KAPITEL 21

Als King und Michelle zurück zu ihrem Wagen gingen, wurden sie von Lulu begleitet.

»Junior ist ein feiner Kerl. Er liebt die Kinder und mich«, sagte sie. »Er arbeitet hart, aber er weiß, dass es nicht gut für ihn aussieht, und das macht ihm schwer zu schaffen.« Sie stieß einen Seufzer aus. »Dabei lief alles so gut – vielleicht zu gut. Ich habe einen prima Job, und Junior hat mehr Aufträge, als er bewältigen kann. Wir bauen uns ein eigenes Haus, und die Kinder kommen in der Schule gut zurecht. Ja, vielleicht ist alles viel zu gut gelaufen.«

»Sie haben Ihren Mädchennamen behalten?«, fragte Michelle.

»Ich habe keine Brüder«, erklärte Lulu. »Und meine Schwestern haben die Namen ihrer Männer angenommen. Ich wollte die Oxleys noch eine Weile am Leben erhalten, zumindest so lange, wie ich lebe.«

»Sie arbeiten im Aphrodisia, nicht wahr?«, sagte King.

Sie sah ihn verblüfft an. »Woher wissen Sie das?« Dann lächelte sie. »Erzählen Sie mir nicht, dass Sie schon mal dort waren.«

King erwiderte das Lächeln. »Einmal. Vor Jahren.«

»Als ich dort anfing, war es kaum mehr als ein Bordell. Damals hieß es Love Shack, nach dem Song von B-52. Aber ich habe erkannt, dass der Laden wesentlich mehr Potenzial hat. Im Laufe der Jahre haben wir ihn in einen netten Club verwandelt. Okay, wir haben immer noch die Tänzerinnen und das ganze Drum und Dran, aber das ist nur ein Teil des Geschäfts, das im alten Gebäude läuft. Junior hat sich um die Neubauten gekümmert. Sie sollten sich mal die Einrichtung ansehen. Jetzt gibt es Holzsäulen, hübsche Stuckarbeiten, feine Vorhänge und Tapeten. Wir haben ein richtig gutes Restaurant, einen Billardraum und ein Kartenspielzimmer, ein Kino und eine erstklassige Bar mit Raucherecke. Und wir haben gerade einen Club für Geschäftsleute aus der Umgebung eröffnet. Sie wissen schon, einen Treffpunkt, an dem sie Netzwerke knüpfen können. Wir haben Internetzugang und ein Business-Center. Unsere Einnahmen sind im letzten Jahr um sechsundachtzig Prozent gestiegen. Und ich habe auch schon darauf gedrängt, den Namen zu ändern. Er soll etwas…«

»Geschmackvoller klingen?«, schlug Michelle vor.

»Ja«, sagte Lulu. »Mir gehört ein Anteil, also ist der Laden die Altersvorsorge für Junior und mich. Ich möchte, dass der Club so viel Gewinn wie möglich abwirft. Ich habe die Kosten und die Verschuldung im Griff, einen satten Umsatz und praktisch keine direkte Konkurrenz. Und unsere Zielgruppe ist Gold wert: gut verdienende Männer, die sich nicht groß Gedanken darüber machen, wie viel sie ausgeben. Sie sollten sich mal unseren Umsatz im Vergleich zu früheren Zeiten ansehen.«

»Sie reden wie eine echte Geschäftsfrau«, sagte Michelle.

»So habe ich aber nicht angefangen. Ich hab nicht mal die Highschool abgeschlossen. Mein Vater hatte eine Gehirnblutung, als ich sechzehn war. Ich musste zu Hause bleiben, um ihn zu pflegen. Ich war wohl keine gute Krankenschwester, denn er starb bald darauf. Aber dann heiratete ich Junior, holte meinen Abschluss nach und belegte Kurse in Betriebswirtschaft an der Abendschule. In dieser Zeit hatte ich einen Nebenjob im Love Shack. Als Kellnerin«, fügte sie rasch hinzu. »Ich besitze nicht die nötige körperliche Ausstattung, um als Tänzerin arbeiten zu können. Ich hab mich nach oben gekämpft, alles über das Geschäft gelernt, und irgendwann hatte ich’s geschafft.«

»Vor kurzem wurde eine Ihrer Tänzerinnen ermordet«, sagte King.

Lulu erstarrte. »Woher wissen Sie davon?«

»Wir sind so etwas wie Berater für Todd Williams«, erklärte King.

»Sie war eine unserer ehemaligen Tänzerinnen«, stellte Lulu richtig.

»Haben Sie sie gekannt?«, fragte Michelle.

»Kaum. Die Mädchen wechseln häufig. Die meisten bleiben nicht sehr lange, was wohl in der Natur des Jobs liegt. Und wir halten uns an die Regeln. Wir erlauben ihnen nur zu tanzen. Wir wollen unsere Lizenz nicht verlieren, nur weil ein Mädchen sich nebenbei etwas dazuverdienen möchte und die Beine breit macht.«

»Gehörte Rhonda Tyler zu diesen Mädchen? Hatte sie deshalb aufgehört?«, fragte Michelle.

»Ich habe der Polizei schon alles gesagt. Gibt es einen Grund, dass ich Ihnen noch mal dasselbe erzähle?«

»Nein«, sagte King.

»Gut, weil ich nämlich genügend eigene Probleme habe und mich nicht zusätzlich um irgendeine Frau kümmern kann, die sich ermorden lässt.«

»Ich bezweifle, dass der Mord mit ihrer Einwilligung geschehen ist«, sagte Michelle.

»Schätzchen«, sagte Lulu. »Ich bin schon lange genug in diesem Geschäft und habe genug gesehen, dass mich nichts mehr überraschen kann.«

»Ich habe genau dasselbe gedacht«, sagte King.

Als sie mit dem Lexus losfuhren, blickte Lulu ihnen nach und ging dann in den Wohnwagen.

Michelle beobachtete sie im Seitenspiegel. »Sie sagt, sie hätte die Frau kaum gekannt, aber sie konnte sie anhand eines Phantombilds identifizieren, und sie wusste von der Tätowierung am Oberschenkel. Findest du nicht auch, dass das widersprüchlich klingt?«

»Könnte sein«, sagte King.

»Und Junior mag zwar zu blöd sein, um etwas mit Schuldverschreibungen und Schmuck anfangen zu können, aber seine Frau ist gerissen genug, um so was zu verkaufen und einen ordentlichen Gewinn einzustreichen.«

»Wenn das stimmt, wäre unser Mandant schuldig.«

Michelle zuckte die Schultern. »Das kann einem in unserem Job manchmal passieren. Was kommt jetzt?«

»Wir versuchen herauszufinden, wer die Geheimfächer in den Ankleidezimmern der Battles eingebaut hat. Wir überprüfen die Alibis von Juniors Freunden, und wir informieren Harry darüber, was wir bisher erreicht haben.«

»Und warten darauf, dass der nächste Mord geschieht«, fügte Michelle mit einem Seufzer hinzu.

Mit jedem Schlag der Stunde
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