Hotel Thrupp
6. Dezember 1914
Liebe Mrs. Van Tassel,
ich weiß nicht, ob dieser Brief Sie erreichen wird. Ich sprach heute morgen zufällig mit Gerard Moxon, und er sagte mir, daß Sie nach Exeter zurückgekehrt seien. Meine liebe Mrs. Van Tassel, was ist geschehen? Ihr Gatte erzählt, Ihre Schwester sei schwer erkrankt, und Sie seien mit den Kindern zu ihr gefahren, um sie zu pflegen. Wenn das zutrifft, kann ich Ihnen nicht sagen, wie leid es mir tut. Aber ich muß Ihnen gestehen, daß Mr. Moxon mir im Vertrauen etwas anderes andeutete. (Ich werde diese vertrauliche Mitteilung selbstverständlich für mich behalten; für Mr. Moxon allerdings kann ich die Hand nicht ins Feuer legen; ich habe den Eindruck, daß er – ohne jeden bösen Willen! – nicht fähig ist, ein Geheimnis zu bewahren.) Mrs. Van Tassel, wenn es stimmt, was Mr. Moxon mir angedeutet hat, so bedauere ich es tief. Bitte schreiben Sie mir, ob er und ich vielleicht falsch unterrichtet sind. Ich möchte Ihnen auf keinen Fall zu nahe treten, und ich bin überzeugt, Sie haben Thrupp aus gewichtigem Grund verlassen, aber wenn es in der Tat eheliche Streitigkeiten gibt, so bitte ich Sie dringend, diese unter allen Umständen beizulegen. Es kann weder zu Ihrem noch zum Wohl der Kinder sein, fern von Ihrem Zuhause leben zu müssen.
Ich bin Ihretwegen um so tiefer bekümmert, als Ihr Gatte seine Bewerbung um den Posten des Collegevorstands zurückgezogen hat und ich nun vor zwei Tagen in dieses Amt gewählt wurde. Ich habe bis zum 11. Dezember Zeit, mich zu entscheiden, ob ich die Wahl annehme oder nicht. Ich kann diese Entscheidung nicht ohne ein Wort von Ihnen treffen. Ich hoffe aus tiefstem Herzen, daß ich nicht irgendwie an dem Bruch zwischen Ihnen und Ihrem Gatten schuld bin oder ihn zu diesem Sinneswandel veranlaßte. Ich bitte Sie, beruhigen Sie mich in dieser Hinsicht, und lassen Sie es mich unbedingt wissen, wenn Sie nicht möchten, daß ich den Posten annehme. Keinesfalls möchte ich aus der schwierigen Situation eines anderen Kapital schlagen.
Ihr Gatte hat den Betroffenen schriftlich mitgeteilt, daß er alle Gedanken an den Posten des Collegevorstands aufgegeben habe, um sich besser um seine Pflichten als Abteilungsleiter kümmern zu können. Es fällt mir schwer, das zu glauben, denn ich hatte zum einen den Eindruck, daß Ihr Gatte besagte Pflichten mühelos erfüllt, zum anderen weiß ich, wieviel ihm daran lag, den Posten des Vorstands zu übernehmen.
Ihr ergebener und besorgter Freund
Phillip Asher