zeigte sich jetzt noch viel trüber, als beim Morgengrauen. Regen peitschte gegen die hohen Fenster.

»Das war wirklich unfair,«sagte Hermine tröstend, während sie sich neben Harry setzte und sich vom Auflauf nahm.

»Dein Trank war nicht annähernd so miserabel wie der von Goyle; als der ihn in seine Flasche gefüllt hat, ist das ganze Teil zersprungen und hat seine Kleider in Brand gesteckt.«

»Tja, naja,«sagte Harry und sah finster auf seinen Teller,»wann war Snape schon jemals fair zu mir?«

Keiner der anderen antwortete; sie wußten alle drei, daß Snapes und Harrys gegenseitige Feindschaft vollkommen gewesen war von dem Moment an, wo Harry seinen Fuß nach Hogwarts gesetzt hatte.

»Ich hatte gedacht, er würde sich vielleicht dieses Jahr etwas bessern,«sagte Hermine, und ihre Stimme klang enttäuscht.»Ich meine… naja…«sie sah sich vorsichtig um; rechts und links von ihnen waren jeweils ein halbes Dutzend Plätze frei und niemand ging am Tisch vorbei»jetzt, wo er im Orden ist und so.«

»Giftpilze wechseln niemals den Standort,«sagte Ron weise.»Überhaupt habe ich schon immer gedacht, daß Dumbledore verrückt war, Snape zu vertrauen. Wo ist denn der Beweis dafür, daß er jemals wirklich aufgehört hat, für Du-weißt-schon-Wen zu arbeiten?«

»Ich denke mir, daß Dumbledore wahrscheinlich genug Beweise hat, auch wenn er sie nicht mit dir durchspricht, Ron,«

blaffte Hermine.

»Oh, haltet die Klappe, alle beide,«sagte Harry barsch, als Ron den Mund öffnete, um dagegenzuhalten. Hermine und Ron hielten inne, mit ärgerlichen und gekränkten Gesichtern.»Könnt ihr nicht mal Pause machen?«sagte Harry;

»Ständig geht ihr aufeinander los, das macht mich wahnsinnig.«Und damit ließ er seinen Auflauf stehen, schwang sich seine Schultasche wieder über die Schulter und ließ die beiden am Tisch zurück…Er lief die marmorne Treppe hinauf, immer zwei Stufen auf einmal nehmend, vorbei an den vielen Schülern, die zum Mittagessen eilten. Die Wut, die so unerwartet aufgeflammt war, loderte noch immer in ihm, und der Gedanke an Rons und Hermines bestürzte Gesichter bot ihm ein Gefühl tiefer Befriedigung. Geschieht ihnen Recht, dachte er, warum können sie nicht mal Pause machen… immer dieses Gezanke… da würde jeder die Wände hochgehen…

Auf einem Treppenabsatz kam er an dem großen Bild von Sir Cadogan vorbei, dem Ritter; Sir Cadogan zog sein Schwert und schwang es heftig gegen Harry, der ihn ignorierte.

»Räudiger Hund, komm Er zurück! Steht fest und kämpft!«rief Sir Cadogan mit gedämpfter Stimme hinter seinem Visier hervor, aber Harry ging einfach weiter, und als Sir Cadogan versuchte, ihm zu folgen, indem er in ein benachbartes Bild lief, wurde er von dessen Bewohner, einem großen und gereizt aussehenden Wolfshund, schroff abgewiesen.

Harry verbrachte den Rest der Mittagspause, indem er alleine unter der Falltür oben im Nordturm saß. Als es klingelte war er folglich der erste, der die silberne Leiter erklomm, die zu Sybill Trelawneys Klassenraum führte.

Nach Zaubertränke war Weissagung das Fach, das Harry am wenigsten mochte, was hauptsächlich an Professor Trelawneys Angewohnheit lag, alle paar Unterrichtsstunden Harrys frühzeitigen Tod vorauszusagen. Sie war eine dünne Frau, übermäßig mit Tüchern behängt und glitzernd vor Perlenschnüren und erinnerte Harry immer an irgendein Insekt, mit ihrer Brille, die ihre Augen so enorm vergrößerten. Als Harry den Raum betrat, war sie gerade damit beschäftigt, ramponierte Exemplare eines ledergebundenen Buches auf den zierlichen kleinen Tischen zu verteilen, mit denen ihr Raum übersät war – das Licht aus den mit Tüchern abgehängten Lampen und vom heruntergebrannten, widerlich parfümierten Feuer war so trübe, daß sie Harry nicht zu bemerken schien, als er sich im Halbdunkel einen Platz suchte. Der Rest der Klasse kam im Verlauf der folgenden fünf Minuten dazu. Ron tauchte aus der Falltür auf, sah sich sorgfältig um, entdeckte Harry und ging direkt auf ihn zu, oder so direkt er konnte, während er sich zwischen Tischen, Stühlen und harten Sitzkissen einen Weg bahnte.

»Hermine und ich haben aufgehört zu streiten,«sagte er, als er sich neben Harry setzte.

»Gut,«grunzte Harry.

»Aber Hermine sagt, sie fände es nett, wenn du aufhören würdest, deine schlechte Laune an uns auszulassen,«sagte Ron.

»Ich lasse gar nicht-«

»Ich gebe nur die Nachricht weiter,«unterbrach ihn Ron.»Aber ich finde, sie hat recht. Es ist nicht unsere Schuld, wie Seamus und Snape dich behandeln.«

»Ich habe nie gesagt -«

»Guten Tag,«sagte Professor Trelawny in ihrer üblichen verschleierten, träumerischen Stimme, und Harry unterbrach sich, wieder einmal ärgerlich und beschämt zugleich.»Und willkommen zurück zu Weissagungen. Selbstverständlich habe ich über die Ferien euer Geschick mit größter Sorgfalt verfolgt, und ich bin froh zu sehen, daß ihr alle sicher zurück in Hogwarts seid – was ich selbstredend vorher schon wußte.

Ihr werdet auf den Tischen vor euch Ausgaben von Das Traum-Orakel von Inigo Imago sehen. Traumdeutung ist ein äußerst wichtiges Mittel der Weissagung, und dazu eines, das sehr wahrscheinlich in eurem OWL geprüft wird. Nicht, daß ich der Meinung wäre, das Bestehen oder Nichtbestehen von Prüfungen hätte auch nur den geringsten Belang, wenn es um die geheiligte Kunst der Weissagung geht. Wenn ihr das Sehende Auge habt, haben Zeugnisse und Noten sehr wenig Bedeutung. Der Schulleiter jedoch möchte, daß ihr diese Prüfung ablegt, also…«

Ihre Stimme schwand dezent dahin und ließ sie alle in der Gewißheit, daß Professor Trelawny ihr Fach als etwas ansah, was über so schmutzigen Dingen wie Prüfungen stand.

»Bitte schlagt die Einleitung auf und lest nach, was Imago über die Materie der Traumdeutung zu sagen hat. Dann bildet Paare. Verwendet Das Traum-Orakel, um gegenseitig eure letzten Träume zu deuten. Fangt an.«

Das einzig Gute, was man über diese Stunde sagen konnte, war, daß sie keine Doppelstunde war. Als sie endlich alle die Einleitung des Buchs gelesen hatten, blieben ihnen kaum noch zehn Minuten für die Traumdeutung. Am Tisch neben Harry und Ron hatte sich Dean mit Neville zusammengetan, der sofort zu der weitschweifigen Erläuterung eines Alptraums ansetzte, in dem es um eine Schere ging, die den besten Hut seiner Großmutter trug; Harry und Ron sahen einander nur mißmutig an.

»Ich erinnere mich nie an meine Träume,«sagte Ron,»erzähl du.«

»Du mußt dich doch an einen erinnern können,«sagte Harry ungeduldig.

Er würde niemandem seine Träume schildern. Er wußte ganz genau, was sein ständiger Traum von einem Friedhof bedeutete, das mußten Ron oder Professor Trelawny oder das dumme Traum-Orakel ihm nicht erzählen…»Also, neulich Nacht hab ich geträumt, daß ich Quidditch spiele,«sagte Ron und verzog das Gesicht in der Anstrengung, sich zu erinnern.»Was meinst du, was das bedeutet?«

»Vielleicht, daß du von einem riesigen Marshmallow gefressen wirst oder so,«sagte Harry und blätterte lustlos im Traum-Orakel. Es war langweilig, Traumfetzen im Orakel nachzuschlagen, und Harrys Laune besserte sich nicht, als Professor Trelawny ihnen als Hausarbeit die Aufgabe stellte, einen Monat lang ein Traumtagebuch zu führen. Als es klingelte, stieg er mit Ron als erster die Leiter hinab, wobei Ron laut murrte.

»Ist dir klar, wieviele Hausaufgaben wir jetzt schon haben? Für Binns einen ein Meter langen Aufsatz über die Riesen-Kriege,

Snape will einen halben Meter über den Gebrauch von Mondstein, und jetzt kriegen wir noch einen Monat Traumtagebuch von Trelawny! Fred und George hatten recht mit dem OWL-Jahr, was? Diese Umbridge-Trulle sollte uns besser nichts aufgeben…«

Als sie den Verteidigung-gegen-die-Dunklen-Künste-Klassenraum betraten, saß Professor Umbridge bereits am Lehrerpult und trug die flauschige rosa Strickjacke vom Vorabend und die schwarze Samtschleife auf dem Kopf.

Wieder fühlte sich Harry stark an eine große Fliege erinnert, die sich unklugerweise auf einer noch größeren Kröte niedergelassen hatte.

Die Klasse war ruhig, als sie den Raum betrat; Professor Umbridge war noch eine unbekannte Größe und niemand wußte, wie strikt sie möglicherweise auf Disziplin achten würde.

»Also, guten Tag!«sagte sie, als schließlich die ganze Klasse Platz genommen hatte.

Ein paar Leute murmelten»guten Tag.«

»Tss, tss,«machte Professor Umbridge. »Das reicht aber nicht, oder? Ich möchte bitte gerne, daß ihr antwortet:»Guten Tag, Professor Umbridge.«Also bitte noch einmal. Guten Tag, Kinder!«

»Guten Tag, Professor Umbridge,«antworteten sie im Chor.

»Na, also,«sagte Professor Umbridge süß.»Das war doch nicht allzu schwierig, nicht? Zauberstäbe weg und Federn raus, bitte.«

Viele in der Klasse tauschten düstere Blicke; auf den Befehl»Zauberstäbe weg«war bislang noch nie eine Stunde gefolgt, die sie interessant gefunden hätten. Harry schob seinen Zauberstab zurück in seine Tasche und holte Feder,

Tinte und Pergament hervor. Professor Umbridge öffnete ihre Handtasche, zog ihren eigenen Zauberstab heraus, der ungewöhnlich kurz war, und klopfte damit scharf auf die Tafel; sofort erschienen die Worte:

Verteidigung gegen die Dunklen Künste Eine Rückkehr zu grundlegenden Prinzipien

»Nun gut, euer Unterricht in diesem Fach wurde etwas unterbrochen und fragmentiert, nicht wahr?«stellte Professor Umbridge fest, drehte ihr Gesicht der Klasse zu, die Hände vor sich gefaltet.»Der ständige Wechsel an Lehrern, viele von ihnen scheinen keinem vom Ministerium anerkannten Lehrplan gefolgt zu sein, hat bedauerlicherweise dazu geführt, das ihr weit hinter dem Standard liegt, den wir von euch in eurem ZAK-Jahr erwarten.

»Allerdings, wird es euch sicher freuen zu wissen, daß diese Probleme jetzt beseitigt worden sind. Wir werden dieses Jahr einem sorgsam strukturierten, Theorie gewichteten, Ministeriums geprüften Unterricht in defensiver Magie folgen.

Bitte schreiben sie folgendes ab.«

Sie klopfte erneut auf die Tafel; die erste Nachricht verschwand und wurde durch die _ Kurs-Ziele_ ersetzt.

Die grundlegenden Prinzipien defensiver Magie verstehen.

Lernen, Situationen zu erkennen, in denen defensive Magie gesetzlich benutzt werden darf.

Die Verwendung von defensiver Magie in einen Zusammenhang mit seiner praktischen Verwendung bringen.

Für ein paar Minuten war der Raum erfüllt von dem kratzenden Geräusch von Federn auf Pergament. Als jeder Professors Umbridge drei Kurs Ziele abgeschrieben hatte fragte sie:»Hat jeder ein Exemplar von Magische Theorie zur Verteidigung, von Wilbert Slinkhard?«

Darauf folgte ein teilnahmsloses Murmeln von Zustimmungen von der Klasse.»Ich denke wir versuchen es noch mal,«

sagte Professor Umbridge.»Wenn ich euch eine Frage stelle, möchte ich gerne daß ihr sagt,»Ja, Professor Umbridge,«

oder»Nein, Professor Umbridge.«Also: Hat jeder ein Exemplar von Magische Theorie zur Verteidigung von Wilbert Slinkhard?«

»Ja, Professor Umbridge,«schallte es durch den Raum.»Gut,«sagte Professor Umbridge. I möchte gerne daß ihr Seite fünf aufschlägt und»Kapitel Eins, Grundlage für Anfänger«lest.«Es wird nicht geredet«.Professor Umbridge verließ die Tafel und setzte sich auf den Sessel hinter dem Lehrerisch, wobei sie alle genau mit ihren Kröten Augen beobachtete. Harry blätterte zur Seite Fünf von seinem Buch und begann zu lesen. Es war hoffnungslos langweilig, gleich als würde man Professor Binns zuhören. Er fühlte daß seine Konzentration nachließ; bald hatte er die gleiche Zeile ein halbes dutzend Mal gelesen ohne auch nur die ersten Wörter aufzunehmen. Einige stille Minuten vergingen. Neben ihm, spielte Ron geistesabwesend mit seiner Feder und starrte immer an die gleiche Stelle der Seite. Harry blickte nach rechts und die Überraschung schüttelte ihm aus seiner Trägheit. Hermine hatte ihr Buch noch nicht mal geöffnet. Sie blickte mit der Hand in der Luft zu Professor Umbridge. Harry konnte sich nicht erinnern, daß Hermine jemals eine Aufforderung zu lesen missachtet hat, oder daß sie nicht einmal ein Buch öffnete das ihr unter die Nase kam. Er schaute sie verwundert an aber sie schüttelte sacht den Kopf um zu zeigen daß sie keine Fragen beantwortete und begann wieder Professor Umbridge anzustarren, die aber in eine andere Richtung schaute.

Als ein paar Minuten vergingen war Harry nicht mehr der einzige der zu Hermine blickte. Das Kapitel das sie zu lesen begonnen hatten war so uninteressant daß immer mehr Schüler Hermines Bemühungen Professor Umbridge«s Aufmerksamkeit zu erregen mit ansahen. Als mehr als die Hälfte der Klasse zu Hermine starrten, schien es als hatte Professor Umbridge es sich überlegt daß sie die Situation nicht mehr länger ignorieren konnte.

»Möchtest du mich gerne etwas über das Kapitel fragen, Liebes?«fragte sie Hermine, als wäre sie die einzige die Hermine wahrnahm.»Nicht über das Kapitel, nein,«sagte Hermine.

»Gut, wir lesen jetzt aber,«sagte Professor Umbridge,.»Wenn du andere Probleme hast können wir sie am Ende der Stunde bereden.«»Ich habe Frage über ihre Kurs Ziele,«sagte Hermine. Professor Umbridge hob ihre Augenbrauen.

»Wie heißen sie?«

»Hermine Granger,«sagte Hermine.

»Gut Miss Granger, Ich glaube die Kurs Ziele sind klar wenn man sie genau gelesen hat,«sagte Professor Umbridge mit zuckersüßer Stimme.

»Aber, ich nicht,«sagte Hermine stumpf.» Da ist nichts geschrieben über das benützen der Verteidigungszauber.«Es folgte eine kurze Stille in welcher viele Mitglieder der Klasse ihren Kopf der Tafel zuwandten um die drei Kurs Ziele noch mal durchzulesen. »Benützung der Verteidigungszauber?«wiederholte Professor Umbridge mit einen kleinen Lachen.»Warum, ich kann mit keine Situation in meiner Klasse vorstellen wo man einen Verteidigungszauber bracht,

Miss Granger. Sie werden sicher nicht erwarten daß sie jemand während der Stunde angreift?«

»Wir werden keinen Magie benützen?«schrie Ron laut heraus.

»Schüler haben aufzuzeigen wenn sie in meiner Klasse zu sprechen wünschen, Mr -?«

»Weasley,«sagte Ron, streckte seinen Arm in die Luft.

Professor Umbridge, lächelte noch immer, drehte sich um. Sofort streckten Harry und Hermine ihre Hände in die Luft.

Professor Umbridge musterten Harry für eine Moment bevor sie Hermine fragte.

»Ja, Miss Granger? Sie wollen etwas anderes fragen?«

»Ja,«sagte Hermine.»Eindeutig ist der ganze Punkt von Verteidigung gegen die Dunklen Künste um Verteidigungszauber zu lernen?«

»Sind sie ein ausgebildeter Experte, Miss Granger?«fragte Professor Umbridge mit ihrer falschen süßen Stimme.

»Nein, aber -«

»Gut also, I fürchte sie sind nicht qualifiziert um zu entscheiden was der»ganze Punkt«von jeder Klasse ist. Zauberer die viel älter und gelehrter sind als sie haben ein neues Lernprogramm entwickelt. Ihr werdet alles über Verteidigungszauber lernen über einen Gefahren-freien Weg -«

»Was für eine Benützung ist das?«sagte Harry laut.»Wenn wir attackiert werden ist es sicher nicht in einer -«

»Aufzeigen, Mr Potter!«sang Professor Umbridge.

Harry steckte seine Faust in die Höhe. Wieder, wandte sich Professor Umbridge von ihm weg, aber nun hatten einige andere Schüler ihre Hände in der Höhe.

»Und wie heißen sie?«Sagte Professor Umbridge zu Dean.

»Dean Thomas«

»Ja, Mr Thomas?«

»Also, es ist wie Harry es sagte, oder?«sagte Dean.»Wenn wir attackiert werden wird es nicht Risiko Frei sein.«.»Ich wiederhole,«sagte Professor Umbridge, während sie irritiert zu Dean lächelte,»glaubst du wirklich du wirst in meiner Klasse attackiert?«

»Nein, aber -«

Professor Umbridge sagte zu ihn.»Ich wünsche nicht daß ihr die Stunden an dieser Schule kritisiert,«sagte sie mit einem unüberzeugenden lächeln,»aber ihr hattet ein paar sehr unverantwortliche Zauberer in dieser Klasse, sehr unverantwortliche, in der Tat – nicht z bestreiten,«sie lachte dreckig»Extrem gefährliche Halb-Tiere.«

Falls sie Professor Lupin meinen,«sagte Dean wütend,»er war der beste den wir jemals -«

»Aufzeigen, Mr Thomas! Ihr habt Zaubersprüche gelernt die zu schwierig für euer alter sind. Ihr befürchtet daß ich jeden Tag von schwarzen Magiern angegriffen werdet -«

»Nein haben wir nicht,«sagte Hermine,»wir -«

Sie zeigen nicht auf, Miss Granger«

Hermine streckte ihre Hand in die Höhe. Professor Umbridge drehte sich von ihr weg.

»Verstehe ich richtig, nicht nur daß er euch illegale Flüche gezeigt hat, er vollführte sie auch an ihnen?«

»Nun ja, er entpumpte sich als Verrückter, oder?«sagte Dean entzürnt.»Denken sie, wir lernten eine Menge von ihm.«

»Ihre Hand is nicht oben, Mr Thomas!«schrie Professor Umbridge.»Jetzt, will es das Ministerium daß ihr teorethisches Wissen erlangt, um bei euren Prüfungen erfolg zu haben. Ihr sollt so lernen wie es an einer normalen Schule üblich ist. Und ihr Name ist?«

»Parvati Patil, und ist da nicht ein praktischer Teil in unseren Verteidigung gegen die Dunklen Künste ZAG? Müssen wir nicht zeigen daß wir Gegenflüche und andere Sachen können?«

»Wenn ihr die Theorie lang genug studiert habt wird es kein Problem sein daß ihr die Flüche unter genauer Kontrolle durchführen könnt«

»Ohne das wir sie jemals vorher praktiziert haben?«fragte Parvati.» Sie erzählen uns daß das erste mal wenn wir Flüche praktizieren wird während unserer Prüfung sein?«

»Ich wiederhole, wenn ihr die Flüche lang und hart genug studiert habt -«

»Und was hilft uns das in der wirklichen Welt?«sagte Harry laut, seine Faust wieder in der Luft.

Professor Umbridge schaute auf.

»Wir sind hier in der Schule, Mr Potter, nicht in der wirklichen Welt,»sagte sie sanft.

»Wir werden also nicht darauf vorbereitet auf das was uns draußen erwartet?«

»Da ist nichts das draußen auf sie wartet Mr Potter.«

»Ach wirklich?«sagte Harry. Sein Temperament, welches sowieso schon sehr gereizt war, erreichte seinen siedenden Punkt.

»Wer, glauben sie, könnte versuchen Kinder wie sie zu attackieren?«entgegnete Professor Umbridge in einer honigsüßen Stimme.

»Hmm, lassen sie mich nachdenken…«sagte Harry in einer nachdenklichen Stimme.»Vielleicht… Lord Voldemort?«

Ron keuchte; Lavender Brown schrie leise; Neville fiel seitwärts von seinem Stuhl. Professor Umbridge, wie auch immer, machte keinen Zucker. Sie starrte auf Harry mit einem grimmigen sadistischen Ausdruck auf dem Gesicht.

»Zehn Punkte von Gryffindor, Mr Potter.«

Die Klasse war leise und ruhig. Jeder starrte entweder auf Umbridge oder Harry.

»Jetzt, lassen sie mich ein paar Dinge klarstellen.«

Professor Umbridge stand auf und lehnte sich vor zu ihnen.

»Sie haben erzählt daß ein gewisser Dunkler Zauberer von den toten auferstanden ist -«

»Er war nicht tot«sagte Harry wütend,»aber ja, er ist zurück!«

»Mr-Potter-sie-haben-schon-zehn-Punkte-verloren-machen-sie-es-nicht-noch-schlimmer, «sagte Professor Umbridge in einem Atemzug ohne in anzuschauen.»Als ich sagte, sie haben uns erzählt daß ein gewisser Dunkler Zauberer ist gleich mächtig als vorher. Das ist eine Lüge.«.»Es ist KEINE Lüge!«sagte Harry.»Ich sah ihn, Ich kämpfte gegen ihm!«

»Strafarbeit, Mr Potter!«sagte Professor Umbridge triumphierend.

»Morgen Abend. Fünf Uhr. Mein Büro. Ich wiederhole, das ist ein Lüge. Das Ministerium der Zauberei garantiert daß ihr nicht in Gefahr seid von irgendeinen Dunklen Zauberer. Wenn ihr noch immer besorgt seid, ich stehe euch immer außerhalb der Klasse zur Verfügung. Falls sie irgendwer über zurück gekommene Zauberer informiert, möchte ich es gern hören. Ich bin hier zu helfen. Ich bin euer Freund. Und würdet ihr jetzt bitte so freundlich sein und euer lesen fortsetzen. Seite Fünf,» Grundlage für Anfänger.«

Professor Umbridge setzte sich wieder hinter ihren Tisch. Harry, Stand auf. Jeder starrte auf ihn; Seamus schaute halb-ängstlich, halb-fasziniert.

»Harry, nein!«flüsterte Hermine mit einer warnenden Stimme, an seinem Ärmel ziehend, aber Harry zog seinen Arm aus ihrer Reichweite.

»So, Cedric Diggory starb an seiner eigenen Schuld, tat er?«fragte Harry mit brechender Stimme.

Jeder in der Klasse hielt den Atem an, keiner von ihnen, außer Ron und Hermine, hat Harry jemals darüber sprechen gehört was in der nacht geschah als Cedric starb. Sie schaute auf Harry und Professor Umbridge, die ihre Augen weit aufschlug und ihn anstarrte ohne auch nur ein falsches lächeln im Gesicht.

»Cedrics Tot war ein tragischer Unfall,«sagte sie kühl.

»Es war Mord,«sagte Harry. Er kämpfte mit sich selbst. Er hatte letztes Jahr sehr hart über dies gesprochen, nun tat er es vor allen dreißig Mitschüler.»Voldemort tötete ihn und sie wissen es auch.«

Professor Umbridge wurde weiß im Gesicht. Für einen Moment dachte Harry sie würde anfangen zu schreien. Dann aber sagte sie:«Kommen sie her, Mr Potter.«

Er stand auf ging um Ron und Hermine herum vor zum Lehrertisch. Er konnte fühlen das der Rest der Klasse die Luft anhielt. Er war so wütend das es ihm egal war was weiter passierte.

Professor Umbridge zog eine schmale Rolle pinkfarbenes Pergament aus ihrer Handtasche, breitete es auf dem Tisch aus, tauchte ihre Feder in eine Flasche Tinte und fing an zu schreiben, das Paper so hochgezogen, daß Harry nicht sehen konnte, was. Niemand sprach. Nach etwa einer Minute rollte sie das Pergament zusammen und tippte es mit ihrem Zauberstab an, sodaß es sich nahtlos versiegelte und Harry es nicht öffnen konnte.

»Bring das zu Professor McGonagall, mein Lieber,«sagte Professor Umbridge und reichte ihm die Rolle.

Wortlos nahm er das Papier entgegen, drehte sich um und verließ den Raum. Ohne auch nur zu Ron und Hermine zurückzuschauen, knallte er die Klassenzimmertür hinter sich zu und eilte den Korridor entlang. Die Nachricht für McGonagall hielt er fest in der Hand. Als er um eine Ecke bog, lief er geradewegs in Peeves den Poltergeist, einen großmäuligen kleinen Mann der in der Luft schwebend mit mehreren Tintenfässchen jonglierte.

»Seht, es ist der kleine Potter,«gackerte Peeves und ließ zwei Tintenfässchen zu Boden fallen, wo sie zerschellten und die Wände mit Tinte bespritzten. Harry sprang rückwärts aus dem Weg und knurrte:»Hau ab, Peeves.«

»Oooh, die Knallerbse ist schlecht gelaunt,«sagte Peeves und verfolgte Harry den Korridor entlang.»Was ist es dieses Mal, mein kleiner feiner Potterfreund? Hörst du Stimmen? Hast du Visionen? Sprichst du – Peeves blies sich zu eine gigantische Himbeere auf – komische Sprachen?«

»Ich sagte, du sollst mich allein lassen,«schrie Harry und rannte die nächste Treppe hinunter aber Peeves rutschte ihm rücklings auf dem Treppengeländer nach.

»Oh, manche denken, er sei schlecht gelaunt, der winzig kleine Potterfreund,

Aber andere sind freundlicher und denken, daß er nur traurig ist,

Doch Peeves weiß es besser und sagt, er ist verrückt -«

»HALTS MAUL!«

Zu seiner Linken wurde eine Tür geöffnet und Professor McGonagall trat mürrisch aus ihrem Büro.

»Warum in aller Welt schreien Sie denn so, Mr Potter?,«sagte sie bissig, als Peeves fröhlich gackernd davon sauste.

»Warum sind Sie nicht in Ihrer Klasse?«

»Ich wurde zu Ihnen geschickt,«sagte Harry dumpf.

»Geschickt? Was meinen Sie mit, geschickt?«

Er reichte ihr Professor Umbrigdes Nachricht. Professor McGonagall nahm sie stirnrunzelnd entgegen, öffnete sie mit einem kurzen antippen ihres Zauberstabes, faltete sie auf und fing an zu lesen. Ihre Augen huschten hinter den.quadratischen Brillengläsern von einer Seite zur anderen und wurden mit jeder Zeile schmäler, als sie las, was Professor Umbridge ihr geschrieben hatte.

»Kommen Sie herein, Potter.«

Er folgte ihr ins Büro. Die Tür schloss sich automatisch hinter ihnen.

»Nun?,«sagte Professor McGonagall. Ist das wahr?«

»Ist was wahr?,«fragte Harry wütender als beabsichtigt.»Professor?,«fügte er hinzu, um höflicher zu klingen.

»Ist es wahr, daß Sie Professor Umbridge angeschrieen haben?«

»Ja,«sagte Harry.

»Sie nannten sie eine Lügnerin?«

»Ja.«

»Sie sagten ihr, daß der, dessen Namen nicht genannt werden darf zurück ist?«

»Ja.«

Professor McGonagall nahm hinter ihrem Schreibtisch platz und musterte Harry. Dann sagte sie:»Wollen Sie einen Keks, Potter?«

»Einen – was?«

»Einen Keks,«wiederholte sie ungeduldig und deutete auf eine karierte Blechdose, die auf einem der Papierstapel auf dem Tisch lag.»Und setzten Sie sich.«

Es hatte einst eine ähnliche Situation gegeben und zwar als Harry, der gedacht hatte er würde von Professor McGonagall aus der Schule verwiesen werden, stattdessen von ihr aber für das Gryffindor Quidditch Team vorgeschlagen wurde. Er ließ sich in einen Stuhl gegenüber von ihr sinken und nahm sich einen Ginger ZAK. Er fühlte sich genauso verwirrt und auf dem falschen Fuß erwischt, wie damals.

Professor McGonagall legte Professor Umbrigdes Nachricht zur Seite und schaute Harry ernst an.

»Potter, Sie müssen vorsichtig sein.«

Harry schluckte den Bissen Ginger ZAK hinunter und starrte sie an. Ihrer Stimme klang nicht im Geringsten so, wie sonst immer. Nicht lebhaft, frisch und streng, sondern gedämpft und ängstlich und irgendwie menschlicher als gewohnt.

»Fehlverhalten in Dolores Umbrigdes Unterricht könnte Ihnen mehr einbringen als Punkteabzug von Ihrem Haus und einer Strafe.«

»Was meinen Sie -?«

»Potter, benützen Sie doch Ihren Verstand,«zischte Professor McGonagall mit einem sofortigen Wandel zu ihrer üblichen Art.»Sie wissen doch woher sie kommt und wem sie alles berichtet.«

Die Klingel läutete das Ende der Stunde an. Von überallher waren die elefantenartigen Geräusche von hunderten Schülern in Bewegung zu hören.

»Hier steht, daß sie Ihnen für die Abende dieser Woche Nachsitzen erteilt hat; beginnend mit dem morgigen,«sagte Professor McGonagall, die sich nun Umbridges Nachricht noch einmal anschaute.

»Jeden Abend dieser Woche!,«wiederholte Harry geschockt.»Aber, Professor könnten Sie nicht -?«

»Nein, kann ich nicht,«sagte Professor McGonagall matt.

»Aber -«

»Sie ist Ihre Lehrerin und hat sehr wohl das Recht, Ihnen eine Strafe zu erteilen. Sie werden morgen um fünf Uhr zum ersten Mal in ihrem Büro erscheinen. Denken Sie daran: seien Sie vorsichtig in ihrer Gegenwart.«

»Aber ich sagte die Wahrheit!,«verteidigte sich Harry empört.»Voldemort ist zurück. Sie wissen, daß er es ist;

Professor Dumbledore weiß es auch.«

»Um Himmels Willen, Potter!,«sagte Professor McGonagall und rückte sich wütend die Brille zurecht (Sie ist entsetzt zusammengezuckt, als Harry Voldemorts Namen aussprach).»Denken Sie wirklich, es geht hier um Wahrheit oder Lüge? Es geht darum, daß Sie ihren Kopf gesenkt und Ihr Temperament unter Kontrolle halten sollten.«

Sie erhob sich. Ihr Mund war schmal und die Nasenlöcher weit. Harry stand ebenfalls auf…»Wollen Sie noch einen Keks?,«sagte sie gereizt und hielt ihm die Blechdose entgegen.

»Nein, danke,«sagte Harry kalt.

»Machen Sie sich doch nicht lächerlich,«fauchte sie.

Er nahm einen.

»Danke,«sagte er widerwillig.

»Haben Sie Dolores Umbridges Rede beim Fest am Schulbeginn nicht verfolgt, Potter?«

»Jaah,«sagte Harry.»Ja… sie sagte… Fortschritte werden verhindert oder… nun, das bedeutet, daß… daß sich das Zauberministerium in Hogwarts einzumischen versucht.«

Professor McGonagall beäugte ihn für einen Moment streng, dann schnaubte sie, lief um ihren Tisch herum und öffnete die Tür für ihn.

»Nun. Ich bin froh, daß sie auf Hermine Granger hören. In welcher Hinsicht auch immer,«sagte sie und wies ihn aus dem Büro…

Kapitel 13 – Abendessen in der Großen Halle

An diesem Abend war das Abendessen in der Großen Halle eine unangenehme Angelegenheit für Harry. Die Nachricht über seinen lautstarken Streit mit Umbridge hatte sich sogar für Hogwarts Standards ungewöhnlich schnell herumgesprochen. Er saß zwischen Ron und Hermine und hörte die anderen Schüler um sich herum tuscheln.

Seltsamerweise schien es sie nicht im Geringsten zu stören, daß Harry ihnen zuhören konnte. Es war im Gegenteil eher so, als ob sie im Stillen hofften, daß er in Rage geraten würde und sich der Streit wiederholen würde, so daß sie seine Geschichte aus erster Hand hören könnten.

»Er hat gesagt, er hätte gesehen, wie Cedric Diggory ermordet wurde…«

»Er hat behauptet, er hätte sich mit Du-Weißt-Schon-Wer ein Duell geliefert…«

»Jetzt mach mal halblang…«

»Was glaubt der eigentlich, wenn er hier für dumm verkauft?«

»Also bitte…«

»Ich verstehe einfach nicht,«sagte Harry mit zusammengebissenen Zähnen und legte Messer und Gabel zur Seite (seine Hände zitterten zu sehr um sie still zu halten),»warum vor zwei Monaten alle die Geschichte geglaubt haben, die Dumbledore ihnen erzählt hat…«

»Die Sache ist die, Harry, ich bin mir nicht sicher, ob sie das getan haben,«sagt Hermine grimmig.»Kommt, lasst uns von hier verschwinden.«

Sie knallte ihr Besteck auf den Tisch; Ron schaute sehnsüchtig auf seinen halbfertigen Apfelkuchen, kam jedoch eilends mit. Auf dem kompletten Weg durch die Halle wurden sie von den Leuten angestarrt.

»Was meinst Du mit, Du bist Dir nicht sicher, ob die anderen Dumbledore geglaubt haben?«fragte Harry Hermine als sie den ersten Treppenabsatz erreicht hatten.

»Schau, Du weißt nicht wie es war, nachdem es passiert ist,«sagte Hermine leise.»Du kamst zurück, mitten auf dem Rasen, Cedrics toten Körper fest umklammert… niemand von uns hat gesehen, was im Labyrinth vor sich gegangen ist

… wir hatten nur Dumbledores Wort, daß Du-Weißt-Schon-Wer zurückgekommen, Cedric gekillt und mit Dir gekämpft hat.«

»Was die reine Wahrheit ist!«sagte Harry laut.

»Ich weiß, Harry, jetzt reiß mir bitte nicht den Kopf ab.«sagte Hermine müde.»Es ist nur so, daß sie über den Sommer nach Hause gefahren sind, bevor sich die Nachricht setzen konnte. Dort haben sie die letzten zwei Monate damit verbracht zu lesen, daß Du ein Spinner bist und Dumbledore langsam senil wird!«

Regen prasselte gegen die Fensterscheiben, als sie mit großen Schritten durch die leeren Korridore zurück zum Gryffindorturm gingen. Harry fühlte sich, als ob der erste Tag Wochen gedauert hätte, aber er hatte immer noch einen Berg Hausaufgaben zu erledigen, bevor er ins Bett gehen konnte. Ein dumpfer Schmerz begann über seinem rechten Auge zu pochen. Als sie in den Korridor der Fetten Dame bogen, blickte er aus dem regennassen Fenster auf das dunkle Gelände. In Hagrids Hütte war immer noch kein Licht zu sehen.

»Mimbulus mimbletonia,«antwortete Hermine, bevor die Fette Dame fragen konnte. Das Porträt schwang auf, um die dahinter liegende Öffnung freizugeben und die drei kletterten hindurch.

Der Gemeinschaftsraum war ziemlich leer; fast alle waren noch unten beim Abendessen. Krumbein erhob sich von einem Sessel und kam ihnen laut schnurrend entgegen. Nachdem sich Harry, Ron und Hermine auf ihre drei Lieblingsstühle am offenen Kamin gesetzt hatten, sprang er leichtfüßig auf Hermines Schoß und rollte sich dort zusammen, so daß er wie ein rötliches Kissen aussah. Harry blickte in die Flammen; er fühlte sich ausgelaugt und erschöpft.

»Wie kann es Dumbledore nur zulassen, daß solche Dinge passieren?«rief Hermine plötzlich und ließ Harry und Ron durch ihren Ausruf zusammenfahren; Krumbein sprang gekränkt von ihrem Schoß. Wütend hämmerte sie auf ihre Armlehnen, so daß Teile der Polsterung durch die Löcher kamen.»Wie kann er die fürchterliche Frau unterrichten lassen? Und das auch noch in unserem ZAG-Jahr!«

»Tja, wir hatten nie besondere Lehrer in Verteidigung gegen die Dunklen Künste, nicht?«sagte Harry.»Du weißt doch, wie es ist, Hagrid hat uns gesagt, niemand will die Stelle; es wird erzählt, sie wäre verhext.«

»Ja, aber jemanden einzustellen, der sich weigert, uns Zaubern zu lassen! Was hat Dumbledore nur vor?«.»Und sie versucht die Leute dazu zu bekommen, für sie zu spionieren,«sagte Ron düster.»Erinnert ihr euch, daß sie gesagt hat, wir sollten zu ihr kommen, wenn wir hören, daß jemand erzählt, Du-Weißt-Schon-Wer sei zurückgekommen?«

»Natürlich, sie ist hier um uns alle auszuspionieren, das ist offensichtlich. Warum hätte Fudge sie sonst hierher geschickt?«fauchte Hermine.

»Fangt nicht schon wieder an zu streiten«meinte Harry müde, als Ron den Mund öffnete um zu kontern.»Können wir nicht einfach… lasst uns einfach die Hausaufgaben machen, dann sind sie die schon mal erledigt…«

Sie holten ihre Schultaschen aus einer Ecke und gingen zurück zu ihren Stühlen beim Feuer. Mittlerweile kamen die anderen Schüler vom Abendessen zurück. Harry hielt seinen Kopf vom Porträteingang abgewendet, konnte jedoch trotzdem die Blicke fühlen, die er auf sich zog.

»Sollen wir zuerst Snapes Aufgaben erledigen?«fragte Ron und tunkte seine Feder in die Tinte.»Die Eigenschaften

… von Mondstein… und seine Anwendungen… beim Zubereiten von Zaubertränken…«» murmelte er während er die Worte an den Anfang seiner Pergamentrolle schrieb.»So.«Er unterstrich den Titel und schaute dann erwartungsvoll zu Hermine.

»Also, was sind die Eigenschaften von Mondstein und seine Anwendungen beim Zubereiten von Zaubertränken?«

Aber Hermine hörte ihm nicht zu; sie blickte vielmehr in die entfernteste Ecke des Raums, wo Fred, George und Lee Jordan im Zentrum einer Reihe von unbedarft aussehenden Erstklässlern saßen, die alle etwas kauten, das aus einer großen Papiertüte zu kommen schien, die Fred in den Armen hielt.

»Nein, das tut mir leid, jetzt gehen sie zu weit,«sagte sie, fürchterlich wütend aussehend, und stand auf.»Komm schon,

Ron.«

»Ich – was?«fragte Ron, eindeutig auf Zeit spielend.»Nein – komm schon, Hermine – wir können ihnen keine Standpauke halten, nur weil sie Süßigkeiten verteilen.«

»Du weißt ganz genau: das sind Nasenblutnougats oder – oder Kotzpastillen oder -«

»Ohnmachtskekse?«schlug Harry leise vor.

Ein Erstklässler nach dem anderen sackte ohnmächtig auf seinem Platz zusammen, gerade so, als ob ihnen jemand mit einem unsichtbaren Hammer eins über den Schädel gegeben hätte; einige glitten auf den Boden, andere hingen nur über den Armlehnen ihrer Stühle, allen guckte die Zunge aus dem Mund. Die meisten der Zuschauer lachten; Hermine jedoch straffte ihre Schultern und marschierte direkt zu Fred und George, die mit Clipboards in der Hand aufmerksam die bewusstlosen Erstklässler studierten. Ron erhob sich halb aus seinem Sessel, verharrte einen Moment unschlüssig in der Luft und murmelte dann zu Harry.»Sie hat es unter Kontrolle,«bevor er, so tief es seine schlaksige Gestalt zuließ, in seinem Stuhl versank.

»Das reicht!«sagte Hermine energisch zu Fred und George, die beide leicht erstaunt aufsahen.

»Ja, das stimmt,«nickte George,»diese Dosierung scheint stark genug zu sein, nicht wahr?«

»Ich habe euch heute Morgen gesagt, daß ihr diesen Müll nicht an Schülern testen könnt!«

»Wir zahlen sie!«sagte Fred entrüstet.

»Ist mir egal, das könnte gefährlich für sie sein!«

»Unsinn,«sagte Fred.

»Ganz ruhig, Hermine, ihnen geht«s gut!«sagte Lee beruhigend, als er von Erstklässler zu Erstklässler ging und ihnen lila Süßigkeiten in die offenen Münder steckte.

»Ja, schau, sie kommen wieder zu Bewusstsein,«sagte George.

Einige der Erstklässler bewegten sich wirklich. Viele sahen so geschockt aus, als sie sich auf dem Boden liegend oder von den Stühlen hängend wiederfanden, daß Harry sicher war: Fred und George hatten sie nicht über die Wirkung der Kekse aufgeklärt.

»Alles ok?«fragte George freundlich das kleine dunkelhaarige Mädchen, das zu seinen Füßen lag.

»Ich – ich denke ja,«sagte sie mit zittriger Stimme.

»Hervorragend,«sagte Fred glücklich, aber in der nächsten Sekunde hatte Hermine ihm das Clipboard und die Papiertüte mit den Ohnmachtskekse aus den Händen gerissen.

»Nichts ist hervorragend!«

»Natürlich ist es, sie leben noch, siehst du«s nicht?«antwortete Fred wütend…»Das könnt ihr nicht machen, was wäre passiert, wenn einer von dem Zeug ernsthaft krank geworden wäre?«

»Unsere Sachen machen nicht krank, wir haben sie alle an uns selbst ausprobiert. Wir machen das nur um zu sehen, ob jeder gleich darauf reagiert -«

»Wenn ihr nicht sofort damit aufhört, dann werde ich -«

»Uns nachsitzen lassen?«fragte Fred, in einer würde-gern-sehen-wie-du-das-versuchst Stimme.

»Uns Strafarbeiten aufgeben?«fragte George grinsend.

Schaulustige im ganzen Raum begannen zu Lachen. Hermine richtete sich zu ihrer vollen Größe auf; ihre Augen waren zusammengekniffen und ihre buschigen Haare schienen vor Elektrizität zu knistern.

»Nein,«sagte sie mit vor Wut zitternder Stimme,»aber ich werde es eurer Mutter schreiben.«

»Würdest du nicht,«sagte George entsetzt und wich einen Schritt zurück.

»Doch, würde ich,«sagte Hermine grimmig.»Ich kann euch nicht davon abhalten, das Zeug selbst zu essen, aber ihr werdet es nicht an Erstklässlern testen.«

Fred und George sahen wie vom Donner gerührt aus. Es war klar, daß ihrer Meinung nach Hermines Drohung unter die Gürtellinie ging. Hermine warf den Zwillingen einen letzten drohenden Blick zu, drückte Fred Clipboard und Papiertüte wieder in die Hand und stolzierte zurück zu ihrem Stuhl am Feuer.

Ron war mittlerweile so tief in seinem Stuhl versunken, daß sich seine Nase ungefähr auf Kniehöhe befand.

»Danke für Deine Unterstützung, Ron,«sagte Hermine bissig.

»Das hast Du prima selbst hinbekommen,«murmelte Ron.

Hermine starrte einige Sekunden auf ihre leere Pergamentrolle und sagte dann gereizt,»Ach, es hat keinen Zweck, ich kann mich nicht konzentrieren. Ich gehe ins Bett.«

Sie riss ihre Tasche auf; Harry dachte, sie wollte ihre Bücher wegpacken, an Stelle dessen zog sie jedoch zwei unförmige Objekte aus Wolle hervor, legte sie sorgfältig auf einen Tisch beim Kamin, bedeckte sie mit ein paar zusammengeknüllten Pergamentrollen und einer zerbrochenen Schreibfeder und ging ein Stück zurück, um ihr Werk zu begutachten.

»Was in Merlins Namen machst du?«fragte Ron und schaute sie an, als ob er um ihren Verstand fürchtete.

»Das sind Kappen für Hauselfen,«sagte sie forsch und stopfte jetzt ihre Bücher in die Tasche.»Ich habe sie während der Sommerferien gemacht. Ohne Zaubern bin ich sehr langsam, aber jetzt, wo ich zurück in Hogwarts bin, kann ich bestimmt viel mehr davon stricken.«

»Du lässt sie hier liegen für die Hauselfen?«fragte Ron langsam.»Und Du bedeckst sie zuerst mit Abfall?«

»Ja,«sagte Hermine aufsässig und schwang die Tasche auf ihren Rücken.

»Das läuft hier nicht,«sagte Ron wütend.»Du versuchst, sie durch einen Trick dazu zu bringen, die Kappen zu nehmen.

Du befreist sie, selbst wenn sie gar nicht frei sein wollen.«

»Natürlich wollen sie frei sein!«sagte Hermine sofort, errötete jedoch.»Wage es nicht, diese Kappen anzurühren,

Ron!«

Sie machte auf dem Absatz kehrt und ging. Ron wartete, bis sie hinter der Tür zum Mädchenschlafsaal verschwunden war, dann entfernte er den Abfall von den Wollkappen.

»Sie sollten wenigstens sehen, was sie aufheben,«sagte er entschieden.»Wie auch immer…,«er rollte das Pergament zusammen auf dem er den Titel des Aufsatzes für Snape geschrieben hatte,»es hat keinen Sinn zu versuchen es jetzt zu Ende zu bringen, ich kann es nicht ohne Hermine. Ich habe keinen blassen Schimmer davon, was man mit Mondsteinen machen kann, Du vielleicht?.«

Harry schüttelte den Kopf, wobei ihm auffiel das seine rechte Schläfe dadurch nur noch mehr schmerzte. Unter scharf stechenden Schmerzen, dachte er an den langen Aufsatz über die Gigantenkriege. Er wußte, er würde es am nächsten morgen bedauern, wenn er seine Hausaufgaben heute nacht nicht schaffte, packte aber seine Bücher zurück in seine Tasche.

»Ich gehe auch ins Bett.«.Auf seinem Weg zur Tür zum Schlafsaal kam er an Seamus vorbei, aber er sah nicht zu ihm hin. Harry hatte den flüchtigen Eindruck, als ob Seamus seinen Mund geöffnet hatte, um etwas zu sagen, aber er ging schneller und erreichte die friedliche Ruhe an der steinernden Wendeltreppe ohne noch mehr Provokationen ertragen zu müssen.

Der folgende Tag brach genauso bleiern und regnerisch an, wie der vorherige. Beim Frühstück war Hagrid immer noch nicht am Lehrertisch.

»Erfreulich immerhin, heute kein Snape,«sagte Ron angeregt. Hermine gähnte ausgiebig und goß sich etwas Kaffee ein. Sie sah leicht erfreut aus über irgend etwas, und als Ron sie fragte, was es war, sagte sie einfach,»Die Mützen sind weg. Es scheint, die Hauselfen wollen doch die Freiheit.«

»Darauf würde ich nicht wetten,«sagte Ron spitz zu ihr.»Vielleicht gehen sie gar nicht als Kleidung durch. Für mich sahen sie überhaupt nicht aus wie Mützen, eher wie Blasen aus Wolle.«

Hermine sprach den ganzen morgen nicht mit ihm.

Auf eine Doppelstunde Zaubersprüche folgte einer Doppelstunde Verwandlung.

Professor Flitwick und Professor McGonagall verwendeten beide die ersten fünfzehn Minuten darauf, der Klasse einen Vortrag über die Wichtigkeit der ZAGs zu halten.

»Woran sie immer denken müssen,«sagte der kleine Professor Flitwick piepsig, wie immer auf einem Haufen Bücher hockend, um über den Schreibtisch gucken zu können,«ist, das diese Abschlussprüfungen ihre Zukunft für viele Jahre beeinflussen können! Wenn Sie sich bis jetzt noch keine ernsthaften Gedanken über Ihren Werdegang gemacht haben, jetzt ist die Zeit dafür gekommen. Und in der Zwischenzeit, befürchte ich, werden wir härter arbeiten müssen, als je zuvor, um sicher zu gehen, das sie alle sich selbst gerecht werden!«

Sie verbrachten dann über eine Stunde damit Herbeirufe-Zauber zu wiederholen, die Professor Flitwick zufolge bestimmt bei den ZAG drankämen. Die Stunde wurde sodann mit den wohl umfangreichsten Zauberspruch-Hausaufgaben abgerundet, die sie je auf bekommen hatten.

In Verwandlung war es genauso, wenn nicht schlimmer.

»Sie können nicht durch einen ZAG kommen,«sagte Professor McGonagall mit grimmiger Mine,»ohne ernsthaften Fleiss, ohne zu üben und zu lernen. Ich sehe keinen Grund, warum nicht jeder in dieser Klasse einen ZAG in Verwandlung erreichen sollte, solange sie dafür etwas tun.«Neville ließ ein trauriges kleines Geräusch von Ungläubigkeit vernehmen.»Ja, Sie ebenso, Longbottom,«sagte Professor McGonagall.»An ihrer Arbeit gibt es nicht auszusetzen, Sie brauchen nur mehr Selbstvertrauen. So… heute fangen wir mit Verschwinde-Zaubern an. Sie sind einfacher als die Beschwörungs-Zauber, die Sie für gewöhnlich nicht vor der ZAK-Stufe versuchen sollten, aber sie gehören immer noch zu der schwierigsten Zauberei, über die Sie während der ZAG-Prüfungen geprüft werden.

Sie hatte ziemlich recht. Harry fand die Verschwinde-Zauber höllisch schwer. Am Ende der Doppelstunde hatten weder er noch Ron es geschafft die Schnecken verschwinden zu lassen, an denen sie übten, obwohl Ron voller Hoffnung mitteilte, er dächte seine sähen ein wenig blasser aus. Hermine, andererseits, ließ ihre Schnecke beim dritten Versuch verschwinden, was ihr einen zehn Punkte Bonus für Gryffindor von Professor McGonall einbrachte. Sie war die einzige, die keine Hausaufgaben auf bekam. Alle anderen wurde aufgetragen den Zauberspruch über Nacht zu üben, um für einen erneuten Versuch am folgenden Nachmittag vorbereitet zu sein.

In leichter Panik ob des Umfangs der Hausaufgaben, die sie machen mußten, verbrachten Harry und Ron die Mittagspause in der Bibliothek, um etwas über den Gebrauch von Mondsteinen bei dem Zubereiten von Zaubertränken nachzuschlagen.

Hermine gesellte sich nicht zu ihnen, da sie immer noch wütend wegen Rons beleidigenden Äußerungen über ihre Wollmützen war.

Am Nachmittag, als sie Pflege magischer Geschöpfe erreicht hatten, hatte Harry wieder Kopfschmerzen…Es war kühl und windig geworden, und als sie runter über den abfallenden Rasen in Richtung Hagrids Hütte gingen, die sich am Rand des verbotenen Waldes befand, fühlten sie gelegentliche Regentropfen auf ihren Gesichtern. Professor Rauhe-Pritsche stand etwa zehn Meter for Hagrids Haustür entfernt und wartete auf die Klasse. Vor ihr stand ein langer aufgebockter Tisch, der mit Zweigen beladen war. Als Harry und Ron sie erreicht hatten, erklang lautes Gelächter hinter ihnen. Als sie sich umdrehten, sahen sie Draco Malfoy mit großen Schritten auf sie zukommen, umgeben von seiner üblichen Bande von Slytherins. Er hatte offenbar gerade etwas sehr lustiges von sich gegeben, denn Crabbe,

Goyle, Pansy Parkinson und der Rest kicherten immer noch herzlich, als sie sich um den Tisch scharten. Danach zu urteilen wie sie alle auf Harry blickten, konnte er sich das Thema des Witzes ohne große Schwierigkeit ausmalen.

»Sind alle da?,«bellte Professor Rauhe-Pritsche, als alle Slytherins und Gryffindors angekommen waren.»Dann lasst uns loslegen. Wer kann mir sagen, wie man diese Dinger hier nennt?.«

Sie zeigte auf den Haufen Zweige vor ihr. Hermines Hand schoss in die Luft. Hinter ihrem Rücken machte Malfoy sie nach, indem er mit vorstehenden Zähnen eifrig auf und ab sprang, um eine Frage zu beantworten. Pansi Parkinson stieß ein schrilles Lachen aus, das jedoch fast sofort in einen Schrei überging, als die Zweige in die Luft sprangen und sich selbst als etwas offenbarten, das so aussah wie kleine koboldartige Geschöpfe aus Holz, jedes mit knorrigen braunen Armen und Beinen, zwei zweigengleiche Finger am Ende jeder Hand und ein lustiges flaches rindenhaftes Gesicht, in dem ein Paar von käfer-braunen Augen funkelten.

»Oooooh!,«sagten Parvati and Lavender, die Harry sehr ärgerlich machten.

Jeder würde nun denken, Hagrid hätte ihnen nie beeindruckende Geschöpfe gezeigt.

Zugegeben, die Schüttelwürmer waren ein wenig lahm, aber die Salamander und die Hippogreife waren interessant, und die knallrümpfigen Kröter wohl etwas zu interessant.

»Würdet Ihr bitte Eure Stimmen etwas senken, Mädchen!,«sagte Professor Rauhe-Pritsche scharf, wobei sie eine Handvoll von etwas das aussah wie brauner Reis unter den Zweig-Geschöpfen verstreute, die sich sofort auf das Futter stürzten.

»Nun, weiß irgend jemand die Namen für diese Geschöpfe? Miss Granger?.«

»Kleinbäumler,«sagte Hermine.»Sie sind Baumwächter, für gewöhnlich leben sie in Zauberstab-Bäumen.«

»Fünf Punkte für Gryffindor,«sagte Professor Rauhe-Pritsche.»Ja, dies sind Kleinbäumler, und wie Miss Granger richtig gesagt hat, leben sie hauptsächlich in Bäumen, deren Holz Zauberstabqualität hat. Weiß jemand wovon sie sich ernähren?.«

»Holzläuse,«sagte Hermine sofort, was erklärte, warum sich das, was Harry für braune Reiskörner gehalten hatte, bewegte.»Aber Feeneier, wenn sie sie bekommen können…«

»Gut, Mädchen, hier hast Du nochmal fünf Punkte. Nun, immer wenn ihr Blätter oder Holz von einem Baum braucht, in dem ein Kleinbäumler lebt, ist es weise Holzläuse als Geschenk bereit zu halten, um ihn abzulenken oder zu besänftigen. Sie sehen vielleicht nicht gefährlich aus, aber, wenn sie verärgert sind, werden sie versuchen nach menschlichen Augen mit ihren Fingern zu bohren, welche, wie Sie sehen können, sehr scharf sind, so daß sie sich niemand nahe der Augäpfel wünscht. Nun, wenn sie näher herankommen möchten, nehmen sie sich ein paar Holzläuse und einen Kleinbäumler – Ich habe genug, daß drei von ihnen je einen bekommen können. Sie können sie dann näher betrachten. Am Ende der Stunde möchte ich von jedem eine Skizze mit allen Körperteilen beschriftet. Die Klasse drängelte vorwärts um den Tisch herum. Harry ging absichtlich um den Tisch herum, um schliesslich neben Professor Rauhe-Pritsche zu stehen.

»Wo ist Hagrid?,«fragte er sie, als sich die anderen Kleinbäumler aussuchten.

»Kümmere Dich nicht darum.,«sagte Professor Rauhe-Pritsche zurückhaltend, genauso wie sie das letzte Mal reagiert hatte, als Hagrid nicht gekommen war, um zu unterrichten. Über sein ganzes spitzes Gesicht grinsend lehnte sich Draco Malfoy hinüber zu Harry und packte den größten Kleinbäumler.

»Vielleicht,«sagte Malfoy mit gedämpfter Stimme, so das nur Harry ihn hören konnte,»hat sich der große dumme Trampel selbst schwer verletzt.«.»Vielleicht wirst Du das, wenn nicht die Klappe hältst,«sagte Harry aus dem Mundwinkel.

»Vielleicht hat er auch mit Zeug herumgemacht, das zu groß für ihn war, wenn Du verstehst, was ich meine.«

Malfoy ging weg, grinste Harry über seine Schulter an, der sich plötzlich schlecht fühlte. Wußte Malfoy etwas? Sein Vater war noch immer ein Todesser; was, wenn er Informationen über Hagrids Schicksal hatte, hatte er schon was von dem Auftrag gehört? Er ging zurück, um den Tisch, zu Ron und Hermine, die etwas weiter entfernt im Gras hockten und versuchten, einen Baumgeist zu überzeugen, noch etwas länger zubleiben, damit sie ihn zeichnen konnten. Harry zog ein Pergament und eine Feder heraus, hockte sich neben die anderen und erzählte ihnen flüsternd, was Malfoy gesagt hatte.

»Dumbledore würde wissen, wenn etwas mit Hagrid passiert ist,«sagte Hermine sofort.»Es ist richtig Malfoy in die Hände zuspielen und besorgt zugucken; es sagt ihm, da? Wir nicht genau wissen, was los ist. Wie müssen ihn einfach ignorieren, Harry. Hier, halte mal den Baumgeist für einen Moment, damit ich sein Gesicht zeichnen kann…«

»Ja,«kam das freie gedehnte Sprechen von Malfoy, von einer Gruppe in ihrer nähe.»Vater sprach vor ein Paar Tagen mit dem Minister, wißt ihr, und es klingt als wenn das Ministerium diesmal entschlossen sei, bei unterdurchschnittlichem Lehren hart durchzugreifen. Also, sogar wenn dieser zu groß gewachsene Idiot wieder auftaucht, wird er wahrscheinlich gleich wieder zum Teufel gejagt.«

»OUCH!«

Harry hatten den Baumgeist so stark gegriffen. Er schlug Harry mit seinen scharfen Fingern auf die Hand, um sich an ihm zurächen, sie hinterließen zwei, lange, tiefe Schnitte. Harry ließ es fallen. Crabbe und Goyle, die schon beim Gedanken, daß Hagrid gefeuert werden könnte, in lautes Gelächter ausgebrochen waren, lachten noch lauter, als der Baumgeist, so schnell er konnte, in den Wald rannte, ein kleines Strichmännchen, das bald von den Baumwurzeln verschluckt wurde. Als die Klingel über das Gelände läutete, rollte Harry sein blutbeflecktes Baumgeistbild ein und ging zum Kräuterkundeunterricht. Seine Hand hatte er in Hermines Taschentuch eingewickelt und Malfoys höhnisches Gelächter klang leise in seinen Ohren.

»Wenn er Hagrid nochmal einen Idioten nennt…«sagte Harry durch die zusammengebissenen Zähne.

»Harry, such keinen Streit mir Malfoy, vergiss nicht, er ist jetzt Vertrauensschüler und kann dir das Leben schwer machen…«

»Wow, ich frage mich, wie ist es ein schweres Leben zuhaben?«sagte Harry sarkastisch. Ron lacht, aber Hermine runzelt die Stirn. Zusammen schlendern sie über das Gemüsebeet. Der Himmel sah noch nicht imstande aus, seinen Verstand zu bilden, ob es regnen sollte oder nicht.

»Ich wünschte Hagrid würde sich beeilen und kommt zurück, das ist alles,«sagte Harry in einer niedrigen Stimme, da sie die Gewächshäuser erreichen.»Und sagt nicht, daß Rauhe-Pritsche Frauen besser unterrichten!«fügte er drohend hinzu.

»Ich werde es nicht machen,«sagte Hermine ruhig.

»Weil sie nie so gut wie Hagrid sein wird,«sagt harry entschlossen, völlig bewusst und verärgert darüber, daß er gerade eine vorbildliche Lektion in Pflege Magischer Geschöpfe erhalten hatte.

Die Tür von dem dichtesten Gewächshaus wurde geöffnet und einige Viertklässler kamen raus, inklusive Ginny.

»Hi,«sagte sie strahlend als sie vorbeigingen. Wenige Sekunden später, kam Luna Lovegood zum Vorschein, die sich hinter dem Rest der Klasse herschleppte, ein Schmutzfleck, aus Erde, auf ihrer Nase hatte und ihre Haare zu einen Knoten gebunden hatte. Als sie Harry sah, schwellten ihre vorstehenden Augen vor Aufregung an und sie ging geradewegs auf ihn zu. Viele von seinen Klassenkameraden wendeten sich neugierig um und schauten zu. Luna nahm noch einen großen Atem und sagte dann, nicht viel als ein vorbereitetes hall,»Ich glaube Der Dessen Namen Man Nicht Sargen Darf ist zurück und ich glaube du wirst gegen ihn kämpfen und entkommst ihm.«

»Äh – richtig,«sagte Harry linkisch. Luna trug Ohrringe, die aussahen wie ein Paar orange Rettiche. Eine Tatsache, die Parvati und Lavender beachtet hatten, da sie kichernd auf ihre Ohrläppchen zeigten.

”Lacht ruhig” sagte Luna und erhob ihre Stimme, offenbar hatte sie den Eindruck, daß Parvati und Lavender darüber lachten, was sie gesagt hatte und nicht darüber, was sie trug,»aber früher dachten die Menschen wirklich, daß es so was wie irres verrücktes Plappermaul oder Schrumpelhörniger Schnarchsack gar nicht gibt!«

»Nun, sie hatten recht, nicht wahr?«sagte Hermine ungeduldig.

»Es gab keine irres verrücktes Plappermaul oder Schrumpelhörnige Schnarchsäcke.«

Luna guckte sie vernichtend an und stolzierte weg, die Rettiche schaukelten wie wild. Parvati und Lavender waren nicht die einzigen, die jetzt schreiend lachten…»Würde es dir was ausmachen, die Leute in Ruhe zulassen, die mir glauben?«fragte Harry Hermine als sie auf dem Weg ins Klassenzimmer waren.

»Oh, um Himmels willen, Harry, du hast was besseres verdient,«sagte Hermine.»Ginny hat mir alles über sie erzählt; wie es scheint, glaubt sie jeden haben zu können. Nun gut, ich hätte nichts anderes erwartet von jemanden, dessen Vater die Hexenwoche herausgibt.

Harry dachte an die geflügelten Pferde, die er in der Nacht gesehen hatte und wie Luna sagte, sie könnte sie auch sehen.

Seine inneren Vorstellungen gingen etwas unter. Hat sie gelogen? Aber, bevor er seine Gedanken den Angelegenheiten widmen konnte, kam Ernie Macmillan zu ihm hochgestiegen.

»Du sollst wissen, Potter,«sagte er mit lauter und tragender Stimme,»daß es nicht nur Verrückte sind, die dich unterstützen. Ich persönlich glaube dir hundertprozentig. Meine Familie hat immer hinter Dumbledore gestanden, und somit auch ich.

»Äh – vielen Dank, Ernie,«sagte Harry bestürzt, aber erfreut. Ernie konnte bei einer Gelegenheit wie diese, wichtigtuerisch sein, aber Harry war in einer Stimmung, eine vertraute Stimme von jemanden tief zu schätzen, dem keine Rettiche von den Ohren hingen. Ernies Wörter waren zweifellos und wischte das Lächeln von Lavender Browns Gesicht. Er drehte sich um, um mit Ron und Hermine zureden. Harry sah Seamus verwirrten und herausfordernden Ausdruck.

Um niemanden zu überraschen, startete Professor Sprout ihre Stunde mit einem Vortrag über die Wichtigkeit des ZAGs. Harry wünschte sich, daß die Lehrer damit aufhörten, es machte ihm schon bange, jedes Mal, wenn er sich erinnerte wie viele Hausaufgaben er noch machen mußte, drehte sich ihm der Magen um. Ein Gefühl das schlechter wurde, als Professor Sprout ihnen am Ende der Stunde noch einen anderen Vortrag hielt. Müde und nach Drachenkot stinkend, Professor Sprouts Lieblings Düngmittel, gingen die Gryffindors eineinhalb Stunden später zum Schloss zurück. Keiner von ihnen sprach viel, denn es war ein anderer langer Tag gewesen.

Weil Harry fast verhungerte, und seine erste Strafarbeit bei Umbridge um fünf uhr war, ging er sofort zum Essen ohne seine Tasche hoch in den Gryffindorturm zu bringen, damit er noch etwas hinunterschlingen konnte, bevor er das, was sie für ihn vorbereitet hatte, machen mußte. Er hatte den Eingang der Großen Halle erreicht, als jedoch eine laute und verärgerte Stimme»Oi, Potter!«rief.

»Was is?«murmelte er träge, drehte sein Gesicht zu Angelina Johnson, die aussah, als ob sie sehr gereizt wäre.

»Ich erzähle dir was ist,«sagte sie, marschierte zu ihm und stieß ihn mit ihren Fingern in den Brustkorb.»Wie hast du es geschafft, daß du am Freitag am fünf #Uhr nachsitzen mußt?«

»Was?«sagt Harry.»Warum… Oh yeah, Hüterauswahl!«

»Jetzt erinnert er sich!«knurrte Angelina wütend.»Habe ich dir nicht gesagt, daß ich die Auswahl mit der ganzen Mannschaft machen wollte, damit es jedem passt? Habe ich dir nicht gesagt, daß ich extra das Quidditchfeld gebucht habe? Und jetzt hast du entschieden, das du nicht dahin kommst!«

»Ich habe nicht entschieden, das ich nicht dahin komme kann!«sagte Harry brennend, wegen der Ungerechten Wörter.

»Ich bekam gerade von der Umbridge Frau Nachsitzen, weil ich ihr die Wahrheit über Du-Weißt-Schon-Wen gesagt habe.

»Gut, dann gehe direkt zu ihr und frage sie ob sie dich am Freitag weg lässt,«sagte Angelina scharf,»und es ist mir egal wie du das machst.»Erzähl ihr, daß Du-Weißt-Schon-Wer eine deiner Phantasien ist, wenn du willst, Hauptsache du bist da!«

Sie dreht sich auf den Fersen um und stürmte weg.

»Wißt ihr was?«sagte Harry zu Ron und Hermine als sie in die Große Halle gingen.»Ich denke wir sollten mal bei Puddlemere United nachfragen, ob Oliver Woods wohl beim Training ums Leben gekommen ist, es scheint als würde sein Geist durch Angelina sprechen.«

»Wie groß, glaubst du, sind deine Chancen, daß die Umbridge dir am Freitag das Nachsitzen erlässt?«sagte Ron skeptisch, als sie sich an den Gryffindortisch setzten.

»Weniger als Null,«sagte Harry niedergeschlagen, häufte sich Lammkoteletts auf seinen Teller und aß sie.»Versuchen sollte ich es, oder? Ich kann ihr ja zweimal Nachsitzen anbieten oder so was, ich weiß nicht…«Er aß ein Stück Kartoffel und fügte noch hinzu,»Ich hoffe, das sie mich heute Abend nicht solange festhält.»Du bist dir doch klar, daß wir noch drei Aufsätze schreiben, die Verschwindungszauber für McGonagall üben, einen Gegenzauber für Flitwick ausarbeiten, die Zeichnung vom Baumgeist fertig machen und dieses blöde Traumtagebuch für Trelawney beginnen müssen?«

Ron stöhnte und blickte aus irgendeinem Grund flüchtig an die Decke…»Und es sieht aus, als wird es bald regnen.«

»Was hat das mit unseren Hausaufgaben zutun?«sagte Hermine, sie zog die Augenbrauen hoch.

»Nichts,«sagte Ron sofort, seine Ohren erröteten.

Um fünf Minuten vor fünf verabschiedete sich Harry von den anderen beiden und begab sich zu Umbridges Büro im dritten Stock. Als er an die Tür klopfe, rief sie mit zuckersüßer Stimme:»Komm herein.«Er trat vorsichtig ein und schaute sich um.

Er kannte das Büro unter seinen drei vorigen Bewohnern. In den Tagen, in denen Gilderoy Lockhart hier lebte, war es mit strahlenden Porträts von ihm selbst gepflastert. Als Lupin es besetzte, war es eher, als wenn man ein faszinierendes dunkles Wesen in seinem Käfig oder Aquarium besuchen würde, wenn man einer Aufforderung folgte. In den Tagen des Betrügers Moody war es mit verschiedenen Instrumenten und Artefakten zum Entdecken von Falschheit und Verborgenheit vollgestopft.

Jetzt jedoch war es überhaupt nicht wieder zu erkennen. Alle Flächen waren mit Spitzendecken und Tüchern bedeckt.

Einige Vasen mit getrockneten Blumen, jede auf ihrem eigenen Deckchen thronend standen herum, und an einer Wand hing eine Sammlung Ziehrrahmen, jeder geschmückt mit einem großen Kätzchen in Technicolor mit verschiedenfarbigen Schleifen um den Hals. Sie waren so abscheulich, daß Harry sie unbeweglich anstarrte, bis Professor Umbridge wieder sprach.

»Guten Abend, Potter.«

Harry fuhr auf und schaute sich um. Er hatte sie zuerst nicht bemerkt, weil sie ein grell geblümtes Kostüm trug, das nur zu gut mit der Tischdecke auf dem Schreibtisch hinter ihr verschmolz.

»Abend, Professor Umbridge,«sagte Harry steif.

»Nun, setz dich,«sagte sie und zeigte auf einen kleinen Tisch mit Spitzendecke, vor den sie einen gradlehnigen Stuhl geschoben hatte. Ein Stück leeres Pergament lag auf dem Tisch, offensichtlich auf ihn wartend.

»Ähm,«sagte Harry, ohne sich zu bewegen.»Professor Umbridge. Äh, bevor wir anfangen, Ich – ich wollte sie um…

um einen Gefallen bitten.«

Ihre hervortretenden Augen verengten sich.

»Oh ja?«

»Nun, ich… ich bin im Gryffindor Quidditch Team. Und ich soll bei den Probespielen für die neuen Hüter um fünf Uhr am Freitag anwesend sein und ich habe – habe mich gefragt ob ich den Arrest an diesem Abend nicht verschieben und ihn – ihn an einem anderen Abend absitzen könnte… stattdessen…

Lange vor dem Ende seines Satzes wußte er, daß es nicht gut war.

»Oh nein,«sagte Umbridge, und lächelte so breit, daß sie aussah, als habe sie gerade eine besonders saftige Fliege verschluckt.»Oh nein nein nein. Dies ist deine Strafe für das Verbreiten von bösen, abstoßenden, Aufmerksamkeit heischenden Geschichten, Potter, und Strafen können sicherlich nicht so zurecht gerückt werden, daß sie in die Bequemlichkeit des Schuldigen passen. Nein, du wirst morgen um fünf Uhr hierher kommen, und übermorgen, und am Freitag auch, du wirst deinen Arrest wie geplant absitzen. Ich finde es eher gut, daß du etwas versäumst, das du wirklich gerne tust. Es sollte die Lektion die ich dich lehren will verstärken.

Harry fühlte das Blut in seinen Kopf steigen und hörte ein pochendes Geräusch in seinen Ohren. Er erzählte also»böse, abstoßende, Aufmerksamkeit heischende Geschichten?«

Sie beobachtete ihn mit leicht seitlich gelegtem Kopf, immer noch breit lächeld, als ob sie genau wüsste, was er dächte, und abwartend, ob er wieder anfangen würde zu schreien. Mit einer enormen Anstrengung schaute Harry von ihr weg, legte seine Schultasche neben den geradlehnigen Stuhl und setzte sich.

»Aha,«sagte Umbridge süß,»wir werden besser in der Kontrolle unseres Temperaments, nicht wahr? Jetzt wirst du etwas für mich schreiben, Potter. Nein, nicht mit deiner Feder,«fügte sie hinzu, als Harry sich niederbeugte, um seine Tasche zu öffnen.»Du wirst eine ganz besondere von mir benutzen. Hier ist sie.«

Sie übergab ihm eine lange, dünne, schwarze Feder mit einer ungewöhnlich scharfen Spitze.

»Ich möchte, daß du schreibst: Ich darf keine Lügen erzählen, teilte sie ihm sanft mit.

»Wie oft?«fragte Harry, mit einer glaubwürdigen Imitation von Höflichkeit.

»Oh, so lange es braucht, bis die Botschaft eingedrungen ist,«sagte Umbridge süß.»Nun fang an.«

Sie ging zu ihrem Schreibtisch, setzte sich und beugte sich über einen Stapel Pergamente, der aussah wie ein Stoß zu korrigierender Aufsätze. Harry ergriff die scharfe schwarze Feder, dann merkte er was fehlte…»Sie haben mir keine Tinte gegeben,«sagte er.

»Dur wirst keine Tinte brauchen,«sagte Professor Umbridge, mit der unschuldigsten Andeutung eines Lachens in ihrer Stimme.

Harry setzte die Spitze der Feder auf das Papier und schrieb: Ich darf keine Lügen erzählen.

Er stieß ein schmerzliches Keuchen aus. Die Wörter erschienen auf dem Pergament in einer Farbe, die rote Tinte zu sein schien. Zur selben Zeit erschienen sie auf Harrys rechter Hand, in seine Haut eingeschnitten als seien sie dort von einem Skalpell mitverfolgt worden – doch während er noch auf den leuchtenden Schnitt starrte heilte die Haut schon wieder, den Fleck an dem sie gestanden hatte ein wenig röter zurücklassend als zuvor, jedoch ganz glatt.

Harry schaute auf Umbridge. Sie beobachtete ihn, ihren breiten krötenartigen Mund zog ein Lächeln breit.

»Ja?«

»Nichts,«sagte Harry ruhig.

Er blickte zurück auf das Pergament, setzte die Feder noch einmal auf, schrieb Ich darf keine Lügen erzählen und fühlte den brennenden Schmerz auf seinem Handrücken zum zweiten Mal; die Worte wurden ein zweites Mal in seine Haut geschnitten und verheilten Sekunden später.

Und es ging immer so weiter. Wieder und wieder schrieb Harry die Worte auf das Pergament, und zwar nicht mit Tinte, wie er bald erkannte, sondern mit seinem eigenen Blut. Und wieder und wieder wurden die Worte in seinen Handrücken eingeschnitten, verheilten und erschienen erneut, wenn er das nächste Mal die Feder auf das Pergament setzte.

Vor Umbridge«s Fenster senkte sich die Dunkelheit nieder. Harry fragte nicht, wann er aufhören dürfe. Er schaute nicht einmal auf seine Uhr. Er wußte, sie beobachtete ihn auf Zeichen von Schwäche und er würde keines zeigen, nicht einmal wenn er die ganze Nacht hier sitzen müsste, seine eigene Hand mit dieser Feder aufschneidend…

»Komm her,«sagte sie, wie es schien nach Stunden.

Er stand auf. Seine Hand brannte schmerzhaft. Als er sie ansah, bemerkte er, daß die Schnitte verheilt waren, aber die Haut war an dieser Stelle rot und wund.

»Deine Hand,«sagte sie.

Er streckte sie aus. Sie nahm sie in ihre eigene. Harry unterdrückte einen Schauder, als sie ihn mit ihren dicken, stummeligen Fingern, an denen sie eine Anzahl häßlicher alter Ringe trug, berührte.

»Ts, ts, ich scheine noch keinen großen Eindruck gemacht zu haben,«sagte sie lächelnd.»Nun gut, wir müssen es eben morgen Abend noch einmal versuchen, nicht wahr? Du kannst gehen.«

Harry verließ ihr Büro ohne ein Wort. Die Schule war völlig verlassen; es war sicherlich nach Mitternacht. Er spazierte langsam den Korridor entlang, und, nachdem er um die Ecke war und sicher, daß sie ihn nicht mehr hörte, verfiel er ins Rennen.

* * *

Er hatte keine Zeit gehab, den Verschwinde-Zauber zu üben, keinen einzigen Traum in sein Traumtagebuch geschrieben und die Zeichnung des Bowtruckle (BogenKreacher) nicht beendet, noch hatte er seine Aufsätze geschrieben. Er ließ das Frühstück am nächsten Morgen sausen um ein paar erfundene Träume für Wahrsagen, ihrer ersten Stunde, hin zu schmieren, und war überrascht, einen zerzausten Ron vorzufinden, der ihm Gesellschaft leistete.

»Wie kommt es daß du das nicht gestern Abend gemacht hast?«fragte Harry, während Ron im Gemeinschftsraum planlos nach einer Eingebung herumstierte. Ron, der fest geschlafen hatte, als Harry in den Schlafsaal zurückkehrte, murmelte etwas von»hatte anderes zu tun,«beugte sich tief über sein Pergament und kritzelte ein paar Worte.

»So werde ich«s machen,«sagte er und knallte sein Tagebuch zu.»Ich habe gesagt, ich träumte ich kaufe ein Paar neue Schuhe, sie kann daraus nicht irgendetwas Gruseliges machen, nicht wahr?«

Sie eilten zusammen zum Nordturm.

»Wie war jedenfalls der Arrest bei Umbridge? Was mußtest du tun?«

Harry zögerte für einen Sekundenbruchteil, dann sagte er:»Strafarbeit schreiben.«

»Das ist nicht zu schlimm, was?«sagte Ron.

»Nein,«sagte Harry.

»Hey, ich vergaß, läßt sie dich nächsten Freitag gehen?«.»Nein,«sagte Harry.

Ron stöhnte mitfühlend.

Es war der nächste schlechte Tag für Harry, er war einer der Schlechtesten in Verwandlungskunde, und hatte nicht einmal den Verschwinde-Zauber geübt. Er mußte seine Mittagspause drangeben um das Bild vom Bowtruckle fertigzustellen, und mittlerweile hatten ihnen die Professoren McGonagall, Rauhe-Pritsche und Sinistra noch mehr Hausaufgaben aufgegeben, für die es wegen seines zweiten Arrest bei Umbridge keine Aussicht gab, daß er sie an diesen Abend fertigstellen könnte. Um der Sache die Krone aufzusetzen, spürte ihn Angelina Johnson nach dem Abendessen wieder auf, und sagte ihm, nachdem sie erfahren hatte daß er die Hüter-Probespiele am Freitag nicht besuchen könne, sie sei von seiner Haltung nicht besonders beeindruckt und sie erwarte von Mitspielern, die im Team bleiben wollten, das Training vor ihre anderen Verpflichtungen zu stellen.

»Ich habe Arrest!«schrie Harry ihr nach, als sie davonstolzierte.»Meinst du, ich steckte lieber mit dieser alten Kröte in einem Raum als Quidditch zu spielen?«

»Jedenfalls ist es nur Schreiben,«sagte Hermine tröstend, als Harry in seine Bank zurücksank und auf sein Steak und die Nierenpastete herabsah, an denen er nun nicht mehr viel Gefallen fand.»Es ist nicht so, als wäre es eine wirklich schreckliche Strafe…

Harry öffnete seinen Mund, schloß ihn wieder und nickte. Er war nicht ganz sicher, warum er Ron und Hermine nicht genau erzählte was in Umbridge«s Zimmer geschah: Er wußte nur, daß er ihre Schreckensblicke nicht sehen wollte; das würde alles noch schlimmer erscheinen lassen und damit schwerer zu ertragen. Er fühlte auch dunkel, daß dies eine Sache zwischen ihm und Umbridge war, eine private Schlacht des Willens, und er würde ihr nicht die Befriedigung geben zu hören, daß er sich darüber beklagt hatte.

»Ich kann nicht glauben, wieviel Hausaufgaben wir aufhaben,«sagte Ron bedrückt.

»Warum hast du gestern Abend keine gemacht?«fragte ihn Hermine.»Wo warst du übrigens?«

»Ich war… ich habe einen Spaziergang genossen,«sagte Ron verschlagen.